main incubator arbeitet mit Partnern am Identitätsmanagement der Zukunft

Von Ralf Keuper

Bereits im März dieses Jahres wurde auf diesem Blog über das ChainID-Projekt des main incubators, der Forschungs- und Entwicklungseinheit der Commerzbank Gruppe, berichtet und die Entwicklung und Funktionsweise eines Self-Sovereign Identity (SSI) Prototypen erstmals vorgestellt (siehe Chain ID – der SSI-Prototyp des main incubators).

Dieses Projekt wird nun mit Partnerunternehmen fortgeführt, unter denen sich zum einen die Commerzbank und einige ihrer Tochterunternehmen wie comdirect bank AG und Commerz Real AG befinden. Zum anderen beteiligen sich auch viele Unternehmen und Institutionen aus anderen Branchen, u.a. Authada, Bundesdruckerei, Creditreform, Deutsche Bahn, esatus, Hasso-Plattner-Institut und ING. Insgesamt sind bereits zwölf Unternehmen an diesem Projekt beteiligt.

Das Projekt mit dem Namen LISSI (kurz für Let’s Initiate Self-Sovereign Identity) hat sich zum Ziel gesetzt, das Thema Self-Sovereign Identity weiter zu erforschen, Know-how in der Entwicklung von Blockchain-basierten ID-Systemen aufzubauen und gemeinsam einen sehr produktnahen Prototypen zu entwickeln. Der Prototyp soll sich dabei an den sich abzeichnenden Standards des World Wide Web Consortiums “W3C” (Verifiable Credentials (VC) und Decentralised Identifiers (DID)) orientieren, um eine spätere Interoperabilität mit anderen Initiativen zu garantieren.

Der Prototyp wird als Identity Wallet App sowohl für iOS als auch Android entwickelt und ermöglicht Nutzern künftig ihre persönlichen Daten per Smartphone selbst zu verwalten. Der große Vorteil für Nutzer besteht darin, die uneingeschränkte Kontrolle über ihre eigenen Identitätsdaten zu behalten und sie nicht an Login-Dienste (wie z.B. von Facebook, Google, Verimi oder netID) zu verlieren. Darüber hinaus können Nutzer dank der Identity Wallet App eigenständig entscheiden, ob und wenn ja, welche Daten an welchen Drittanbieter für welche Dauer übermittelt werden sollen.

Technologisch baut das Ganze auf der Blockchain Technologie auf, im Speziellen dem Hyperledger Indy Framework. Ganz wichtig ist, dass die Technologie so eingesetzt wird, dass keinerlei personenbezogene Daten auf der Blockchain gespeichert werden und auch keine Hashwerte dieser. Auf der Blockchain selbst werden lediglich Informationen gespeichert, die zur Verwaltung sowie zur Überprüfung der Richtigkeit und Aktualität ausgegebener Identitäten erforderlich sind, z.B. die Definition von Identitäts-Schemata, der Public Key der Herausgeber von Identitäten und Informationen zum Widerruf einzelner Identitäten (sog. Revocation). Insofern soll die Lösung nach Angaben des main incubators auch die Anforderungen der EU DSGVO erfüllen.

Interessant sind auch die Anwendungsszenarien, die diskutiert werden. Neben einer
Nutzung als Single Sign-on Dienst und dem Austausch von Informationen für die
Vereinfachung von KYC-Prozessen wird auch die Speicherung von Ticketinformationen und die Gewährung des Zugangs zu Gebäuden verfolgt.

Der Prototyp soll bis Ende 2019 fertiggestellt und dann in mehreren Piloten
getestet werden.

Nach eigenen Angaben ist die Projektgruppe offen für weitere Partnerunternehmen.

Weitere Informationen können via E-Mail an lissi@main-incubator.com angefragt werden.

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BlackRock – Die unheimliche Macht eines Finanzkonzerns | Doku | ARTE

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Banking on Things benötigt einen neuen “ordnenden finanziellen Geist”

Von Ralf Keuper

In der Vergangenheit leisteten Bankiers häufig wertvolle Hilfestellungen, um neuen Technologien und Unternehmen zum Durchbruch zu verhelfen, wie J.P. Morgan, der früh das Potenzial der Elektrifizierung für die Wirtschaft und Gesellschaft erkannte (Vgl. dazu: J.P. Morgan – Bankier und Industrieförderer (Filmdokumentation)).

Ein weiteres Beispiel ist Carl Fürstenberg, der langjährige Chef der Berliner Handelsgesellschaft und Wegbegleiter des, wenn man so will, “deutschen Edison”, Emil Rathenau, Gründer der AEG. In seiner Autobiografie schildert Fürstenberg den Stimmungswandel in der damaligen Bankenwelt:

Als ich in das Geschäftsleben eintrat, konnten große Vermögen und hohes Ansehen nur durch Vermittlung von Staatskrediten erworben werden. Etwas später lag der Schwerpunkt alles geschäftlichen Strebens in den großen Eisenbahntransaktionen. Als Rathenau und in seinem Gefolge ich selbst sich in großem Stil der Elektrizität zuwandten, wurden wir als merkwürdige Schwärmer angesehen, wie denn auch die finanzielle Beschäftigung mit Eisen, Stahl und Kohle damals noch als Unternehmergeschäft im wilden Sinne des Wortes galt, kaum ganz würdig eines soliden Bankiers. Ich war berufen, an einer Wandlung dieser Anschauungen mitzuwirken (in: Carl Fürstenberg. Die Lebensgeschichte eines deutschen Bankiers).

Die sich in den Jahren von 1871 bis 1914 vollziehende Transformation der Wirtschaft erforderte nicht nur tatkräftige Unternehmer und weitsichtige Regierungsvertreter, wie den Generalpostdirektor des Deutschen Kaiserreiches und Gründer des Weltpostverein, Heinrich von Stephan, sondern eben auch Bankiers mit Weitsicht und Gestaltungswillen:

Ein Land wird modernen Wirtschaftsformen erschlossen, ein Eisenbahnnetz wird errichtet, eine umwälzende Erfindung der praktischen Verwertung zugeführt, eine Industrie aufgebaut. Wie wenige machen sich wohl klar, dass zu alledem nicht nur technischer Erfindungsgeist, Organisationstalent, menschliche Arbeit und politische Unterstützung gehören, sondern auch ein schaffender und ordnender finanzieller Geist. “Nervus rerum” – ein abgegriffenes Wort, und doch noch heute die beste Definition für die Rolle des Kapitals in allen Fragen der Wirtschaft!. .. Die weiten Kreisen häufig ganz unbekannte geldliche Seite der Entwicklung ist nicht immer die malerischste, aber auch nicht immer die unwichtigste (ebd.).

Heute stehen wir mit der Industrie 4.0, dem Wandel von der Produkt- hin zur Serviceorientierung, vor einer ähnlichen Herausforderung wie zu Zeiten von Carl Fürstenberg. Neue Finanzierungsmodelle sind nötig. Sofern die Banken in Zukunft als Vertreter des “ordnenden finanziellen Geistes” wahrgenommen werden wollen, kommen sie nicht umhin, sich stärker als bisher mit dem Geschäft ihrer (Unternehmens-)kunden zu beschäftigen, d.h. sich stärker in deren Geschäftsprozesse einzubringen. Das kann im Bereich Cybersecurity, Risikomanagement (Predictive Maintenance) oder Finanzierung/Asset Based Financing sein. Anderenfalls werden andere, wie Amazon, Google oder Alibaba, diesen Part vollständig übernehmen. Gefragt sind unternehmerische Banken (Vgl. dazu: Vom Geldverleiher zur unternehmerischen Bank & Vom Bankier zum Banker zum Technologieunternehmer?).

Zuerst erschienen auf Banking on Things

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China’s Great Leap to Wallet-Free Living

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Datenkonten und Datenbörsen für alle

Von Ralf Keuper

Beim Umgang mit ihren personenbezogenen Daten sind die meisten Nutzer relativ freigiebig. Zurückzuführen ist das auch darauf, dass es keine große Alternativen gibt, wenn man die Dienste von Suchmaschinen und sozialen Netzwerke in Anspruch nehmen will, wenngleich hier mit der DSGVO das Machtungleichgewicht ein wenig korrigiert wurde. Einige Autoren, wie Don Tapscott, sprechen mittlerweile von einem Rückfall in die Feudalgesellschaft in der Datenökonomie (Vgl. dazu: We’re living in an era of digital feudalism. Here’s how to take your data and identity back). Die Nutzer müssten die Hoheit über ihre Daten und digitalen Identitäten zurückerobern, um sich aus der von Abhängigkeit und freiwilligen unentgeltlichen Mitarbeit für die großen Datenkonzerne zu befreien. Ein Mittel dafür sind laut Tapscott selbstverwaltete Digitale Identitäten, wie sie u.a. von Sovrin bereitgestellt werden.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, jedem Nutzer ein Datenkonto zur Verfügung zu stellen und entsprechende Aufklärungsarbeit zu leisten, wie in Datenkonten und Datenbildung für alle! gefordert wird. Eine Aufgabe, die von einer Personal Data Bank, wie sie u.a. von Microsoft propagiert wird, erledigt werden könnte. Vor einigen Jahren regte Dirk Helbing die Einführung von Datenbörsen an.

Ein neues Aufgabenfeld für Personal Data Bank und Identity Banks bzw. für entsprechende Servicemodelle (Personal Data Banking as a Service, Identity Banking as a Sevice).

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New Banking mit Wal Mart: Von CurrentC bis Wal Mart Coin

Von Ralf Keuper

Der weltgrößte Einzelhändler Wal Mart (2,2 Mio. Mitarbeiter, 514 Mrd. US-Dollar Umsatz) hat in den letzten Jahren seine Aktivitäten im Banking verstärkt – bislang jedoch ohne durchschlagenden Erfolg.

Im Jahr 2014 wollte Wal Mart den Vorstoss von Apple Pay mit einer eigenen mobilen Bezahllösung CurrentC kontern (Vgl. dazu: Kampf der Titanen: Wettbewerb bei Mobile Payments erreicht eine neue Phase). Daraus wurde nichts (Vgl. dazu: What Happened to CurrentC?: When Platform Innovation Fails). Und das, obwohl die teilnehmenden Einzelhändler 110.000 Filialen und ein Zahlungsvolumen von 1 Billion Dollar repräsentierten. Ursachen für den Fehlschlag nach Ansicht namhafter Branchenbeobachter sind, dass die Lösung für die Händler, nicht jedoch für die Kunden konzipiert wurde, CurrenC sich nicht in bestehende Netzwerke und in das dominante Nutzerverhalten einfügte und die Akzeptanz des Bezahlverfahrens nicht mit Vergünstigungen unterstützt wurde. Also in etwa das, was die deutschen Banken mit paydirekt und demnächst wohl auch X-Pay wiederholen werden mit einer im Vergleich zu Wal Mart & Co. vor fünf Jahren deutlich schwächeren Ausgangsposition.

Nun spielt Wal Mart mit dem Gedanken, eine eigene Kryptowährung an den Markt zu bringen, worüber u.a. in Why Does Walmart Want A Cryptocurrency? berichtet wird. Bei Licht betrachtet ist Wal Mart erneut von einem Denken in mehr oder weniger geschlossenen Systemen getrieben – wie seinerzeit bei CurrentC. Eine Kryptowährung als mehr oder weniger proprietäre Lösung eines Unternehmens. Da ist Facebook mit Libra/Calibra deutlich weiter.

Selbst ein Schwergewicht wie Walt Mart kommt an den neuen Realitäten im Banking bzw. im Mediennutzungsverhalten der Nutzer nicht mehr vorbei. Dem Unternehmen fehlt außerdem nicht nötige Expertise in der Software- und Hardwareentwicklung. Die Basis reicht nicht.

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Abzocke mit kontaktlosen Zahlfunktionen

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Banken in einer poesielosen und entgötterten Realität des Wettbewerbs

Wenn man bedenkt, in welchem Maße Konkurrenz um den Kunden, Wettbewerb um den Einleger, um den Kreditnehmer, aber auch um den Effektenkunden und überhaupt um jegliche Spezies aller derer herrscht, die eine Bank zu bedienen trachtet, denen sie dienen will – wenn man sich dies in der poesielosen und entgötterten Realität des Wettbewerbs betrachtet, so könnte man eher von genereller Ohnmacht der Bankfachleute sprechen: Sie sind Kaufleute, Unternehmer, und sie können, wie jeder Unternehmer, nur dann Erfolg haben, wenn sie es verstehen, ihren Geschäftspartnern bessere Dienste zu leisten als ihre Konkurrenten. Sie werden beherrscht von einer anonymen Macht, nämlich vom Markt, der unbarmherzig die Preise diktiert, im Falle der Banken also besonders die Zinsen, und zwar sozusagen auf beiden Seiten, im Soll und im Haben, auf der Aktiv- wie auch der Passivseite der Bilanz.

Quelle: Konzentration kein “Machtstreben, Autor: Volkmar Muthesius, in: 100 Jahre Commerzbank, Frankfurt 1970

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BGH-Urteil: Banken dürfen bei Wechsel des Baufinanzierers keine Gebühr nehmen

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Blockchain in der Fabrik der Zukunft: Ein Fall für das Banking

Von Ralf Keuper

In dem lesenswerten und informativen Beitrag Blockchain in the Factory of the Future zeichnet die Strategieberatung BCG ein, wie ich finde, zutreffendes Bild der aktuellen Lage.

Die Blockchain sei besonders gut dafür geeignet, das nötige Vertrauen der Unternehmen beim Datenaustausch mit Dritten herzustellen. Bislang fehlen jedoch entsprechende Standards. Mit der Trusted IoT-Alliance ist ein erster Schritt getan. Dieser Standard könnte eine ähnliche Revolution in der Produktidentifikation sein, wie der Barcode (Vgl. dazu: Blockchain wird das IoT revolutionieren). Weiterhin kann über in der Blockchain hinterlegte bzw. referenzierte Zertifikate die Echtheit der Produkte gewährleistet werden. Geräte und Produkte können mit einer eindeutigen digitalen Identität und Signatur ausgestattet werden. Die Herausforderung besteht darin, die digitalen Zwillinge mit der physischen Objekt und der Blockchain zu verknüpfen.

BCG sieht mittel- bis langfristig zahlreiche neue Geschäftsmodelle entstehen – wie Machines as a Service und Machine controlled maintenance.

Etwas unter den Tisch fällt in den Szenarien das Thema Identity of Things. Zwar wird die Bedeutung von IPs und digitalen Zwillingen betont; sichere digitale Identitäten ebenso wie die Möglichkeiten des IoT-Banking kommen jedoch nicht zur Sprache. Genau hier liegt viel Potenzial für das Banking. Damit Modelle wie pay per use Realität werden können, sind die entsprechenden Zahlungs- und Finanzierungsinfrastrukturen aufzubauen. Beispielhaft dafür ist das Projekt Digitale Finanzierungsmodelle für Industrie 4.0. Ein weiterer Standard für den sicheren Datenaustausch wird von der International Data Space Association mit seiner Referenzarchitektur angeboten. Das evan.network bringt bereits die digitalen Zwillinge mit ihren physischen Objekten und der Blockchain zusammen. Die datenbasierte Finanzierung oder auch digital twin based financing sind die fast schon logische Ergänzung.

Zuerst erschienen auf Banking on Things

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