Wir brauchen keine Banken mehr?! | Interview Mit FinBc | Malta Blockchain Summit

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Anmerkungen zur Token Economy

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Why we need Decentralized Identity

Von Ralf Keuper

Wenn sich ein Konzern, der in Vergangenheit wie kaum ein anderer für Zentralisierung und monopolistische Marktmacht stand, für dezentrale digitale Identitäten stark macht, dann ist das sicherlich nicht nur der Liebe zu mehr Wettbewerb und Diversität geschuldet. Bislang hat Microsoft noch immer rechtzeitig auf ein verändertes Marktumfeld reagiert. Sollte sich dieses Muster auch im vorliegenden Fall bestätigen, dann steht dezentralen Digitalen Identitäten eine goldene Zukunft bevor.

Jedenfalls hat Microsoft in Decentralized Identity. Own and control your identity ein Plädoyer für dezentrale digitale Identitäten verfasst. Das Unternehmen übernimmt in den verschiedenen Gremien eine aktive Rolle.

Microsoft is actively collaborating with members of the Decentralized Identity Foundation (DIF), the W3C CredentialsCommunity Group, and the wider identitycommunity. We’re working with thesegroups to identify and develop criticalstandards. We’re developing an opensource DID implementation that runs atopexisting public chains as a public Layer 2 network designed for world-scale use.The purpose of this implementation is to establish a united, interoperable ecosystem that developers and businesses can rely on to build a new wave of products,applications, and services that put
users in control.

Sie scheinen es wirklich ernst zu meinen.

Informativ ist das Schaubild zum Zusammenspiel der verschiedenen Rollen und Instanzen im Ökosystem dezentraler digitaler Identitäten.

Quelle: Microsoft 

Von besonderer Bedeutung sind die Decentralized Identifiers (DID) und die Identity Hubs.

Der entscheidende Vorteil der Identity Hubs besteht darin, dass der Nutzer damit unabhängig von entsprechenden Identity-Dienstleistern ist, es also nicht zu einem Lock-in-Effekt kommen kann:

A key property of DIF Identity Hubs is that a user can leverage multiple instances across providers and infrastructure boundaries that sync and replicate data to achieve ashared state. But you’re not required to use a provider for your Identity Hub at all: Identity Hubs are open source server technology that you can run on any device or infrastructure. This ensures that your identity data is not bound to anyorganization, upholding the commitmentto decentralization, self-ownership, anduser control.

Allerdings bietet Microsoft technologische Unterstützung an:

Microsoft will offer aninstance of DIF’s Identity Hub as an Azure service that users can select as one of their Identity Hub instances.

Im Idealfall entstehen auf Basis dezentraler digitaler Identitäten und der dazu gehörigen Infrastruktur neue Geschäftsmodelle. Beispielhaft dafür ist die semantische Datenschicht:

DID owners can choose to publish (and when necessary revoke) any type of data, intent, or expression. This creates a vibrant, open marketplace of intended-public data that can be used forP2P offer discovery and value exchange,such as secondhand sales of goods, ridesharing, and vacation rentals. …
Suppliers and retailers can encode product and service data into their Identity Hubs as GS1 objects, enabling them to exchange supply chain data more efficiently and securely than ever before.

Die wesentlichen Merkmale dezentraler digitaler Identitäten:

  1. A user can have one or more DIDs,based on open standards.
  2. DIDs can be resolved across chains and ledgers (public, private, and so on).
  3. DID permissions are managed via keys accessible only to the user.
  4. Identity attributes (or claims) are stored in off-chain DIF Identity Hub
    personal datastores.
  5. Users can have one or more IdentityHub instances, across devices
    and clouds.
  6. User consent is required to access attestations/claims—with granular access controls.
  7. Claims are compatible with existingstandards (OAuth 2.0 / OIDC).

Zusammen mit Mastercard will Microsoft digitalen Identitäten, die sich unter Kontrolle der Nutzer befinden, zum Durchbruch verhelfen (Vgl. dazu: Mastercard und Microsoft planen gemeinsame Digital Identity – Lösung).

Crosspost von Identity Economy

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Barclaycard und Evernym arbeiten gemeinsam an selbstverwalteten digitalen Identitäten

Von Ralf Keuper

Nachdem Mastercard und Microsoft kürzlich bekannt gegeben haben, an einer gemeinsamen Lösung für selbstverwaltete digitale Identitäten auf Blockchain-Basis zu arbeiten, hat nun Barclaycard nachgezogen. Das Unternehmen hat sich dem Accelerator-Programm des auf selbstverwaltete digitale Identitäten spezialisierten Anbieters, Evernym, angeschlossen, wie u.a. in Barclaycard joins forces with Evernym on self-sovereign identity berichtet wird. Evernym gehört auch den Unterstützern der Sovrin-Foundation.

Als Begründung für den Beitritt zu dem Accelerator-Programm gibt das Barclay-Card Payment Solutions (BPS) Innovation Team an:

You’re trying to pay for something but the details in the autofill tool are incorrect or need updating. By using your unique Sovrin identifier, you can share verified details and more – your card number, date of birth, passport number, address etc. – and automatically input those into the form.

Der Direktor des BPS, Ed Black, über die Motivation:

Self-sovereign identity looks set to play an important role in the payments market of the not too distant future. And thanks to the partnership with Evernym, BPS customers will be well placed to benefit from this quick, easy and secure technology.

Wenn der Eindruck nicht täuscht, dann rechnen die Payments- und Kreditkartenunternehmen damit, dass sich selbstverwaltete digitale Identitäten über kurz oder lang durchsetzen werden. In erster Linie geht es darum, die Effizienz zu erhöhen (z.B. Doppeleingaben und Eingabefehler vermeiden) und die Datenqualität zu steigern. Dabei wird es nicht bleiben, d.h. neue Geschäftsmodelle lassen sich realisieren, wie der Handel mit bestätigten bzw. verifizierten Merkmalen/Attributen (Vgl. dazu: Verifizierte Attribute Digitaler Identitäten: Attribute Economy 2.0).

Microsoft hat übrigens in dem Paper Why we need Decentralized Identity seine Absichten, Self Sovereign Identities zum Durchbruch zu verhelfen, untermauert.

Einige Wochen vor Mastercard und Barclaycard hat Visa seinen Hut in den Ring geworfen, wie in Visa Ready to Launch Digital identity System Based on Blockchain berichtet wird. Die Lösung richtet sich jedoch an Finanzinstitutionen (B2B).

Weitere Finanzdienstleister werden voraussichtlich schon bald folgen.

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Nikolay Storonsky (CEO Revolut) vision: there will be only 3 Fintech banks | Money 20/20

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PSD2, Open Banking und die Neue Kommerzielle Revolution

Von Ralf Keuper

Offene Schnittstellen (Open APIs) sind inzwischen ein wesentliches Element bei der Digitalisierung von Geschäftsprozessen. Wie allgegenwärtig APIs im Wirtschaftskreislauf bereits sind, veranschaulicht das Video Visualizing the Digital Platform Ecosystem. Für Paypal sind offene Schnittstellen die neuen Gewürzstraßen. Kurzum: Wer bei der nächsten Kommerziellen Revolution an prominenter Stelle dabei sein will, wird ohne die Öffnung der eigenen Schnittstellen für Dritte nur Zaungast der Entwicklung sein. Das gilt in besonderer Weise für Banken.

PSD2 als wichtigster Treiber von Open Banking

Lange haben sich die Banken mit dem Gedanken schwer getan, ihre Systeme Dritten gegenüber zu öffnen. Ein erster Schritt war in Deutschland die Entwicklung des HBCI-Standards. Danach herrschte weitgehend Stillstand. Erst mit der Verabschiedung der Payment Services Directive (PSD2) wurde den Banken klar, dass die Abschottung der Vergangenheit keine Option mehr war. Einige erkennen darin mittlerweile eine Chance, um den Kontakt mit den Kunden und Partnern zu intensivieren und neue Einnahmequellen, z.B. durch Mehrwertdienste, zu erschließen.

Die Kunden haben mit PSD2 das Recht, Dritten, sog. Third Party Providers (AISPs), ihre Bankdaten bzw. Kontoinformationen zur Verfügung zu stellen, beispielsweise für die Analyse des Ausgabeverhaltens. Die Informationsbasis wird daher für alle Beteiligten breiter und tiefer. Mit Open Banking können sich neue Formen der partnerschaftlichen Kooperation zwischen Banken, FinTech-Startups, Unternehmen und Kunden entwickeln, wie Netzwerke oder Ökosysteme. Verbraucher erhalten auf diese Weise genau auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Services und Produkte (Ratschläge zur Verbesserung der eigenen Kreditwürdigkeit, Vergleich mit den Erfahrungen anderer Kunden in einer ähnlichen Situation wie beim Hauskauf). Unternehmen und Banken können ihre eigenen Prozesse, etwa im Kreditgeschäft oder beim Onboarding, verbessern und die Kundenbindung vertiefen (geringere Bearbeitungszeiten, bessere Kreditentscheidungen, Anlage- und Produktempfehlungen, Preispolitik).

Wachsender Bedarf an integrierten Lösungen und Middleware 

Das größte Hindernis auf dem Weg zu einem offen(eren) Banking sind die Alt-Systeme in den Banken, die aus einer Zeit stammen, als Zugriffe Dritter auf die eigene IT-Systemlandschaft die Ausnahme waren. Um dennoch mit der Entwicklung Schritt halten zu können, setzen die Banken in zunehmenden Maß auf integrierte Lösungen – wie von NDGIT.

NDGIT API-Management Plattform – Open Banking as a Service

Bis zum 14. März kommenden Jahres müssen die Banken die Anforderungen aus PSD2 umgesetzt haben. Um den Banken die Umstellung zu erleichtern, hat NDGIT eine API-Management Plattform für die digitalen Anforderungen von Banken und Fintechs im Angebot, in der die Funktionen für die PSD2 bereits vorimplementiert sind und ohne weiteren Zeitverzug umgesetzt werden können.

Bild: NDGIT

Zum Leistungsumfang der NDGIT API-Plattform gehören Werkzeuge für das sichere Verwalten und Managen von internen wie externen APIs mit allen Querschnittfunktionen. Technologisch basiert die Plattform auf marktführenden Open Source Komponenten, die für die Anforderungen von Finanzdienstleistern erweitert wurden. Für die Anbindung bestehender Bank-Schnittstellen steht ein umfangreiches Set an Transformations- und EAI-Funktionen zur Verfügung. Nach außen regelt ein API-Gateway den sicheren Zugriff von Partnern, wobei alle Services und zugreifenden Applikationen zentral orchestriert werden.

Bei über 20 Banken im Einsatz – Vorreiter Hypothekenbank Lenzburg

Bereits mehr als 20 Banken nutzen die API-Management Plattform für die Anbindung externer Partner an die eigenen Systeme, so z.B. bei einem Vorreiter des Open Banking, der Hypothekenbank Lenzburg. Das Projekt wurde im vergangenen Jahr mit dem  Euro-Finance Tech – Award ausgezeichnet. Dazu sagte Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg:

Wir sind überzeugt, dass offene Plattformen im Banking der Zukunft immer wichtiger werden.

Oliver Dlugosch, CEO von NDGIT, fügte hinzu:

Wir haben gemeinsam mit der Hypothekarbank Lenzburg die erste PSD2-ähnliche Banklösung im deutschsprachigen Raum entwickelt. Das entstehende Ecosystem der Hypothekarbank Lenzburg ist ein visionäres Beispiel für Open Banking.

NDGIT API-Marktplatz

Über den API-Marktplatz können Software-Entwickler von Fintechs oder Banken die etablierten Softwarefunktionen von mehr als 30 führenden Spezialisten der verschiedenen FinTech-Segmente als APIs anbinden und mit ihnen innovative digitale Anwendungen oder Prozesse entwickeln. Best of Breed APIs gibt es z.B. für PSD2 Account Aggregation, Konto-, Depot- oder Versicherungsanalysen bis hin zur Video-Legitimierung.

Bild: NDGIT

Anreiz für Fintech-Startups

Fintech-Partner erhalten durch den API-Marktplatz eine besserte Sichtbarkeit bei potenziellen Kunden und können ihn als Vertriebsweg benutzen, um den Marktanteil zu erhöhen und mit einem Fokus auf die reine Produkt-Logik schneller zu skalieren.

Neue Kommerzielle Revolution erfordert neue Antworten

Die erste kommerzielle Revolution ereignete sich, so der französische Historiker Jacques Le Goff, im 13. und 14. Jahrhundert. Mit der Entstehung neuer Handelsrouten, der ersten großen Messen sowie der wachsenden Zahl von Städten fanden Produzenten und Kunden schneller zusammen. Heute, in der digitalen Ökonomie, sind offene Schnittstellen (Open APIs) die neuen Handelsrouten. Wer als Bank am zukünftigen Wirtschaftskreislauf teilnehmen und seine Kunden digital erreichen möchte, kann dies künftig nur noch über die Öffnung der eigenen IT-Systeme. Hierfür bedarf es Lösungen, die in der Lage sind, den Anschluss an die neuen Handelsrouten herzustellen und neue Partner ohne großen Aufwand anzubinden. Mit der Zeit entsteht so ein digitales Ökosystem, das nicht so sehr auf Wettbewerb, sondern vielmehr auf Kooperation ausgelegt ist. Die Partner sind darin gleichberechtigte, souveräne Akteure.

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Here’s What’s in Store for Fintech in 2019

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New Banking trifft Metrologie

Von Ralf Keuper

Ohne die Einigung auf Maßeinheiten wäre der globale Austausch von Gütern und Dienstleistungen nur unter hohen Kosten und großem Aufwand möglich; er würde zu Abstimmungsproblemen und Rechtsstreitigkeiten führen, die ein Geschäft schnell unattraktiv machen. Das gilt auch für das Inland. So betrachtet ist die Metrologie, die Wissenschaft des Messens, die stille Herrscherin der globalen Ökonomie. Vor der Verwirklichung unseres heutigen internationalen Einheitssystems im Jahr 1960 lag ein langer Weg, der sich über Jahrhunderte hinzog, wie Felix Martin in Geld, die wahre Geschichtehervorhebt:

Die Schaffung des Internationalen Einheitensystems war daher die sichtbare und materielle Manifestation einer tiefgreifenden, aber unsichtbaren Wandlung in der Geschichte der menschlichen Ideen. Dieser Prozess dauerte Jahrhundert – vermutlich sogar Jahrtausende.

Mittlerweile wurde das Internationale Einheitensystem an die gesellschaftliche und ökonomische Entwicklung angepasst, wie beim Urkilo. Es wird künftig durch eine Naturkonstante, das Plancksche Wirkungsquantum, ersetzt. Daneben wurden vier weitere SI-Einheiten neu definiert (Vgl. dazu: Revolution der Metrologie). Kurzum: Die Welt des Messens wird (noch) abstrakter.

Die zunehmende Digitalisierung, d.h. die Vernetzung von Mensch und Maschine mittels Datenübertragung in Echtzeit, ruft daher auch die Metrologie auf den Plan. In Deutschland ist die Physikalisch Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig die oberste Instanz bei allen Fragen des Messens. Neben dem  NIST in den USA und dem NPLin Großbritannien zählt die PTB laut Wikipedia zu den führenden Instituten der Metrologie.

In Metrologie für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft hat die PTB ihre Digitalisierungsstrategie beschrieben. Warum sich die PTB dazu veranlasst sah, geht aus den folgenden Zeilen hervor:

Messwerte, Daten, Algorithmen, mathematische und statistische Verfahren sowie Kommunikations- und Sicherheitsarchitekturen bilden die Grundlage der digitalen Erweiterung und Transformation. Somit ist die digitale Ertüchtigung der Qualitätsinfrastruktur (QI) – dem Dreiklang aus Metrologie, Normung und Akkreditierung – sowie des gesetzlichen Messwesens mit Konformitätsbewertung, Eichwesen und Marktüberwachung zentrale Voraussetzung für das Gelingen der digitalen Transformation zu einer vernetzten Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft. Der Physikalisch-Tech- nischen Bundesanstalt (PTB) als dem nationalen Metrologieinstitut obliegt dabei eine Schlüssel- rolle mit vielfältigen Zuständigkeiten und Kompetenzen.

Zentraler Baustein der Digitalisierungsstrategie der PTB ist die European Metrology Cloud.

Ihr Fundament bildet eine vertrauenswürdige Hauptmetrologieplatform in jedem Mitgliedsstaat, die dafür gedacht ist gesetzliche Verfahren durch das Anknüpfen an bestehende Infrastrukturen und Datenbanken zu unterstützen und zu vereinfachen und um eine zentrale Anlaufstelle für alle Interessenten bereitzustellen. Innerhalb dieser Qualitätsinfrastruktur, werden Referenzarchitekturen, wie z.B. innovative Messinstrument sowie auch technologisch und datengetriebene digitale Dienstleistungen des gesetzlichen Messwesens entwickelt.

Mit der European Metrology Cloud soll die Bildung des Digitalen Binnenmarkts in Europa unterstützt werden.

Die Metrologie sei überdies ein Mittel, um die Martkdominanz der großen Plattform-Unternehmen aus den USA und Asien zu begrenzen.

Die Beherrschung von Schlüsselkompetenzen in den Bereichen der Kalibrierung, IT- Sicherheit, Messtechnik und Datenanalyse ist .. die Grundlage für eine bedarfsorientierte Standardisierung. .. In den Expertendiskussionen an der PTB wurde ebenso mehrfach vor einem sogenannten „Plattformkapitalismus“ gewarnt, der durch die Marktdominanz einzelner Unternehmen entstehen kann und der nicht zuletzt KMU ganz wesentlich bedroht. Dem kann nur mit einer flexiblen und verlässlichen Normensetzung und Standardisierung begegnet werden. Dies ist insbesondere in einer globalisierten Wirtschaft von großer Bedeutung, um die Handlungsmög- lichkeiten deutscher und europäischer Unternehmen nicht durch andere globale Wettbewerber begrenzen zu lassen.

Auf die Bedeutung von Standards für das Banking wurde auf diesem Blog häufiger hingewiesen (Vgl. dazu: Technologie- und Industriestandards beschleunigen die “Bankendämmerung” #1).

Wie die anhaltende Diskussion um die Ethik von Algorithmen und Daten zeigt, und nicht zu vergessen die mittlerweile zahllosen Fälle von Datenmissbrauch und Identitätsdiebstahl, besteht die größte Gefahr der Digitalökonomie darin, dass die Verbraucher das Vertrauen in die Gültigkeit der Aussagen/Bewertungen im Netz sowie in die Authentizität ihrer Geschäftspartner verlieren. In der Industrie wird die Frage immer kritischer, wie sich die Echtheit von Produkten und Patenten beweisen lässt. Die erwähnte European Metrology Cloud ist daher von großer strategischer Bedeutung für die europäische Wirtschaft. Auch künftig werden Instanzen benötigt, die in der Lage sind, das nötigen Vertrauen in die Transaktionen und die beteiligten Akteure herzustellen und zu sichern (z.B. verifizierte Digitale Identitäten für Personen, Sichere Digitale Identitäten für Maschinen, Maschinenzertifikate, Algorithmic Angels, Datengenossenschaften, Identity Banks). Eine Rolle, die von Banken oder bankähnlichen Institutionen übernommen werden kann – im Zusammenspiel mit weiteren Instanzen, wie der PTB. Auf diese Weise entsteht ein neuer Wirtschafts- und damit auch Bankstil. Die Banken bzw. ihre Nachfolgeinstitutionen sollten daher (pro-)aktiv an der Entwicklung entsprechender Standards mitwirken.

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Signature Bank setzt auf Blockchain

Von Ralf Keuper

Die Signature Bank wurde bereits mehrmals zur besten Bank New Yorks gewählt. Zur Pflege langfristiger Kundenbeziehungen setzt die Bank sowohl auf die persönliche Beratung wie auch auf das Internet (Vgl. dazu: Signature Bank: Relationship Banking auf moderne Art). Gegründet im Jahr 2001, dem Scheitelpunkt der New Economy, hat sich die Signature Bank seitdem in die Reihe der 50 größten Banken der USA empor gearbeitet. Um diesen Status zu halten und nicht den Anschluss an die technologische Entwicklung zu verlieren, hat die Bank zusammen mit trueDigital einen Payment-Service auf Blockchain-Basis für Geschäftskunden unter der Produktbezeichnung Signet ins Leben gerufen, worüber u.a. in New York: DFS erlaubt Signature Bank Blockchain-Service berichtet wurde.

In der Pressemitteilung der Bank steht dazu:

The Signet Platform will leverage blockchain technology in its architecture, allowing Signature Bank’s commercial clients to make payments in U.S. dollars 24 hours a day, seven days a week, 365 days a year. The Signet Platform will be open to all commercial clients effective January 1, 2019 at 12:01 A.M. Eastern Time, and can be accessed then at www.signet.com. Transactions made on the Signet Platform settle in real time, are safe and secure, incur no transaction fees, and require a minimum account balance of $250,000. Typically, in the case of real-time payments, funds are transferred between two different institutions. With Signet, funds are transferred in real-time between commercial clients of Signature Bank, eliminating any dependence on a third party.

Bei der Lösung handelt es sich um eine permissioned blockchain (Ethereum). Der Gründer und CEO der Bank, Joseph J. DePaolo, wird in Signature Launches Institutional Payments Using Permissioned Ethereum Blockchain mit den Worten zitiert:

We have to do this, otherwise we’re not going to exist. If you’re not involved in blockchain, in five years, you won’t be around as a bank.

Die Signature Bank ist dafür bekannt, Technologie nicht um ihrer selbst willen zu verwenden. Insofern ist der Schritt bemerkenswert.

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Zwangsfusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank?

Von Ralf Keuper

Im Finanzministerium wird seit einiger Zeit die Möglichkeit eruiert, ob es nicht sinnvoll wäre, die Deutsche Bank und die Commerzbank zu fusionieren. Dafür würde der Bund, wie schon bei der Commerzbank, Anteilseigner. Darüber wird u.a. in Was wäre, wenn Deutsche Bank und Commerzbank fusionieren? berichtet. Ein weiteres Modell sieht den Einstieg  eines Konsortiums deutscher Industrieunternehmen und des Bunds vor.

Bei den Szenarien handelt es sich nicht um Gedankenspielereien; sie haben einen ernsten Hintergrund. Beide Banken sind seit Jahren im Grunde genommen ein Sanierungsfall. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Aus eigener Kraft können sich weder Deutsche Bank und noch weniger die Commerzbank aus der Sackgasse befreien, in die sie sich manövriert haben, wenngleich man der Commerzbank zugute halten muss, dass sie von der damaligen Bundesregierung, sagen wir, wohlwollend dabei unterstützt wurde, die kriselnde Dresdner Bank von der Allianz zu übernehmen. Der Regierung war an einem zweiten großen Bankhaus in Deutschland und daran gelegen, ein Überspringen der Finanzkrise auf die Allianz zu verhindern. Damit scheiterte übrigens die Vision des Allfinanzkonzerns des damaligen Finanzvorstands der Allianz, Paul Achleitner, heute AR-Vorsitzender der Deutschen Bank (Vgl. dazu: Allianz und Dresdner Bank: Bilanz des Scheiterns).

FAZ-Autor Henning Peitsmeier hielt dazu seinerzeit fest:

Gescheitert sind beide Konzerne an den eigenen Ansprüchen. Dabei ist der Notausstieg der Allianz obendrein moralisch verwerflich: Denn letztlich steht nun der Steuerzahler für den Verkauf der Dresdner an die Commerzbank gerade, indem er die „neue“ Commerzbank mit 18 Milliarden Euro stützt.

Insofern würde sich im aktuellen Fall ein Muster aus der jüngeren Vergangenheit wiederholen; mit einem wahrscheinlich ähnlichen Ausgang.

Die deutsche Wirtschaft ist auf die Deutsche Bank und mehr noch auf die Commerzbank bei ihren Geschäften im In- und Ausland kaum noch angewiesen (Vgl. dazu: Deutsche Bank ist für die Deutschland AG nicht mehr unersetzlich). Die Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft sich in den letzten Jahren gut entwickelt hat, während Deutsche Bank und Commerzbank vorwiegend mit sich selbst beschäftig waren und sind, kann durchaus als Bestätigung der vorherigen Diagnose gewertet werden.

Womöglich wäre die Zwangsfusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank auch eine prophylaktische Maßnahme: Sollte demnächst erneut eine Finanzkrise ausbrechen, dann wären Deutsche Bank und Commerzbank nach Lage der Dinge akut in ihrer Existenz gefährdet; mit unabsehbaren Folgen für die (Welt-)Wirtschaft.

Welche Optionen hätte die Bundesregierung bzw. das Finanzministerium:

Mein Favorit: In einem ersten Schritt die Zusammenlegung der beiden Banken unter einem neuen Firmennamen. Danach Abspaltung des Investmentbanking – womöglich in eine Bad Bank. Es blieben die zwei Säulen Privatkunden- und Firmenkundengeschäft. Das alles ginge jedoch nicht ohne massiven Personalabbau.

Die verbleibende Bank würde sich also wieder dem ursprünglichen Geschäftsmodell einer kontinentaleuropäischen Universalbank annähern, wie es von Hermann-Josef Abs präferiert wurde (Vgl. dazu: Die Deutsche Bank unter Hermann Josef Abs).

Allerdings haben die Zeiten sich gewandelt. Die Deutschland AG alter Prägung ist ein für alle mal Vergangenheit. Die Digitalisierung bzw. die Plattformökonomie fordern von den Banken neue Antworten. Eine Bank, die aus der Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank hervorgeht, müsste sich diesen Herausforderungen stellen. Ihre Vorgängerinstitute sind daran bislang gescheitert. Es fällt schwer sich vorzustellen, dass eine Fusion die Aussichten verbessert.

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Sparkassen Innovation Hub | Was wir tun

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