Banco Medici – der erste moderne Bankkonzern Europas

Von Ralf Keuper

Die Medici aus Florenz sind der Nachwelt vornehmlich als Förderer der Kunst bekannt. Nicht umsonst werden die Uffizen, eines der ältesten Museen der Welt, als Schatzkammer der Medici bezeichnet. Ohne ihre finanzielle Unterstützung und auch ohne ihren persönlichen Einsatz hätten viele berühmte Künstler ihren Durchbruch kaum geschafft, etliche große Kunstwerke hätten das Licht der Welt niemals erblickt. Das wäre vor allem mit Blick auf Michelangelo ein großer Verlust gewesen, obgleich das Genie Michelangelos sich wohl auch sonst seinen Weg gebahnt hätte ( Vgl. dazu: Michelangelo and the Medici).

In erster Linie waren die Medici jedoch Bankiers. Ohne ihren geschäftlichen Erfolg, ohne das kaufmännische Genie einiger ihrer Mitglieder, insbesondere von Cosimo, hätte die Familie ihre Rolle als Kunstmäzene nicht in der Weise ausüben können. Der Einstieg der Familie Medici in das Bank-und Kreditgeschäft vollzog Vieri di Cambio de’ Medici. Unter seinem Neffen Giovanni di Bicci de’ Medici nahm die Banco Medici Gestalt an. Dessen bereits erwähnter Sohn Cosimo formte die Banco Medici zu einem modernen europäischen Bankkonzern. In Glanz und Niedergang einer Geld-Dynastie heisst es:

Alles, was eine Großbank heute ausmacht, konnte ihr Konzern schon vor fast 600 Jahren anbieten: Filialen in Metropolen des In- und Auslands, bargeldlosen Zahlungsverkehr, Überweisungen bis in entlegene Regionen, hochspekulative Papiere für Zocker. Und geringe Skrupel: Die Medici finanzierten europäische Päpste und Könige – und, wenn es profitabel war, auch deren Kontrahenten in Konstantinopel und Damaskus.

Förderlich für die Geschäftsentwicklung war die enge Beziehung der Medicis zum heiligen Stuhl. So übernahmen die Medici für die katholische Kirche u.a. den Einzug der Kirchensteuer. In gewisser Weise war die Banco Medici die Hausbank der Päpste. Neben einem ausgeprägten Geschäftssinn benötigten Bankiers, die im großen Stil tätig waren, ein feines politisches Gespür.

Die Geschichte der Medici wurde in Medici: Masters of Florence verfilmt. In der Rolle des Giovanni di Bicci de’ Medici übrigens Dustin Hoffman.

Während Cosimo seinen Geschäfts- und Kunstsinn in einer Balance hielt, war sein Enkel Lorenzo der Prächtige den schönen Künsten besonders zugetan, was die Bank in den Ruin treiben sollte, wie in Der erste Konzern der Welt zu erfahren ist:

Durch seine Förderung von Michelangelo und Botticelli sponsert er zwar die Entstehung der vielleicht größten Meisterwerke der Kunstgeschichte, aber Sinn fürs Geschäftliche hat er nicht. Noch vor Lorenzos Tod 1492 geht das Lebenswerk von Cosimo de’ Medici unter.

Die Beschäftigung mit anderen Dingen als dem Bankgeschäft führte dazu, dass Lorenzo de Medici die Kontrolle verlor. Beschleunigt wurde der Kontrollverlust durch den dezentrale Organisationsform seiner Bank, wie Jacques Le Goff schreibt:

Im 15. Jahrhundert war ein Handelshaus wie das der Medici .. dezentralisiert. Es verband getrennte Sozietäten mit eigenen Kapital, von denen jede einen eigenen Sitz hatte. Neben dem Stammhaus in Florenz gab es die Filialen in London, Brügge, Genf, Lyon, Avignon, Mailand, Venedig und Rom, die jeweils von Direktoren geleitet wurden. Diese waren weniger Gehaltsempfänger, in erster Linie standen sie als stille Teilhaber an der Spitze eines Teils des Kapitals .. . Die Medici in Florenz fungierten einzig als Bindeglied, das alle diese einzelnen Häuser zusammenhielt, denn sie hatten an jedem Geschäftskapital fast immer eine Mehrheitsbeteiligung und zentralisierten die Konten, die Information und die Geschäftspolitik. Lorenzo, der weniger auf der Hut als sein Großvater Cosimo war, brauchte die Zügel nur schleifen zu lassen, und schon versuchten die Filialen ein selbständiges Leben zu führen. Innerhalb der Firma kam es zu Streitigkeiten. Die Organisation geriet aus den Fugen (in: Geld im Mittelalter).

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‘Absolutely and utterly disgusting’: Westpac victim at banking Royal Commission

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‘Instant money’: ATM comes to Australia (1969)

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Der Fall Savedroid: Helle Aufregung in der Fintech-Community

Von Ralf Keuper

Die hohe Kunst der PR beherrschen nur wenige. Das gilt um so mehr für Meldungen, die sich später als bewusste Fälschung erweisen. In jedem Fall geht es darum, eine möglichst hohe Aufmerksamkeit zu erzielen. Als Vater der PR gilt Edward Bernays, ein Neffe Sigmund Freuds.

Seine besondere Masche:

Er schuf ein Ereignis, das Ereignis schuf eine Nachricht und diese Nachricht schuf eine Nachfrage für das, was er verkaufen wollte (in: PR-Erfinder Bernays. Der Überzeugungstäter).

Das Ereignis, um das es im vorliegenden Fall geht, ist die vorgetäuschte Flucht des Savedroid-Gründers Yassin Hankir und die fiktive Schließung seines Unternehmens (Vgl. dazu: Fintech-Vertreter zeigen sich entsetzt von PR-Aktion des Start-ups Savedroid). Alle Versuche, in Kontakt mit dem Gründern und den Mitarbeitern von Savedroid zu treten, schlugen fehl. Niemand war erreich- bzw. auffindbar. Das schuf den Verdacht, der Gründer und seine Mitarbeiter hätten sich mit ca. 50 Millionen Euro, die sie in den letzten Monaten mit einem sog. Initial Coin Offering eingenommen hatten, abgesetzt – oder das Unternehmen sei gehackt worden. Erst nach 24 Stunden löste Hakin das Rätsel auf, als er sich mit einer Video-Botschaft an die Öffentlichkeit und seine Kunden wandte.

Darin erklärte er, die Täuschung sei nötig gewesen, um die Öffentlichkeit bzw. die ICO-Community auf die Gefahren der Branche aufmerksam zu machen. Es seien zu viele Akteure unterwegs, die einen ICO nur des Geldes wegen, von Gier geleitet, durchführen würden. Seine Aktion verfolge – wenngleich mit drastischen Mitteln – das Ziel, auf diese gefährliche Situation hinzuweisen und die Branche von den schwarzen Schafen zu befreien. Um hier Abhilfe zu schaffen, gedenkt Savdedroid Unternehmen, die einen ICO planen, zu beraten.

Noch einmal:

Er schuf ein Ereignis, das Ereignis schuf eine Nachricht und diese Nachricht schuf eine Nachfrage für das, was er verkaufen wollte.

Die Fintech-Community war geschockt. Paymendandbanking erkannte Savedroid den Preis für das Fintech des Jahres nachträglich ab (Vgl. dazu: Jenseits des guten Geschmacks – Savedroid gib uns den Preis zurück). Savedroid habe mit seiner Aktion der Fintech-Szene, die hierzulande lange um Anerkennung ringen musste, schweren Schaden zugefügt. Im Banking, wie überhaupt in Finanzgeschäften, genieße das Vertrauen in die Institutionen und handelnden Personen einen besonderen Stellenwert. Damit spiele man nicht. In einem offenen Brief gehen einige namhafte Startups und Gründerpersönlichkeiten der deutschen Fintech-Szene auf Distanz zu Savedroid.

Hakin selbst sagt in einem Interview mit Gründerszene, dass er die Aktion nicht bereue. In zwei bis drei Wochen, wenn der Rauch sich verzogen habe, werde man einsehen, dass der Schock nötig war, um die Branche voran zu bringen:

Wenn ich nach vorne schaue, habe ich ganz große Sorgenfalten auf der Stirn. Wenn wir diese Mentalität weiterleben, wird sich der Markt selbst zerstören. Wir müssen realisieren, dass wir uns angesichts der ganzen Betrügereien auf einen Abgrund zubewegen. Deswegen halte ich das Argument für absurd. Ich würde andersherum argumentieren: Die öffentliche Diskussion wird nicht intensiv genug geführt – und das fügt dem Markt Schaden zu. Ich wünsche mir, dass die Kryptoszene da selbstkritischer wird.

Nun – die Diskussion ist im Gange – das hat er erreicht. Ob sie allerdings in die von ihm beabsichtigte Richtung läuft und zu den gewünschten Ergebnissen führt, darf zumindest bezweifelt werden.

Wie auch immer.

Wäre es dem Gründerteam überhaupt möglich gewesen, die 50 Mio. Euro zu entwenden und sich damit aus dem Staub zu machen? Dieser nicht ganz unwichtigen Frage geht Gründerszene in Faktencheck: Hätte der Savedroid-Gründer Millionen entwenden können? nach. In der gegebenen Konstellation wäre das – so der Tenor des Beitrags – unmöglich gewesen. Die Coins lagern bei der Bank Frick sowie dem Bonner Anwalt Axel Hellinger. Letzterer wird mit den Worten zitiert:

„Das alleinige Zugriffsrecht für die Wallets liegt bei mir“, so Hellinger gegenüber Gründerszene. CEO Hankir habe zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit gehabt, Bitcoins oder Ether auf private Wallets zu transferieren. .. Außerdem habe jeder über die öffentlichen Blockchains einsehen können, dass von den Savedroid-Wallets keine Beträge abgebucht worden seien, so Hellinger. Trotzdem halte er die Aktion für „nicht geschickt

Der Beitrag hält fest:

Es stimmt, dass ICOs durch die schwer nachverfolgbare Übertragung von Kryptowährungen Betrug derzeit zu leicht machen. Das ist ein großes Problem, dass die Kryptoszene und Regulatoren schnell lösen müssen.

Nur:

 .. gerade im Fall von Savedroid gab es Sicherheitsmechanismen, die einen Betrug und eine Flucht ins Ausland verhindert hätten. Dass nun gerade Kleininvestoren dieses ICOs befürchten mussten, Opfer eines Betrugs zu geworden zu sein, ist bitter.

So gesehen gibt es in der ganzen Angelegenheit zum jetzigen Zeitpunkt nur Verlierer. Savedroid, das große Probleme haben wird, das Vertrauen zurückgewinnen, und die Fintech-Szene, die sich fragen lassen muss, ob sie Probleme ausblendet bzw. nicht mit der nötigen Konsequenz angeht; einige Protagonisten der Szene haben Anlass, ihre Rolle selbstkritisch zu überdenken. Symbolische Aktionen und Empörung werden kaum ausreichen.

Das alles ist jedoch kein Anlass, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Es zeigt sich, dass auch die Fintech-Branche nicht vor Erschütterungen und menschliche Schwächen gefeit ist – wie sollte es auch anders sein?

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Bericht von der Digital Finance FFM – Beyond Banking

Von Ralf Keuper

Gestern fand im Techquartier Frankfurt die Digital Finance FFM  – Beyond Banking statt. Dabei ging es um Digitale Identitäten, Authentifizierung und Vertrauensdienste – Themen, die in letzter Zeit verstärkt in der öffentlichen Berichterstattung auftauchen – genannt seien die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die Login-Allianzen wie Verimi oder netID wie überhaupt die aktuelle Diskussion um den “Datenskandal” bei facebook. Insofern kann man den Organisatoren um Fintechcube und PwC ein glückliches Händchen bei der Themenwahl bescheinigen.

Höhepunkt des vormittags war sicherlich der FinSlam, bei dem sich die Identity-Startups Authada, BANKSapi, BehavioSec, Blockchain Helix, Idento.one und Joenesty präsentierten.

Von links nach rechts: BehahioSec, BANKSapi, Blockchain-Helix, Idento.one, Authada und Joenesty. Moderator Dr. Falko Brinkmann. Bild: fintechcube

Die Teilnehmer konnten online über die Gewinner abstimmen. Die meisten Stimmen konnte Authada auf sich vereinigen.

Am Nachmittag ging es dann im Experience Lab im nur wenige Meter entfernten PwC – Tower mit weiteren Vorträgen und der Design Challenge weiter.

Bei der Design Challenge wurden die Teilnehmer auf drei Gruppen verteilt, die einen bestimmten Anwendungsfall für Digitale Identitäten aus Nutzer- und Unternehmenssicht erarbeiteten. Bei einer der Gruppen fungierte ich in meiner Eigenschaft als Mitglied des Idento.one-Teams als Fachlicher Leiter/Berater.  Thema war die Personal Data Bank. Welche Vorteile könnten Nutzer und Unternehmen aus einer Bank ziehen, die ihre Daten ebenso behandelt wie Geld und andere Vermögenswerte?

Personal Data Bank_V2

 

Ein Teil der Gruppe beschäftigte sich mit der Nutzersicht, während der andere die Perspektive der Unternehmen einnahm. Welche Erwartungen muss eine Personal Data Bank erfüllen?

Die Ergebnisse wurden auf einem Whiteboard festbehalten und geclustert. Danach konnte die jeweils andere Gruppe die aus ihrer Sicht drei wichtigsten Cluster auswählen.

Für die Endnutzer waren das:

  • Datenqualität / Datensicherheit (Standardeinstellungen, Korrekturmöglichkeit meiner Daten)
  • Datenmonetarisierung / Datenmarktplätze (Wer zahlt bzw. gibt mir was für meine Daten?)
  • Verwaltung / Profile (Anonym, Bankkunde, Versicherungskunde, Energiekunde, Bürger ..)

Für die Unternehmen waren das:

  • Vertriebsunterstützung (Personal Data Bank stellt aussagekräftige Daten zur Verfügung, welche die Markteinschätzung, Segmentierung deutlich erleichtern)
  • Schnittstellensicherheit (OpenAPI, sichere Verbindung zwischen den Datenbanken)
  • Neue Geschäftsmodelle (Produkttests in Echtzeit, Kunden in die Produktentwicklung einbinden)

Daneben bestand in den Pausen wie auch zum Schluss die Möglichkeit, in lockerer Atmosphäre bei einem Getränk und/oder beim Essen miteinander ins Gespräch zu kommen und neue Kontakte zu knüpfen. Dazu noch das wunderschöne und angenehme Frühlingswetter sowie die Location.

Aus meiner Sicht eine sehr gelungene Veranstaltung, der sicherlich nicht nur ich  zahlreiche neue Kontakte und Anregungen verdanke.

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Amazon: Mit Blockchain und eigener Digitaler Währung in die nächste Phase?

Von Ralf Keuper

Die amerikanischen und asiatischen Internetkonzerne experimentieren schon seit einiger Zeit mit der Blockchain, wie Google oder Alibaba. Gleiches gilt für Amazon. Allerdings hält sich das Unternehmen, was die Blockchain und digitale Währungen betrifft, in der Öffentlichkeit zurück. Das jedoch hält den einen oder anderen Kommentator nicht davon ab, die Möglichkeiten durchzuspielen, welche die Blockchain und Digitale Währungen für Amazon bieten, wie in How An Amazon Cryptocurrency Will Change The World. und Amazon wird Interesse an eigenem Kryptogeld nachgesagt.  Im Oktober letzten Jahres sicherte sich Amazon die URLs amazonethereum.com, amazoncryptocurrency.com und amazoncryptocurrencies.com. Amazon könnte eine eigene Kryptowährung lancieren. In dem erstgenannten Beitrag heisst es:

It’s arguable that an Amazon cryptocurrency is virtually inevitable given the fact that the platform operates across almost all fiat currencies. A standardized Amazon crypto would allow shoppers to purchase goods at a standardized international rate, eliminating the confusion and volatility of fiat currency exchange.

Ganz so abwegig ist das Szenario nicht, wenn man sich die aktuelle Meldung Amazon’s Patent For Real-Time Crypto Transaction Data Gets Approved zu Gemüte führt. In dem Patent heisst es:

A technology for a streaming data marketplace is provided. Individuals, companies or organizations may provide streaming data to the streaming data marketplace as streams, and customers may subscribe to receive the streaming data. In one example, a first stream of data may be received from a first source by a customer via the streaming data marketplace. The first stream of data may then be correlated and combined with data from a second source by the customer, who received the first stream, to form a combined stream, where the second source of data may be a second stream of data or may be persistent data. The customer may specify how to combine or correlate the data and use processing controlled by the customer to combine or correlate the data. The customer may then publish the combined stream to the streaming data marketplace and make the combined stream available to other customers for consumption, further combination/correlation or other options.

Ein Beispiel:

Streaming analytics technologies hold the promise of making vast volumes of data available in a low latency fashion .. In some examples, the useful additional data to correlate with the data stream may not exist in one place but rather may be held by many entities or owners. As the data from each of these entities is correlated and combined with the raw data, the data stream may become more valuable. One example is a data stream that publishes or includes global bitcoin transactions (or any crypto currency transaction). These transactions are completely visible to each participant in the network. The raw transaction data may have little meaning to a customer unless the customer has a way to correlate various elements of the stream with other useful data. For example, a group of electronic or internet retailers who accept bitcoin transactions may have a shipping address that may correlate with the bitcoin address. The electronic retailers may combine the shipping address with the bitcoin transaction data to create correlated data and republish the combined data as a combined data stream. A group of telecommunications providers may subscribe downstream to the combined data stream and be able to correlate the IP (Internet Protocol) addresses of the transactions to countries of origin. Government agencies may be able to subscribe downstream and correlate tax transaction data to help identify transaction participants.

Das ist schon eine neue Dimension der Daten- und Plattformökonomie, die sich hier andeutet. Wenn Amazon seine Plattform als Private Blockchain mit eigener Währung betreibt und/oder Kooperationen mit Ripple, Stellar oder IOTA eingeht und darüber eigene sowie externe Datenströme bündelt, dann haben wir hier eine neue Art von Finanzintermediären. Die Banken sehen mit Paydirekt, Verimi und YES demgegenüber ziemlich blass aus.

Eine ähnliche Richtung wie Amazon schlägt Alibaba mit seiner B2B2C-Plattform (Vgl. dazu: B2B-Banking ohne Banken) ein. Dem Beispiel dürften weitere folgen – wie Google, Baidu, SoftBank und Tencent.

Vor wenigen Tagen lancierte Baidu eine Plattform für die Verwaltung von Bildrechten (Vgl. dazu: Baidu Launches Blockchain-Based Stock Image Platform). Der Chef von Tencent bezeichnet sich gar als Blockchain-Fan (Vgl. dazu: China’s Tencent And Its CEO Are All About The Blockchain). SoftBank hat eine Blockchain für das Management von Finanzdaten entwickelt (Vgl. dazu: Japan’s SoftBank Developed a Blockchain-Based Consumer Data Management System).

Sicher: Das alles sind zum jetzigen Zeitpunkt nur Indizien. Die Evidenz nimmt jedoch von Tag zu Tag zu.

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Technologie: „Banken machen sich selbst obsolet“

Weitere Informationen:

Digital Banking 2025

Studie Digital Banking 2025: Generation-Y treibt den digitalen Wandel – vier Banktypen werden entstehen

Banking mit Paypal

 

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Die neue Datenschutzgrundverordnung im Finanz-Business

Ein Text des Berufsverbands der Rechtsjournalisten e.V.

Ab dem 25. Mai 2018 tritt in der EU die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft. Damit müssen auch Finanzunternehmen ihren Umgang mit personenbezogenen Daten den neuen Regeln anpassen. Hier erfahren Sie die wichtigsten Regeln und Grundsätze, die die DSGVO mit sich bringt.

Bei der DSGVO handelt es sich um eine Schutzvorschrift für personenbezogene Daten. Damit sind alle Informationen gemeint, die dazu dienen können, eine bestimmte natürliche Person zu identifizieren. Besonders bei der Betreuung von Finanzkunden werden häufig hochsensible personenbezogene Daten ausgetauscht. 

Diese sind beispielsweise:

  • Name
  • Geburtsdatum
  • Adresse
  • Telefonnummer
  • Kontodaten

Da im Kontakt mit den Kunden mitunter viele vertrauliche Daten ausgetauscht werden, ist hier der Schutz der Selbigen umso wichtiger. Außerdem müssen unbedingt die Rechte des Verbrauchers beachtet werden. So sagt der Gesetzestext, dass die Verarbeitung personenbezogener Daten grundsätzlich nicht erlaubt ist, wenn keine Erlaubnis durch die Person vorliegt – das sogenannte Verbot mit Erlaubnisvorbehalt. Ist jedoch eine Einwilligungserklärung abgegeben, steht der Verarbeitung auch nichts im Weg.

Aber auch für die Art, wie Daten verarbeitet werden dürfen, setzt die DSGVO Richtlinien. Das schlägt sich vor allem in den Vorschriften zur Verarbeitung selbst nieder. So muss in den meisten Fällen bei einer ständigen Datenverarbeitung ein Datenschutzbeauftragter ernannt werden. Dieser soll mit verschiedenen Mitteln den notwendigen Datenschutz in allen Verarbeitungsverfahren gewährleisten.

Die Aufgaben des Datenschutzbeauftragten umfassen dabei sowohl die Schulung der Mitarbeiter, wie auch die Organisation der Datenschutzinfrastruktur. Aber er ist auch vertraulicher Ansprechpartner für die Mitarbeiter, die Frage zum Datenschutz oder den damit verbundenen Aufgaben haben. Auch die Überwachung der Löschung von Daten fällt in den Aufgabenbereich des Datenschutzbeauftragten. Er ist auch Ansprechpartner für die Kunden, die Fragen zu ihren Daten haben. Zu den unangenehmsten Aufgaben und Pflichten des Datenschutzbeauftragten gehört wohl die Meldepflicht über Datenschutzverstöße gegenüber den Behörden. Ein disziplinierter Umgang mit den erhobenen Daten der Bankkunden kann viele Störungen vermeiden.

Doch nicht nur die Unternehmen bekommen mit der DSGVO neue Regeln, die eingehalten werden wollen, auch der Verbraucher bekommt Rechte zugesichert, die beachtet werden müssen. So gilt, wie oben erwähnt, das Verbot mit Erlaubnisvorbehalt. Damit muss der Verbraucher erst in eine Verarbeitung einwilligen, bevor eine solche stattfinden kann. Auch die Form dieser Einwilligungserklärung unterliegt Vorschriften. Außerdem hat der Verbraucher ein umfassendes Recht auf Auskunft, Berichtigung und Löschung. Das bedeutet, dass der Datenschutzbeauftragte jedem Zugang zu seinen Daten verschaffen muss, der das wünscht. Ein weiteres Recht, das dem Verbraucher zusteht, ist die sogenannte Datenportabilität. Das bedeutet, dass die erhobenen Daten von einem Anbieter zum anderen übertragbar sein sollen. Diese Regelung zwingt damit zu einem branchenweiten Standard beim Datenumfang. Denn weiterhin sollen nur die personenbezogenen Daten erhoben werden, die unbedingt notwendig sind.

Aber auch weitere Grundsätze müssen beachtet werden, um mit der neuen DSGVO nicht in Konflikt zu geraten. Denn auch Sanktionen sind in der Grundverordnung bereits angekündigt. Mit Bußgeldern von bis zu 20 Millionen Euro oder 4% des Jahresumsatzes drohen empfindliche Strafen für die, die die neuen Regeln nicht ausreichend umsetzen. Das gilt ebenso für alle Finanz-Unternehmen, die mit den Daten von EU-Bürgern umgehen.

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Die Banken und die Rohstoffe

Von Ralf Keuper

In den letzten Jahren haben sich viele (Investment-)Banken aus dem Geschäft mit Rohstoffen zurückgezogen. Das weniger aus ethischen, sondern überwiegend aus betriebswirtschaftlichen Gründen. Es lief schon mal besser, wie vor einiger Zeit in Rohstoffe werden für Banken zur Last und Rohstoff-Schock: Kredit-Risiko für die Banken steigt zu lesen war. Sinkende Rohstoffpreise und parallel dazu steigende Kreditrisiken vermiesen den Banken die Freude am Geschäft.

Die Banken stehen wegen ihres Engagements auf den Rohstoffmärkten seit Jahren in der öffentlichen Kritik. Zu den schärfsten Kritikern zählt Foodwatch (Vgl. dazu: Wie Banken mit Nahrungsmitteln zocken). Die Spekulation der Banken auf Nahrungsmittelpreise trage zu Hungersnöten bei, so Foodwatch im Jahr 2011 in Die Hungermacher. Wie Deutsche Bank, Goldman Sachs & Co. auf Kosten der Ärmsten mit Lebensmitteln spekulieren.

Der Rückzug der Banken aus dem Rohstoffgeschäft ruft neue Spieler auf den Plan, wie die Marex Spectron Group Ltd in London, der größte Rohstoff-Broker an der London Metal Exchange, wie in Ex-Leonteq-Manager will Rohstoff-Geschäfte, die Banken aufgeben berichtet wird.

Da Deutschland, wie u.a. aus der Studie Rohstoffe für Zukunftstechnologien 2016 hervorgeht, im hohen Maß von ausländischen Rohstoffen abhängig ist, hat die deutsche Wirtschaft ein Interesse daran, dass der Abbau nicht an der nötigen Finanzierung scheitert. Hier leistet die KfW IPEX-Bank Unterstützung, wie in Mauretanien (Vgl. dazu: Finanzierungsbeispiel SNIM: Eisenerz aus Mauretanien für die deutsche Stahlindustrie). Besonders aktiv auf den internationalen Rohstoffmärkten ist China. Das Land benötigt für sein rasantes Wirtschaftswachstum große Mengen an Rohstoffen (Vgl. dazu: Chinas unersättliche Gier nach Rohstoffen ist riskant). Im Zentrum dabei: Kobalt, das für Elektrobatterien benötigt wird (Vgl. dazu: China drängt im Kobalt-Wettrennen ganz nach vorne). Ein wichtige Rolle spielt dabei Afrika (Vgl. dazu: Chinas Entwicklungsfinanzierung für Afrika). Afrikas Rohstoffe wecken auch in Japan Begehrlichkeiten (Vgl. dazu: Japan will sich Rohstoffe sichern). Die großen japanischen Banken waren und sind z.T. noch Bestandteil bzw. Nukleus der sog. Keiretsus, wie Sumitomo, Mitsui oder Mitsubishi. Der Rohstoffhandel war ein wichtiges Geschäftsfeld. Aus naheliegenden Gründen ebenfalls nicht untätig ist Korea (Vgl. dazu: Koreanische Außenwirtschaftsförderung ist breit aufgestellt). Das dortige Pendant zur hiesigen KfW ist die Export-Import Bank of Korea (Korea Eximbank).

Insofern ergibt sich ein differenziertes Bild. Einmal die Spekulation auf Nahrungsmittel und zum anderen die Finanzierung von Rohstoffabbau, die für die Herstellung von Zukunftstechnologien benötigt wird. Die Digitalisierung führt, wie häufig übersehen wird, zu einem hohen Rohstoffverbrauch – trotz ihrer Tendenz zu Dematerialisierung (Vgl. dazu: Wie ökologisch nachhaltig ist das New Banking?).

Die Metallbank, die konzerneigene Bank der Metallgesellschaft, war in Deutschland Vorreiter im Geschäft mit Rohstoffen (Vgl. dazu: Metallbank: Vorläufer der konzerneigenen Banken).

Nach Ansicht von Foodwatch ist die Finanzmarktrichtlinie MiFID2 ungeeignet, um künftige Nahrungsmittelspekulationen zu verhindern (Vgl. dazu: Agrarspekulation: Finanzmarkt-Richtlinie wirkungslos). Sollten die Preise für Nahrungsmittel ansteigen, würden die alten Muster wiederkehren und die Preise künstlich in die Höhe getrieben.

In den Mittelpunkt des Interesses dürfte künftig die Verbindung zwischen Smart Farming, Datenplattformen und Agrarspekulationen rücken (Vgl. dazu: Agriculture and food: the rise of digital platforms).

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Die Banken als Financiers des Fortschritts (Jürgen Ponto)

Man sagt den Banken gern nach, sie hätten ein enges Verhältnis zum Bestehenden, ja zum Vergangenen. Man sollte diese Einstufung, meine ich, nicht leichthin zurückweisen, schon gar nicht in unserer in der Orientierung ruhelosen Zeit. Denn erfolgreiches Arbeiten bedarf der Verwurzelung, der Erfahrung, der guten Tradition. Dabei wird nicht unbedingt hohes Lebensalter der einzelnen Bank, der Geschäftsstelle oder gar des Bankiers vorausgesetzt. Notwendig ist vielmehr Kontinuität des Denkens und des Handelns, aus der heraus allein die gangbaren Wege in die Zukunft gefunden werden können. Wir sehen ja heute allzu deutlich, wie unbeständige Geister darauf aus sind, Bestehendes zu zerstören und jede kontinuierliche Entwicklung zu verhindern. Auf die Frage nach ihrer Vorstellung von der Zukunft bleiben sie uns die konkrete Antwort schuldig und erklären lediglich, dass eben alles anders werden müsse. ..
Es wäre bedrohlich für die Leistungskraft der Banken, wollten sie einem ziellosen Modernismus nachlaufen und kurzlebigen Zeitströmungen folgen. Das haben sie ganz einfach nicht nötig. Die Aufgabe der Banken in Wirtschaft und Gesellschaft ist vom Kern her so eindeutig zukunftsbezogen, dass sie sich nicht erst um ein Klischee, um ein “Image” der Fortschrittlichkeit bemühen müssen. Es genügt, dass sie ihren Auftrag begreifen und ernst nehmen, und dass sie dies auch in der Öffentlichkeit begreiflich machen (in: Mut zur Freiheit. Gedanken zu Politik und Wirtschaft)
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