Banken und Sparkassen: Auf Beobachtungsposten

Von Ralf Keuper

Wer sich einen Überblick über eine Situation verschaffen will, deren Zusammenhänge er noch vollständig versteht oder aber, wer die Bewegungsmuster des Gegners erforschen will, tut meistens gut daran, sich auf Beobachtungsposten zu begeben. Wenn diese Beobachtungsphase sich jedoch über mehrere Jahre hinzieht, ohne dass daraus eine funktionsfähige Taktik oder gar Strategie resultiert, dann wurde die Zeit eventuell verschwendet.

Dieser Verdacht drängt sich mit Blick auf das Banken- und Sparkassenlager seit einiger Zeit auf. Jüngstes Beispiel ist die zögerliche Unterstützung deutscher Banken und Sparkassen von Apple Pay. Es gibt einige durchaus plausible Gründe für die Banken und Sparkassen, Apple Pay mit einer gewissen Skepsis zu begegnen – sofern man die Zeit genutzt hätte, um ein vergleichbares Angebot bei den Mobilen Bezahlverfahren auf die Beine zu stellen. Das ist jedoch, so Marcus Mosen in Wie Deutschlands Banken die Apple-Pay-Revolution verpassten, unterblieben. Es dominierten Alleingänge und halbherzige Initiativen, die noch der alten Branchenlogik verhaftet sind, wie paydirekt. Von einer europäischen Lösung ganz zu schweigen.

Die Banken und Sparkassen werden damit zu Zaungästen der Zeit. Sie sehen die Züge nur noch vorbei fahren. Sie warten auf den bestimmten Zug, der nie kommen wird. Irgendwann wird das Gleis still- oder weitestgehend lahm gelegt. Oder anders: Es kommt nur noch der Regionalexpress vorbei.

Die Entwicklung steht nicht still. Der nächste Schub wird mit dem Internet der Dinge und dem Industriellen Internet der Dinge einsetzen. Es sieht ganz danach aus, als würden sich die Rollenmodelle aus dem Privatkundengeschäft wiederholen. Die großen Technologiekonzerne und Ökosysteme besetzen die Kundenschnittstelle und arbeiten sich dann zielstrebig in die nachgelagerten Bereiche vor – wie IoT-Payments und Pay per Use-Modelle. Banking ist davon nur ein Teil. Mit der Zeit werden die Banken an das Ende der Nahrungskette verdrängt.

Das lässt sich heute schon beobachten.

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Bank of Things oder Bank of Identities? #2

Von Ralf Keuper

Sofern demnächst Milliarden von Geräten über das Internet der Dinge miteinander kommunizieren und Geld versenden, steigt der Bedarf an Verfahren und Institutionen, die für den sicheren Datenverkehr und das Clearing sorgen. Eine Aufgabe, die von einer Bank of Things übernommen werden könnte, so der Beitrag The “Bank of Things”: The Application of IoT in the Financial Sector.

Für klassische Banken und Finanzdienstleister bestünden hier große Chancen:

In the FSI the “bank of things” (which makes the very apt acronym “BoT”) is the material infrastructure that facilitates the billions of data transfers that take place every day. It enables insurance companies to collect and share data with customers about their insured goods in real time, allows consumers to make instant contactless payments and provides the framework for retail banks to collect information on each customer that enters one of their locations.

Die größte Herausforderung besteht darin, die Daten und digitalen Identitäten der Nutzer und Geräte vor Hackerangriffen zu schützen.

You can’t use the old way of detecting signatures of attacks or looking for vulnerabilities. You have to be smarter and use the next generation defense methods based on sophisticated machine learning, behavioural analysis and anomaly detection technologies combined with big-data science in order to meet the challenges of IoT and connected devices pose to Cybersecurity.

Die Bank of Things kann das nicht alleine bewerkstelligen. Sie ist auf Kooperationen mit speziellen Dienstleistern (Cybersecurity, Identity of Things-Plattformen, Zertifizierungsstellen) angewiesen. Im Idealfall bringt sie die Teile auf einer Plattform zusammen, die von ihr verwaltet und weiter entwickelt wird. Sie agiert als neutrale Datendrehscheibe, die keine Datennutzung betreibt. Ihren Service lässt sie sich bezahlen.

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A Story of how Santander is changing the way banks and companies work | Santander Bank

Weitere Informationen:

Stellenabbau bei Santander trifft vor allem Mönchengladbach

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Der Aufzug als Kommunikationsplattform

Von Ralf Keuper

Hersteller von Investitionsgütern verwandeln sich in die Betreiber digitaler Plattformen. Im Zentrum steht dabei der Service-Gedanke, d.h. das Produkt an sich rückt in den Hintergrund; wichtig sind die Services, die sich mit dem Produkt verbinden und nach Möglichkeit abrechnen lassen. Aktuellstes Beispiel ist der finnische Hersteller von Aufzügen Kone. Der Aufzug tritt über Displays mit den Fahrgästen in Kommunikation und Interaktion, worüber in Kone monetizes connected elevators with Alexa, music-streaming, and digital displays berichtet wird.

Kone is striving to make elevators a platform, allowing its clients to tailor services such as music, customize digital displays with local information or panoramic views via “virtual windows,” improve accessibility, and enable voice commands.

Displaytechnologien sorgen mit dafür, dass bislang getrennt voneinander agierende Medien näher zusammenrücken und z.T. auch verschmelzen (Vgl. dazu: Banking als Teil des Medienwandels #5).

Zuerst erschienen auf Identity Economy

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Fintech-Startups – die Revolution blieb bislang aus

Von Ralf Keuper

Auch nach mehreren Jahren ist bei genauerer Betrachtung nicht ganz klar, worin der Beitrag der Fintech-Startups für die Gesellschaft, jenseits der perfekten Customer Experience, eigentlich bestehen soll (Vgl. dazu: Fintech als Treiber des technologischen und gesellschaftlichen Wandels – eine eher ernüchternde Zwischenbilanz). Was echte technologische Innovationen betrifft, fällt die Bilanz bescheiden aus; als Arbeitgeber sind Fintech-Startups auch nicht das, was sie eigentlich sein wollten, und selbst die Kunden, deren Interessen ansonsten absolute Priorität haben, sind, wenn Probleme auftreten, mehr oder weniger auf sich gestellt.

An dem System, das sie eigentlich verbessern wollten, hat sich wenig bis gar nichts durch ihr Erscheinen geändert; eher im Gegenteil, wenn man dem Autor von The Future of Banking Is … You’re Broke folgt. Denn, ganz abgesehen davon, wie nutzerfreundlich die diversen Applikationen und Werkzeuge sind, die Fintech-Startups anbieten, so geht das verfügbare Einkommen bei vielen Kunden, jedenfalls in den USA, zurück. Die Verschuldung, wie im Bereich Kreditkarten, Autokrediten und Studentendarlehen hat Ausmaße erreicht, die ungute Erinnerungen an die Zeit vor Ausbruch der letzten Finanzkrise wecken:

No neo-bank can erase the student loan debt or the 40-year stagnation in wages or the unexpected medical expenses or the crippling reality of America’s existential brokeness. The neo-banks have promised that they’ll ease your pain, but that’s just morphine for the real condition. When it comes to the actual sickness, you’re still on your own.

Kurzum: Fintech-Startups tragen mit dazu bei, dass sich alles weiter im Kreis, in den alten Bahnen (nach unten) bewegt, statt Vorreiter einer Revolution zu sein.

Eine der Ursachen der letzten Finanzkrise war nach allgemeiner Auffassung die Deregulierung in den Jahren/Jahrzehnten zuvor. Fintech-Startus stehen u.a. für Disintermediation und Finanzialisierung (Vgl. dazu: The Innovation Mechanisms of Fintech Start-Ups: Insights from Swift’s Innotribe Competition), wirken demnach auch de-regulierend – insbesondere mit Blick auf PSD2 und Open Banking. Die eigentlichen, mittel-bis langfristigen Profiteure dieser Entwicklung sind in erster Linie die großen Technologiekonzerne, welche auf ihren Plattformen die losen Teile integrieren. Überdies haben sie mit PSD2 prinzipiell den Zugang zu Kundendaten, die ihnen bislang noch fehlten.

Update.

Nachdem ich auf twitter zu Recht darauf hingewiesen wurde, dass Fintech weitaus mehr umfasst als Challenger oder Neo-Banken, habe ich den Titel etwas angepasst (“bislang”). Es stimmt – mit Blick auf Ripple & Co. ist momentan einiges unterwegs, das zu einem Wandel führen kann.

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The Chinese Consumer: Technology

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Mit Platform as a Service zu mehr Agilität und Nutzerorientierung

Von Ralf Keuper

Als Folge der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank hatten die IT-Abteilungen beider Häuser über Jahre alle Hände voll zu tun, die unterschiedlichen IT-Systeme zu integrieren und zu migrieren. Projekte aus dem Online-Banking mussten dafür zurückgestellt werden. Rückblickend räumt der damalige IT-Vorstand der Commerzbank, Frank Annuscheit, ein, dass dieses Vorgehen heute nicht mehr opportun ist.

Heutzutage wäre es wesentlich schwerer zu realisieren, dass man sich zwei, drei Jahre aus ein paar Themen zurückzieht und sich ganz auf eine Integration konzentriert. Ich denke, heutzutage müsste man, so schwer das wäre, gleichzeitig eine Integration bewältigen und in allen innovativen Themen weiter vorne mit dabei sein (in: Technik in der Commerzbank von 1870 bis heute).

Die Kunden sind heute durch Apple, Amazon und Google eine Nutzererfahrung und Geschwindigkeit bei der Entwicklung neuer Services und Features gewöhnt, die sie auch von ihrer Bank erwarten. Mit offenen Schnittstellen und durch Kooperationen mit Fintech-Startups wollen die Banken den Kunden einen ähnlichen Service wie Amazon & Co. bieten. Als Hindernis stellen sich dabei die IT-Systeme heraus, die häufig noch überwiegend monolithisch und nur in Teilen modular aufgebaut sind. Die IT-Strategie der Banken muss sich den neuen Gegebenheiten anpassen.

Dr. Wolfram Jost, Mitglied der Geschäftsführung Scheer GmbH

In der Vergangenheit konnten die Banken bei der Auswahl ihrer Lieferanten je nach Bedarf zwischen zwei oder drei Alternativen wählen. Die Bereiche waren relativ klar voneinander getrennt. Beim Desktop war Microsoft Office die Wahl, bei den Datenbanken galt es zwischen IBM und Oracle zu wählen. Bei den Umsystemen, wie im Meldewesen, ist die Zahl der Alternativen noch heute begrenzt. Einzig bei den Kernbankensystemen war das Angebot größer. Viele Banken setzten überdies auf Eigenentwicklungen. Mittlerweile jedoch, so Dr. Wolfram Jost (Foto), Geschäftsführer für Softwareprodukte bei der Scheer GmbH, bieten Microsoft, Google und Amazon vom Desktop bis zum Back End fast das komplette Spektrum an Lösungen an. Im Cloud-Computing sind Amazon, Microsoft und Google die einzigen Anbieter, die große Skaleneffekte realisieren und dadurch kostengünstige Angebote unterbreiten können. Mit ihren App-Stores und mobilen Bezahllösungen dominieren Google und Apple die Kundenschnittstelle. Da stellt sich – nicht nur für die Banken – die Frage, wie man sich in Zukunft noch vom Wettbewerb abheben und dem Lock-In-Effekt entgehen will.

Nach Ansicht von Wolfram Jost bietet Platform as a Service (PaaS) wie die Scheer PAS Plattform als Nachfolger der klassischen Middleware großes Differenzierungspotenzial. Wesentliche Aufgaben von PaaS während des Softwareentwicklungsprozesses sind Design, Development, Testing, Deployment, Execution, Monitoring und die Administration von Geschäftsapplikationen. Darüber hinaus werden die Unternehmen in die Lage versetzt, neue, innovative Geschäftslogik schnell und agil zu entwickeln und bereitzustellen (Vgl. dazu: Die Zukunft der Unternehmenssoftware im Zeitalter der Digitalisierung). Hier geht es also nicht nur um Standardisierung und Skaleneffekte als vielmehr darum, die Fachlichkeit bzw. das eigene domänenspezifische Wissen abzubilden sowie neue Technologien, wie KI, IoT und Blockchain, einzubinden. Das wiederum bietet die Basis für neue, unverwechselbare Services an der Kundenschnittstelle. Softwareentwickler haben die Aufgabe, im Austausch mit den Kunden die Nutzererfahrung fortlaufend zu verbessern.

In den letzten zwanzig Jahren haben die Banken große Teile des IT-Know Hows ausgelagert. IT war keine Kernkompetenz einer Bank. Folge davon ist, dass die Banken die Tuchfühlung mit ihren Kunden verloren haben und die Kundenschnittstelle von Apple, Google, Amazon und facebook besetzt wurde. Einige Fintech-Startups haben die Chance genutzt und sich zwischen die Kunden und die Banken geschoben. Mit PSD2 und Open Banking wird sich der Trend noch verstärken. Künftig werden die Banken und Unternehmen, so Wolfram Jost, die Softwareentwicklung in die eigenen Hände nehmen müssen. Mit Low-Coding können auch die Fachabteilungen an der Entwicklung von Geschäftsapplikationen aktiv mitwirken. Dabei wird die Geschäftslogik auf Basis grafischer Benutzeroberflächen (Drag and Drop) modelliert. Ergebnis sind grafisch erstellte Modelle (Meta Daten), aus denen dann im Hintergrund automatisch der entsprechende Programmcode erzeugt wird (Vgl. dazu: Low-Code-Plattformen im Banking).

Mit der Abkehr von der Produkt- hin zur Serviceorientierung, wofür die Begriffe Software as a Service (SaaS), Platform as a Service (PaaS) und Infrastructure as a Service (IaaS) stehen, wächst die Komplexität der Systemlandschaften. Banken werden Teil übergreifender digitaler Ökosysteme. Dadurch, so Jost, sind die Banken zu grundlegenden Entscheidungen gezwungen: Ist es beispielsweise wichtiger die Systeme stets online verfügbar zu halten oder ist die Datenkonsistenz das entscheidende Kriterium, d.h. müssen die Daten immer auf dem aktuellsten Stand sein, oder reicht es, die Daten, wenn es tatsächlich nötig und unabdingbar ist, auf anderem Weg zu aktualisieren? Auf alle Fälle sollten die Kunden bei auftretenden Problemen die Möglichkeit haben, sich an die Bank zu wenden. Einige Fintech-Startups haben hier durchaus noch Verbesserungspotenzial. Wie die Meldungen über Systemausfälle der Banken zeigen, ist die Frage der Verfügbarkeit von ungebrochener Aktualität.

Banken können es sich nicht mehr erlauben, den Blick überwiegend nach innen zu richten und die Erneuerung der kundennahen Systeme zugunsten anderer IT-Projekte zurückzustellen. Nötig ist ein Mindestmaß an operativer Flexibilität. Bei der Datenhaltung sollten Banken und Unternehmen, so Wolfram Jost, eine Multicloud-Strategie verfolgen, um nicht in die Abhängigkeit von einem Anbieter zu geraten. Hier kann die Standardisierung ihre Vorteile ausspielen. In den anderen kundennäheren Schichten geht es dagegen mehr um Individualisierung und Personalisierung. Mit Platform-as-a Service besteht die Möglichkeit, das eigene Wissen zu schützen und für die Entwicklung innovativer Services und Produkte verfügbar zu machen. Das ist die Grundvoraussetzung, um an der Kundenschnittstelle noch wahrgenommen zu werden.

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Autokredite in den USA – die neue Subprime-Krise?

Von Ralf Keuper

In den USA haben die Ausfallraten von Autodarlehen Ausmaße erreicht, die große Ähnlichkeit mit der Zeit vor Ausbruch der Finanzkrise 2007/2008 haben (Vgl. dazu: USA: Ausfallraten bei Autokrediten steigen deutlich & USA: Verschuldung durch Autokredite steigt – Amerikas nächste Blase). Bereits im Jahr 2014 tauchten die ersten Beiträge auf, in denen darauf hingewiesen wurde, dass immer mehr Käufer mit schlechter Kredithistorie Autos erwerben, für die sie eigentlich kein Geld haben (Vgl. dazu: Finanzmärkte: Rückfall in alte Denk- und Verhaltensmuster?).

Exemplarisch hierfür ist der Markt für amerikanische Autokredite und Leasingverträge, der auf ein Volumen von 900 Milliarden Dollar angewachsen ist. Beunruhigend an dieser Entwicklung ist, dass 34 Prozent der Kredite für den Kauf von Neuwagen an Personen mit schlechter Kredithistorie, d.h. mit schlechter Zahlungsmoral vergeben wurden. Bei den Gebrauchtwagen beträgt der Anteil sogar 62 Prozent. Zydra beruft sich dabei auf den Experian Automotive report.

Im Jahr 2017 verdichteten sich die Anzeichen für eine krisenhafte Entwicklung bei den Autokrediten (Vgl. dazu: Kehrt die Finanzkrise im neuen Gewand zurück?).

Bedenklich an der aktuellen Entwicklung ist, dass die Autokredite mit Zahlungsverzug zuletzt deutlich gestiegen sind. Anlass zur Sorge gibt das hohe Volumen an Subprime Auto ABS (durch Autokredite besicherte Wertpapiere), das in diesem Jahr wohl einen neuen Höchststand erreichen wird – und das, obwohl die Verkaufszahlen für PKWs rückläufig sind. Im vergangenen Jahr waren es 32 Mrd. Dollar.

Dennoch ist die FT der Ansicht, dass der Markt für Autokredite momentan nicht das Potenzial hat, eine neue Finanzkrise auszulösen.

Autokredite sind in vielen Fällen, so der Tenor von Amerikas nächste Blase, Teil eines Schneeballsystems. Käufer bekommen ihr neues Auto finanziert, obwohl das Darlehen für das alte noch nicht zurückgezahlt ist. Erschwerend kommt hinzu, dass in den USA die Kosten mehr steigen als die Löhne. Die Autokredite werden häufig für die Finanzierung von Autos aus dem Premiumsegment, wie SUVs, vergeben. Hier sind deutsche Fabrikate besonders stark vertreten. Insofern hätte eine Subprime-Krise bei den Autokrediten negative Konsequenzen für die deutschen Hersteller – unabhängig von den Aktivitäten von Präsident Trump. Auch in China erfreuen sich durch Autokredite verbriefte Wertpapiere wachsender Beliebtheit (Vgl. dazu: An Overview Of China’s Auto Finance Market And Auto Loan Securitization). Der Versuch, die Konjunktur durch Konsumausgaben, wie mit dem Kauf eines Autos, zu steigern, dürfte China, sofern der Trend anhält, vor Probleme stellen (Vgl. dazu: Want to Buy a Car? China’s Got a Deal for You). Ebenfalls eine Herausforderung für die deutschen Autohersteller.

Sollte die Blase platzen, hätte das direkte Auswirkungen auf den Autoabsatz und hier besonders auf das Premium-Segment.

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LIGHTest: Eine globale Vertrauensinfrastruktur

Von Ralf Keuper

Kürzlich endete das von der EU geförderte Projekt Lightweight Infrastructure for Global Heterogeneous Trust management in support of an open Ecosystem of Stakeholders and Trust schemes (LIGHT est). Der Startschuss fiel im Oktober 2016 auf dem Open Identity – Summit in Rom.

Zur Zielsetzung:

Immer mehr kritische Transaktionen werden heute über das Internet abgewickelt. Aber sind die virtuellen Identitäten wirklich, was sie vorgeben? Das von der EU geförderte Projekt LIGHTest setzt genau dort an, indem es eine globale Vertrauensinfrastruktur schafft. Sein Ziel ist, eine Lösung bereitzustellen, mit der sich rechtmäßige von betrügerischen Identitäten unterscheiden lassen. Dies ist maßgeblich, um effiziente elektronische Transaktionen für verschiedenste Anwendungen einzuführen – von der einfachen Prüfung elektronischer Signaturen über eProcurement, eJustice, eHealth und Strafverfolgung bis hin zur Untersuchung, ob Sensoren und Geräte im Internet der Dinge vertrauenswürdig sind. …

LIGHTest will dieses Problem mit einer globalen Vertrauensinfrastruktur lösen, über die unabhängige Behörden ihre »trust information« veröffentlichen können. Eine solche globale Infrastruktur aufzubauen, ist ein ehrgeiziges Ziel. Aufgrund der bestehenden Infra-, Governance- und Organisationsstrukturen sowie Sicherheitsstandards des Domain Name Systems (DNS) des Internets können wir aber zuversichtlich sein, dieses Ziel zu erreichen. Wie Handelsregisterführer und Behörden in den Bereichen Gesundheit, Strafverfolgung und Justiz können die Europäische Kommission und ihre Mitgliedstaaten dann über die Infrastruktur Listen zertifizierter vertrauenswürdiger Dienste veröffentlichen (Quelle: LIGHTest – globale Vertrauensinfrastruktur).

Quelle: Cross-Border Trust Infrastrucutures:
What the LIGHTest tool has to offer

Obwohl die Vermutung nahe liegt, setzt LIGHTest nicht auf die Blockchain-Technologie. Zwar schließen sich die beiden Ansätze nicht aus, zumal die Zielsetzungen ähnlich sind (automatic verification of transactions, transparency, secure
transactions) und ein Zusammenwirken in bestimmten Fällen möglich ist, jedoch handele es sich um fundamental verschiedene Vorgehensweisen.

Wofür LIGHTest steht:

  • Make it automatic for Verifiers to query Trust Lists
  • Combine multiple queries to validate
    • an Electronic Transaction
    • against an easy to author Trust Policy

Dazu noch die Infrastruktur für die Übersetzung über verschiedene Trust-Domains hinweg.

Authority publishes Trust List on

  • which authorities from other trust domains are trustworthy
  • how to translate foreign into native trust schemes

Was LIGHTest nicht ist:

  • LIGHTest does not provide an alternative to eIDs or business registers
  • LIGHTest does not allow you to outsource trust decisions
  • LIGHTest does not allow you to use a global, known und trusted infrastructure to:
    • Retrieve declared policy details from partners
    • Verify those declared policies partners from Trust Lists
    • Determine trust assurances behind partners
    • Facilitate your own decision making
  • While also providing a path for trustworthy future business

Kurzum: LIGHTest dient dazu, den Unternehmen die Suche nach vertrauenswürdigen Geschäftspartnern, Personen und technischen Objekten zu erleichtern. Die Entscheidung nimmt sie den handelnden Personen nicht ab.

In einem Pilotprojekt hat LIGHTest zusammen mit der Spanischen Post Correos eine vertrauenswürdige Kommunikations-Infrastruktur entwickelt (eDelivery trust schemes), um die Kommunikation zwischen Unternehmen und Nutzern/Kunden/Bürgern zu sichern. Mehr dazu in: How the DNS Can Support Identification and Trust Services.

Einige Zeit vor LIGHTest beschäftigte sich das ebenfalls von der EU geförderte Projekt FutureID mit ähnlichen Fragestellungen (Vgl. dazu: FutureID: Ein dezentrales Identitätsmanagement-Ökosystem für Europa und darüber hinaus).

The objective of the FutureID project was to build an identity management infrastructure for Europe in support of a single market of online services. This requires the availability and large-scale use of trusted and secure identities that replace current password credentials. .. FutureID therefore attempts to find a solution that renders it easier to reach the required critical mass by providing interoperability between credentials and services.

Es bleibt zu hoffen, dass die Ergebnisse und Erfahrungen aus der Projekten gebündelt werden, um die PoC-Phase zu verlassen.

Weitere Informationen:

Let’s talk about digital identity with Rachelle Sellung and Alberto Miranda García, representing the LIGHTest Project. (Podcast)

Zuerst erschienen auf Identity Economy

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Der CS-Skandal – Topbanker, Spione und Millionen am Bankenplatz Schweiz | Reportage | SRF DOK

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