Fintech – letztlich nur eine große Innovations-Simulation

Von Ralf Keuper

Innovatoren, so John Diebold in Innovators, sind technologische und geschäftliche Bahnbrecher, “die Pfade durch unerforschtes Gebiet schlugen”. Sie weigerten sich zu glauben “Es geht nicht”. Peter F. Drucker wies darauf hin, dass der Begriff Innovation nicht aus der Technik, sondern aus der Soziologie und den Wirtschaftswissenschaften stammt. Innovation lasse sich als “Veränderung von Wert und Befriedigung, die der Verbraucher aus Ressourcen erhält” definieren. Letztlich sollte eine Innovation die Gesellschaft als Ganzes nach vorne bringen.

Was hat es nun mit den Innovationen auf sich, die durch Fintech-Startups oder Challenger-Banken entstehen – schlagen sie Schneisen durch unerforschtes Terrain und verändern sie in positiver Weise Wert und Befriedigung, welche die Verbraucher bei der Abwicklung ihrer Bankgeschäfte erhalten? Oder handelt es sich in den meisten Fällen eher um die Simulation von Innovation? Was haben die Gesellschaft bzw. die Stakeholder – jenseits der perfekten Customer Experience – davon? Sind Fintech-Startups vielleicht nur Optimierer, die das bestehende System stützen, statt es zu verändern?

Sofern man Innovation an der Zahl der Patente bemisst, fällt die Bilanz für die Fintech-Startups ausgesprochen mager aus (Vgl. dazu: Fintech als Treiber des technologischen und gesellschaftlichen Wandels – eine eher ernüchternde Zwischenbilanz & Fintech ohne Hightech?). Als Arbeitgeber erzielen Fintech-Startups bestenfalls durchschnittliche Werte bei der Mitarbeiterzufriedenheit. Und auch die Kundenzufriedenheit hält sich oft in überschaubaren Grenzen (Vgl. dazu: Hoher Verschleiß an (Führungs-)Personal bei Revolut).

Insofern überrascht es nicht, wenn Jemima Kelly (Financial Times) und John Detrixhe (Quartz) auf einer Veranstaltung im September in London zu dem Schluss kommen, dass Fintech-Startups kaum innovativ sind und nicht zur Reform des Banking beitragen (Vgl. dazu: Fintech-Companies; Little Innovation and no Reform of Banking).

Gordon Kerr bringt es auf den Punkt:

On closer inspection, many of these FinTech challenger banks offer only cosmetic technology which is clearly trendy and leverages consumers’ widespread disdain for traditional banks. The new challenger offer help in budgeting and planning and helping their millennial customers keep close track of their financial commitments. But they offer nothing fundamentally new in the way banking operates. Key to their appeal is to emphasise their tech aspects and downplay their traditional banking features.

Obwohl die Startup-Szene mit Geld überschüttet wird, so das manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe in dem Beitrag “Dummes Geld”, herrsche in Sachen echte Innovationen Fehlanzeige.

Auch viele Fintechs wie die deutsche Smartphone-Bank N26 bieten kaum Zusatznutzen gegenüber Direktbanken wie Comdirect. Sehr gut sind (wie bei Uber) App und Benutzerführung, doch ob das die Bewertung von aktuell 3,2 Mrd. Euro trägt, ist zweifelhaft. Stattdessen finanziert das Wagniskapital den angeblich 3,5 Millionen Kunden ein Girokonto zum Nulltarif, das ihnen die Sparkassen verwehren.

Für Greg Satell ist das WeWork-Debakel nur ein Symptom eines deutlich tiefergreifenden Problems. Netzwerkeffekte sowie der Aufbau von Plattformen seien keine Garantie für geschäftlichen Erfolg. Das zeigt ausgerechnet das Beispiel Amazon:

This is, in effect, the platform fallacy, the idea that a platform business is inherently more profitable than any other kind of business. Amazon struggled for years to become profitable and, even today, makes most of its money from cloud computing, not its retail platform. Uber may never hit break even. Sure there have been some tremendous successes, such as Facebook, but platform-based companies fail all the time.

Fintech ist demnach, wie auf diesem Blog bereits mehrfach beschrieben wurde, nur ein Übergangsphänomen, ein Übergangsstil (Vgl. dazu: Fintech repräsentiert einen Übergangsstil).

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Selbstverwaltete Digitale Identitäten für Personen und Maschinen. Aktuelle Marktentwicklung und Ausblick (Report)

Von Ralf Keuper

Im Internet haben wir die für eine freiheitliche Gesellschaft paradoxe Situation, dass die Nutzer nicht autonom über die Verwendung ihrer digitalen Identitäten entscheiden können. Bislang scheint das die Mehrzahl der Nutzer nicht sonderlich zu beunruhigen. Meldungen und Berichte über Identitätsdiebstähle und Datenskandale sorgen zwar für Empörung, auf das Verhalten der Nutzer im Internet hat das indes kaum Auswirkungen.

Mit der Möglichkeit, auf sichere und komfortable Weise die eigenen digitalen Identitäten selbständig zu managen, könnte sich das ändern. Noch steckt die Entwicklung, insbesondere in Deutschland, in den Kinderschuhen. Dennoch sind in vergangenen Jahren weltweit zahlreiche Initiativen und Lösungen entstanden, die für die Verbreitung selbstverwalteter Digitaler Identitäten sorgen wollen, wie Sovrin oder der Bundesverband Blockchain (Bundesblock).
Auch die Unternehmen erkennen langsam das Potenzial selbstverwalteter Digitaler Identitäten, wenn es darum geht, Betrug zu verhindern und die Kundenbindung zu stärken. Die Nutzer und Kunden hätten den Vorteil, selber über die Herausgabe und Verwendung ihrer Identitätsdaten entscheiden zu können. Nur die Daten, die für einen bestimmten Vorgang nötig sind, werden freigegeben. Weiterhin können die Nutzer sich anonym mit ihrer verifizierten Identität bewegen; sie müssen sich also nicht mehr mit ungewünschter Werbung beschäftigen. Denkbar ist, dass die Nutzer ihre Daten Dritten – gegen Entgelt oder bessere Konditionen – zur Verfügung stellen.

Identitätsdienstleister haben die Chance, sich über die Qualität der von ihnen verifizierten Identitäten/Identitätsmerkmale und durch Zusatzservices von ihren Mitbewerbern abzusetzen.

Großes, weitgehend noch ungenutztes Potenzial schlummert bei den Identitäten für Maschinen. Vorstellbar sind Technologiedatenmarktplätze, auf denen die Identitätsmerkmale (Claims) der Maschinen gehandelt werden. Die Maschinen agieren dabei weitgehend autonom. Mittel- bis langfristig könnte daraus eine neue Asset-Klasse entstehen. Der Industrie und den Anlegern würden sich dadurch ganz neue Einnahme- und Finanzierungsquellen eröffnen.

Der vorliegende Report kommt zu dem Ergebnis, dass, wenn wir in Deutschland und Europa unseren Wohlstand erhalten und an der Wahlfreiheit der Bürger als dessen Quelle festhalten wollen, kaum ein Weg an der Einführung zumindest dezentraler, nach Möglichkeit jedoch selbstverwalteter Digitaler Identitäten vor bei führt.

Zuerst erschienen auf Identity Economy

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Bargeld – eine Fortschrittsbremse?

Von Ralf Keuper

Behindert das Bargeld den gesellschaftlichen und technologischen Fortschritt? Mit Blick auf einige Beiträge, in denen die Autoren das Ende des Bargelds herbei schreiben und ein Zeitalter der Freiheit heraufziehen sehen, drängt sich dieser Eindruck auf. Doch wie sieht es jenseits der PR und der selbstreferentiellen Fintech-Zirkel damit aus?

Selbst in Schweden, dem leuchtenden Vorbild der Bargeld-Gegner, will man an einer Grundversorgung mit Bargeld festhalten. Der Präsident der schwedischen Reichsbank, Stefan Ingves, betonte erst kürzlich die Bedeutung des Bargelds als einzigem risikofreien staatlichen Bezahlungsmittel.

In Japan, einem technologisch ausgesprochen fortschrittlichem Land, hält die Mehrheit der Bevölkerung, womit vor allem die Älteren gemeint sind, am Bargeld fest (Vgl. dazu: Japaner wollen Bargeld nicht loslassen). Ähnlich verhält sich in Deutschland, einem anderen traditionellen Bargeld-Land. Aber auch bei der jüngeren Generation ist das Bargeld noch immer beliebt (Vgl. dazu: Generation Z wünscht sich mehr Auswahl beim Bezahlen & Jugendliche geben Bargeld den Vorzug).

Übrigens: Bereits 1994 trat die deutsche Kreditwirtschaft mit dem Ziel an, das Bargeld zu verdrängen (Vgl. dazu: Zahlungsmittel: Mit einer neuen Generation von Chipkarten will die Kreditwirtschaft das Bargeld zurückdrängen).

Neben Deutschland und Japan, ist die Schweiz ein weiteres Land, in dem der Bargeldumlauf noch relativ hoch ist (Vgl. dazu: Vom Facettenreichtum des Bargelds). In der Eurozone wächst der Bargeldumlauf seit Jahren schneller als die Wirtschaft (Vgl. dazu: Eurozone: Bargeldumlauf wächst schneller als die Wirtschaft). Daneben ist das Bargeld das günstigste und effizienteste Zahlungsmittel (Vgl. dazu: Kosten der Bargeldzahlung im Einzelhandel). Ein Bargeldverbot, das zeigt das u.a. Beispiel Schweden, führt nicht zu einem Rückgang an Verbrechen.

Für Norbert Häring ist die viel beschworene finanzielle Inklusion nur ein Tarnbegriff für die Bargeldabschaffung.

Das Bargeld bleibt auch in Europa bis auf weiteres ein wichtiges Element, um Menschen, die über kein Bankkonto verfügen, die Teilnahme am Wirtschaftskreislauf und gesellschaftlichem Leben zu ermöglichen (Vgl. dazu: The role of cash in tackling financial inclusion). Anders verhält es sich beispielsweise in Afrika, wo erst mit Bezahlverfahren wie M-Pesa ein Großteil der Bevölkerung richtig am wirtschaftlichen Leben teilnehmen konnte.

Daraus ergibt sich ein differenziertes Bild. Das Bargeld behindert demnach nicht den gesellschaftlichen und technologischen Fortschritt. Vielmehr sorgt es – zumindest in den sog. westlichen Ländern – für Vielfalt und freien Zugang zum Wirtschaftsleben. Auch unter Kostenaspekten schneidet das Bargeld nicht schlecht ab. Wer es mit der Konsumenten – und Nutzersouveränität ernst meint, kommt am Bargeld bis auf weiteres nicht vorbei, was nicht bedeutet, dass der Anteil des Bargelds am Wirtschaftskreislauf erhöht werden sollte. Der Bargeldumlauf wird auf lange Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit abnehmen. Eine Grundversorgung mit Bargeld sollte, wie in Schweden, erhalten bleiben.

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Insight into Paymate, India’s largest B2B payments company

Weitere Informationen:

Visa investiert in indisches B2B-Payment Startup PayMate

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Markteintritt von BigTechs in das Bankgeschäft (Sachverständigenrat)

Von Ralf Keuper

In seinem Jahresgutachten 19/20 Den Strukturwandel meistern geht der Sachverständigenrat auf die Herausforderungen im Finanzsektor ein. Ein Unterkapitel beschäftigt sich mit der Rolle von BigTech im Bankgeschäft.

Die Abwicklung des Zahlungsverkehrs spielte in der strategischen Unternehmensausrichtung vieler deutscher Banken lange eine untergeordnete Rolle. Seitdem große Datenmengen aus der Abwicklung von Transaktionen kommerziell besser nutzbar sind, gewinnt der Zahlungsverkehr an Bedeutung. Allerdings haben ausländische BigTechs inzwischen aufgrund erheblich höherer Kundenzahlen und leistungsfähigerer Algorithmen einen komparativen Vorteil in der Verknüpfung und Auswertung von Kundendaten, der mittelfristig den Eintritt der BigTechs in das Bankgeschäft ermöglichen könnte. Dies würde den Anpassungsdruck auf etablierte Finanzdienstleister weiter verstärken und könnte disruptive Veränderungen hervorrufen. Die Gründung eines europäischen mobilen Zahlungssystems (European Mobile Payment Systems Association, EMPSA) und die Planung einer gemeinschaftlichen Zahlungsplattform der deutschen Banken (X-Pay) spiegeln nicht zuletzt die Sorge wider, dass Unternehmen aus den USA oder China europäischen Finanzdienstleistern im Zahlungsverkehr den Rang ablaufen könnten.

Auf der einen Seite wird in hypothetischer Form über den Markteintritt von BigTech in das Bankgeschäft spekuliert, während an anderer Stelle, in einem Kasten bereits Beispiele benannt werden:

Die zunehmende Bedeutung bargeldloser Zahlungsmittel hat den Eintritt großer Technologiefirmen (BigTechs) in den Markt für Zahlungs- und Bankdienstleistungen begünstigt. Dies sind derzeit vor allem US-amerikanische und chinesische BigTechs (zum Beispiel Amazon, Apple, Google, Facebook beziehungsweise Ant Financial/Alipay, Tencent/WeChat Pay).

Einer der weltweit am schnellsten wachsenden Märkte für elektronischen Zahlungsverkehr ist China. Aufgrund starker Netzwerkeffekte und geringer Fragmentierung weist der Markt eine oligopolistische Struktur auf: Alipay und WeChat Pay dominieren mit einem Marktanteil von über 90 % die Abwicklung mobiler Zahlungsgeschäfte (Financial Times, 2018a; Frost et al., 2019). Im Jahr 2017 lag das Volumen der von BigTechs abgewickelten Zahlungsdienstleistungen bei 16 % des chinesischen BIP, während sich der entsprechende Wert in den USA auf lediglich 0,6 % des BIP belief (BIZ, 2019a). Neben dem Zahlungsverkehr bauen chinesische BigTechs ihre Präsenz in anderen Geschäftsfeldern stetig aus: Alipay unterhält über die Muttergesellschaft Ant Financial einen der weltweit größten Geldmarktfonds (FSB, 2019).

BigTech-Unternehmen verfolgen beim Markteintritt in das Bankgeschäft verschiedene Ansätze. Einige etablieren ein eigenes Bankgeschäft, indem sie zunächst den elektronischen Zahlungsverkehr über ihre Technologieplattform ermöglichen und schrittweise zusätzliche Finanzdienstleistungen anbieten. Eine weitere Möglichkeit des Markteintritts für BigTechs ist die Kooperation mit etablierten Finanzinstituten. Aufgrund der regulatorischen Komplexität ist ein schneller Markteintritt in hochentwickelten Finanzsystemen oft nur mithilfe von Unternehmen möglich, die bereits über eine funktionierende regulatorische Infrastruktur und eine entsprechende Lizenz verfügen.

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Der Staat und die Globalisierung von Finanzmärkten. Regulative Politik in Deutschland, Großbritannien und den USA

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen der Globalisierung von Finanzmärkten auf die Ausgestaltung und Veränderung von Institutionen der Finanzmarktregulierung auf nationaler und internationaler Ebene. Von Interesse ist hierbei, welcher Form und Qualität die Sicherheitsstandards sind, die sich im Zuge wachsender Entgrenzung und strukturellen Wandels des internationalen Finanzgeschäftes herausbilden, auf welchen Wegen sie sich ausbreiten und wovon der Erfolg nationaler Reformen der heimischen Regulierungsregime letztlich abhängt. Die Beantwortung dieser Fragen verspricht außerdem, Aufschluss über die Handlungs- beziehungsweise Problemlösungsfähigkeit von Nationalstaaten in einem Politik- und Regulierungsfeld zu geben, das wohl wie kein zweites durch Prozesse ökonomischer Entgrenzung, aber auch durch die Verlagerung politischer Entscheidungsprozesse auf die europäische oder globale Ebene gekennzeichnet ist. Insofern ist die vorliegende Studie auch als Analyse der Möglichkeiten und Grenzen des »Regierens zwischen Markt und Mehr-Ebenen-System« und im Kern als Beitrag zur neueren staatstheoretischen Diskussion zu verstehen. …

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Ein Blick auf die Geschäftspolitik der Sparkassen seit den 1990er Jahren

Von Ralf Keuper

Die Sparkassen, wie überhaupt die Regionalbanken stehen vor der Herausforderung, ihr Geschäfts- und Organisationsmodell an das veränderte Marktumfeld anzupassen. Die fortschreitende Digitalisierung und die anhaltende Niedrigzinsphase zusammen mit wachsenden regulatorischen Anforderungen erhöhen den Kostendruck. Mit Fusionen, Filialschließungen und Personalabbau versuchen die Sparkassen die Ertragslage zu stabilisieren bzw. zu verbessern.

Die Situation ist nicht neu. Die Anfänge gehen zurück bis in die 1980er Jahre. Mit Beginn der 1990er Jahre wird die Diskussion um die künftige strategische Ausrichtung der Sparkassen besonders intensiv geführt – sie hält bis heute an – siehe die Gründung einer Superlandesbank.

In Geschäftspolitik der Sparkassen seit den 1990er-Jahren erläutert Ulrich Gröschel den Diskussionsverlauf.

Im Jahr 1989 sorgte ein vom DSGV beauftragtes Strategiepapier von McKinsey im Sparkassenlager für Aufregung. (Vgl. dazu: Falsche Produkte, falsche Kunden: Deutschlands Sparkassen und Landesbanken gehen harten Zeiten entgegen).

McKinsey empfahl seinerzeit, die Zahl der Sparkassen zu reduzieren und die Landesbanken unter der Deutschen Girozentrale zu vereinen. Für den damaligen Sparkassenpräsidenten, Helmut Geiger, war die Zusammenlegung der Landesbanken eine Schicksalsfrage. Die Kräfte der öffentlich-rechtlichen Banken seien zu zersplittert (Vgl. dazu: Landesbanken: Geplatzte Fusion).

Am meisten jedoch setzte den Sparkassen und Landesbanken eine Kampagne der Privatbanken, allen voran der Deutschen Bank zu. Die Privatbanken beklagten eine Wettbewerbsverzerrung durch die Gewährträgerhaftung der öffentlichen Hand bei den Sparkassen und Landesbanken. Sie seien nicht in gleicher Weise dem Wettbewerbsdruck ausgesetzt und könnten damit Konditionen anbieten, welche die Privatbanken kaum unterbieten könnten. Das war jedoch nicht der einzige Grund:

Im Vorfeld und mit Beginn des europäischen Binnenmarktes für Finanzdienstleistungen 1993 lag der Konsolidierungsgedanke allerdings im Zug der Zeit. Größe galt als wichtiger Faktor für Internationalisierungsstrategien im Bankenwettbewerb. Konsolidierung meinte dabei weniger den Zusammenschluss mehrerer kleiner Banken zu einer dann immer noch nicht sehr großen Bank. Die Kritik an der öffentlichen Rechtsform der Sparkassen war vielmehr darin begründet, dass die großen privaten Banken in diesem System nicht durch Zukäufe wachsen könnten, was ihre Wettbewerbsfähigkeit auf den sich immer mehr internationalisierenden Märkten behindere.

Erst mit der Übertragung der bis dahin landeseigenen Wohnungsbauförderungsanstalt (WfA) von NRW auf die WestLB nahm die Auseinandersetzung eine entscheidende Wendung. Die EU-Kommission befand, dass es sich hierbei um eine unzulässige Beihilfe handelte. Die WestLB nutzte das zusätzlich durch die WfA eingebrachte Eigenkapital dazu, im Investmentbanking eine relevante Rolle zu spielen, was, wie die Finanzkrise endgültig offenbarte, zum Niedergang der Bank führen sollte. Nicht viel besser erging es den anderen Landesbanken, wie der SachsenLB.

Die Forderung nach einer Privatisierung der Sparkassen wurde vor Ausbruch der Finanzkrise mit dem Hinweis auf Spanien und andere Länder untermauert. Dort waren die Sparkassen bereits privatisiert worden. In der Finanzkrise waren die spanischen Sparkassen besonders betroffen. Als der Immobilienboom mit einem Schlag vorbei war, nahmen die Kreditausfälle zu (Vgl. dazu: Spanischer Bankenmarkt. Kreditausfälle belasten & Konsolidierung von Sparkassen in Spanien geht weiter).

Die Argumentationsbasis der Privatisierungsbefürworter war damit deutlich geschwächt.

Im Ergebnis ist es den Privatisierungsbefürwortern nicht gelungen, die Politik, insbesondere die Länder als Verantwortliche für die Sparkassengesetze, zu substanziellen Privatisierungsschritten zu bewegen. Regelungen in verschiedenen Sparkassengesetzen, die über stille Einlagen Beteiligungen Privater (ohne oder mit eingeschränkten Mitwirkungsmöglichkeiten) ermöglichen, ändern an dieser Wertung nichts.40 Allerdings hat sich die Sparkassen-Finanzgruppe auf einen geschäftspolitischen Kurs ‚zurück zu den Wurzeln‘ besonnen.

Um weiteren Diskussionen um die Existenzberechtigung der Sparkassen vorzubeugen oder ihnen prophylaktisch zu begegnen, starteten die Sparkassen eine Image-Kampagne (Standort: hier), welche die Verwurzelung in der Region und deren positiven Effekte für das Gemeinwohl hervorhob.

Um das Jahr 2000 wandten sich die Sparkassen dem Thema Direktbanking und Onlinebanking zu – mit überschaubarem Erfolg. Im Sparkassenlager wurde darum gerungen, wie der Herausforderung durch die Direktbanken zu begegnen sei. Am Ende siegte jedoch – wie so oft – der Status Quo:

In der Sparkassenorganisation wurde vor diesem Hintergrund über die Einführung kostenloser Girokonten diskutiert, jedoch – abgesehen von Girokonten für Schüler, Studenten und Auszubildende etc. – nicht in der Breite umgesetzt. Die Zahlungsverkehrserträge waren und sind zu bedeutend, um sie aufzugeben oder in unsichere Erwartungserwartungen in anderen Geschäftsbereichen zu tauschen. Hinzu kam, dass der DSGV ausrechnete, die herkömmlichen Kontoführungspreise seien auch bei Hinzurechnung von Zinserträgen beziehungsweise Deckungsbeiträgen aus Girokonten und Kontokorrentkrediten nicht kostendeckend. Einige Sparkassen setzten auf so genannte Mehrwert-Girokonten, bei denen bankspezifische Leistungen um Versicherungs-, Reise-, Rabattund Serviceangebote (zum Beispiel bei Schlüsselverlust) erweitert wurden.90 Die Erfolge waren begrenzt.

Ähnlich verhielt es sich beim Online-Banking:

Vor dem Hintergrund des weiteren Marktwachstums beim Onlinebanking errichtete die Sparkassen-Finanzgruppe das Finanzportal ‚Sparkasse.de‘, das als Informationsportal dienen und insbesondere eine ‚Zuführungsfunktion‘ zu den Sparkassen haben sollte.92 Außerdem erwarb sie einen Onlinebroker für ein zentrales Angebot in diesem Geschäftsfeld. Dieser blieb allerdings erfolglos, da er von vielen Sparkassen weniger als Lösung zur Minderung des Marktdrucks, sondern als Konkurrenz zum eigenen Geschäft gesehen wurde. Außerdem kam er zu spät an den Markt.

Das Muster kommt einem mit Blick auf Yomo und Paydirekt irgendwie bekannt vor.

Auf dem Weg, die Profitabilität zu steigern und die Ausstattung mit Eigenkapital zu sichern, sind die Sparkassen laut Gröschel, u.a. durch Kostensenkungs- und Rationalisierungsmaßnahmen, anders als von vielen befürchtet, gut voran gekommen. Dennoch: Auf Dauer ist das Potenzial für weitere Kostensenkungen nahezu ausgereizt:

Erhebliche Rationalisierungspotenziale im Back Office sind bereits gehoben. Fusionen von Verbundunternehmen, soweit sie durchsetzbar sind, wirken nicht kurzfristig. Regulierungskosten induzieren zusätzliche Belastungen. Deshalb dürfte es deutlich schwieriger werden als vor einem Vierteljahrhundert, den Kostentrend nachhaltig in die richtige Richtung zu wenden. Das stationäre Vertriebsnetz wird im Fokus stehen. Den aus den Markttrends ohnehin vorhandenen Druck, die Präsenz vor Ort zu überprüfen und das Geschäftsstellennetz zurück zu schneiden, verstärkt das monetäre Umfeld nachhaltig.

Fazit

Die Diskussion der letzten 25-30 Jahre zeigt, dass die Sparkassen vor allem mit sich selbst beschäftig waren; ein Zustand, der bis heute anhält. Altbekannte Muster wiederholen sich: Auf externe Herausforderungen reagiert das System überwiegend mit Ignoranz, Relativierung und Besitzstandswahrung. Man setzt auf den Faktor Zeit, die eigene Marktposition und die Kontakte zur Politik. Ein Vorgehen, das im Zeitalter der Plattformökonomie immer seltener zum Erfolg führt.

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Wie ein Geschäftsmann Banken um Milliarden betrog – Big Money | SWR Doku

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Hoher Verschleiß an (Führungs-)Personal bei Revolut

Von Ralf Keuper

Das passt nicht wirklich in das Bild, das in Teilen der Medien und der Fintech-Szene von den sog. Challenger-Banken gezeichnet wird: Wie es aussieht, hat der härteste N26-Mitbewerber Revolut eine Fluktuationsrate, die auch für die agile Startup-Szene ungewöhnlich ist. Darüber wird u.a. in Revolut CISO leaves after two months on the job berichtet. Demnach hat der Chief Information security officer nach nur zwei Monaten das Handtuch geworfen. Sein Vorgänger hatte es immerhin ein Jahr auf dem Platz ausgehalten. Der Artikel erwähnt eine Analyse von Wired, derzufolge 80% der Mitarbeiter weniger als ein Jahr in dem Startup verweilt haben. Seit 2016 hat die Bank zwei Chef-Risikomanager, den Compliance-Chef und zwei Geldwäsche-Officer verloren.

Die deutschsprachigen Kunden jedenfalls sind mit der Bank laut Trustpilot äußerst zufrieden, wenngleich in letzter Zeit einige schlechte Bewertungen auftauchen, die aber das positive Gesamtbild bislang nicht gefährden. Nicht so positiv äußern sich dagegen die Kommentatoren von Beginner’s Guide to Revolut: Complete Review.

In der Kritik der Mitarbeiter und Kunden stehen seit einiger Zeit auch N26 und Fidor.

Es scheint so, als bestünde bei den Challenger-Banken in Sachen Unternehmenskultur und Kundenorientierung noch Optimierungspotenzial.

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The Medici Bank – Its Organization, Management, Operations, and Decline

THE organization of a commercial firm or a corporation is usually determined by the nature of its business. We must, therefore, know the meaning of the word “bank” which appears in the title of this study. Today this word has a variety of meanings. There are all sorts of banks: central banks, commercial banks, member banks, and so forth. In the fifteenth century, there were not so many kinds of credit institutions. But still the word “bank” had more than one meaning. What kind of bank was the Medici bank? …

Quelle / Link: The Medici Bank – Its Organization, Management, Operations, and Decline

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