Genossenschaftsbank 4.0 – Datengenossenschaften

Von Ralf Keuper

Die Volks- und Raiffeisenbanken bringen technisch und organisatorisch eigentlich alle Voraussetzungen mit, um gegenüber ihren Kunden als vertrauenswürdiger Verwalter ihrer Daten und digitalen Vermögenswerte aufzutreten. Insofern ist durchaus vorstellbar, dass die Genossenschaftsbanken Betreiber von Datengenossenschaften werden. Vorbilder gibt es bereits wie in Gestalt der Healthbank oder der Grower Information Services Coop.

In How credit unions could help people make the most of personal data gibt der Autor einige Beispiele und Denkanstösse, wie sich die Idee einer Datengenossenschaft verwirklichen lässt. Vordenker der Idee einer Datengenossenschaft in den USA ist Sandy Pentland vom MIT (in Deutschland brachte Hans-Jörg Naumer die Idee einer Facebook-Genossenschaft ins Spiel). Pentland stellte seine Ideen in dem Whitepaper Data Cooperatives: Digital Empowerment of Citizens and Workers vor.

Zur Vorgeschichte der Datengenossenschaften:

As the economy was transformed by industrialization and then by consumer banking, powerful new players such as Standard Oil, J.P. Morgan, and a handful of others threatened the freedom of citizens. In order to provide a counterweight to these new powers, citizens joined together to form trade unions and cooperative banking institutions, which were federally chartered to represent their members’ interests. These citizen organizations helped balance the economic and social power between large and small players and between employers and worker.

Die heutige Ausgangslage:

The same collective organization is required to move from an individualized asset-based understanding of data control to a collective system based on rights and accountability, with legal standards upheld by a new class of representatives who act as fiduciaries for their members. In the U.S. almost 100 million people are members of credit unions, not-for-profit institutions owned by their members, and already chartered to securely manage their members’ digital data and to represent them in a wide variety of financial transactions, including insurance, investments, and benefits. The question then is, could we apply the same push for citizen power to the area of data rights in the ever-growing digital economy?

Das MIT hat dazu das MIT Trust Data Consortium als Pilotanwendung entwickelt.

Der Vorteil einer Datengenossenschaft aus Sicht der Mitglieder besteht nicht nur darin, dass sie über die Verwendung ihrer Daten und die Regeln der Genossenschaft selbst (mit-)bestimmten können; überdies können sie aus dem Datenbestand selber neue Erkenntnisse ziehen, z.B. über Peer-Group-Vergleiche, Markt- und Branchenanalysen. Darüber hinaus können externe Daten (Open Data, Geodaten) zugekauft werden.

Die Bank übernimmt dabei die Verwaltung und technologische Unterstützung der Datengenossenschaft. Sie ist dafür zuständig, die Daten und digitalen Vermögenswerte sicher zu verwalten und zu bewirtschaften (Datendividende). Hierfür muss darauf geachtet werden, dass die Qualität der Daten und Informationen gewährleistet ist. Die Bank sorgt auch dafür, dass die Werkzeuge und Verfahren dem neuesten Stand entsprechen und das Personal über die nötigen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügt. Um die Datengenossenschaft herum bildet sich im Idealfall ein regionales Ökosystem (Kommune, lokale Wirtschaft, Bürger/Verbraucher, Wissenschaft, Medien). Weitere wichtige Aufgabe einer Datengenossenschaft ist die Preispolitik, d.h. die Antwort auf die Frage, welchen Wert die Daten haben. Diese Funktion können Datenmarktplätze übernehmen.

Da bleibt für eine (Genossenschafts-)Bank genug zu tun.

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Inside The Cryptocurrency Revolution | VICE on HBO

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Banken als Digital Identity Provider – das Zeitfenster schließt sich

Von Ralf Keuper

Die Zeit für die Banken, sich als vertrauenswürdige Instanzen für das Management der Digitalen Identitäten ihrer Kunden zu positionieren, läuft ab. Das spielt, wie u.a. Dave Birch moniert, den großen Technologiekonzernen wie Apple und Google in die Hände. Zu der gleichen Schlussfolgerung kommt das Mobey Forum (Vgl. dazu: Mobey Forum: Banks’ big opportunity in digital ID won’t last forever). Beispiele für gelungene Initiativen sind die NemID, BankID und itsme.

Apple hat sich mit seiner Identity-Wallet bereits in Stellung gebracht. Schon bald kommt das Internet der Dinge, wie das Smart Home, ins Visier von Apple, Google & Co. Hier gilt es die Geräte durch digitale Identitäten vor unberechtigten Zugriffen zu schützen (Vgl. dazu: Maschinenidentitäten Schlüssel zum Internet der Dinge (Studie) & Maschinenidentitäten- & IoT-Studie: Geschäftsmodelle wie Identity-Banking-as-a-Service sind bald möglich). Hier fehlt den Banken das Know How in Gestalt eigener Lösungen und Standards. Ohne entsprechende Identifizierungs- und Authentifizierungsverfahren sind IoT- und M2M-Payments nicht realisierbar. Das ist der Grund für das Engagement von Google, Amazon, Apple, Microsoft, Samsung & Co. bei den Digitalen Identitäten. Die digitalen Identitäten der Personen, Geräte und juristischen Personen sind der Schlüssel für die Daten, die von den genannten Akteuren und technischen Objekten produziert werden.

Wenn die Banken ihrer Rolle als “Guardians” gerecht werden wollen, sind dazu massive Investitionen und der Aufbau entsprechender Kompetenzen nötig. Das Problem ist, dass die Banken immer häufiger, wie bei den Payments, umgangen werden können. Die Kunden werden elegant und galant umgelenkt. Die Infrastruktur der Banken ist nicht mehr zwingend vonnöten.

Die einzige Chance der Banken besteht im Aufbau bzw. in der Beteiligung am Aufbau von Vertrauensnetzwerken.

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LuxTrust und itsme machen ihren Lösungen interoperabel

Von Ralf Keuper

Der Identity-Provider LuxTrust aus Luxemburg und itsme, die mobile Identifizierungslösung belgischer Banken, machen ihre Applikationen interoperabel, so dass sie in beiden Ländern genutzt werden können (Vgl. dazu: LuxTrust, itsme® Launch Interoperable Digital Identity in Luxembourg, Belgium).

Together, the two companies aim to offer a fully interoperable solution to the EU market with the highest level of assurance. The objective is to create a Belgo-Luxembourg digital identity ecosystem, creating value for citizens, businesses and institutions in both countries. …

The second stage of the operation started on Wednesday and will allow Luxembourg companies using LuxTrust platforms to offer their customers itsme® as one of the means to authenticate and confirm their transactions, and even later to generate a LuxTrust digital signature. 

Zuerst erschienen auf Identity Economy

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Tschechien führt BankID ein

Von Ralf Keuper

Ähnlich wie in Norwegen und Schweden setzt Tschechien auf die Einführung einer BankID, um die Nutzung staatlicher Services zu vereinfachen (Vgl. dazu: New era for the Czech Republic’s eGovernment services – BankID is on the horizon & BankID – universal authentication service for the Czech Republic). Bürger mit einem freigeschalteten Online-Banking – Konto können sich mit den Zugangsdaten bei den staatlichen Portalen anmelden. Für Privatkunden ist der Service kostenlos, Unternehmen, die den Identity-Service nutzen wollen, müssen eine Gebühr entrichten. Die Banken erhalten Zugriff auf die staatlichen Register. Auf diese Weise können sie ihre Kundendaten auf den neuesten Stand halten. Die BankID soll ab dem 01.01.21 zur Verfügung stehen.

Zuerst erschienen auf Identity Economy

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Payments ohne wesentliche Beteiligung der Banken #2

Von Ralf Keuper

Die Zahlungsabwicklung zwischen Unternehmen (B2B Payments) ist ein hoch profitables und wachstumsstarkes Geschäftsfeld. Jedoch sieht es ganz danach aus, als würden die Banken von diesem Trend kaum profitieren. Die Unternehmen sind nicht mehr so wie früher auf die Zahlungsinfrastruktur der Banken angewiesen. Neue Anbieter und Startups wie Currencycloud, AvidXange, Marquetta und Ripple machen Banken vielleicht nicht überflüssig; auf sie entfällt aber nur noch ein geringer Teil der Einnahmen (Vgl. dazu: B2B payments boring? Think again as companies attract significant venture capital).

Ein Zukunftsfeld ist das Internet der Dinge. Hier müssen Zahlungen zwischen bzw. von Geräten z.T. über Ländergrenzen hinweg abgewickelt werden. Procurement und Finance wachsen zusammen, wofür Ariba Pay beispielhaft ist (Vgl. dazu: B2B-Banking und Plattformökonomie mit Ariba). Das Korrespondenzbanken-Netzwerk lässt sich auf verschiedene Weise umgehen, wie z.B. mit virtuellen Bankkonten oder Brückenwährungen wie Ripple (Vgl. dazu: Korrespondenzbanken – Netzwerke erodieren – neue bankenunabhängige Netzwerke übernehmen).

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Dave Birch: “if banks don’t do something about digital identity, Apple or Google or Facebook will”

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Open Banking auf Skandinavisch

Von Ralf Keuper

Mit einer App alle Konten verwalten und Transaktionen zwischen verschiedenen Banken durchführen zu können, bietet für den Nutzer großen Komfort. Kunden der norwegischen DNB kommen nun in diesen Genuss, wie in DNB introduces payment initiation via account aggregation app berichtet wird. Zum Einsatz kommt dabei die Technologie von Nordic APIS und Spiir.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die finnische Nordea Bank mit der App Siirto.

Übrigens: Ein, wenn nicht der Grund dafür, dass Open Banking in den skandinavischen Ländern relativ leicht umzusetzen ist, ist die Möglichkeit, sich mit einer ID (DNB) bzw. einem Banking-Code (Siirto) bei allen Banken identifizieren und authentifizieren zu können.

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The Banker — Official Trailer

Weitere Informationen:

The Banker (2019)

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Apple Pay weiter auf Wachstumskurs

Von Ralf Keuper

Der Siegeszug von Apple Pay setzt sich fort, die Prognosen sind günstig. Bis zum Jahr 2024 soll der Markt für das kontaktlose Bezahlen um 300 Prozent zulegen. Größter Profiteur soll Apple Pay sein (Vgl. dazu: Apple Pay: starkes Wachstum prognostiziert). Demnach werden auf Apple Pay 686 Mrd. Dollar der sog. OEM-Bezahlvorgänge entfallen, was wiederum einem Anteil von 52 Prozent entspricht. Verantwortlich für den Wachstumsschub ist vor allem die zunehmende Zahl von Geräten, die Apple Pay unterstützen. Weitere Nutznießer sind Google Pay und Samsung Pay. In Deutschland nimmt die Marktdurchdringung von Apple Pay ebenfalls zu, wenngleich mit geringerem Tempo (Vgl. dazu: Apple Pay gewinnt in Deutschland an Markt).

Der große Vorteil von Apple & Co. gegenüber den Banken besteht darin, dass sie Hardware und Software aus einer Hand anbieten können. Ein struktureller Nachteil, der sich nur sehr schwer ausgleichen lässt.

Aus Bankensicht aufschlussreich dürfte die aktuelle Diskussion Warum sollte ich mich für Apple Pay / Google Pay interessieren? auf Reddit sein.

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