“Datenschutz muss Innovation nicht hemmen” – Interview mit Frederick Richter (Stiftung Datenschutz)

RA Frederick Richter, LL.M.
Präsident der Stiftung Datenschutz

Wer in der Datenökonomie künftig als vertrauenswürdiger und relevanter Akteur wahrgenommen werden will, ist gut beraten, der Datenhoheit der Nutzer und dem Management der Einwilligungen für die Datenüberlassung eine hohe strategische Bedeutung einzuräumen. 

Im Interview erläutert Frederick Richter, Präsident der Stiftung Datenschutz  (Foto), warum sich Datenschutz und Innovation keinesfalls widersprechen müssen, wie eine deutsche bzw. europäische Alternative in der Datenökonomie aussehen könnte und weshalb wir eine Datenpolitik mit Augenmaß benötigen. 

Herr Richter, was macht die Stiftung Datenschutz, wofür ist sie da?

Die vom Bund gegründete gemeinnützige Einrichtung ist eine Diskussions- und Informationsplattform zum Datenschutz. Wir wollen Impulse geben zu einer innovativen Datenpolitik und zugleich helfen, dass das bestehende Recht gut umgesetzt wird. Dazu erarbeiten wir in Projekten zu einzelnen Aspekten des Datenschutzrechts Handlungsempfehlungen. Auch im Bereich der Datenschutzzertifizierung ist die Bundesstiftung engagiert, besonders im Bereich cloud-computing. Und schließlich wollen wir aufklären: Die Verbraucher zu ihren Rechten und die Unternehmen zur Umsetzung der sie treffenden Pflichten.

In der öffentlichen Diskussion werden Datenschutz und Innovation häufig als Gegensatzpaar behandelt – schließen sich die beiden tatsächlich aus?

Nein, ganz sicher nicht. Datenschutz muss Innovation nicht hemmen, er kann sogar Treiber von Innovation sein. Wenn man weniger Zeit darauf verwendete, das Ziel des Datenschutzes in Frage zu stellen, dann hätte man mehr Zeit, sich auf den Weg dorthin zu konzentrieren. Natürlich kommt es immer darauf an, wie der Datenschutz „gelebt“ wird. Ein kluger Ausgleich ist notwendig, ein Kompromiss ist zu suchen, bei dem es weder um ein kompromissloses Verbot jeder Datennutzung geht, noch um von Datennutzung zum Selbstzweck werden. Denn in einer immer mehr auf Daten und deren Nutzung konzentrierten Welt

Den Erfolg der US-amerikanischen Internetkonzerne führen viele auf die dortigen lockereren Datenschutzgesetze zurück, weshalb wir dem Beispiel folgen sollten – Ist das realistisch bzw. wünschenswert?

Tatsächlich meinen manche, dass die europäische IT-Wirtschaft nur vorankommen oder gar gleichziehen könnte, wenn Europa seine Datenschutzgesetze lockere und das Schutzniveau senke. Ich meine aber, dass Europa ein derartiges rechtspolitisches race to the bottom nicht gewinnen könnte. In einen Wettbewerb um das laxeste Datenschutzrecht einzusteigen wäre auch nicht im Sinne der überwiegenden Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger. Der europäische Gesetzgeber ist denn auch den umgekehrten Weg gegangen und hat das Schutzniveau mit der in Kraft gesetzten Reform gefestigt und noch erhöht.

Wie bewerten Sie den Widerstand der Werbeindustrie und der Verlage gegen die ePrivacy-Verordnung (Tracking-Schutz) – sind die Sorgen berechtigt?

Der Widerstand der genannten Branchen ist verständlich, denn deren Sorgen sind – mit Blick auf viele der dortigen Geschäftsmodelle – berechtigt. Falls die Verordnung in der derzeit vorliegenden Form verabschiedet werden sollte, werden sich viele Unternehmen im Sektor der digitalen Werbung in ihren Angeboten massiv umorientieren müssen. Eine derart intensive Nutzerbeobachtung und -verfolgung wie heutzutage würde mit der ePrivacy-Verordnung faktisch unmöglich. Mutmaßlich kaum ein Nutzer würde ausdrücklich darin einwilligen wollen, dass Unternehmen, die er zuvor gar nicht kannte, sein Surfverhalten im Internet protokollieren dürfen.

Damit die Nutzer an der Datenökonomie teilhaben können, fordern einige ein Eigentumsrecht an den Daten – andere wiederum halten das für wachstumsgefährdend – Wo liegt hier die Wahrheit?

Wahr ist, dass es für manchen reizvoll klingt, den claim „Meine Daten gehören mir!“ rechtlich zu unterfüttern. Nach dem Willen der Politik sollen beispielsweise Fahrdaten aus vernetzten Autos dem jeweiligen Fahrzeughalter wie Eigentum zugewiesen werden und Gesundheitsdaten dem Patienten. Doch so einleuchtend derartige Forderungen zunächst anmuten mögen, so komplex bis unmöglich wäre deren Kodifikation und Abstimmung mit dem sonstigen Recht. Manch Datum wird sich schwerlich einer Einzelperson zuweisen lassen; so müsste z.B. das Geburtsdatum infolge mehrfacher Personenbezogenheit wohl sowohl dem geborenen Kind als auch seiner Mutter „gehören“. Derartiger Mehrfachbezug wird dagegen nach dem herkömmlichen Datenschutzrecht befriedigend gelöst: Jede Person, auf die sich das Datum bezieht, kann ihr informationelles Selbstbestimmungsrecht ausüben. Im Beispiel können sowohl Mutter als auch Kind ihre Datenschutzrechte als betroffene Personen geltend machen. Jedoch kann nach dem geltenden Recht niemand absolut über ein Datum bestimmen. Wenn eine Person dagegen Eigentümerin oder Eigentümer eines Datums würde, könnten sie oder er alle anderen Menschen und Organisationen dauerhaft (und ohne Begründung) von der Verwendung des Datums ausschließen. Das könnte gravierende Auswirkungen auf die Informations- und Kommunikationsfreiheit haben. Und schwer denkbar ist schließlich, wie ein Dateneigentumsrecht mit dem europäischen Datenschutzrecht in Einklang gebracht werden könnte.

Was halten Sie vom Modell eines Datentreuhänders, wie es u.a. von der Allianz und dem ADAC für die Autodaten gefordert wird?

Bei einem so komplexen Gegenstand wie dem multipel vernetzten Kraftfahrzeug kommt das Datenschutzrecht in Sachen Rechtsklarheit tatsächlich an seine Grenzen. Zwar lässt ich vieles vertraglich abbilden, aber auch dies ist eine Herausforderung, gerade im Haftungsbereich. Die Treuhandvariante klingt mir ein wenig nach einer Verlegenheitslösung, nach dem Motto: „Wenn wir bei der Zuweisung der Datenhoheit nicht weiterkommen, dann nehmen wir eben eine neutrale Instanz“. Dabei käme es dann sehr auf die konkrete Ausgestaltung an. Als Datenschützer möchte ich jedoch im Effekt das Datensubjekt, also den konkreten Mensch im Mittelpunkt sehen. Er muss die Kontrolle behalten, anders wird sich sein Vertrauen nicht gewinnen lassen.

Solange das jetzige Internet mit seinen Machtstrukturen in dieser Form fortbesteht, ist gegen die Dominanz von Google, Amazon, facebook und Apple (GAFA) nur schwer etwas auszurichten – sollten wir stattdessen nicht besser in alternative Infrastrukturen, wie die Blockchain-Technologie mit ihrem dezentralen Ansatz, investieren oder können wir den Rückstand noch aufholen?

Die Dominanz kann natürlich nicht abgekoppelt von den Nutzenden betrachtet werden. Wenn wir in Europa im Bereich der Suchmaschinen mit z.B. Startpage oder Qwant überzeugende ausgereifte Alternativen zu Google haben und Google trotzdem einen Marktanteil von 95 % behält, dann kann man den Grund dafür nicht nur in Kalifornien suchen. Die gleiche Situation ergibt sich bei Messenger-Diensten (WhatsApp vs. Threema u.a.). Die Nutzerschaft hat hier mehr Marktmacht in der Hand, als oft gedacht. Bei den sogenannten sozialen Netzwerken besteht eben wegen des Netzwerkeffektes und der dadurch bedingt sehr niedrigen Wechselbereitschaft eine ganz andere Situation. Ob im Netzwerkbereich, das zu diesem Zweck bald anwendbare Recht auf Datenübertragbarkeit aus Art. 20 DSGVO viel ändern wird, bleibt skeptisch abzuwarten.

Ein staatliches Subventionieren sähe ich jedenfalls weniger als Ausweg – viel eher schon das Investieren in mehr Aufklärung und Bildung – Stichwort data literacy – als dessen Ergebnis die Nutzenden bewusster nach privatsphäreschonenden Alternativen ausschauen. In Sachen blockchain ist natürlich Forschung zu leisten und durchaus auch öffentlich zu fördern. Inwieweit blockchain-basierte Lösungen dem Anliegen des Datenschutzes helfen, wird ja durchaus unterschiedlich eingeschätzt.

In der letzten Zeit haben Google und facebook ihre Aktivitäten im Bereich Data Privacy – als Reaktion auf die Einführung der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) – verstärkt; die deutschen Unternehmen agieren hier dagegen zurückhaltend – droht Deutschland den Anschluss im Datenschutz zu verlieren?

In der Tat ist beachtlich, dass Google seit Jahren Kontroll- und Einstellmöglichkeiten für seine Nutzer bereithält und europäische Mitbewerber kaum; sogar ein Werkzeug zur Ermöglichung der erst jetzt gesetzlich geregelten Datenportabilität bietet Google bereits seit 2012 an. Doch sei nicht verschwiegen, dass viele diesen Angeboten nicht trauen und sich noch viel weitgehendere Transparenz und Nutzerkontrolle wünschen. Auch muss man unterscheiden zwischen freiwilligen Aktivitäten einerseits und Gesetzeskonformität andererseits, bestenfalls belegt durch Datenschutzzertifizierungen von unabhängiger Stelle. Aber direkt zur Frage: Ja, die hiesigen Unternehmen sollten sich nicht von außen treiben lassen, sondern sich (wieder) an die Spitze setzen. Mit Blick auf den erfolgreichen Rechtsexport, den die Übernahme der uns aus dem BDSG bekannten Grundsätze in der gesamten EU darstellt, ist das fast schon eine Frage nationaler Glaubwürdigkeit.

Das letzte große Unternehmensgründung in Deutschland war SAP – und das liegt bereits einige Jahrzehnte zurück (1972). In den USA und China sind dagegen in den letzten 20-25 Jahren Unternehmen wie Google, facebook, Amazon, Alibaba und Tencent entstanden. Findet die Datenökonomie demnächst ohne deutsche und europäische Beteiligung statt?

Es wäre tatsächlich betrüblich, wenn die deutsche Wirtschaft langfristig nur noch zuschauen könnte, wie anderswo IT-Champions entstehen. Dass ich es für falsch halte, den hiesigen Datenschutz als Gründungs- und Investitionsbremse anzusehen, sagte ich bereits. Es sind viele weitere Faktoren, die Innovation erschweren. Wir sollten die Förderung von start-ups hochfahren und Bürokratie zurückkämpfen, das wäre schon mal ein Anfang.

Was sind Ihrer Ansicht nach die größten Herausforderungen im Datenschutz und in der Datenpolitik in den nächsten fünf Jahren?

Rechtspolitisch gilt es nun zunächst zu beobachten, wie sich die EU-Datenschutzgrundverordnung in der Praxis bewährt und vor allem, wie sie durchgesetzt wird. Während manche sie als die große (Er)Lösung im Datenschutz ansehen, geben sich andere skeptisch, ob das neue Recht wirklich „internetfest“ und „big data-tauglich“ sein kann.

Aus meiner Sicht muss vor allem das Konzept der vermeintlich „informierten“ Einwilligung auf Tauglichkeit und Alternativen überprüft werden. Die Nutzerinnen und Nutzer sind seit jeher mit den massenhaft auf sie einprasselnden Einwilligungsanfragen überfordert, mit dem Ergebnis, dass meist eher unbewusst weitreichender Datenverwendung zugestimmt wird. Wie in dem Bereich das neue strenge Kopplungsverbot wirkt, werden wir sehen.

„Put the user back in control” fordert die finnische MyData-Initiative, und ich kann mich dem nur anschließen. Solange der Einzelne keinen Überblick über erteilte Einwilligungen hat und darüber, welcher Organisation er wann welchen Umgang mit ihn betreffenden Daten gestattet hat, kann echte informationelle Selbstbestimmung im Sinne des Bundesverfassungsgerichts nicht erreicht werden. Hier müssen innovative Lösungen gefunden werden.

Herr Richter, vielen Dank für das Gespräch!

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Bankenbranche: Tiefgreifende Marktbereinigung ausgeschlossen?

Von Ralf Keuper

Die vor einigen Tagen vorgestellte Studie von Oliver Wyman, wonach bis zu 90 Prozent der Banken in Deutschland bis zum Jahr 2030 von der Bildfläche verschwinden könnten (Vgl. dazu: Abgesang auf die Banken), ruft Widerspruch hervor. So gibt Dr. Tim Oliver Brandi von Hogan-Lovells zu bedenken:

Voraussetzung für eine Marktbereinigung wäre aber ein einheitlicher Banken-Binnenmarkt. Den gibt es weder auf EU-Ebene, noch gibt es in Deutschland eine politische Mehrheit, das Drei-Säulen-Modell – Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken – abzuschaffen.

Ohne eine Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen ist eine tiefgreifende Marktbereinigung aber ausgeschlossen. Tatsächlich bleiben die rechtlichen Hürden für eine weitergehende Konsolidierung in Deutschland sehr hoch. (in: Hogan-Lovells zweifelt an Oliver-Wyman-Studie: Tiefgreifende Markt­be­reinigung sei ausgeschlossen).

Diese apodiktische Aussage ist jedoch nur unter der Bedingung gültig, dass es tatsächlich die genannten Faktoren sind, die einer tiefgreifenden Marktbereinigung im Wege stehen. Das ist jedoch aufgrund der bereits eingetretenen Veränderung der Branchenstruktur nicht der Fall. Genannt seien die großen digitalen Plattformen, die schon jetzt weite Teile des Banking erobert haben und deren Expansionsdrang noch längst nicht gestillt ist. Das Spielfeld erstreckt sich nicht nur auf die EU oder auf Deutschland – das Banking wurde in den letzten Jahren um eine Abstraktionsschicht ergänzt, die einen großen Einfluss auf die Marktstruktur hat ( Vgl. dazu: Die neue Abstraktions- und Informationsschicht im Banking – das Ende der Banken). Das ist der neue globale Binnenmarkt, auf den die nationale Politik nur begrenzten Einfluss hat. Hier sind Banken nur noch Nebendarsteller.

Kurzum: Das eigentliche Problem liegt auf einer anderen Betrachtungsebene.

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Die Bankenkrise 1981

Von Ralf Keuper

Im Jahr 1981 berichteten die Medien von der größten Bankenkrise der deutschen Nachkriegszeit. Zu dem Zeitpunkt meldeten zahlreiche große Banken Gewinneinbrüche und Dividendenkürzungen. In einem Gespräch (“Der Markt muss bereinigt werden“) mit dem SPIEGEL konnte der damalige Sprecher der Privatbank Schröder, Münchmeyer, Hengst & Co., Graf Ferdinand von Galen, dennoch keine ernste Bankenkrise ausmachen. Es sei ein Problem, das sich auf wenige Banken beschränke. Die Situation würde jedoch durch den enormen Konkurrenzdruck auf dem deutschen Bankenmarkt verschärft. In Deutschland gebe es zu viele Banken, so von Galen.

Weiterer Grund für die Ertragsschwäche der deutschen Banken war ihr Expansionsdrang, um damit den Rückstand auf den Branchenprimus Deutsche Bank zu verkürzen. Das Geschäft mit Großkunden aus der Industrie, wie der AEG, verhagelte der Dresdner Bank die Bilanz. Auch sonst agierte die Dresdner Bank zu dem Zeitpunkt alles andere als glücklich. An den Gold- und Devisenmärkten hatte sich die Bank verspekuliert (Dresdner Bank: Böse abgesackt).

Das Erfolgsrezept seiner Privatbank bestehe, so Graf von Galen damals, darin, dass sein Haus kein Mengengeschäft betreibe und auch kein teures Filialnetz unterhalten müsse. Stattdessen habe man sich bei der von ihm geführten SMH-Bank auf eine Nische spezialisiert. Zu dieser Strategie zählte auch das Engagement der SMH-Bank bei dem Baumaschinenkonzern IBH. Als IBH u.a. als Folge einer sich deutlich abkühlenden Baukonjunktur im Jahr 1983 in finanzielle Schwierigkeiten geriert, war die SMH-Bank mit ca. 900 Millionen DM bei dem Unternehmen engagiert. Als IBH dann zusammenbrach, musste die SMH-Bank die Kredite als ausfallgefährdet einstufen. Da das IBH-Engagement das Eigenkapital der SMH-Bank um ein Mehrfaches überstieg, war das Haus binnen Kurzem selber ein Sanierungsfall (Vgl. dazu: Der Untergang der SMH-Bank).

Insofern hat die SMH-Bank, wenngleich unfreiwillig, ihren Beitrag zu der von ihrem Sprecher in dem Interview geforderten Marktbereinigung geleistet.

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Evolution der Kreditauskunfteien

Von Ralf Keuper

Für die Bewertung der Zahlungsfähigkeit ihrer (potenziellen) Kunden greifen Industrie, Handel, Banken und Telekommunikationsunternehmen auf die Dienste von Auskunfteien zurück.

Das erste große Einsatzgebiet war hierzulande die Absatzfinanzierung, die sich in den 1920er Jahren zu etablieren begann. Im Jahr 1927 wurde in Berlin daher die Schutzgemeinschaft für Absatzfinanzierung gegründet, die sich bei der Einschätzung  der Kreditwürdigkeit der Verbraucher auf ein von der Bank elektrischer Werke AG (BEW AG) entwickeltes “System zur Beurteilung des Zahlungsverhaltens” stützte (Vgl. dazu: Informationstechnologie: Deutschland hat angefangen).

Bereits im Jahr 1879 wurde in Mainz die Wirtschaftsauskunftei Creditreform gegründet (Vgl. dazu: Die Geschichte der Auskunfteien).

Das Geschäftsmodell der Auskunfteien steht seit Jahren von verschiedenen Seiten unter Druck. So wird die Schufa in ihrer Funktion als “Datenkrake” kritisiert, deren Scorewert-Berechnung nicht transparent sei (Vgl. dazu: Datenkrake Schufa). Die Startups aus dem Bereich des Algo-Banking (Kreditech, Affirm, Big Data Scoring) werben damit, die Kreditwürdigkeit der Verbraucher auch ohne lange Kredithistorie treffsicher bewerten zu können. Allerdings bieten die erwähnten Unternehmen ihre Dienste nicht in Deutschland an. In China soll 2020 der Social Score eingeführt werden, dessen Kernbestandteil Sesame Credits von Alibaba ist (Vgl. dazu: “Sesame Credits” in China: Vorbote von Big Brother?).

Als Mitbewerber der Schufa in Deutschland sieht sich Bonify.

Weiterer Anpassungsdruck entsteht durch die Meldungen von Datendiebstählen wie bei Equifax (Vgl. dazu: Equifax-Hack: Beginn einer Zeitenwende im Credit-Scoring?). Kritiker bemängeln, dass die Auskunfteien mit ihrer zentralen Datenhaltung ein leichtes Ziel für Hacker-Angriffe seien. Viele sehen daher in dezentralen Lösungen auf Blockchain-Basis, wie Bloom, und/oder auf Basis Digitaler Identitäten die Zukunft (Vgl. dazu: The Equifax Breach And The Case For Digital Identity).

Die Aussichten für die klassischen Auskunfteien sind nicht mehr allzu günstig. Zentrale Datensilos werden den künftigen Anforderungen der Digitalmoderne kaum noch gerecht. Die Sicherheitsrisiken mit ihren Seiteneffekten für die Gesellschaft sind irgendwann zu groß.

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Die Währungsreform Karls des Großen

Die Vielzahl von Münzsorten und die Schwankungen des Wertverhältnisses zwischen Gold und Silber erschwerten die Verwendung von Bargeld im Frühmittelalter in hohem Maß. Karl der Große setzte dieser Verwirrung ein Ende und schuf in seinem Reich eine erheblich besser geordnete Währungslandschaft. Die Reform war übrigens schon ab 755 unter seinem Vater Pippin in die Wege geleitet worden. Marc Bloch zufolge basierte sie auf den folgenden drei Prinzipien: Die Prägetätigkeit fiel wieder in die Zuständigkeit des Königreichs; das Verhältnis zwischen dem nun als reale Münze vorhandenen Denar und dem Solidus wurde neu bestimmt; und die Goldmünzenprägung wurde ausgesetzt. Auf eine Epoche des Bimetallismus mit Gold und Silber folgte eine Epoche des Silber-Monometallismus. …

Mit der Reform Karls des Großen war zwar der individuelle Münzer des frühen Mittelalters verschwunden, doch das kaiserliche Münzmonopol war nur von kurzer Dauer. Vom 9. Jahrhundert an wurde es von den Fürsten usurpiert, und das Mittelalter leistete – in Verbindung mit der Entstehung des Feudalismus – einer Deregionalisierung des Münzprägewesens Vorschub.

Quelle: Jacques Le Goff. Geld im Mittelalter

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Christian Ehring: Deutsche Bank – rote Zahlen, fette Boni | extra 3 | NDR

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Personal Data Banking mit Citibank und SoftBank

Von Ralf Keuper

Daten, insbesondere die personenbezogenen Daten, sind für die Wirtschaft zu einem entscheidenden Rohstoff geworden. Die derzeit profitabelsten Unternehmen der Welt, wie Google und Apple,  verdanken ihren wirtschaftlichen Erfolg u.a. der Tatsache, dass sie die Daten ihrer Kunden und Nutzer für die Verbesserung bestehender und die Entwicklung neuer Services und Produkte verwenden können. Das gilt für Google noch mehr als für Apple.

Wie auch immer.

Die Banken stehen in der Datenökonomie eher abseits; sie sind sich noch unschlüssig, welche Rolle sie übernehmen wollen: Die einer Datenkrake mit Banklizenz oder die eines Treuhänders. Da sind die Citibank in Indien und SoftBank in Japan schon weiter.

Wie in Citibank wants call details records, location data, app usage to be treated as personal information berichtet wird, plädiert die Citibank für die Errichtung einer sog. Data Sandbox. Ausgangspunkt ist die Stellungnahme der Citibank zur Befragung der  Telecom Regulatory Authority of India (TRAI) zum Thema Datenschutz. Darin betont die Citibank die Rechte der Telco-Kunden an ihren Daten gegenüber den Data Processors. Besonderer Wert wird dabei auf die Einwilligung (Consent) der Kunden gelegt, was in der EU mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und der ePrivacy-Richtlinie verbindlich wird bzw. werden soll. Um die Rechte der Kunden zu schützen, fordert die Citibank, wie bereits erwähnt, sog. Data Sandboxes:

To address this, Citibank suggested creation of data sandbox “under the technology enabled architecture of personal data”, coupled with punitive consequences in case of non-compliance. It has said that a setup of data sandbox would be for “anonymized data sets of regulated companies under the purview of the government or its authorized authority”.

Sicher – um eine echte Personal Data Bank handelt es sich dabei wohl kaum. Jedoch ist es bemerkenswert, dass eine Bank, aus welchen Gründen auch immer, sich zum vehementen Fürsprecher der Kunden und deren Recht an ihren Daten macht. Das geschieht gewiss nicht ganz uneigennützig. Womöglich hat die Citibank das Geschäftsfeld Personal Data Banking für sich entdeckt.

Was das betrifft, ist SoftBank, der japanische Mischkonzern, der auch im Bankgeschäft aktiv ist, weiter, wie aus Japan’s SoftBank Developed a Blockchain-Based Consumer Data Management System hervorgeht.

Blockchain makes it possible to share personal data between more computers that can verify each other’s records. The technology can guarantee security, transparency, the speed of processing, and convenience of data management.

SoftBank Technology’s blockchain-based system will offer financial institutions the access to customer’s credit history and real-estate ownership. Its database is adding about 170,000 records each month. The company plans to launch the database in 2019. By 2020, SoftBank expects to get orders from 30-50 companies – mainly banks focused on consumer lending

Auch das ist noch ausbaufähig. Jedenfalls zeigen die Meldungen, dass der Wert der personenbezogenen Daten von einigen Marktakteuren erkannt wurde. Weitere werden dem Beispiel folgen.

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Abgesang auf die Banken

Von Ralf Keuper

Das hat schon was von einem Horrorszenario, das die Unternehmensberatung Oliver Wyman in dem Branchenreport Deutschland 2030 entwirft. Demnach könnten bis zum Jahr 2030 fast 90 Prozent der Banken in Deutschland (derzeit 1.600) von der Bildfläche verschwinden.

Dabei gehen wir davon aus, dass in der Abwägung zwischen den Szenarien die Anzahl der Marktteilnehmer eher bei ca. 150 als bei 300 liegen wird. Nicht nur verändern neue Wettbewerber und ein sich verändertes Kundenverhalten die Kunden. Kleine Markteilnehmer sehen sich auch der Herausforderung gegenüber, für die notwendigen strategischen Geschäftsmodellinvestitionen ausreichende Investitionsmittel und Mitarbeiterressourcen bereitzustellen, um die Veränderungen zu finanzieren und zu steuern. Vor dem Hintergrund des Trends hin zu größeren Einheiten werden für Privatbanken Fragestellungen um grenzüberschreitende Fusionen auch in Zukunft relevant bleiben, während die öffentlich-rechtliche und die genossenschaftliche Säulen vor der Herausforderung stehen, stärker als jeweils eine Einheit zu agieren.

Da ist Charlie Munger, Partner von Warren Buffett, ja geradezu optimistisch. Er geht nur von einem Überangebot im Bankensektor von 80 Prozent aus (Vgl. dazu: Charles Munger: Der Bankensektor sollte um 80 Prozent schrumpfen).

Ob die Annahmen von Oliver Wymann eintreffen und die empfohlenen Gegenmaßnahmen greifen werden, bleibt abzuwarten.

Auch Tom Dapp rechnet damit, dass zahlreiche Banken verschwinden werden, ohne dabei jedoch so ein düsteres Szenario zu zeichnen wie Oliver Wyman (Vgl. dazu: „Es werden ganze Banken verschwinden” – Tom Dapp im XING Talk).

In dem Beitrag Das Ende der Banken wird u.a. Stefan Mitnik, Inhaber des Lehrstuhls für Finanzökonometrie an der Uni München, zitiert:

 „Klassische Vollbanken, die alles anbieten, von der Filiale über das Kontogeschäft bis hin zum Versicherungsverkauf und zur Baufinanzierung, werden verschwinden“, sagt Mittnik. „Die Kunden werden sich ihre Finanzdienstleistungen dann einzeln zusammensuchen“, glaubt der Experte.

Eins ist sicher: Die Zeiten für die Banken werden (noch) härter. Es droht ihnen ein ähnliches Schicksal wie dem Bergbau und der Stahlindustrie.

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