Dezentrales Banking #2

Von Ralf Keuper

In letzter Zeit tauchen immer mehr Anbieter auf, die für sich in Anspruch nehmen, die erste dezentrale Bank auf Blockchain-Basis, zumindest aber die erste ihrer Art, zu sein:

Wenn, wie Steven Johnson in Beyond the Bitcoin Bubble schreibt, das derzeitige Internet, das er InternetTwo nennt (Vgl. dazu: Die Zukunft des Internet in der Identity Economy), durch eine dezentrale Version auf Blockchain-Basis abgelöst wird, dann steigen auch die Chancen für das Dezentrale Banking.

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Kundendaten als Asset – Welche Bankdaten darf man nutzen?

Von Ralf Keuper

Mit PSD2 sind Banken verpflichtet, Dritten (Third Party Providers) den Zugang zu den Kontoinformationen der Kunden zu gewähren. Nur – was bedeutet das konkret? Erschwert wird die Bewertung noch durch den sich abzeichnenden Konflikt zwischen PSD2 und der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) (Vgl. dazu: PSD2 und DSGVO: Datenschutz auf unterschiedlichem Niveau?). Um hier mehr Licht ins Dunkel zu bringen, luden Hogan Lovells, Innopay und Fraunhofer IESE gestern zu der Veranstaltung Kundendaten als Asset in Frankfurt ein. Referenten waren

  • Dr. Nils Rauer, Hogan Lovells
  • Ruth Maria Bousonville, Hogan Lovells
  • Nils Jung, Innopay
  • Karl Illing, Innopay
  • Michael Ochs, Fraunhofer IESE

Die eigentliche Problematik haben Dr. Nils Rauer und Ruth Maria Bousonville bereits in dem Beitrag Bankdaten – wie darf man sie nutzen? umrissen:

Ein Online-Dienst, der mir beispielsweise Vorschläge für eine günstigere Kfz-Versicherung, ein Geldanlageprodukt oder ein Hotel am Ziel des eben bezahlten Fluges macht, ist kein Kontoinformationsdienst. PSD2 und ZAG erlauben es also nicht, Kontodaten zu diesen Zwecken auszulesen. Sie erlauben es auch nicht, Kontodaten zu diesen Zwecken auszuwerten, nachdem sie bereits in erlaubter Weise ausgelesen worden sind, um den Kontoinformationsdienst anzubieten.

Dennoch:

Dienste, die über den reinen Kontoinformationsdienst hinausgehen, sind damit aber nicht grundsätzlich verboten. Hier kommt das Datenschutzrecht ins Spiel.

Mit der DSGVO, genauer Art 7 DSGVO,  kann das beschriebene Dilemma behoben werden.

Der Use Case des Abends war der Fall von Gernot Gibacht:

Gernot ist 42 Jahre alt, Diplom-Ingenieur, verheiratet, Vater von zwei Kindern und arbeitet als Führungskraft der mittleren Ebene in einem großen Konzern. Sein monatliches Einkommen ermöglicht ihm die Mitgliedschaft in einer privaten Krankenversicherung. Er ist Mitglied in einer Gewerkschaft und Mitglied einer deutschen Volkspartei. Gernot leidet an einer chronischen Hauterkrankung, die es erfordert, auf täglicher Basis bestimmte Medikamente zu nehmen, die im Hochpreissegment liegen. Glücklicherweise begann die chronische Erkrankung erst nach dem Eintritt in die private Krankenversicherung. Gernot bezahlt praktisch immer bargeldlos, also elektronisch oder digital (Quelle: PSD2 und der Datenschutz bei Kontoinformationsdiensten – der Fallstrick Zweckbezug bei Kontotransaktionsdaten).

Wie kann Gernot Gibacht künftig verhindern, dass seine Bank sensible Daten (Gesundheit, Parteizugehörigkeit ..) an Kontoinformationsdienste heraus gibt, ohne dass er dem zuvor explizit zugestimmt hat und welche Alternativen hat die Bank?

Karl Illing gab zunächst einen Überblick der Modelle von Verimi und YES. Ruth Maria Bousonville ging näher auf die Unterschiede von PSD2 und DSGVO ein. Michael Ochs, Autor des Use Case von Gernot Gibacht, erläuterte im Anschluss, wie das IND²UCE Framework sowohl Gernot wie auch der Bank weiter helfen kann.

Eine Frage war, ob sich die Datensouveränität der Kunden auf die Möglichkeit der Einwilligung beschränkt oder aber, ob sie nicht auch die Hoheit an den eigenen Daten mit umfasst. Nach jetzigem Stand würden die Kundendaten weiterhin bei der Bank liegen. Banken, Kunden, Datenkonsumenten und Kontoinformationsdienste würden in eine wechselseitige Beziehung treten, die an die Verrechnung im Überweisungsverkehr erinnert. Ist das angesichts der technologischen Möglichkeiten (Dezentrales Banking) noch nötig? Könnte nicht die vom Kunden weitgehend autonom verwaltete Digitale Identität (Be Your Own Bank) die Schlüsselrolle übernehmen? Was hat der Kunde bei dem Modell davon? Beim Wechsel von seiner Hausbank zu einer neuen Bank bringt er im Idealfall die nötigen Informationen (Identifizierung, Bonität) mit, wodurch sich das Onboarding verkürzen und das Risiko besser bewerten lässt. Wie wird der Kunde an dieser Kostenersparnis beteiligt?

Eine ausgesprochen anregende Veranstaltung, aus der sicherlich nicht nur ich zahlreiche neue Informationen und wichtige Anregungen mit genommen habe. Der Dank gilt daher den Veranstaltern und Referenten.

Weitere Informationen:

Kundendaten als Asset – Financial Services im Zeitalter von PSD2, RTS & DSGVO

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Sind die “Datenkraken” die eigentlichen Profiteure von PSD2?

Von Ralf Keuper

An die Umsetzung von PSD2 wurden in der Vergangenheit große Erwartungen geheftet. Dadurch, dass Dritten Zugriff auf die Bankdaten der Kunden, sofern diese zuvor zugestimmt haben, gewährt wird, breche das Zeitalter des Open Banking an. Fortan bestimme der Kunde, wer, was mit seinen (Bank-)Daten machen darf. Damit eröffnen sich für die Fintech-Startups neue Geschäftsfelder. Aber nicht nur für die Fintech-Startups: Zu den Nutznießern gehören – neben den Banken selber, die ja auch als Dritte Partei auftreten können – die sog. Datenkraken, wie Google oder facebook. Was gerne übersehen wird: Zu den größten Datensammlern zählen Acxiom und Oracle, deren Dienste von facebook und Google in Anspruch genommen werden (Vgl. dazu: Die größten Datenkraken der Welt: Analysiert und durchleuchtet).

Jedenfalls macht sich leichtes Unbehagen breit bei der Vorstellung, Google, Amazon oder facebook könnten ihren ohnehin schon beachtlichen Datenschatz noch um den der Banken ergänzen. Damit hätten sie fast die komplette Sicht. Was noch fehlt sind die Gesundheitsdaten, aber auch daran wird schon intensiv gearbeitet (Vgl. dazu: Freiburger Experte: Gehirndaten gehören nicht ins Netz). Einige halten es daher für angebracht, die Tür, die sich über Open Banking öffnen lässt, verschlossen zu halten (Vgl. dazu: Open banking? I think I’ll be keeping my door shut).

Für andere überwiegen dagegen die positiven Effekte, die in den Markt neue Dynamik bringen (Vgl. dazu: The UK opened the door for Facebook and Google to start acting like banks). Eines ist klar: Die Internetkonzerne sind längst im Banking angekommen.

Jede Seite kann gute Argumente für ihre Position vorbringen. Letztlich kann es nicht im Interesse des Verbrauchers und des Wettbewerbs, wie überhaupt der Gesellschaft, sein, dass die Daten von nur wenigen Akteuren verwaltet bzw. eingesehen werden können. Wir benötigen ein Gegengewicht, wie mit dem dezentralen Banking auf Basis – jedenfalls nach heutigem Stand – der Blockchain-Technologie oder anderer Varianten aus dem Umfeld der Distributed Ledger Technologies.

Für die Rolle des Daten-Treuhänders wären die Banken eigentlich prädestiniert gewesen. Es bleibt wohl künftigen Generationen von Wirtschaftshistorikern überlassen, die Frage zu klären, wie es kommen konnte, dass die Banken sich aus ihrer eigenen Domäne haben verdrängen lassen bzw. diese Chance ungenutzt ließen.

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The Future of Crypto-Currency: Decentralized Banking

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Hypovereinsbank Werbung 1998 (Retro)

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Tencent fordert die Fondsbranche heraus und baut parallel seine Finanz-Plattform gezielt aus

Von Ralf Keuper

Vor ca. zweieinhalb Jahren wurde darüber spekuliert, wann Tencent & Co. die Fondsbranche ins Visier nehmen würden (Vgl. dazu: Nehmen Apple, Alibaba, Tencent & Co. bald die Fondsbranche ins Visier?).

Wie in Tencent gets a licence to sell mutual funds to WeChat’s 1 billion users in China berichtet wird, steigt Tencent direkt in die Vermögensverwaltung ein. Dafür wurde der Tencent-Tochtergesellschaft Tengan Funds offiziell die Erlaubnis erteilt, Fonds direkt zu verkaufen.

Beobachter werten den neuen strategischen Zug als Beleg dafür, dass Tencent, zu dem auch WeChat gehört, sich zu einer integrierten Plattform für Finanzgeschäfte entwickeln will.

Seit einiger Zeit wird darüber spekuliert, ob und wann WeChat auch in Deutschland seine Dienste anbieten könnte, wie in

Nicht alle Kommentatoren warten sehnsuchtsvoll auf den Markteintritt von Tencent/WeChat in Deutschland. Grund dafür ist u.a. das Social Scoring Projekt der chinesischen Regierung, wovon Tencent/WeChat ein wichtiger Teil ist (Vgl. dazu: Chinas Überwachungsapp drängt in die Welt). In China soll das WeChat-Profil den Personalausweis ersetzen (Vgl. dazu: Wechat-Profil statt Personalausweis). Damit hätte WeChat nebenbei die Kontrolle über die Digitalen Identitäten.

In den USA ist man von dem Tatendrang der chinesischen Internetkonzerne nicht mehr so angetan. Die Trump-Regierung untersagte kürzlich dem härtesten WeChat-Konkurrenten, Alipay, die Übernahme von MoneyGram. Als Grund nannte die Regierung – man höre und staune – Bedenken beim Datenschutz (Vgl. dazu: Datenschutz: Alibaba-Chef darf Moneygram nicht übernehmen).

Übrigens: Im vergangenen Jahr gab Wirecard bekannt, WeChat bei der Einführung in Europa zu unterstützen (Vgl. dazu: Jetzt auch noch WeChat Pay: Wirecard bringt Alipay-Konkurrenten nach Europa).

 

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Filialschließungen von Banken und Sparkassen: Ein zweischneidiges Schwert

Von Ralf Keuper

Landauf landab schließen die Banken und Sparkassen seit Jahren Filialen, was auf diesem Blog häufiger ein Thema war. Dagegen regt sich in den ländlichen Regionen zunehmend Widerstand. Der Geschäftsführer des Deutschen Landkreistages, Hans-Günter Henneke, warnte in einem Gespräch mit der SZ die Sparkassen davor, die Verankerung im ländlichen Raum zu verlieren (Vgl. dazu: Sterben der Bankfilialen: Landkreise warnen vor neuen Sparkassen-Schließungen).

Beispiele für den wachsenden Unmut in der “Fläche”, wie in Westholstein, bringt der Deutschland Funk in seiner Reportage Zukunft von Sparkassen. Filiale ade.

Fakt ist, dass die Kunden ihre Bank deutlich seltener aufsuchen, als in der Vergangenheit. Die Filiale als zentrale Anlaufstelle für Finanzangelegenheiten hat über die Jahre an Bedeutung verloren; eine Entwicklung, die sich in den nächsten Jahren noch beschleunigen wird. Die Sparkassen-Finanzgruppe hat derweil eine Studie in Auftrag gegeben, die klären soll, ob Filialschließungen im ländlichen Raum tatsächlich zu Einschränkungen führen (Vgl. dazu: Wen stört es noch, wenn die Bankfiliale vor der eigenen Haustür schließt?).

Dennoch ist der Rückzug aus der Fläche mit hohen Risiken behaftet: Die Filialen waren “der” Distributionskanal für die Banken, über den sie exklusiv verfügen konnten. Im Internet ist das völlig anders: Hier sind die Banken und Sparkassen auf die Infrastruktur (Soziale Netzwerke, App Stores, Smartphones, TabletPC) potenzieller und faktischer Mitbewerber wie Google und Amazon angewiesen. Sollten Google & Co. einmal auf die Idee kommen, die Banken und Sparkassen aus ihren App Stores zu verbannen, sieht es schlecht aus. Kurzum: Der Rückzug aus der Fläche stärkt die Abhängigkeit der Banken von einer Infrastruktur, auf die sie keinen nennenswerten Einfluss haben. Ein echtes Dilemma. Die Banken und Sparkassen sind dabei, sich langsam aber sicher aus dem Markt zu navigieren. Die Branchen- und Marktlogik, der ihr Geschäft unterliegt und die sie zu akzeptieren scheinen, lässt keinen anderen Ausweg mehr zu.

Das ist nicht unbedingt eine schlechte Nachricht für die Kunden – auch nicht im ländlichen Raum. Von Niklas Luhmann stammt der Satz:

Distanz vom Zentrum zählt als Nachteil aber nur, solange man nicht von Interaktion auf Kommunikation umsteigen kann.

Übertragen auf die vorliegende Thematik heisst das, solange die Menschen über die nötigen Kommunikationsmittel und die entsprechende Infrastruktur in der Peripherie, im ländlichen Raum, verfügen, und damit von direkter Interaktion in der Filiale auf die Kommunikation über Internet umsteigen können, ist die räumliche Distanz zum Zentrum, zu den noch verbliebenen Hauptstellen oder zu alternativen Anbietern, kein großes Problem (Vgl. dazu: Auf dem Weg in die Gigabit-Gesellschaft). Daraus folgt auch, dass Banken und Sparkassen für die Grundversorgung in der Fläche nicht mehr und im Internet nur noch auf Zeit benötigt werden.

Eine (letzte) Chance für die Genossenschaftsbanken und Sparkassen wäre die aktive Mitgestaltung des Digitalen Dorfes (Vgl. dazu: Digitale Dörfer – Eine Chance für das Banking). Ob das allerdings mit dem derzeitigen Organisationsmodell und Selbstverständnis kompatibel ist, darf  bezweifelt werden.

Ausblick

Die Bedeutung der Filiale, wie wir sie kannten und noch kennen, wird weiter abnehmen. Sobald die Banken und Sparkassen weitestgehend aus der Fläche verschwunden sind, werden sie sich auch auf den Benutzeroberflächen langsam und stetig verflüchtigen. Nachdem dieser Prozess abgeschlossen ist, womöglich aber auch parallel dazu, werden wir eine Art Renaissance der Filiale erleben. Diese Filialen werden jedoch von den heutigen völlig verschieden sein. Betrieben werden sie von Internetkonzernen und neuen Anbietern, evtl. Fintech-Startups und Personal Data Banks oder Identity Banks.

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InsideN26 – Engineering a better banking experience

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PSD2: Banken und Fintech-Startups als Partner – Interview mit Robin Buschmann (Giromatch)

Robin Buschmann

Mit der Umsetzung von PSD2 sind die Banken verpflichtet, Dritten Zugriff auf die Kundendaten zu gewähren, sofern die Kunden dem zuvor zugestimmt haben. Das bietet sowohl für Fintech-Startups wie auch für die Internetkonzerne großes Potenzial. Die Banken könnten den Kontakt zu ihren Kunden verlieren. Um das zu verhindern, gehen Banken u.a. Kooperationen mit Fintech-Startups, wie Giromatch, ein. Das Fintech-Startup wirbt mit seiner API-Plattform, die es Banken ermöglicht, ohne große Änderungen an den eigenen IT-Systemen Anschluss an der Entwicklung zu halten und innovativ zu bleiben. Im Gespräch mit Bankstil erläutert der Gründer und CEO von Giromatch, Robin Buschmann (Foto), was sich seit dem letzten Interview getan hat, wie Giromatch die Banken von ihrer API-Plattform überzeugen will und wie er die Auswirkungen von PSD2 und Open Banking auf die Bankenbranche einschätzt. 

Herr Buschmann, was hat sich seit unserem letzten Interview vor ca. 6 Monaten bei Giromatch getan?

Wir fokussieren uns mittlerweile komplett auf das B2B-Geschäft. Mit unserer API-Plattform können wir im Rahmen eines Business Process Outsourcing zwei Probleme derBanken lösen. Mit unserer effizienten IT-Architektur sind wir in der Lage, die Kosten für das Standardkreditgeschäft erheblich zu senken. Genau dort drückt nämlich der Schuh vieler Finanzuinstitute. Laut einer McKinsey-Studie sind 60% der Bank-Profite bis 2025 gefährdet. In der Studie wird sogar von einem „Profitabilitätsmassaker“ gesprochen, falls Digitalisierungsstrategien nicht zu neuen Ertragsfeldern führen sollten. Dies ist ein zweiter Vorteil in der Zusammenarbeit mit uns, denn durch die Anbindung digitaler Vertriebskanäle generieren wir zusätzlich Neukundengeschäft für Banken. Wir denken, dass dies nicht unbedingt zu den Kernkompetenzen der Banken gehört, weshalb unsere Lösung einen echten Mehrwert für die Banken schafft. Hier wollen wir uns mit unserem Kredit-Ökosystem als strategischer Digitalisierungspartner platzieren, der die Probleme der Banken genau kennt und stetige Innovationen im Kreditgeschäft ermöglicht. 

Warum hat das Thema PSD2 für die Bankenbranche und Fintech-Startups wie Giromatch einen hohen Stellenwert?

PSD2 ermöglicht es externen Dienstleistern, auf Kundendaten zuzugreifen, vorausgesetzt der Kunde gestattet diesen Zugriff. Damit geht der Informationsvorsprung der Banken verloren. Im europäischen Rechtsverständnis gehören diese Daten dem Kunden und nur dieser sollte entscheiden, wer damit wann etwas macht. Die große Aufgabe, die sich nun stellt, besteht darin, die immer mehr anwachsenden und komplexeren Datenmengen möglichst schnell und effektiv zu verarbeiten und den größtmöglichen Nutzen daraus zu ziehen. Auf der Suche nach neuen Ertragsfeldern könnte genau in diesen Daten der Grundstein für neue Geschäftsmodelle der Zukunft liegen. Daher wird PSD2 eine wichtige Weiche in Richtung digitales Banking stellen.

Banken laufen Gefahr, den Kontakt zu ihren Kunden an Mitbewerber, auch branchenfremde, zu verlieren – wie kann Giromatch hier helfen?

Das Kreditgeschäft verändert sich und bewegt sich dabei auch weg von den Banken hin zum Point of Sales. Ob Kreditkarten oder Ratenzahlung der Händler: Kreditähnliche Produkte gibt es viele und der Kunde schafft es meist nicht mehr bis zu seiner Hausbank für eine Finanzierung, da andere Marktteilnehmer ihn vorher abgreifen. An dieser Stelle dockt die Idee des API-Banking an: Banken erhalten durch die von Giromatch bereitgestellten schnittstellenbasierten Lösungen die Möglichkeit Kunden direkt beim Entstehen eines Kreditbedarfs Finanzierungen anzubieten, die innerhalb von Sekunden zu Kreditentscheidungen führen. Dies spart nicht nur Zeit und Kosten, sondern schafft auch beim Endkunden einen erheblichen Mehrwert und eine angenehme Kauferfahrung. Fintechs haben oft den großen Vorteil, Innovationen auf der grünen Wiese zu entwickeln, ganz frei von bestehenden Kernbankensystemen und der typischen Legacy. Das führt zu erheblich schnelleren und kostengünstigeren Innovationen, die aus der Kundenperspektive gedacht sind. Genau an diesem Know-How wollen wir unsere Partner teilhaben lassen.

Wie kann ich mir das in der Praxis vorstellen – können Sie ein Beispiel geben?

Banken können, wenn es darum geht, Kreditkunden digital onzuboarden und automatisiert in Sekundenschnelle zu bearbeiten, einzelne Module, Modulgruppen oder auch die komplette Wertschöpfungskette an uns auslagern. Wir übernehmen dann diesen Part im Namen der Bank. In der Praxis sieht der Endkunde uns nicht unbedingt, weil wir die Marke der Bank in den Vordergrund stellen. Wenn sich der Endkunde dann zum Beispiel im Fachgeschäft in seine Traumküche verliebt hat und sich überlegt, wie er diese finanzieren kann, haben wir bereits die fertige Lösung für ihn generiert. Wir vernetzen somit das Kreditprodukt der Bank mit dem Ort, wo der Kredit benötigt wird, über Schnittstellen, 100% digital und automatisiert. Der Kunde muss im Küchencenter lediglich mit 2 Klicks seine Bonität bestätigen. Dies erfolgt über den Login auf seinem Gehaltskonto. Alle weiteren Informationen, die die Bank für den Abschluss eines Kreditvertrages benötigt, ziehen wir automnatisert über Schnittstellen. Den Kreditvertrag kann der Kunde dann direkt vor Ort oder online zu Hause unterschreiben. So werden offline Verkaufskanäle mit digitalen Produkten verbunden.

Was hat der Kunde davon?

Der Kunde bekommt Zugang zu Fianzierungsmöglichkeiten, die in Echtzeit zu Kreditentscheidungen und zur Auzahlungen führen. Lange Prüfzeiten von Kreditanträgen, das Einreichen und Nachsenden von papierhaften Dokumenten sowie das Warten vor Ort im Geschäft oder der Besuch in der Filiale entfallen. Nutzt die Hausbank des Kunden unsere Lösung, bleibt der Kunde nach wie vor bei seiner Bank. Loyalität gegenüber der Hausbank ist gerade in Zeiten der Digitalisierung ein sensibles Thema, da die Wechselbereitschaft der Kunden zunimmt. Der Kunde erwartet von seiner Bank, dass diese ihm zu jeder Zeit eine breite Produktpalette zu möglichst niedrigen Kosten, anbietet. Banken können dies leisten, wenn sie die richtigen Fintech-Partner an ihrer Seite haben.

Wie reagieren die Banken auf Ihr Angebot – gibt es schon erste Rückmeldungen?

Seitens der Banken besteht großes Interesse an unserer Banking-Plattform und der Frage wie wir es geschafft haben, Kredite zu reinen Tech-Kosten zu prozessieren. Wir bekamen durchweg positives Feedback, nur waren Kooperationen im Kreditbereich neu. Deshalb zogen sich die ersten Gespräche sowie Vertragsverhandlungen in die Länge. 2017 haben wir aber die ersten großen Projekte umgesetzt und haben für 2018 weitere in der Pipeline. Wir merken, dass die Kooperationsbereitschaft stetig zunimmt und Partner aktiv auf uns zukommen. Auch in Österreich ist die Nachfrage nach einzelnen Bausteinen unseres Ökosystems zu spüren. Im Zuge des weXelerate Programms, ein im Herbst dieses Jahres gestartete Startup-Programm in Wien, haben wir erste Projekte im europäischen Raum verwirklichen können.

Worin unterscheidet sich das Geschäftsmodell von Giromatch von dem der Datenaggregatoren?

Der Markt für Banken hat sich seit der Jahrtausendwende sukzessive verändert. Drängten sich zunächst reine Online-Banken wie z.B. DKB oder norisbank auf den Markt, die rasch Nischen besetzten, waren es 8 Jahre später die ersten Vergleichsportale wie check24 oder smava, die einfach alle verfügbaren Angebote einsammelten und dem Kunden dann den günstigsten Anbieter in einer bestimmten Kategorie nannten. Das setzte die Margen von Banken erheblich unter Druck. Der Spielraum für Zinsunterschiede wurde minimal, zusätzliche Kosten für die Listung in Vergleichspplattformen kamen hinzu und zu guter Letzt ging der direkte Zugang zum Kunden verloren. Genau da kommen wir wieder ins Spiel – wir sorgen dafür, dass Banken über digitale Schnittstellen wieder direkten Zugang zu Kunden bekommen. So vermindern wir nicht nur die Kundenakquisitionskosten, sondern können auch dank der Automatisierung Einsparpotentiale im Backoffice freisetzten. Ein Teil unseres Geschäftsmodells ist sicherlich die digitale Verdichtung von Daten, um Entscheidungsprozesse zu verkürzen. Aber eben nicht nur, es geht vor allem auch darum, die Marktpositionierung wieder auf nachhaltige Beine zu stellen, und moderne digitale Akquisitionskanäle gemeinsam mit den Banken zu erschließen. In Kombination aus digitaler Akquise und automatischen Prozess ergibt sich ein sehr effizientes Kredit-Ökosystem. Dadurch ermöglichen wir Banken, außerhalb ihrer eigenen IT schlanke digitale Produkte anzubieten. Die dahinterliegenden Prozesse erhalten sie von uns. Es muss natürlich Bereitschaft dafür da sein, die Wertschöpfungskette einer Bank eher dezentral zu denken, wie in der Automobilindustrie, wo jeder das macht, was er am besten kann.

Wie schätzen Sie die Entwicklung im Banking für die nächsten fünf Jahre ein und welche Rolle will Giromatch dabei spielen?

Die Banken stehen vor der Herausforderung, ihr Kostenproblem zu lösen, die digitalen Ansprüche der Gesellschaft zu erfüllen, und die Angriffe der Tech-Giganten abzuwehren. Darüber hinaus bleibt die Regulierung auch nicht stehen. Daher denken wir, dass sie verlässliche Partner brauchen, die echte Mehrwerte für ihre Geschäftsmodelle kreieren. Hierbei wollen wir gerne eine gewichtige Rolle spielen. Das Fenster für die Neuausrichtung der Wertschpfungsketten ist die nächsten 5 Jahre offen. Deshalb werden wir viele Kooperationen, Auslagerungen, Zusammenschlüsse und Übernahmen sehen, sowohl bei den Banken untereinander als auch zwischen Banken und Fintechs.

Herr Buschmann, besten Dank für das Gespräch!

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BfG Bank AG – Alte Fernsehwerbung

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