Bankenaufsicht: Blickverschiebung von den Banken hin zu digitalen Plattformen und zur Blockchain

Von Ralf Keuper

Bedingt dadurch, dass sich die Branchenstruktur im Banking als Folge der fortschreitenden Digitalisierung in den nächsten Jahren deutlich wandelt, wird sich die Bankenaufsicht neu aufstellen müssen (Vgl. dazu: Makroprudenzielle Bankaufsicht 2.0 & Szenarien für die Bankenaufsicht der Zukunft: Zwischen Systemrelevanz und skalenfreien Netzwerken).

Wenn sich weite Teile des Zahlungsverkehrs, der Kreditvergabe und Finanzierung auf Plattformen oder andere Kommunikationskanäle (Blockchain, IoT, P2P) verlagern, dann fallen die für die Bankenaufsicht relevanten Daten genau hier und nur noch im geringeren Umfang bei den Banken an. Banken haben in den letzten Jahren ihre einstmals unangefochtene Rolle als Clearingstelle und Beobachtungsinstanz für die Informationsflüsse in der Wirtschaft verloren (Vgl. dazu: Banken als Clearingstelle der Wirtschaft: Es war einmal …).

Insofern ist es nur konsequent, wenn sich der Chef der Bafin, Felix Hufeld, wie in seiner kürzlich gehaltenen Rede Digitalisierung – Chancen und Risiken in der Kredit- und Versicherungswirtschaft in Bochum, Gedanken zur Zukunft der Bankenaufsicht macht. Darin stellte er fünf Thesen für die Zukunft der Finanzwelt auf:

  • These 1: Die Digitalisierung wird den Zwang, fokussiertere Geschäftsmodelle zu entwickeln, maßgeblich beschleunigen.
  • These 2: Die Digitalisierung forciert nochmals den Kampf um die Kundenschnittstelle.
  • These 3: Künstliche Intelligenz kann menschliche Verantwortung nicht ersetzen.
  • These 4: Die Digitalisierung erfordert von Regulierern und Aufsehern mehr denn je multilaterale Vorgehensweisen. Und abschließend:
  • These 5: Wir wissen heute noch nicht genau, wen wir eigentlich künftig beaufsichtigen werden. Menschen, Maschinen oder Infrastrukturen?

Die von ihm als Bigtech bezeichneten digitalen Plattformen, wie Google, Amazon, Alibaba, Apple, Tencent, SoftBank, Samsung und facebook,  haben die Kundenschnittstelle schon längst in ihren Besitz genommen. Sofern Google & Co. ihre Aktivitäten im Banking weiter ausdehnen, sieht es für die Banken eher schlecht aus:

So mancher etablierten Bank und so manchem klassischen Versicherer droht bei einem Markteintritt der Bigtechs, viel Ertragspotenzial und vor allem die Kenntnis über ihre Kunden aus erster Hand verloren zu gehen. Insbesondere die kleineren und mittleren Kreditinstitute, die sich nicht selbst zu einer Plattform weiterentwickeln können, laufen außerdem Gefahr, den Anschluss zu verlieren.

Für einige dieser Unternehmen könnte nur die Rolle als hochfokussierter Spezialanbieter übrig bleiben. Dass inzwischen auch Vergleichsplattformen erkannt haben, welche Möglichkeiten ihnen Open Banking und der Trend zur Platformication auf den Finanzmärkten bieten, wird den Wettbewerb um die Kundenschnittstelle zusätzlich verschärfen. Schwieriger ist es, Prognosen darüber anzustellen, wie sich dieser Wettbewerb genau entwickeln wird.

Aktuelle und künftige Herausforderungen der Bankenaufsicht:

 „Wen beaufsichtigen wir eigentlich künftig? Werden es Menschen, Maschinen oder Infrastrukturen sein?“ Noch stehen bei der BaFin vor allem Finanzintermediäre im Fokus. Noch! In Zukunft werden wir es aber verstärkt mit dezentralen Ökosystemen zu tun haben, die ohne Intermediäre auskommen. Um diesen Perspektivwechsel zu verstehen, müssen wir zunächst eine einheitliche Auffassung darüber bekommen, was solche Ökosysteme für Regulierung und Aufsicht bedeuten.

Sonderfall Blockchain:

Käme es tatsächlich in weiten Teilen zu einer Blockchain-Ökonomie, also zu dezentralen Ökosystemen, dann brauchten auch Regulierung und Aufsicht ein Update. Zudem erwarte ich, dass alleine schon die Aufspaltung von Wertschöpfungsketten Teile der bisherigen Aufsichtspraxis in Frage stellen wird. Die BaFin stellt ihre Strukturen regelmäßig auf den Prüfstand. Unter anderem haben wir das Referat „Finanztechnologische Innovationen“ geschaffen, das eine Hub-Funktion für digitale Themen wahrnimmt.

Die Rede zeigt, dass man bei der Bafin die Herausforderungen erkannt hat. Bei den Banken und ihren Strategie- und IT-Beratern hat man häufig nicht den Eindruck.

Es ist allerdings fraglich, ob die Blockchain zu mehr Dezentralisierung führen wird. Eher ist davon auszugehen, dass sich hier wiederholt, was schon beim Web 1.0 und Web 2.0 zu beobachten war: Die Bildung großer Einheiten und Machtkonzentrationen. Samsung, Google, Amazon, Tencent, Microsoft, Alibaba & Co. haben das Potenzial der Blockchain erkannt und, wie im Fall Samsung, branchenübergreifende Lösungen, entwickelt (Vgl. dazu: Technologiekonzerne bringen die Blockchain unter ihre Kontrolle).

Der Grund weshalb sich Amazon, Samsung & Co. für die Blockchain interessieren ist der, dass sich hiermit ein weiterer Kommunikations- und Informationskanal auftut. Aber das ist nur eine Variante. Wichtiger sind die Informationen, die über die verschiedenen technischen Objekte (Autos, Maschinen, Haushaltsgeräte) verarbeitet und verbreitet werden. Da diese fast immer in irgendeiner Form von Menschen bedient oder nachgefragt werden und über ihren Verarbeitungszustand einen Blick in Echtzeit in die Wirtschaft erlauben, bekommen Samsung & Co. eine Sicht, die weit von dem entfernt ist, was eine nationale oder auch europäische Bankenaufsicht jemals erreichen kann.

Diese Problematik, da hat Hufeld recht, geht jedoch weit über Fragen der Bankenaufsicht hinaus und betrifft das Wettbewerbs- und Kartellrecht.

Solange jedoch die Frage nach dem Eigentum der Daten, die von Personen und Maschinen erzeugt werden, nicht befriedigend geklärt ist, werden die Plattformen oder Bigtechs kaum zu stoppen sein – schon gar nicht von den Banken und ganz gewiss auch nicht von den Fintech-Startups. Erst wenn Daten als schützenswerte Vermögenswerte anerkannt und auch so behandelt werden, könnte sich das Blatt wenden, und neue bankähnliche Institutionen die Rolle übernehmen, die von ihren Vorgängern ausgefüllt wurde.

Dann kann auch die Banken- bzw. Data Banking – Aufsicht ihre Wirkung entfalten.

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New Banking trifft Drei-Welten-Lehre (Karl Popper)

Von Ralf Keuper

Welche Wechselbeziehung besteht zwischen der materiellen und immateriellen Welt und wie wirkt sich das auf die Lebenswirklichkeit der Menschen aus? Diese Frage beschäftigt die Philosophen seit der Antike. In neuerer Zeit hat sich vor allem Karl R. Popper mit dem Thema beschäftigt. Ergebnis ist die sog. Drei-Welten-Lehre.

  • Welt 1: die physikalische Welt materieller Objekte, z. B. Berge, Autos, Häuser.
  • Welt 2: die mentale Welt subjektiver Bewusstseinsinhalte, z. B. Gedanken, Gefühle, Empfindungen.
  • Welt 3; die intersubjektive Welt intersubjektiver Ideen, z.B. mathematische  Sätze, Ideologien, die Drei-Welten-Lehre.

Beispiel Bauplan eines Hauses: Das erstellte Haus und der Bauplan sind Bestandteile der Welt 1. Die Vorstellungen, wie das Haus konkret gebaut und aussehen soll, sind Inhalte von Welt3, das Bewusstsein, die Psyche des Baumeisters, der mit seinen Mitarbeitern die Planungen umsetzt, ist Teil der Welt2 (in: Die “3 Welten – Theorie” – Karl Popper).

Übertragen auf das Banking:

  • Die Welt 1 wird repräsentiert durch (Bank-)Gebäude, IT-Infrastruktur/Hardware, Software, Banknoten, Formulare, Dokumente etc.
  • Die Welt 2 ist die mentale Welt der Mitarbeiter, Kunden, Bankenaufsicht, externe Partner, Medien/Öffentlichkeit etc.
  • Die Welt 3 setzt sich zusammen aus den Ideen, die gesellschaftlich eine hohe Relevanz haben, wie Kryptografie, Blockchain, Software- und IT-Architekturen, Künstliche Intelligenz, Connectivity, Theorien des Risikomanagements, Geldtheorien, Recht/Regulierung etc.

Wo müsste nun eine Bank ansetzen, um den Wandel in Folge von Veränderungen in der Welt 3 aufzufangen? Wie müsste sich die mentale Welt der Mitarbeiter, des Managements verändern? Welchen Einfluss haben Kunden und andere darauf? Was hat das wiederum für die Welt 1, die IT-Infrastruktur, Software, Filialen, GAAs usw. zur Folge?

Stand heute können wir beobachten, dass die Welt3 im Banking seit einiger Zeit von neuen Ideen, auch Hypes, beeinflusst wird. Es fällt zunehmend schwer, eine valide Auswahl zu treffen, d.h. den richtigen, dauerhaften Trend zu erkennen. Berater sind häufig keine allzu große Hilfe, da auch sie mit Veränderungen in “ihrer”relevanten Welt 3 zu kämpfen haben. Von den Medien ganz zu schweigen. Die Bankenaufsicht versucht, sich einen Reim auf die aktuellen Entwicklungen zu machen: Wie sollten Fintech-Startups behandelt werden, was könnte die Blockchain für die Bankenaufsicht bedeuten, wie können Algorithmen reguliert werden?

Sollten sich die Blockchain-Technologie, Digitale Währungen, Verfahren der Künstlichen Intelligenz (selbstlernenden Systeme, Robotic Process Automation, autonom handelnde Agenten) im Banking durchsetzen, was momentan wahrscheinlich ist, dann hat das z.T. gravierende Konsequenzen sowohl für die mentale wie auch für die physikalische Welt.

Wenn man so will, werden momentan die entscheidenden Schlachten auf der Ebene der Welt3 geschlagen. Ein Grund für das hohe Sendungsbewusstsein des Silicon Valley. Wer diese Ebene besetzt, die Deutungshoheit erringt, hat große Chancen, auch die Welt 2 und Welt 1 zu dominieren.

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Der Mensch in FinTechs – Kompetenzen von Managern als kritischer Erfolgsfaktor für den Unternehmenserfolg

 … Der FinTech Markt hat in den letzten Jahren ein Wachstum erfahren wie kaum ein anderer. Die Höhe der globalen Investitionen in FinTech-Unternehmen und Start-ups ist innerhalb eines Jahres von USD 4,05 Milliarden im Jahr 2013 auf USD 12,2 Milliarden im Jahr 2014 gestiegen. Im Jahr 2015 haben sich mit USD 22,2 Milliarden die Investitionen in diese Branche fast verdoppelt. Schätzungen zufolge werden FinTechs bis 2020 voraussichtlich mehr als 20% des  Finanzdienstleistungsgeschäfts abwickeln. Nicht nur global, sondern auch innerhalb Deutschlands haben FinTechs eine enorme Bedeutung für die Ökonomie, da sie zahlreiche Arbeitsplätze bieten und zum Bruttoinlandsprodukt beitragen. In Europa liegt der deutsche FinTechMarkt nach  Großbritannien auf dem zweiten Platz.

Doch nicht selten scheitern die FinTechs bei der Umsetzung ihrer Geschäftsmodelle und Ideen. Schätzungsweise bleiben lediglich zehn Prozent der FinTechs am Markt bestehen. Als Gründe dafür sind unter anderem die starke gesetzliche Regulierung der Branche und der hohe Wettbewerbsdruck zu nennen.

Dies wirft die Frage nach den kritischen Erfolgsfaktoren von FinTechs auf. Dazu können verschiedene Komponenten eines Geschäftsmodells und der jeweilige Einfluss auf den Unternehmenserfolg analysiert werden. Eine bedeutende Komponente des Geschäftsmodells stellen die Humanressourcen eines Unternehmens dar. Im Rahmen dieser Arbeit werden die Kompetenzen dieser Human-Ressourcen beleuchtet.

Quelle / Link: Der Mensch in FinTechs – Kompetenzen von Managern als kritischer Erfolgsfaktor für den Unternehmenserfolg

Weitere Informationen:

Personalführung, Organisation und Kommunikation: Die eigentlichen Herausforderungen der FinTech-Startups

FinTech-Startups und der “Halo-Effekt”

Handwerker, Künstler und Technokraten im Banking – Die Mischung macht’s

Startups als soziologisches Feld – Bourdieu reloaded

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B2B-Banking ohne Banken #2

Von Ralf Keuper

Mit der Verbreitung großer B2B-Plattformen, wie von Alibaba und Amazon, sind Banken in ihrer heutigen Formen für die Geschäftsabwicklung kaum noch nötig – allenfalls noch im Back End und für die Regulatorik (Vgl. dazu: B2B-Banking ohne Banken). Zu lange haben die Banken es versäumt, mittels eigener Standards und Lösungen im B2B-Segment Flagge zu zeigen (Vgl. dazu: B2B-Plattformen – eine weitere verpasste Chance der Banken). Heute sind die großen digitalen Plattformen der de-facto-Standard, an dem kaum noch ein Unternehmen oder eine Branche vorbei kommen (Vgl. dazu: Technologie- und Industriestandards beschleunigen die “Bankendämmerung” #1).

Bei der European Banking Association versucht man nun, verloren gegangenes Terrain zurückzugewinnen, wie aus Euro Banking Association calls for collaboration on B2B data sharing; sets out strategic goals hervorgeht.

Darin wird Vincent Brennan, head of group operations and payments der Bank of Ireland, mit den Worten zitiert:

Our analysis confirms that in order to truly drive innovative data propositions, digital consent management and a standardisation of data exchange are required. This will support secure and controlled accessibility of data at scale and with explicit consent given by the data owners, enabling banks and other service providers to address the emerging needs of business customers. While this may be achieved by individual banks, there is also an opportunity for industry collaboration as the set-up of digital consent management and the exchange of data requires trusted relationships amongst multiple parties.

Erst vergangene Woche regten die Chefs der ING Group und der BBVA die Etablierung der Blockchain als de-facto Standard für das Banking an, dem sich kein Marktteilnehmer mehr entziehen könne (Vgl. dazu: Blockchain – der Barcode des Banking?).

Bislang jedenfalls sind die Standards im Banking bestenfalls Stückwerk geblieben – aus unterschiedlichen Gründen. Eine Ursache ist, dass durchgängige Standards für mehr Transparenz und Wettbewerb im Banking sorgen, was nicht unbedingt im Interesse aller Banken ist (Vgl. dazu: Barcode-Lektionen für das Banking).

Wenn die B2B-Plattformen schon jetzt – im Prinzip – ohne wesentliche Beteiligung der Banken auskommen – warum sollten sie eine zusätzliche Instanz, die für Reibungsverluste und Integrationsaufwand sorgt und zudem noch ihren Service bezahlt haben möchte, am Spiel teilnehmen lassen? Könnten Funktionen wie digital consent management und data exchange nicht durch andere Anbieter erledigt werden – z.B. durch den Einsatz der Blockchain-Technologie bzw. der Distributed Ledger Technologies – man denke an IOTA, Streamr oder die zahlreichen anderen Anbieter aus dem Umfeld der Datenaustausch-Plattformen, wie AVDEX von Bigchain und Toyota? Oder durch Datengenossenschaften, die von den beteiligten Unternehmen gegründet werden?

Die Unternehmen sind nicht auf die Banken oder andere klassische Intermediäre angewiesen, um mit ihren Kunden durch den Austausch von Informationen und Daten in Kontakt zu kommen, wie u.a. in Who Will Control Data Sharing In Web-Connected Vehicles? berichtet wird. Der Beitrag erwähnt die Datenservice-Plattform Otonomo, die als neutrale Instanz zwischen den Autoherstellern und den Fahrern vermitteln will.

In Deutschland verfolgt die Initiative MyCarMyData einen ähnlichen Ansatz. In der Landwirtschaft wäre der agrirouter zu nennen.

Für Banken mit ihren komplexen Strukturen und ihrem Overhead ist in diesem Umfeld kein Bedarf – wenngleich die Idee der European Banking Associationen durchaus Charme hat – nur kommt sie um Jahre zu spät. Sie passt nicht mehr in eine Welt, die von großen digitalen Plattformen, der Industrie 4.0 mit der Möglichkeit zur Losgröße 1 und dezentralen Technologien, wie der Blockchain, geprägt ist.

Wenn Technologiekonzerne wie Samsung mit ihrer Nexledger-Plattorm, deren zentrales Element ein Service für Digitale Identitäten ist, sich global durchsetzen sollten, dann wird die Luft für Banken noch dünner. Amazon, Samsung, Apple, Alibaba & Co. verfügen über zahlreiche strategische Vorteile, da sie Software und Hardware aus einer Hand anbieten können. Sie decken irgendwann (wie Alibaba heute schon) die komplette Wertschöpfungskette ab. Die Daten, die ihnen dabei zufallen, können sie im Idealfall dafür nutzen, selber in die Produktion von Maschinen oder anderen Investitionsgütern einzusteigen.

In Cognitive Hyperconnected Digital Transformation. Internet of Things Intelligence Evolution heisst es:

It may be worth making a distinction between IoT for consumers and Industrial IoT with the first covering smart phones, fitness tracking tools etc. and the second being exploited in areas such as smart factories, smart health care etc. However, the borderline between consumer and industry is blurred as machine data allow to extract personal information. Fast advances are being made in the consumer world and a question is how this can drive innovation in the industrial space.

The industrial IoT domain summarizes everything what is outside the classical consumer domain with a strong emphasis on B2B business. In general, there is a convergence of consumer and industrial internet. We see signs of “consumerization”, for instance, in the home market through the appearance of voice control appliances like Amazon’s Alexa or Apples Homepad. Also, it is typically the case in the automotive industry in which consumer and industrial platforms are merging the concept of connected and automated driving.

Das läuft auf ein neues Betriebssystem für die globale Wirtschaft hinaus. Diese Entwicklung hat einige Parallelen zum Beginn der Industrialisierung vor ca. 150 Jahren. Die Karten werden neu gemischt. Das gilt nicht nur für die Banken.

Auch in Zukunft werden Institutionen benötigt, die das Vertrauen zwischen den Marktteilnehmern auf Basis sicherer digitaler Identitäten herstellen und das Clearing im Datenaustausch übernehmen. Das müssen jedoch keineswegs Banken im heutigen Sinne sein. Das werden neuartige Organisationsformen sein, wie Data Bank, Identity Banks oder Datengenossenschaften. Ein Trend, der sich noch verstärken wird, sollte der Eigentumsbegriff auf die Daten ausgedehnt werden.

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L. Albert Hahn: Bankier und Ökonom

Von Ralf Keuper

Bankiers, die auch als Ökonomen Gehör fanden, waren bereits in der Vergangenheit selten. Einer von ihnen war L. Albert Hahn. Der Sprößling einer alten Frankfurter Bankiersfamilie und langjährige Vorstand der Deutsche Effecten- und Wechsel-Beteiligungsgesellschaft sorgte unter Ökonomen im Jahr 1920 mit seinem Früh- und eigentlich auch Hauptwerk Economic Theory of Bank Credit für einiges Aufsehen.

With his Economic Theory of Bank Credit, which remained the most important monograph among his many writings, Hahn wanted to overcome the orthodox view that every credit has to be financed by means of savings deposited by the banks. Whereas he regarded the classical doctrine as adequate for the state of development of the economy at the time of the classical economists (of whom he gave highest praise to Ricardo), he found it most inappropriate for a modern economy with an elastic money and credit supply. The central regression line of Hahn‟s thought is the doctrine that “capital formation is not the result of saving but of the granting of credit”. Despite many later modifications and some fundamental changes of his economic views, which for some modern historians of economic thought mutated a “precursor of Keynesianism” into one of “the monetarist counterrevolution”, Hahn stuck to this view until the end of his life. (in: L. Albert Hahn’s Economic Theory of Bank Credit).

Ein Ökonomen-Kollege fasste die zentrale Aussage der Hahn’schen Geldtheorie, mit ironischem Unterton, in die Worte:

Am Anfang war die Schuld.

Dieser Linie blieb Hahn zeitlebens treu. Noch im Jahr 1962 sagte er anlässlich der Verleihung des Ehrendoktors der Universität Marburg:

All expansion of credit causes an expansion of goods due a change in their distribution. Credit takes the goods out of nothing, where they would have remained without credit extension.

Nach dem 2. Weltkrieg nahm Hahn auch zu währungspolitischen Fragen Stellung, wie im Jahr 1957 in dem Beitrag Die Kaufkraft stabil halten!.

Darin plädierte er für eine währungspolitische Relativitätstheorie:

Die dauernden Ermahnungen der anderen, Deutschland möge aufwerten, und der Deutschen, die anderen sollten gefälligst abwerten, erscheint mir reichlich platonisch. Denn es gilt eine Art von währungspolitischer Relativitätstheorie. Es kommt nämlich nur auf die Währungsrelationen an, und es ist gleichgültig, ob die Vergrößerung des Abstandes durch Heraufsetzung der einen oder Heruntersetzung der andern hergestellt wird.

Im Jahr 2009 gab der Frankfurter Bankier Michael Hauck das Buch Albert Hahn: Ein verstoßener Sohn Frankfurts, Bankier und Wissenschaftler. Eine Dokumentation heraus, das in der FAZ in dem Beitrag Ökonom. Bankier. Frankfurter besprochen wurde. 

Trotz einiger Unterschiede befand sich Hahn mit seiner Geldtheorie in etwa auf einer Linie mit Wicksell und Schumpeter:

Hahn is in a line with Wicksell and Schumpeter in emphasizing the importance of credit for a modern economy. Banks are producers of credit which is not limited by the amount of saving. Interest is not the price which equalizes savings with the demand for credit but the price for a higher liquidity. Demand for credit creates its own supply. Capital was seen by Hahn as the result of credit creation and not of saving.

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Samsung nimmt Digitale Identitäten ins Visier

Von Ralf Keuper

Der koreanische Samsung-Konzern hat in letzter Zeit einen ganzen Strauß an Blockchain-Lösungen entwickelt. Der IT-Provider des Konzerns, SDS, bietet Lösungen für verschiedene Branchen an. Darunter Nexledger, Nexplant, Nexshop und – neuerdings – Nexfinance.

Mit Nexfinance richtet sich Samsung an die Finanzbranche. Wesentlicher Bestandteil der Lösung ist der Nexfinance Digital Identity Service. Nexfinance ist als offene Plattform konzipiert. Laut Samsung eröffnet eine innovative Finanzplattform ist Nexfinance eine modifizierte Variante von Nexledger. Darin wurde bereits ein digital identity service implementiert. Momentan arbeitet Samsung SDS mit koreanischen Banken an einer Blockchain zur Identifizierung von Nutzern.

In Samsung launches blockchain-based finance platform wird auf die Ambitionen von Microsoft im Bereich Digitale Identitäten hingewiesen (Vgl. dazu: Microsoft auf dem Weg zum Hub für Digitale Identitäten). Zusammen mit Accenture, IBM und der UNO hat sich Microsoft an der ID220 Initiative beteiligt. ID2020 soll so etwas wie der globale Standard für Digitale Identitäten werden.

Fest steht: Die großen Technologiekonzerne haben das Thema Digitale Identitäten und Blockchain für sich entdeckt. Weitere Initiativen, davon kann man ausgehen, werden folgen. Damit wird der Spielraum für die Banken, die – neben dem Staat – eigentlich die erste Anlaufstelle für Digitale Identitäten sein sollte, (noch) kleiner.

Crosspost von Identity Economy

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IOTA und Norwegens größter Finanzdienstleister planen Zusammenarbeit in der Datenökonomie

Von Ralf Keuper

Es gibt Meldungen, die sollte man nicht überbewerten. Dazu gehört m.E. die, wonach IOTA und Norwegens größter Finanzdienstleister DNB ein Memorandum of Understanding unterschrieben haben, worüber in IOTA: Kooperation mit norwegischer Bank DNB soll neue DLT-Möglichkeiten im Bereich IoT und M2M bringen berichtet wird. Andererseits jedoch steht die Meldung für einen Wandel, der das Banking zu einem Bestandteil des Internet of Things machen wird. IOTA wirbt mit der Machine Economy. Demzufolge werden Maschinen in der Lage sein, andere Maschinen zu beauftragen und zu bezahlen.

DNB ist bereits Mitglied des R3-Konsortiums. Mit einer öffentlichen Distributed Ledger Technology hatte man bislang noch keine Erfahrungen. DNB wird auch der Datenmarkt – Initiative von IOTA beitreten. DNB erhofft sich Anregungen für neue Geschäftsmodelle im Internet der Dinge. Ein weiterer Grund für die Zusammenarbeit ist die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), welche die Rechter der Nutzer an ihren Daten stärkt.

The Bank and IOTA will proactively engage with their respective ecosystems of stakeholders to co-create and explore new business models across industries. IOTA’s growing agenda around privacy and personal data management — ‘GDPR as an opportunity’, is also a prioritized area for the cooperation. The two organisations will seek to catalyze the exploration of IOTA in and from Norway via cross silo hackathon and thus contribute the positioning of DNB towards this new landscape of smart innovation (in: DNB teams up with IOTA to explore 
the Economy of Things and MyData / ‘GDPR as an opportunity’).

In der Industrie wird die Frage nach der Behandlung personenbezogener und nicht-personenbezogener Daten noch kontrovers diskutiert. Sollte sich hier ein Eigentum an den Daten bilden, dann werden neue Geschäftsmodelle und Rollen die Folge sein.

Neben IOTA sind mittlerweile auch andere Initiativen, wie Streamr und Weeve dabei, Datenmarktplätze für das Internet der Dinge zu errichten. Insofern ist es nicht verkehrt, wenn Banken sich mit dem Thema beschäftigen, da nirgendwo sonst so viele Daten anfallen werden, wie im Internet der Dinge. Ob die Machine Economy Banken wie wir sie heute noch kennen benötigt, darf indes bezweifelt werden.

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Blockchain – der Barcode des Banking?

Von Ralf Keuper

Nach Ansicht des Chefs der ING Group, Ralph Hamers, hat die Blockchain das Potenzial, der globale Standard für das Banking werden. Die DWN zitieren Hamers mit den Worten:

Wenn die fünf führenden sechs globalen Banken sich darauf festlegen und sich auf einen Standard einigen würden, könnte man diesen Standard dem Globus aufzwingen.

Demnach könnte die Blockchain so etwas wie der Barcode des Banking werden. In The Rise and Success of the Barcode: some lessons for Financial Services schreibt Alistair Milne über die Erfolgsgeschichte des Barcodes:

This standardization, together with the adoption of that humble but crucial component of the global supply chain the shipping container, underpins modern international trade. In the subsequent 30 years companies have come to rely on electronic recording and communication to provide extraordinary visibility of their global supply chains. Consignments can now be tracked by location and interventions – initial orders, response to delays, financing and payments – can carried out promptly and appropriately. The consequence has been a transformative, reducing costs and delays and radically improving quality standards.

Da haben sich Hamers und sein Kollege von der BBVA, Carlos Torres Vila, einiges vorgenommen. In dem genannten Beitrag benennt der Autor die Gründe dafür, weshalb es den Banken bis dato nicht gelungen ist, so etwas wie einen globalen Standard für das Banking zu etablieren. Ein Grund ist, dass einige Banken kein allzu großes Interesse an zunehmendem Wettbewerb und mehr Transparenz haben:

For individual firms in many, although not all, financial markets and financial transactions, the cost and efficiency benefits of standardization are not nearly large enough to outweigh the potential threat to revenues from increased competition. The virtuous circle found in the supply chain — of development and adoption of standards in the supply encouraging more development and adoption – is not present in most areas of financial services.

Überhaupt: Welche Art von Informationen soll über die Banken-Blockchain transferiert werden, die nicht schon über andere Kanäle im Internet bereitgestellt werden, wie will man die Lösung der Wirtschaft, d.h der Industrie, dem Handel und den Internetkonzernen, aufzwingen? Sind die Banken überhaupt noch in der Position? Wohl kaum. Amazon, Google, Microsoft, Alibaba, Tencent & Co. arbeiten derzeit selber intensiv an blockchain-basierten Lösungen und de-facto-Standards. Vor wenigen Tagen erst vermeldete Baidu eine Superchain entwickelt zu haben. Sollten demnächst Maschinen, wie in der Machine Economy vorgesehen, sich gegenseitig beauftragen und bezahlen können, wo ist das noch Platz für eine weitere Blockchain neben IOTA, Streamr und Weeve – ganz abgesehen von den Initiativen der Industrieunternehmen und der Internetkonzerne, die ganz gewiss nicht mit zusehen werden, wie einige Banken ihnen einen Standard aufdrücken wollen.

Was soll die Banken-Blockchain können, was die anderen nicht können? Welches unverzichtbare, nicht-kopierbare Know How, welche Expertise, sowohl technologischer wie organisatorischer Art wollen die Banken in die Waagschale werfen? Warum soll mit der Blockchain gelingen, was Jahrzehnte zuvor unter ungleich besseren Bedingungen nicht vollbracht werden konnte  – noch dazu, da es sich bei der Blockchain – ihrem Wesen nach – um eine dezentrale Technologie handelt.

Hamers räumt in einem Interview mit CNBC ein, dass das Banking in der Internetökonomie nur ein untergeordneter, nachrangiger Bestandteil sei, weshalb das Zahlungsgeschäft für die Internetkonzerne nur ein Mittel zum Zweck ist. Sie haben das Ganze im Blick. Google & Co. brauchen gar keine “echte” Bank zu werden. Sie besetzen die Schaltstellen.

In Data Standardization A Call To Action fordert JPMorgan Chase die Branche auf, sich zu einem einheitlichen Standard für den Datenaustausch durchzuringen. Das sei auch mit Blick auf neue Technologien von großer Bedeutung:

These new technologies, such as machine learning, for example, have the best outcomes when the data used in their processes is good, i.e., standardized, accurate, complete and timely. Said simply, good data in, good data and information out. Without standardized underlying data, the applied technology could be less effective and efficient, and the insights it produces less helpful and potentially incorrect.

Data standardization and harmonization is not only a critical step towards making the current financial industry more efficient; it will also provide a foundation for the implementation of new technologies and processes in the future.

Von der Blockchain ist darin übrigens nicht die Rede.

Die Banken könnten kuratierte, qualitätsgesicherte Data-Feeds (Oraclize) für die globale Blockchain bereitstellen.

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Die Deutsche Bank und das Investmentbanking: Eine verhängnisvolle Affäre mit langer Vorgeschichte

Von Ralf Keuper

Es gibt Verbindungen, die man – rückblickend betrachtet – besser nie eingegangen wäre. Dieser Gedanke dürfte bei einigen Mitarbeitern und Aktionären der Deutschen Bank in den letzten Jahren häufiger aufgetaucht sein – das betrifft vor allem die Aktivitäten der Deutschen Bank im Investmentbanking, die zahlreiche Kommentatoren für den beispiellosen Niedergang der einstigen Ikone des deutschen Finanzplatzes verantwortlich machen. Aktuelles Beispiel ist Ulrike Herrmann, die in der taz vom 5.06.18 in dem Beitrag Die deutsche Melkkuh von Wall Street & Co. schreibt, der größte Fehler der Deutschen Bank sei ihr Einstieg in das internationale Investmentbanking gewesen.

Den Beginn dieser verhängnisvollen Affäre datiert Ulrike Hermann auf den Herbst 1989, als der damalige Vorstandssprecher Alfred Herrhausen die Übernahme der renommierten Londoner Investmentbank Morgan Grenfell einfädelte. Der Rest der Geschichte ist mittlerweile bekannt: Es folgten Bankers Trust und die Anheuerung der Truppe von Edson Mitchell, was dazu führte, dass das Investmentbanking ein integraler Bestandteil des Geschäftsmodells der Deutschen Bank wurde.

Allerdings – die eigentliche Weichenstellung hin zum Investmentbanking wurde sehr viel früher vorgenommen. Ihr ging ein jahrzehntelanger Diskurs innerhalb der Führungsriege der Deutschen Bank voraus. Gegner eines Einstiegs in das internationale Investmentbanking war Hermann Josef Abs. Befürworter waren dagegen Franz-Heinz Ulrich und F. Wilhelm Christians.

Zusammen hatten die beiden letztgenannten mit der UBS im Jahr 1971 die erste europäische Investmentbank, die UBS-DB-Corporation in New York, gegründet. In einem Interview in dem Buch Borschtsch, Banken, Beuys – F. Wilhelm Christians – Der erste deutsche Investmentbanker gab Christians zu Protokoll:

Deswegen hatte ein Kollege von mir bereits in den sechziger Jahren dafür plädiert, den Sprung nach Übersee zu wagen und dort Position zu beziehen. Um liquide zu bleiben, hätten wir uns dafür allerdings von unseren Unternehmensbeteiligungen trennen müssen. Doch von dieser Notwendigkeit war Herr Abs absolut nicht zu überzeugen. Für ihn und uns alle bedeuteten die Unternehmensbeteiligungen eine erstklassige langfristige Anlage unseres Eigenkapitals. Sein Herzblut hing zu sehr an unseren Beteiligungen, zum Beispiel an Daimler. Also war die Zeit für den Sprung über den Atlantik einfach nicht reif. Wir begnügten uns zunächst mit unserer New Yorker Beteiligung.

Indes: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Christians weiter:

Aber wir hatten ja unsere intensiven Beziehungen zu den britischen Investmentbankern von Morgan Grenfell. Dieses hoch-respektable Bankhaus war für mich schon immer der Inbegriff der City gewesen, des Finanzdistrikts in London. Bereits zu der Zeit, als Herr Breuer noch Direktor unseres Wertpapiergeschäfts war, bin ich mit ihm oft nach London geflogen. Wir haben dann Nachhilfeunterricht in Sachen Investmentbanking bekommen.

Beide Seiten, so Christians, konnten von dem Wissen der anderen profitieren.

Im Laufe der Zeit traten die jeweiligen Wissenslücken ziemlich klar zutage: Die Briten gaben zu, vom Bankgeschäft auf dem Kontinent kaum etwas zu verstehen. Und wir konnten nur ahnen, welche Art von Finanzgeschäften in der City gemacht wurden. Auch vom Engagement von Morgan Grenfell im Ausland, etwa in Australien oder Südafrika, verstanden wir so gut wie nichts. So kamen wir zu der Erkenntnis, dass eine Übernahme von Morgan Grenfell durch die Deutsche Bank in der internationalen Bankenwelt kaum zu übertreffen sein würde.

Die Schlussfolgerung ist bemerkenswert. Wir blicken nicht durch, was die machen, also müssen sie gut sein, weshalb es ein erstklassiges Geschäft ist, wenn wir die Bank übernehmen.

Auch sonst konnte Christians dem Geschäft, einigen Problemen zum trotz, nur Gutes für die Gegenwart und weitere Zukunft seines Hauses abgewinnen:

Es handelte sich um zwei sehr unterschiedliche Partner, die sich aber hervorragend ergänzten. Morgan Grenfell vollständig zu integrieren, wäre zum damaligen Zeitpunkt zu früh gewesen. Wir hatten einfach noch zu wenig Erfahrung bei derartigen Integrationsprozessen. Aber wir haben dem Haus anfangs auch zu große Freiräume gegeben. Die Erkenntnisse hieraus haben uns auf jeden Fall bei der Integration von Bankers Trust geholfen.

Der Erkenntnisgewinn hat sich, wie der weitere Verlauf zeigte, in überschaubaren Grenzen gehalten.

Weitere Meilensteine waren die Sitzung in der Madrider Niederlassung im Jahr 1994, in welcher der Einstieg in das globale Investmentbanking offiziell beschlossen wurde (Vgl. dazu: Deutsche Bank: Die Geschichte eines Untergangs (SPIEGEL-Titelgeschichte)) sowie Jahre zuvor, 1986. Zu dem Zeitpunkt verkündete Alfred Herrhausen vor der Presse

wir müssen mit einer neuen Strategie ein rund um den Globus agierender Finanzmulti werden. … Wir sind über den Rubikon hinaus und müssen international denken (siehe: Als die Deutsche Bank dem Duft der großen weiten Investmentbanking-Welt folgte).

Zuvor gründete die Deutsche Bank in London die Deutsche Bank Capital Markets Limited (DBCM).

Häufig wird so getan, als hätte das Investmentbanking überfallartig, innerhalb weniger Jahre, von der Deutschen Bank Besitz ergriffen. Dem ist nicht so. Es handelt sich um einen kontinuierlichen, über Jahrzehnte laufenden Prozess. Davon unbenommen ist, ob die beteiligten Personen, wie Herrhausen und Christians, mit dem weiteren Verlauf einverstanden gewesen wären. Mit Blick auf die aktuelle Verfassung der Deutschen Bank sicherlich nicht. Gut, dass sie das nicht mehr mit erleben mussten.

Zurück zur Gegenwart und zu dem eingangs erwähnten Beitrag. Darin wird die Möglichkeit durchgespielt, dass die Deutsche Bank gerettet werden muss. Ein gar nicht mal so abwegiges Szenario.

Sicher ist allerdings, dass der Staat die Deutsche Bank retten würde, falls sie kollabiert. … Noch ist die Deutsche Bank nicht bankrott. Aber es ist ein Alarmzeichen, dass es niemand seltsam findet, über den möglichen Konkurs der größten Bank Deutschlands nachzudenken.

Über einen möglichen Konkurs der Deutschen Bank wird seit längerer Zeit diskutiert und nicht erst, seitdem der Börsenkurs der Deutschen Bank um 10 Euro liegt (Vgl. dazu: Anmerkungen zur Deutschen Bank #2 – Is Deutsche Bank Kaputt?).

Sollte das Szenario der Rettung der Deutschen Bank durch den Staat eintreffen, dann dürfte der Staat die Bank in mehrere Teile zerlegen und einige davon abwickeln bzw. stilllegen. Die verbliebenen Teile könnten evtl. mit Teilen der Commerzbank zusammengelegt werden. Ergebnis wäre eine Deutsche Bank, die mit der heutigen nicht mehr viel gemein hat – vor allem nicht, was die Größe betrifft.

Obwohl das Investmentbanking eine deutsche Erfindung ist, man denke an Rothschild, Goldmann und Sachs, Lehman(n), SchrodersBarings, Kuhn & Loeb u.a., scheint es den deutschen Banken nicht zu bekommen bzw. scheint es nicht zum kontinentaleuropäischen Wirtschafts- und Bankstil zu passen.

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Barcode-Lektionen für das Banking

Von Ralf Keuper

In der kleinen Beitragsreihe Technologie- und Industriestandards beschleunigen die “Bankendämmerung” ging es darum zu zeigen, welche große Bedeutung die Durchsetzung einheitlicher, globaler Standards für den Erfolg ganzer Branchen hat. Während in der Industrie, im Handel und im E-Commerce die Unternehmen, Verbände und Gremien das Problem erkannt, und, wie im Bereich Industrie 4.0, mit OPC-UA bereits einen Standard etabliert haben, hat es die Bankenbranche nicht geschafft, etwas ähnliches auf die Beine zu stellen. Die Internetkonzerne haben mit ihren Plattformen eigene, de-facto – Standards geschaffen, die großen Einfluss auf das Banking haben und ihn weiterhin ausüben werden.

Damit drängt sich die Frage auf, warum die Banken es versäumt haben, eigene Standards für ihre Branche zu schaffen.

Barcode-Lektionen für das Banking

Eine fundierte und plausible Antwort liefert Alistair Milne in The Rise and Success of the Barcode: some lessons for Financial Services. Nach der Schilderung des Siegeszuges des Barcodes im globalen Handel, folgt der Abgleich mit der Situation im Banking. Darin kann Milne die Faktoren benennen, die für die unterschiedlichen Ausprägungen verantwortlich sind.

Auch der Barcode musste mehrere Hürden überwinden und Entwicklungsstufen durchlaufen, bis er zum de-facto-Standard für den globalen Handel wurde. Zu Beginn leuchteten dem Einzelhandel die Vorzüge des Barcodes nicht wirklich ein. Es waren  Personen wie der Supermarkt-Betreiber Robert Marsh in Ohio, der quasi im Alleingang mit der Einführung des Barcodes in seinen Läden begann, die für den entscheidenden Anstoss sorgten:

Despite an effective technology coming onto the market in the mid-1970s, the take-up of bar coding at point of sale was at first relatively slow. Manufacturers had to be persuaded to place the new coding on their products. The original laser scanning systems were expensive. The purchaser of the ten pack of Wrigley’s chewing gum in 1974 was Clyde Dawson, the research and development manager at Marsh’s supermarkets. Without the enthusiasm of individuals like Dawson and of supermarket owner Robert Marsh for technological experiment, regardless of immediate commercial payoff, initial efforts at developing point of sale scanning might never have taken place when they did.

Mit der Zeit jedoch ließen sich die Hersteller und Händler von den Vorteilen des Barcodes überzeugen. Diese bestanden in besonderer Weise in den Informationen, die auf einmal zur Verfügung standen:

Much of these benefits came from the communication of detailed sales information to management, allowing them for example to discover the impact of small price changes on sales volumes. Realisation of the large benefits from point scale scanning led to rapid adoption; by 1980 some 8,000 stores a year in the US were adopting UPC-A scanning.

Barcodes und andere Standards sorgten für mehr Transparenz und Wettbewerb im globalen Handel 

In den folgenden Jahrzehnten sorgte der Barcode zusammen mit dem Schiffscontainer für eine neue Stufe im Welthandel. Die Lieferketten wurden transparenter, der Wettbewerb nahm zu, die Kosten konnten verringert, die Qualität verbessert werden:

This standardization, together with the adoption of that humble but crucial component of the global supply chain the shipping container, underpins modern international trade. In the subsequent 30 years companies have come to rely on electronic recording and communication to provide extraordinary visibility of their global supply chains. Consignments can now be tracked by location and interventions – initial orders, response to delays, financing and payments – can carried out promptly and appropriately. The consequence has been a transformative, reducing costs and delays and radically improving quality standards.

Standards im Banking nur bruchstückhaft

Im Banking verlieft die Entwicklung dagegen anders und fragmentierter. Milne nennt als Standards, die im Banking eine gewisse Verbreitung gefunden haben, SWIFT, FIX und LEI. Letztere geht auf eine Initiative der Regulatoren zurück. Die beiden anderen gingen von den Banken selber aus.

Milne hält fest:

The experience of financial services indicates that, while standards have been adopted at global level by most participants in some particular markets and types of transaction, the adoption of standards many other aspects of financial services has been limited. FIX, while extended to provide functionality in other markets and in the post-trade environment has not become the dominant tool for communication that it is in equity market order and execution. SWIFT is essential in some contexts, in particular international payments and securities transaction messaging, but is by no means a universal standard. The uptake and application of LEI remains untested and unclear.

Grund dafür sind veraltete IT-Systeme, deren Datenbestände sich nur unter hohem (z.T. manuellen Aufwand) vereinheitlichen lassen:

A further reason for weak adoption incentives are the costs of replacing old legacy systems. The cost of change is not just purchasing new hardware and software, it is the herculean task of converting all existing loan and investment records to the new standards (this can explain why most successful examples of standards adoption in financial services – FIX and SWIFT messaging – have all been 12 about addressing critical inefficiencies in potentially profitable transaction processing, not addressing lack of functionality in the recording and management of exposures).

Eine weitere Ursache besteht darin, dass viele Banken kein Interesse an einem größeren Wettbewerb haben:

For individual firms in many, although not all, financial markets and financial transactions, the cost and efficiency benefits of standardization are not nearly large enough to outweigh the potential threat to revenues from increased competition. The virtuous circle found in the supply chain — of development and adoption of standards in the supply encouraging more development and adoption – is not present in most areas of financial services.

Dem Sog der Standards kann sich keine Branche auf Dauer entziehen

Diese Strategie funktionierte solange, wie es keine Standards gab, die – quasi über Umwege – auch im Banking für mehr Transparenz und Wettbewerb sorgen. Eine Branche, die sich dem Sog, der von globalen Standards ausgeht, zu entziehen und ihr eigenes geschlossenes System zu schützen versucht, kann das nur für einen begrenzten Zeitraum mit Erfolg durchziehen. Irgendwann wird sie von der Entwicklung in anderen Teilen der Wirtschaft und Gesellschaft eingeholt. Wenn dann noch veraltete IT-Systeme die Handlungsfähigkeit einschränken, wird die Zeit sehr schnell sehr knapp.

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