Apple Pay: Sparkassen knicken ein

Von Ralf Keuper

Das kam nun wirklich nicht mehr überraschend, eher ist es eine Klatsche mit Ansage: Die Tatsache nämlich, dass die Sparkassen ihren Widerstand gegen Apple Pay aufgeben und das Bezahlverfahren nun offiziell unterstützen. Damit setzt sich das Machtbeben im Banking, das im September 2014 mit der Vorstellung von Apple Pay begann, fort. Wenn die Sparkassen ihre Kunden nicht völlig vergraulen wollen, sind sie gezwungen, dem veränderten Mediennutzungsverhalten der Kunden Tribut zu zollen. Momentan und bis auf weiteres hat Apple hier die besseren Karten. Die Nutzer sind mittlerweile so an Apple gewöhnt, dass sie sogar bereit wären, die Bank zu wechseln, um nicht auf Komfort verzichten zu müssen. Die Banken und Sparkassen sind dabei, ihre Anschlussfähigkeit zu verlieren.

Diese Erfahrung machen mittlerweile auch die Automobilhersteller und demnächst sogar die Hersteller von Investitionsgütern. Letztere stehen vor der Herausforderung, ihren Kunden eine ähnliche “User Experience” wie Apple und Amazon anzubieten. Anderenfalls droht auch hier, wie bei den Banken und Medienunternehmen, der Verlust der Kundenschnittstelle und damit mittel- bis langfristig der Verlust des Geschäfts.

Veröffentlicht unter Banking, Digitale Plattformen / Plattformökonomie | Kommentare deaktiviert für Apple Pay: Sparkassen knicken ein

Die Wartezimmer-Stimmung der Banken im Jahr 1999 und ihre Folgen

Von Ralf Keuper

Im Jahr 1999 war die Bankenwelt noch weitgehend in Ordnung. Die größte Sorge bereitete der Branche die Umstellung der IT-Systeme auf das Jahr 2000. Die Umstellung hat, wie wir heute wissen, nicht zu dem befürchteten Zusammenbruch der IT-Systeme geführt. Das Geschäft ging mehr oder weniger reibungslos weiter. Allerdings haben sich seitdem abertausende von IT-Beratern in den Banken festgesetzt. Das Outsourcing hatte seine Blüte noch vor sich. Zu dem Zeitpunkt beschäftigte sich die EZB in dem Paper The effects of technology on the EU banking system mit den möglichen Auswirkungen des wachsenden Einflusses der Informationstechnologie auf das Bankgeschäft. In den Kapiteln Remote retail Banking: its nature and acceptance, Technology and Banks’ Strategies, Effects of Technology on risks in Banking und Supervisory Issues, zeichneten die Autoren ein, aus heutiger Sicht, relativ genaues Bild der damaligen Lage und der Entwicklungen, die da noch kommen sollten. Freilich war dort noch nicht von Amazon, Google, Alibaba, Facebook oder Apple die Rede, zumal die meisten der aufgeführten Unternehmen entweder noch nicht gegründet bzw. erst kurz zuvor geschlüpft waren.

Die Autoren gingen davon aus, dass das sog. remote Banking (Online Banking) trotz verhaltener Akzeptanz um die Jahrtausendwende an Bedeutung zunehmen und damit die Filial- und Personalstruktur der Banken in hohem Maß berühren würde. Eine Gefahr für die Banken erkannte man in dem Aufkommen der Internet-Banken. Ein Dilemma begann sich abzuzeichnen, das sich über die nächsten 20 Jahre zum strukturellen Problem der gesamten Branche auswuchs:

Internet banking, as the most recent and innovative remote channel, is regarded as a potential future competitor for online PC banking in some Member States. Online PC banking offers the advantage for banks of being a closed proprietary system without access for competitors, in contrast to internet banking, where competitors might be just “a mouse-click away” and less customer loyalty might be the result.

Bei der Bewertung des e-Money war man dagegen etwas zurückhaltender. Zu groß erschien der Aufwand auf Händler- und Bankenseite, auch war die Nachfrage auf Kundenseite noch nicht so groß, dass man hier mit hohen Investitionen reagieren wollte. Dennoch empfahl man den Banken, die Rolle der Technology Leader, u.a. durch Kooperationen mit Telekommunikations- und IT-Unternehmen, anzustreben. Bereits damals hatte man bei der EZB die Verschmelzung von E-Commerce und Payments auf dem Schirm.

The emergence of e-commerce together with internet banking and e-money is an example of ohne technological innovation reinforcing other innovations.

Der Druck durch Non-Banks, werde, so die Autoren, deutlich zunehmen, wobei man jedoch eher von Kooperation statt Konfrontation ausging. Grund für die relative Gelassenheit, wie sie einem hin und wieder auch heute in Banken begegnet, wenngleich mit stark nachlassender Tendenz, war die Tatsache, dass die potenziellen Mitbewerber einen ähnlichen Kostenblock mit sich rum schleppen müssten, der ihnen schnell die Freude am Geschäft nehmen würde.

However, new players, entering the market have to face the same IT development costs as their already established competitors, and may have fewer resources.

Das hat sich, vor allem der Punkt der Ressourcen, nicht bestätigt.

Die Bankenaufsicht müsse ihr regulatorisches Rahmenwerk an die neuen technologischen Herausforderungen und die Non-Banks anpassen. Ebenso kritisch sahen die Autoren den Trend zum Outsourcing in den Banken, der zu hohen operationellen und systemsichen Risiken führen könne.

Bewertung:

Alles in allem waren die Autoren vor zwanzig Jahren mit ihren Diagnosen und Prognosen schon relativ treffsicher. Dass Google, facebook, Paypal, Amazon und Apple viele der in dem Paper aufgeführten Restriktionen für potenzielle Mitbewerber der Banken über den Haufen werfen bzw. umgehen würden, war so zu dem Zeitpunkt nicht abzusehen. Wohl aber, dass die Bereiche E-Commerce, Payments und E-Money näher zusammenrücken würden. Damals scheuten die Banken die hohen Investitionen, die für den Aufbau moderner Infrastrukturen nötig gewesen wären.

a relatively large volume (critical mass) has to be built up before overall costs fall in the business areas that exhibit economies of scale. This includes businesses, where there are substantial initial investment (and maintenance) costs but low unit costs for executing individual transactions, such as in the processing of mass payment services through computer networks.

Diese Denkhaltung hat in den Jahren danach mit dazu geführt, dass die Banken zu spät mit eigenen Lösungen für Mobile/Online Payments und Digitale Identitäten an den Markt gegangen sind. Derweil sind facebook mit Libra und Calibra sowie die anderen Internetkonzerne dabei, eine neue Infrastrutkur zu errichten, die ohne Banken auskommt.

Ein Kommentar in der FR vom 20.07.99 zu dem Papier warnte die Banken vor zu großer Selbstfälligkeit:

Die Institute sitzen in Lauerstellung und beobachten nicht ohne eine gewisse Nervosität, wann denn endlich die vielbesungene “kritische Masse” derjenigen erreicht sein wird, die ihren Heimcomputer zur individuellen Bankfiliale umfunktionieren.

Bereits diese Wartezimmer-Stimmung birgt hohe Risiken in sich, warnen die Währungshüter. So laufen beispielsweise Institute, die die Akzeptanz der neuen Vertriebskanäle überschätzen, Gefahr, sich mit einem kostenträchtigen Frühstart selbst aus dem Rennen zu schießen. Die Systeme, die heute entwickelt werden, dürften nämlich schon morgen technisch veraltet sein. Gleichzeitig schreiben die Notenbanker den Führungskräften der Geldhäuser aber auch ins Stammbuch, dass sie den Anschluss an die Technologie-Elite nicht verpassen dürfen. Die neuen Fernzugangstechniken nämlich könnten sich bereits bald von einem Nebenschauplatz für Computerfreaks zu einer “weitverbreiteten” Hauptdienstleistung entwickeln.

Dass die Banken in der Vergangenheit zu forsch vorgegangen und mit Frühstarts Kapital und Reputation vernichtet hätten, kann man ihnen rückblickend nun wirklich nicht vorwerfen.

Veröffentlicht unter Bank-IT, Banking | Kommentare deaktiviert für Die Wartezimmer-Stimmung der Banken im Jahr 1999 und ihre Folgen

Blockchain 2.0 – einfach erklärt – weit mehr als nur Bitcoin

Von Ralf Keuper

Es wurde höchste Zeit für ein Buch, das einen nüchternen Blick auf das Potenzial der Blockchain wirft, wie Blockchain 2.0 von Julian Hosp. Noch immer tauchen Beiträge auf, die den Eindruck erwecken, als wäre die Blockchain-Technologie für jede Fragestellung – bis hin zur Sicherung des Weltfriedens – das Mittel der Wahl. Dass die meisten der in den letzten Jahren hochgezüchteten Erwartungen von der Blockchain nicht eingelöst werden können, wird nach der Lektüre des Buches nochmals deutlich. Hosp, Mit-Gründer und Präsident von TenX und Initiator der #Cryptofit Community, ist selbst von dem Potenzial der Blockchain überzeugt, was aber nicht dazu führt, dass er die Blockchain für jeden Anwendungsfall für die richtige Option hält. So wägt er die Stärken und Schwächen der Blockchain gegeneinander ab, um danach verschiedene Anwendungsfälle (Besitz, Datenschutz, Smart Contracts, Tokenisierung, Transparenz, Redundanz, Dazugehörigkeit) zu analysieren und auf ihre Erfolgschancen hin zu bewerten. Ein weiteres Kapitel ist den sieben Gefahren für die Blockchain-Technologie gewidmet (Hype, Skandale, Regulierung, Quantencomputer, KI, Alternative Technologien, Benevolente Diktaturen). Im Anschluss daran werden die Blockchain-Alternativen Tangle und Hashgraph auf ihre Stärken und Schwächen untersucht. 

Hosp geht davon aus, dass es in Zukunft einen ausgewogeneren Mix aus dezentralen und zentralen Organisationsformen geben wird. 

Auch wenn ich durch meine #Cryptofit-Bewegung .. nachhelfen will, so wird es komplett dezentral nicht funktionieren. Menschen brauchen einen Kunden-Support und wollen bei gewissen Dingen an die Hand genommen werden. Genau deshalb glaube ich auch, dass in Zukunft ein Mix aus dezentral und zentral vorherrschen wird. Dies ist ähnlich, wie niemand eine reine Monarchie oder Anarchie will, auch wenn beides theoretisch auf dem Papier funktionieren würde – solange alles perfekt läuft. .. So bevorzugen wir lieber etwas in der Mitte zwischen Monarchie und Anarchie, und eine ähnliche Entwicklung wird sich auch bei der Fragen nach Zentralisierung und Dezentralisierung vollziehen. Entscheidend wird jedoch sein, dass sich diese Systeme ergänzen müssen und dass sie sich zugleich nicht vermischen dürfen. Es bedarf also nicht ein System aus 60 Prozent Dezentralisierung und 40 Prozent Zentralisierung, sondern ein zu 100 Prozent dezentrales System muss mit einem zu 100 Prozent zentralen System zusammenarbeiten, wobei jedes System die Nachteile des jeweils anderen Systems ausmerzt. 

In dem aktuellen Podcast Deshalb liegen die Facebook-Coin Kritiker falsch beschäftigt sich Hosp mit dem facebook-Projekt Libra.

Crosspost von Identity Economy

Veröffentlicht unter Sonstiges | Kommentare deaktiviert für Blockchain 2.0 – einfach erklärt – weit mehr als nur Bitcoin

Libra/Calibra: Facebook Is Building A Central Bank

Veröffentlicht unter Banking, Digitale Identitäten, Digitale Plattformen / Plattformökonomie, Digitale Währungen, Distributed Ledger Technology, Graphentechnologie | Kommentare deaktiviert für Libra/Calibra: Facebook Is Building A Central Bank

Open Banking Plattform Germany – Wunsch und Wirklichkeit

Von Ralf Keuper

Als hätten die Deutsche Bank und Commerzbank nicht schon alle Hände voll zu tun, ihre IT-Systeme halbwegs stabil zu halten, da kommt der Vorschlag, die beiden Banken sollten den Nukleus einer Open Banking Plattform für Deutschland bilden. So jedenfalls die Vorstellungen von Volker Brühl und Jan Pieter Krahnen in Eine Open Banking Plattform für Deutschland – eine zukunftsorientierte Alternative zu einer Fusion Deutsche Bank/Commerzbank. Nachdem die Fusion der beiden Geldhäuser vom Tisch ist – wie realistisch ist das Vorhaben?

Die Idee gemeinsam von Banken betriebener Datenplattformen ist nicht neu. Sie tauchten bereits vor einigen Jahren in Gestalt kollaborativ betriebener Data Center auf. Damals, im Jahr 2015, kündigten die US-Banken Goldman Sachs, Morgan Stanley und J.P. Morgan an, gemeinsam ein Data Center betreiben zu wollen. Damit wollten die Bankhäuser die Daten privater (Bloomberg, Thomson Reuters) und öffentlicher Anbieter aufbereiten und sie in einem einheitlichen Format den teilnehmenden Banken zugänglich machen (Vgl. dazu: New Banking: Kollaborativ betriebene Data Center als Antwort auf die Informationsexplosion?). Man versprach sich von der Zusammenlegung der Verarbeitungsprozesse hohe Kosteneinsparungen. Die Kommentatoren bemängelten seinerzeit, dass es schwierig sei, die verschiedenen Datenformate zu vereinheitlichen und die Interessen der teilnehmenden Banken unter einen Hut zu bringen. Als weiteres Problem wurde die Gefahr von Hackerangriffen genannt, da Hacker gerne zentrale Datenbanken ins Visier nehmen. Im Jahr 2016 riefen Citi, HSBC, UBS und weitere Banken die gemeinsame Datenbank KYC.com ins Leben (Vgl. dazu: Bankers are pooling data in background-screening collectives). Zweifel wurden geäußert, ob die Banken wirklich bereit und gut beraten seien, sich im KYC-Prozess auf die Daten und Prozesse Dritter zu verlassen. Anfang diesen Jahres haben sechs große skandinavische Banken verkündet, ebenfalls eine gemeinsame Datenbank für ihre KYC-Prozesse aufbauen zu wollen (Vgl. dazu: Nordic banks pool resources to fight money laundering). Der Service soll der rechtskonformen Identifizierung von Unternehmenskunden dienen und 2020 starten. Eine weitere Lösung ist das Joint Venture Clipeum, das von der Societe Generale initiiert wurde und dem mittlerweile auch die Commerzbank angehört (Vgl. dazu: Des banques européennes projettent de créer le «WhatsApp» du KYC). Eine Erfolgsgarantie gibt es indes nicht, wie das Beispiel Singapur zeigt. Dort stoppte die Bankenaufsicht MAS das Projekt einer zentralen KYC-Datenbank, u.a. wegen explodierender Kosten – auch als Folge des hohen Abstimmungsaufwands unter den beteiligten Akteuren (Vgl. dazu: The Failure Of The KYC Utility Project In Singapore – A Practical View).

Im Jahr 2017 ging Verimi als branchenübergreifende Datenplattform an den Start. Einer der Beteiligten ist die Deutsche Bank. Auch bei Verimi spielen verifizierte Digitale Identitäten eine zentrale Rolle. Die Sparkassen und Volksbanken planen mit YES einen eigenen ID-Service. Die Commerzbank wartet ab. Und jetzt noch oben drauf oder zusätzlich eine Open Banking Datenplattform – mit einem deutlich größeren Datenvolumen? Es sollen regulatorische, finanzbezogene und kundenspezifische Daten der beteiligten Institute gesammelt werden, um damit ein Gegengewicht zu Google, Facebook & Co bilden zu können, die ihren Erfolg nach Ansicht der Autoren der intelligenten Nutzung ihrer Datenpools sowie Skaleneffekten in der IT verdanken. Die Banken könnten mit einer gemeinsam genutzten Infrastruktur ihrerseits Skaleneffekte erzielen, z.B. im Reporting oder in der Abwicklung von Krediten und Wertpapieren. Ziel ist es, den angeschlossenen Banken mit der verbreiterten Datenbasis die Möglichkeit zu verschaffen, kundenspezifische Produkte anbieten zu können und die Preisgestaltung zu personalisieren. Wie genau das gelingen soll, bleibt, wie vieles, offen.

Spätestens hier gilt es Wunsch und Wirklichkeit voneinander zu trennen. Wie die Beispiele der letzten Jahre zeigen, ist es bereits im KYC-Bereich außerordentlich schwer, die verschiedenen Banken mit ihren Prozessen, Formaten und geschäftspolitischen Interessen auf ein gemeinsames Vorgehen festzulegen. Um so mehr trifft dieser Befund für Datenplattformen mit einem noch größeren Umfang zu. Ganz abgesehen davon, dass Deutsche Bank und Commerzbank mit ihrer eigenen IT in Sachen Verfügbarkeit und Entflechtung schon mehr als genug zu tun haben. Hinzu kommen die Datenplattformen oder Login-Allianzen der Banken bzw. mit maßgeblicher Beteiligung der Banken wie Verimi und YES. Eventuell hätte vor Jahren noch die Möglichkeit bestanden, analog zum Industrial Data Space bzw. International Data Space, einen Banking Data Space ins Leben zu rufen. In der Industrie haben die Unternehmen womöglich noch gerade rechtzeitig erkannt, dass sie nur gemeinsam ihre Datensouveränität behaupten können. Hierfür sind gemeinsame Standards und Referenzarchitekturen zwingend. Die Banken ebenso wie die Medienbranche waren dazu nicht willens oder fähig. Stattdessen sind Apple und Facebook dabei, die Identifizierung nach KYC-Gesichtspunkten als weiteren Service, neben dem Zahlungsverkehr und der Finanzierung, anzubieten. Parallel zum Bankensystem entsteht gerade eine neue Infrastruktur für die Zahlungsabwicklung, Identifizierung und Kundenansprache, die ohne Banken auskommt. Für Datenplattformen der Banken, für deren Realisierung Jahre ins Land gehen, falls das Vorhaben überhaupt von Erfolg gekrönt ist, besteht dann schlicht kein Bedarf mehr.

Veröffentlicht unter Banking, Digitale Plattformen / Plattformökonomie | Kommentare deaktiviert für Open Banking Plattform Germany – Wunsch und Wirklichkeit

Das Geldmuseum der Deutschen Bundesbank

Veröffentlicht unter Bankgeschichte, Banking | Kommentare deaktiviert für Das Geldmuseum der Deutschen Bundesbank

Der Traumjob, von dem du als Kind aus guten Gründen nie geträumt hast

Von Ralf Keuper

Wer dachte, das Video der Volksbanken “Let’s get digital” würde in künstlerischer und ästhetischer Hinsicht den absoluten Tiefpunkt markieren, wird von der Bayern LB eines Besseren belehrt.

In dem Video Der Traumjob, von dem du als Kind nie geträumt hast werden Kleinkinder von einer Gouvernante in einem Habitus, wie man ihn vielleicht noch aus den Romanen von Jan Austen aus dem 19. Jahrhundert her kennt, mit Fragen und Floskeln in einer Weise bombardiert, die man auch mit noch so viel Wohlwollen nur als peinlich und deplatziert bezeichnen kann. Ein Video mit soviel Herablassung Kleinkindern gegenüber, die man als Mitarbeiter werben will, von einer Bank, die sich in den letzten Jahren wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert hat, und bei dem sich für den Betrachter die Frage aufdrängt, wozu man so eine Bank überhaupt braucht, wird hoffentlich die Ausnahme bleiben. Insofern hat die Bayern LB in diesem Fall, wenngleich ungewollt, wichtige Aufklärungsarbeit geleistet und der anvisierten Zielgruppe die Antwort auf die Frage, ob man bei der Bank arbeiten will, sehr leicht gemacht. Ein Job bei der BayernLB wird für die Adressaten, nachdem sie das Video betrachtet haben, wohl nur in ihren Alpträumen eine Option sein. Aber womöglich stellt sich die Frage im wirklichen Leben ohnehin nicht mehr. Denn, ob es in einigen Jahren überhaupt noch Landesbanken gibt, dürfte, auch das ein Erkenntnisgewinn dieses widerwärtigen Machwerks, sehr fraglich sein. Zu den ohnehin zahlreichen Argumenten, die gegen den Fortbestand der Landesbanken sprechen, ist nun ein weiteres hinzu gekommen 😉

Weitere Informationen:

Das Verschwinden der Kindheit

Veröffentlicht unter Banken in den Medien | Kommentare deaktiviert für Der Traumjob, von dem du als Kind aus guten Gründen nie geträumt hast

Calibra – ein ziemliches Kaliber: Endspiel für die Banken- und Medienindustrie

Von Ralf Keuper

Vor gut anderthalb Jahren wurde auf diesem Blog in den Beiträgen Scheitern Facebook, Google & Co. am Datenschutz? und Am 28. Januar ist Data Protection Day: Quo vadis Digitales Geschäftsmodell? auf den Strategiewechsel von Google und Facebook in Sachen Datenschutz und Privacy hingewiesen. Inzwischen hat uns die Realität eingeholt, wie Facebook mit seiner Digital Wallet Calibra unter Beweis stellt. Facebook macht ernst, und disrupted sich selbst.

Über Calibra:

Was ist Calibra? Calibra wurde als digitales Wallet konzipiert, das als Depot dient und in dem die digitale Währung Libra gespeichert wird. Die Nutzung der Währung erfolgt ebenfalls über das Wallet. Calibra ist auf den Plattformen von Facebook verfügbar – anfangs auf WhatsApp und im Messenger – und wird als eigenständige App unter iOS und Android bereitgestellt.

Großen Wert legt man auf den Verbraucher- und Datenschutz. Selbst Facebook soll von den Daten nicht profitieren:

Abgesehen von einigen wenigen Fällen teilt Calibra ohne Einwilligung des Kunden keine Kontoinformationen oder Finanzdaten mit Facebook, Inc. oder irgendeinem Dritten. Die Kontoinformationen und Finanzdaten 
der Kunden von Calibra werden beispielsweise nicht verwendet, um das Anzeigen-Targeting in der Produktfamilie von Facebook, Inc. zu verbessern. Die wenigen Fälle, in denen diese Daten geteilt werden könnten, ergeben sich aus der Notwendigkeit, dass wir für die Sicherheit der Nutzer sorgen, gesetzliche Vorschriften einhalten und den Nutzern von Calibra gewisse Grundfunktionen bereitstellen müssen. 

Zum Thema Compliance / Identifizierung:

Calibra ergreift die folgenden Schritte, um die Einhaltung der AML-/CFT-Anforderungen und Best Practices zu gewährleisten, wenn es darum geht, Calibra-Kunden zu identifizieren (Anforderungen zur Kundenidentität, Know Your Customer, KYC):

Identitätsprüfung (dokumentarischer und nicht dokumentarischer Nachweis). 

Anwendung von Due Diligence für Kunden unter Berücksichtigung ihres Risikoprofils.

Anwendung modernster Technologien wie des maschinellen Lernens, um das KYC- und AML-/CFT-Programm zu verbessern.◦

Meldung verdächtiger Aktivitäten bei den zuständigen Rechtsbehörden.

Über Beziehung zwischen Calibra, Libra und Facebook:

Facebook hat Calibra, ein reguliertes Tochterunternehmen, gegründet, 
um die Trennung zwischen sozialen und finanziellen Daten zu gewährleisten. Außerdem wird Calibra im Namen von Facebook Dienstleistungen im Libra-Netzwerk aufbauen und betreiben. Sobald das Libra-Netzwerk gestartet ist, werden Facebook und seine verbundenen Unternehmen dieselben Pflichten, Privilegien und finanziellen Verpflichtungen wie alle anderen Gründungsmitglieder haben. Als ein Mitglied unter vielen wird Facebooks Rolle in der Steuerung der Association dieselbe sein wie die der anderen Mitglieder.

Die Nutzer sollen im Libra-Ökosystem die Möglichkeit haben, sich pseudonym zu bewegen. Sie können sich mehrere Pseudo-Identiätten zulegen. Die Transaktionen enthalten keine Verbindung zur Identität der Nutzer in der realen Welt, wie in Facebook will eine digitale Weltwährung etablieren zu erfahren ist. Auch Apple bietet mit seinem neuen Service Sign in with Apple den Nutzern die Möglichkeit, Wegwerf- bzw. Einmal-Mailadressen zu verwenden.

Sollte das Ökosystem aus Libra, Calibra und Facebook Erfolg haben, dann sieht es für die Banken- und Medienindustrie richtig düster aus. Ihnen wird das Geschäftsmodell unter ihrem Hintern weggezogen, ohne dass sich noch große Möglichkeiten hätten, das Unheil abzuwenden. Der Verschmelzung Digitaler Identitäten, Payments und sozialen Netzwerken haben Banken und Medienunternehmen nicht mehr viel entgegenzusetzen. Das Thema Datenschutz und Sicherheit, eines der letzten Differenzierungsmerkmale der Banken, haben nun ausgerechnet Facebook und Apple für sich reklamiert. Sie sind dabei den Webfehler des Internets, den fehlenden Identity Layer, zu beheben und den Layer unter ihre indirekte Kontrolle zu bringen. Facebook schreckt dabei nicht mal davor zurück, mit der Blockchain-Technologien einen Ansatz zu wählen, der sich – zumindest auf den ersten Blick – diametral zum eigenen Geschäftsmodell verhält. Es ist davon auszugehen, dass Google schon bald dem Beispiel von Facebook und Apple folgen wird, zumal Tim Cook den Druck auf seine Mitbewerber zuletzt deutlich erhöht hat (Vgl. dazu: Tim Cook attackiert Tech-Firmen als “Chaosfabrik”).

Datenschutz und Privatheit werden auf einmal zum Verkaufsargument. Währenddessen sind Deutschland und Europa dabei, auch hier, einer ihrer letzten Domänen, den Anschluss ausgerechnet an die Datenkraken aus dem Silicon Valley zu verlieren. Wenn jetzt noch das Internet der Dinge und Industrie 4.0 in den Sog von Facebook, Apple & Co geraten, wovon man ausgehen darf, dann wird es richtig eng – und zwar für die Industrie. Die Banken und Medienunternehmen sind nicht mehr zu retten, wohl aber noch das Herzstück der deutschen und europäischen Wirtschaft. Aber auch hier bleibt nicht mehr viel Zeit.

Crosspost von Identity Economy

Veröffentlicht unter Sonstiges | Kommentare deaktiviert für Calibra – ein ziemliches Kaliber: Endspiel für die Banken- und Medienindustrie

facebook stiehlt der Bitcoin-Community, den Banken, den Fintech-Startups und den Login-Allianzen die Show und läutet eine Zeitenwende ein

Von Ralf Keuper

Das ist schon irgendwie bitter. Während die Bitcoin-Community seit Jahren mit diversen Vorurteilen zu kämpfen hat, die meisten Blockchain-Projekte über die PoC-Phase nicht hinaus kommen, die Banken sich auf ihren Vertrauensvorsprung in Sicherheits- und Datenschutzfragen verlassen konnten, die Fintech-Startups ihren Ruf als Branchenschreck genossen und die Login-Allianzen mit verifizierten Identitäten und einfachen Anmeldeprozessen punkten wollten, hat facebook ihre Pläne mit Libra und Calibra durchkreuzt. Vor ihren Augen könnte nun ein Ökosystem aus Bezahlverfahren, Identifizierung, Finanzierung und Kundenansprache entstehen, das vielen Geschäftsmodellen und Planungen der Banken, Fintech-Startups und Blockchain-Initiativen die Grundlage entzieht. Die Medien- und Werbeindustrie muss sich darauf einstellen, dass ihre als Gegenmaßnahmen zur Übermacht von Google und facebook gedachten Initiativen netID und AdAlliance zu spät kommen und auf einmal antiquiert wirken.

Die facebook-Kritiker müssen nun mit ansehen, wie der Datenkonzern in Sachen Daten- und Verbraucherschutz ihre Forderungen nach mehr Datensouveränität und Privatsphäre weitestgehend umsetzt – jedenfalls gemessen an den Erwartungen von vor sechs Monaten. Die Banken werden Zeugen, wie sich parallel zu ihrer eigenen Infrastruktur neue bilden, die fast vollständig ohne Banken auskommen. Die Nutzer können sich mit Libra pseudo-anonym im Netz bewegen, so wie es Apple mit Sign with Apple mittels Wegwerf-Mailadressen ebenfalls anbietet. Ungebetene, nervige Werbung und Tracking sind damit ausgeschlossen. Die Teilnehmer an Libra bekommen verifizierte Digitale Identitäten, welche die regulatorischen Anforderungen, wie im Bereich Geldwäsche, erfüllen. ID-Lösungen von Banken werden im facebook-, Libra- und Calibra-Ökosystem nicht benötigt. Alt sehen auch die Scharen von Beratern aus, die nun ihren Kunden, den Banken, erklären müssen, weshalb sie selber, die Banken, noch gebraucht werden und warum sie weiterhin ihres Rats bedürfen … womöglich gerade jetzt 😉

Durch die Verbindung mit facebook und seinen 2,6 Mrd. Nutzern und den weiteren Partnern, darunter stripe, Mastercard und Paypal, ist die Skalierung gesichert. Wenn jetzt noch Google eine ähnliche Richtung einschlägt, was sehr wahrscheinlich ist, dann haben die Internetkonzerne die letzte Lücke, den fehlenden Identity-Layer des Internet, geschlossen. Was viele nicht für möglich gehalten haben, würde eintreten. Die Blockchain skaliert auf einmal, Datenschutz und Privatsphäre werden mit facebook und Apple assoziiert, der Zahlungsverkehr wird quasi im Vorbeigehen von den Banken zu den digitalen Ökosystemen verschoben, ebenso wie die Identifizierung von Personen und demnächst Unternehmen und technischen Objekten. Da bleibt dann nicht mehr allzu viel für andere.

Freilich: Wie auf diesem Blog bereits mehrfach betont, folgen facebook, Google und Apple keinen altruistischen Motiven. Es geht ums Geschäft. Und wenn gegen Datenschutz und Privatsphäre kein Geschäft mehr gemacht werden kann, dann eben mit Datenschutz und Privatsphäre. If you can’t beat them, join them. Aber nicht nur, dass Apple und facebook sich dem Trend anschließen; nein sie übernehmen auch hier die Führung. So berechtigt die Kritik an den Motiven, der Rollenverteilung, der, sagen wir, leichten Zweckentfremdung der Blockchain und der Idee digitaler Währungen durch facebook auch ist, abgesehen von Fragen der staatlichen Autonomie und der Regulatorik, zeigen die jüngsten Züge des Silicon Valley, dass man durchaus bereit ist, sich selbst zu disrupten, bevor es andere tun. Ob sich die Pläne von Libra wie gewünscht realisieren lassen, ist zum jetzigen Zeitpunkt keinesfalls sicher. Aber der Schrecken sitzt tief. Was auch immer mit Libra, Calibra und facebook geschehen mag, die gute alte Zeit kommt nicht mehr zurück. Das ist vor allem für Banken, Fintech-Startups und die diversen Login-Allianzen eine schlechte Nachricht. Die Richtung ist vorgegeben. Sicherlich wird der Staat, werden die Notenbanken nicht tatenlos mit zusehen, wie ihre Rolle geschwächt wird. Aber auch sie müssen anerkennen, dass sich die Regeln des Spiels grundsätzlich verschoben haben; dass Institutionen, die für unerschütterlich und systemrelevant gehalten wurden, auf einmal ihre Funktion und damit die ihnen zugeschriebene Macht verloren haben. Da wirken Appelle, die europäische Finanzwirtschaft möge doch bitte eigene Zahlungslösungen etablieren, wie ein Ruf aus einer fernen Vergangenheit.

Veröffentlicht unter Banking, Digitale Identitäten, Digitale Plattformen / Plattformökonomie, Digitale Währungen, Distributed Ledger Technology, Graphentechnologie | Kommentare deaktiviert für facebook stiehlt der Bitcoin-Community, den Banken, den Fintech-Startups und den Login-Allianzen die Show und läutet eine Zeitenwende ein

Innovationsresistenz in den Führungsstilen der Deutschen Bank (1990)

Die Deutsche Bank hat bisher ein eher statisches Selbstverständnis. Bei hoher Flexibilität in den Geschäften entwickelt sie eine hohe Innovationsresistenz in den Führungsstilen. Es ergibt sich der Eindruck, als kompensierten die Mitarbeiter ihre geschäftliche Flexibilität durch unbewegliche Führungsstile.

Das Image der Bank unterliegt durch die Mitarbeiter einer besonderen Belastung. Jeder, der in die Bank eintritt, eignet sich als erstes das Eliteimage des Hauses an. So wird eine generelle Vorstellung von Exzellenz im Hause quasi ausgebeutet und aufgezehrt. Das Image der Bank wird verbraucht und deformiert, weil jeder davon zehrt und keiner weiß oder keiner glaubt, dass ein Unternehmensimage konstruktiver Pflege durch alle bedarf. Grundregel: Das Unternehmensimage kann nicht besser sein als die Unternehmenskultur …

Quelle: Alfred Herrhausen. Macht, Politik und Moral, Autor: Dieter Balkhausen, Düsseldorf 1990

Veröffentlicht unter Banking, Wirtschaftsliteratur | Kommentare deaktiviert für Innovationsresistenz in den Führungsstilen der Deutschen Bank (1990)