Von Ralf Keuper

Vie­le Ban­ken spie­len der­zeit mit dem Gedan­ken, sich in Platt­for­men zu ver­wan­deln, die sich gegen Ama­zon, Goog­le & Co. behaup­ten kön­nen. In Finanz­fra­gen wol­len sie auch wei­ter­hin die ers­te Anlauf­stel­le der Kun­den sein. Um dies Ziel zu errei­chen, sol­len die Daten der Kun­den ana­ly­siert und für per­so­na­li­sier­te Ange­bo­te genutzt wer­den. Sucht ein Kun­de im Inter­net nach einem bestimm­ten Pro­dukt, Ser­vice oder nach einem güns­ti­gen Haus, dann, so die Vor­stel­lung, soll die Bank sich sofort ein­schal­ten kön­nen (Vgl. dazu: Digi­ta­le Ban­king-Ser­vices erfolg­reich ver­mit­teln). Auf die­se Wei­se kann einer Abwan­de­rung der Kun­den zu Mit­be­wer­bern ent­ge­gen­wirkt und die Kun­den­bin­dung gestärkt wer­den. Die Kun­den müss­ten zuvor ihr Ein­ver­ständ­nis gege­ben haben, dass ihre Daten für sol­che Zwe­cke ver­wen­det wer­den dürfen.

Im Grun­de läuft das dar­auf hin­aus, dass die Ban­ken in direk­te Kon­kur­renz zu den gro­ßen digi­ta­len Platt­for­men tre­ten, die bis­lang die Kun­den­schnitt­stel­le im Inter­net mit ihren Pro­duk­ten und Ser­vices domi­nie­ren. Mit der Ver­brei­tung von Apple Pay und Goog­le Pay wird sich dar­an wenig ändern – eher im Gegenteil.

Wie auch immer.

Den Wett­lauf in Sachen Datenanalyse/​Tracking mit Goog­le & Co. kön­nen die Ban­ken auf abseh­ba­re Zeit nicht gewin­nen – weder tech­no­lo­gisch noch organisatorisch.

Statt zu ver­su­chen, über­mäch­ti­ge Mit­be­wer­ber mit deren eige­nen Waf­fen zu schla­gen, wäre die Wie­der­be­le­bung der Ban­ken in ihrer Funk­ti­on als Treu­hän­der und Risi­ko­ma­na­ger erfolgs­ver­spre­chen­der; mit Blick auf die Bestre­bun­gen der chi­ne­si­schen Regie­rung mit ihrem Sozi­al­kre­dit­sys­tem, wie auch auf­grund der Tat­sa­che, dass auch in west­li­chen Län­dern ähn­li­che Sys­te­me in naher Zukunft denk­bar sind (Vgl. dazu: Über­wa­chung: Umfas­sen­des Social Sco­ring wie in Chi­na ist auch bei uns mög­lich), ist die Zeit reif für eine Renais­sance des Bank­ge­heim­nis­ses – für ein Bank­ge­heim­nis 4.0 (Vgl. dazu: Digi­ta­les Bank­ge­heim­nis 4.0 – ein neu­es Geschäfts­feld? Ban­ken als Schutz vor der tota­len Über­wa­chung). Ban­ken wür­den sich dar­auf kon­zen­trie­ren, ihre Kun­den vor dem Aus­spä­hen durch pri­vat­wirt­schaft­li­che Unter­neh­men und staat­li­che Insti­tu­tio­nen – so weit wie mög­lich – zu schüt­zen. Hier­für sind ent­spre­chen­de Inves­ti­tio­nen in Tech­no­lo­gien (Künst­li­che Intel­li­genz, Cyber­se­cu­ri­ty) und Per­so­nal nötig. Die Ban­ken fun­gie­ren dabei als Algo­rith­mic Guar­di­an, d.h. sie sor­gen dafür, dass die Kun­den nicht Opfer von Dis­kri­mi­nie­run­gen oder ande­rer Benach­tei­li­gun­gen durch Algo­rith­men wer­den. Aber nicht nur die Kun­den selbst, auch ihre Gerä­te (Smart Home, Con­nec­ted Car) und Maschi­nen (IoT, Indus­trie 4.0) bedür­fen des Schut­zes. Zugang zu den Maschi­nen und Gerä­ten bekom­men nur ver­trau­ens­wür­di­ge Per­so­nen oder Gerä­te. Hier­für wer­den Score-Wer­te für Maschi­nen, Per­so­nen oder Unter­neh­men ein­ge­setzt. Die­se Score-Wer­te sind nicht unab­än­der­lich und end­gül­tig. Es muss die Mög­lich­keit bestehen, Wider­spruch ein­zu­le­gen und ande­re Quel­len zur Bewer­tung der Ver­trau­ens­wür­dig­keit hin­zu zu zie­hen; ein wei­te­res, gro­ßes Auf­ga­ben­feld für die Banken.

Wenn wir in die­sem Zusam­men­hang von Ban­ken spre­chen, sind damit nicht zwangs­läu­fig die heu­ti­gen gemeint. Es ist durch­aus denk­bar, dass wir in den nächs­ten Jah­ren die Grün­dung neu­er Ban­ken erle­ben wer­den. Ob die Block­chain-Tech­no­lo­gie dabei eine her­aus­ge­ho­be­ne Rol­le spielt, muss sich noch zei­gen. Jeden­falls benö­ti­gen die­se Ban­ken eine tech­no­lo­gi­sche Infra­struk­tur, die sie und ihre Kun­den unabhängig(er) von den digi­ta­len Platt­for­men macht. Zu Ende gedacht wür­de die­ses Sze­na­rio auf das Inter­net of Me hin­aus laufen.

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