Softwareagenten als Rechtssubjekte

Von Ralf Keuper

Sind Softwareagenten, die selbständig Handlungen ausführen können, wie Rechtssubjekte zu behandeln? Diese Frage diskutiert Gunther Teubner in Digitale Rechtssubjekte? Haftung für das Handeln autonomer Softwareagenten. In der Sprache der Systemtheorie formuliert: Sind Softwareagenten kommunikationsfähige Akteure?

Erst, wenn es der gesellschaftlichen Kommunikation gelingt, so Teubner, “die „Beiträge“ der Softwareagenten als kommunikative Ereignisse im strengen Sinne, also als Einheit von Information, Mitteilung und Verstehen zu aktivieren”, könnten sie “als „Mitteilungen“ der Algorithmen, welche eine bestimmte „Information“ enthalten”, verstanden werden, aus denen sich in der Interaktion mit Menschen ein genuines Sozialsystem herausbildet.

Es seien “nicht die inneren Eigenschaften der Agenten, sondern die gesellschaftlichen Interaktionen, insbesondere wirtschaftlichen Transaktionen, an der die laufenden Operationen des Algorithmus teilnehmen”, die den Algorithmus als Person, als kommunikationsfähigen Akteur konstituieren.

Weitere Informationen:

Digitale Rechtssubjekte? Zum privatrechtlichen Status autonomer Softwareagenten

Zuerst erschienen auf Identity Economy

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Die IT prägte die Geschichte der Bank (Interview mit Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg)

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Blockchain-Zahlungsplattform für die Baubranche

Von Ralf Keuper

Die Bundesregierung hat erst kürzlich mit der Vorstellung der Blockchain-Strategie verdeutlicht, dass sie sich des Potenzials dieser neuen Technologie bewusst ist. Zu den ersten Profiteuren dieser Strategie zählt das Forschungsprojekt BIMcontracts, einer Blockchain-Plattform für die Baubranche. Die Förderung des Bundes beläuft sich auf 2,46 Mio. Euro. Darüber wird in Bund fördert Entwicklung von Blockchain-Zahlungsplattform für die Baubranche berichtet. Mit BIMcontracts soll es möglich sein, dass die an einem Bauvorhaben beteiligten Akteure ihr Leistungsbeziehungen mittels Smart Contracts regeln. Dazu gehört auch die Bezahlung nach erbrachter Leistung. Die beteiligten Partner müssen sich auf der Plattform mit einer ID registrieren. Beteiligt an dem Projekt sind u.a. die Universität Duisburg-Essen und die Ruhr-Uni Bochum. Geleitet wird das Projekt von adesso.

Auslöser des Projekts war der Aufsatz „Smart Contracts – Planungs-,
Bau- und Immobilienverträge als Programm?“ von Prof. Dr. Klaus Eschenbruch von der Anwaltskanzlei Kapellmann. Die Kanzlei ist daher einer der Projektpartner.

In Zusammenarbeit mit Partnern aus Wirtschaft und Forschung entwickelt Kapellmann im Forschungsprojekt BIMCONTRACTS eine Referenzarchitektur für Zahlungsprozesse in der Bauindustrie: Ziel ist die Entwicklung und Erprobung eines automatischen und transparenten Vertrags- und Rechnungsmanagement auf der Basis von digitalen Bauwerksmodellen (Building Information Modeling BIM) und moderner Blockchain-Technologie in Verbindung mit Smart-Contracts-Konzepten (in: BIMCONTRACTS: Eine Idee von Kapellmann wird in einem Forschungsvorhaben umgesetzt).

Zuerst erschienen auf Identity Economy

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Bank-IT der Zukunft: Vorbild Salesforce?

Von Ralf Keuper

Wie können die IT-Systeme der Banken, die heute häufig an der Kapazitätsgrenze operieren, zukunftsfähig gemacht werden? Sind die alten IT-Architekturen mit dem Kernbankensystem in seiner Rolle als Integrator noch zeitgemäß? Inwieweit müssen die IT-Systeme Dritten, ja ganzen Ökosystemen von Partnern geöffnet werden? Die Antwort auf diese Fragen liegt, so der Beitrag Digital era banking systems, in dem Aufbau eines Systems of Intelligence. Umgeben wird das Systems of intelligence von den Systems of engagement (klassisch Front End) und den Systems of record (klassisch Bank End). Das Systems of intelligence übernimmt die Rolle einer Integrationsschicht, also in etwa das, was als Middleware bekannt ist.

Wenn das Banking immer mehr zum Bestandteil übergreifender Systemarchitekturen oder Ökosysteme wie WeChat wird, dann müssen die Bankenarchitekturen sich diesem Wandel anpassen. Die Daten aus der Interaktion mit den Kunden werden mit den bereits vorhandenen Daten (Kernbankensystem, ERP, CRM, Gesamtbanksteuerung) und weiteren externen Datenquellen kombiniert bzw. angereichert. Vorbild ist Salesforce mit MuleSoft, Lightning, AppExchange und Einstein.

Ziel:

In banking software, therefore, advantage is moving from having the best application to having the most value-added ecosystem around that application (app store) to helping customers make smarter decisions (system of intelligence) to helping the whole ecosystem perform better (a system of network intelligence).

Die Zielarchitektur könnte in etwa so aussehen:

Bewertung

Der Ansatz hat durchaus Charme. Von allen mir bekannten Modellen in dem Bereich, das innovativste bzw. originellste. Die Öffnung für Dritte über Open APIs sowie die Übernahme der Rolle des “Orchestrators of Value” könnte ein Weg sein, um in einer von digitalen Ökosystemen und Plattformen geprägten Wirtschaft relevant zu bleiben. Die Hersteller von Bankensoftware, wie Crealogix und avaloq reagieren mit eigenen Modellen bzw. Marktplätzen auf die Entwicklung. In dem Beitrag heisst es an einer Stelle, Daten seien wichtiger als Software. Dem möchte ich hinzufügen, dass Medien wiederum wichtiger als Daten sind, d.h. die Medien selber beeinflussen die Art und Weise, wie wir und auch Maschinen oder Algorithmen die Daten interpretieren bzw. welche überhaupt in den Blick geraten. Hier befinden sich Apple, Google & Co im Vorteil, da sie mit ihrer Hardware und Software die Aufmerksamkeit der Nutzer in die gewünschten Bahnen lenken können. Das ändert gewiss nichts daran, dass die Banken ihre IT-Systeme erneuern müssen.

In den Schaubildern fehlen mir Lösungen für die digitale Identifizierung von Menschen, Geräten und Organisationen, wie überhaupt das Thema IoT/IIoT. Die Banken werden künftig nicht nur die IT, sondern auch weite Teile der Operations Technology (OT) beherrschen, zumindest jedoch verstehen müssen.

Allerdings erfordert das Management der drei Ebenen (Systems of Interaction, Systems of intelligence und Systems of record) eine deutlich veränderte Organisation und Kultur in den Banken. Die neue Architektur müsste parallel zur bestehenden aufgebaut und gemanagt werden.

Das braucht Zeit, die die Banken womöglich nicht mehr haben.

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Kundenbeschwerden bei N26 nehmen zu

Von Ralf Keuper

Mit Blick auf die Bewertungen jüngeren Datums auf Trustpilot sowie einen Erfahrungsbericht im Tagesspiegel liegt die Vermutung nahe, dass die Kunden über den Service von N26 “not amused” sind. Bestätigt wird der Eindruck durch die Kommentare zu dem Beitrag Stühlerücken bei N26.

Ebenfalls wenig Anlass zur Freude geben die Bewertungen von N26 auf Kununu.

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Biohacking mit der Sparda-Bank Berlin

Von Ralf Keuper

Die Vision, den menschlichen Körper durch Biohacking zu optimieren, erzeugt nicht bei jedem den Wunsch, sich als Versuchskaninchen zur Verfügung zu stellen. Die Sparda-Bank in Berlin ist da scheinbar offener, wie in Diese Bank setzt Kunden einen Chip unter die Haut berichtet wird. Wer bei der Bank zwischen dem 1.10 und 31.12.2019 eine Baufinanzierung in Höhe von mindestens 50.000 Euro abschließt, bekommt ein NFC-Implantat gratis dazu. Das Implantat kann man sich in die Hand einsetzen lassen und damit die Haustüren öffnen. Bislang wurde das Angebot nur sehr verhalten angenommen.

Bislang, so Patrick Krämer in einem Interview vor einiger Zeit, sei es noch nicht möglich, mit dem implantierten NFC-Chip zu bezahlen. Er dient nur zur Identifizierung. Anders sieht das beim Bezahlen mit digitalen Währungen aus. Krämer und sein Unternehmen Digiwell arbeiten an einem Implantat mit dem Namen Vivokey. Damit soll es möglich sein, “die abgesicherte und verschlüsselte Bitcoin-Wallet unter der Haut zu tragen – nicht nur einen Link zu der Webseite, wo man seine Wallet hat”. Ein Smartphone, das an den Chip gehalten wird, könnte sich die für die Zahlung nötigen Daten ziehen.

Mit Biohacking könnte die Optimierung des Menschen Wirklichkeit werden, so Benedikt Herles in Zukunftsblind:

Bio-Hacking ist das Bestreben, die gottgegebene Software zu verändern oder zu verbessern. “Hacken” bedeutet in der englischen Sprache wörtlich “in etwas eindringen”. Darum geht es in der mikrobiologischen Revolution. Im buchstäblichen Sinn dringen Wissenschaftler zunehmend in den Kern allen Lebens ein. Sie manipulieren die organische Intelligenz nach ihren Vorstellungen. Das Resultat sind völlig neue Organismen, die weder natürliche Evolution noch künstliche Züchtungen jemals so hervorgebracht hätten.

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Chinesische Mobile Wallets erobern die Welt

Von Ralf Keuper

Es ist kein Geheimnis mehr, dass Alipay und WeChat, die beiden mobilen Zahlungsplattformen der chinesischen Internet-Konzerne Alibaba und Tencent, dabei sind, ihren Service in möglichst allen Teilen der Welt verfügbar zu machen (Vgl. dazu: Chinas Griff nach Europa betrifft auch das Banking). Im Windschatten von Alibaba und Tencent bewegen sich Xiaomi und Baidu (Vgl. dazu: Alibaba, Tencent und Xiaomi entern den Finanzplatz Hong Kong & Alibaba, Baidu und Tencent: Ernstzunehmende Herausforderer der Banken aus dem Reich der Mitte).

Wie der Beitrag How Chinese companies are planning a global fintech coup nahelegt, sind Alibaba, Tencent & Co. auf ihrem globalen Eroberungsfeldzug schon weit voran gekommen. Derzeit konzentrieren sich die Aktivitäten auf Indien, Pakistan, Korea, Malaysia, Thailand und Indonesien (Vgl. dazu: Can WeChat Pay and Alipay replicate their successes in Southeast Asia?). Demnächst soll Afrika folgen. Besonders aktiv ist Ant Financial, der Finanzarm von Alibaba und Mutterkonzern von Alipay.

Es fehlt indes nicht an Versuchen, die Dominanz von Ant Financial, wie in Indien mit Paytm, aufzubrechen. Beispielhaft dafür sind die offenen Standards United Payments Interface in Indien und das von der Bill und Melinda Gates Stiftung geförderte Level One Project mit der Open Source Software MojaLoop.

Es sieht so aus, als würden die USA und Europa von chinesischen Mobile Wallets umzingelt.

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Sibos 2019: Big Issue Debate – The future of banking

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Satisfizierendes Banking

Von Ralf Keuper

Im Volksmund hat sich für funktionierende Lösungen, die durch einen übertriebenen Hang zur Perfektion letztlich unbrauchbar wurden, das Sprichwort gebildet:

Das Bessere ist der Feind des Guten

Nach allgemeiner Auffassung ist das Banking einer der wenigen Bereiche in der Wirtschaft, wo der Perfektionsdrang bei den nicht-funktionalen Anforderungen (Erreichbarkeit und Verfügbarkeit der IT-Systeme), besonders stark ausgeprägt ist. Die Fintech-Szene versucht sich von diesem Anspruch auf Vollkommenheit seit Jahren bewusst abzugrenzen. Hier liegt der Schwerpunkt eher auf funktionalen Anforderungen, auf der Benutzerfreundlichkeit (“Usability”). Mittlerweile tritt immer deutlicher hervor, dass weder die eine noch die andere Haltung auf Dauer Erfolg verspricht. Die IT-Systeme der Banken sind den Anforderungen kaum noch gewachsen, was beispielsweise durch Ausfallzeiten im Online-Banking sichtbar wird (Vgl. dazu: Zahlreiche IT-Pannen: Wächst den Banken und Versicherungen die IT über den Kopf? & IT-Pannen: Commerzbank und Postbank mit den meisten IT-Störungen). Einige Fintech-Startups wiederum fallen immer wieder mit Meldungen unzufriedener Kunden auf, die sich z.B. über fehlende Buchungen beschweren (Vgl. dazu: IT-Panne bei Fidor: Kunden wird das Gehalt nicht gebucht).

In einem Interview gab die Personalchefin von N26 potenziellen Bewerbern den Rat, das Thema Perfektion möglichst nich anzusprechen (Vgl. dazu: Perfektionismus? Bitte nicht!). Wer bei N26 überleben wolle, sollte kein Perfektionist sein. Nicht jede Aufgabe erfordere 100%igen oder gar 120%igen Einsatz. Häufig würden schon 80% genügen. N26 gehört laut Kununu dennoch zu den unbeliebtesten Startup-Arbeitgebern. Längst nicht allen scheint das lockere Arbeitsumfeld zuzusagen. Die beiden letzten Bewertungen lauten: Nicht zu empfehlen! Bin froh wenn ich etwas neues gefunden habe und Der Arbeitgeber ist nicht zu empfehlen.

Wie auch immer.

100%tige Sicherheit ebenso wie 100%ige Benutzerzufriedenheit gibt es nicht. Eines der wenigen Unternehmen, das es bislang geschafft hat, die beiden Seiten zumindest optimal zu vereinen, ist Apple.

Wenn die Banken eines von den Fintech-Startups, aber vor allem von “Big Tech”, lernen können, dann, dass man auch mal Experimente wagen muss und Lösungen nicht immer zu 100% fertig sein müssen.

Hätten Google, Amazon und Apple diesen Weg (Perfektion gleich zu Beginn) eingeschlagen, sie wären kaum über die Gründungsphase hinweg gekommen, womit nicht gemeint ist, sie würden auf Perfektion und Qualität keinerlei Wert legen. Nur behalten sie für gewöhnlich das große Ganze im Blick, d.h. wie können wir einen neuen Markt kreieren und dann nach Möglichkeit die Regeln bestimmen. Sie bewegen sich damit auf einer anderen, höheren Abstraktionsebene als die Unternehmen oder Branchen, die sie mit ihren Produkten und Services aus dem Stammgeschäft drängen, wie in der Medien-, der Automobil- und der Bankindustrie (in: New Banking: Detailanalysen versperren den Blick auf die Wurzel des Problems).

Es reicht zunächst, wenn sie “gut genug” sind. Für dieses Vorgehen hat der Wirtschaftsnobelpreisträger und einer der Vordenker der Künstlichen Intelligenz, Herbert A. Simon, den Ausdruck Satisfizierend geprägt. Statt mit der perfekten Lösung, dem großen Wurf aufzuwarten, wäre es besser, mit der satisfiziernden an den Start zu gehen.

Der Entscheidungsträger hat die Wahl zwischen optimalen für eine imaginäre vereinfachte Welt, und Entscheidungen, die “gut genug” sind, die “satisfizieren” in einer Welt, die der komplexen realen näher kommt. …

In der normativen Ökonomie hat sich erwiesen, dass exakte Lösungen für die umfangreicheren Optimierungsprobleme der realen Welt einfach nicht in Sicht, jedenfalls nicht in Reichweite sind. Angesichts dieser Komplexität wendet sich der reale Betrieb Vorgehensweisen zu, die zu immerhin befriedigenden Lösungen führen, wo beste Lösungen nicht bekannt sind. Durch Aufzeigen der Unmöglichkeit realer Optimierungen demonstriert die normative Mikroökonomie also, dass das Wirtschaftssubjekt tatsächlich ein “satisficer”ist, einer, der sich mit immerhin akzeptablen Alternativen zufrieden gibt, nicht deswegen, weil er das Geringere dem Bestmöglichen vorzöge, sondern weil er die Wahl nicht hat (in: Die Wissenschaften vom Künstlichen)

Überall dort, wo man tatsächlich die Wahl zwischen dem Bestmöglichen und Lösungen, die gut genug sind, hat, ist Perfektion oder Vollkommenheit angebracht. In allen anderen Fällen, reicht es, satisfizierende, vorübergehende, Lösungen einzusetzen, bis sich eine bessere zeigt.

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Der Ansatz der Bank of America beim Einsatz Künstlicher Intelligenz: “Produktive Paranoia”

Von Ralf Keuper

Beim Einsatz Künstlicher Intelligenz verfolgt die Bank of America einen Ansatz, der sich als “Produktive Paranoia” beschreiben lässt. In einem Interview mit Information Management erläutern Sumeet Chabria, Global business services executive bei Bank of America, und Cathy Bessant, COO der Bank of America, ihr Modell.

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz komme nur dort in Frage, wo ein echter Nutzen für den Kunden entsteht oder das Problem bzw. die Frage am effizientesten mit KI gelöst werden könne. KI sei kein Selbstzweck. Bei der Bank of America habe man den Menschen nicht aus dem Entwicklungs- und Entscheidungsprozess entfernt. Von der Konzeption bis zum Testen seien die Fachabteilungen (Business Experts) eingebunden. Banken stünden in einer besonderen Verantwortung bei der Verwendung Künstlicher Intelligenz. Die Menschen würden ihr Geld und ihre personenbezogenen Daten im Vertrauen darauf, dass die Banken damit verantwortungsvoll umgehen, übergeben. Bei der Entwicklung von KI-Systemen setze man auf Diversität, um zu verhindern, dass die Sichtweisen bestimmter Gruppen dominieren. Wenn die Frage nach möglichen Risiken und Nebeneffekten beim Einsatz der KI nicht zufriedenstellend beantwortet werden kann, dann sollte man davon absehen. Wenn Netflix mir einen Film vorschlägt, der sich im Nachhinein als schlecht erweist, dann hat das für gewöhnlich keine negativen Konsequenzen für mich. Bei der Entscheidung darüber, ob jemand eine Stelle oder einen Kredit bekommt oder nicht, sieht das anders aus. Als positives Beispiel nennen Chabria und Bessant die virtuelle Assistentin Erica der BoA. Erica wird bereits von 8 Millionen Kunden verwendet. Erica hilft den Kunden dabei, ihre Finanzen besser zu verwalten. Das geschieht u.a. dadurch, dass Erica proaktiv auf Transaktionen hinweist, die aus dem Rahmen fallen.

Die BoA hat eine online technology and operations university ins Leben gerufen, bei der 95.000 Mitarbeiter Kurse belegen können. Es sei ein Mythos, dass man tiefe Kenntnisse von Phyton oder Java benötige, um KI-Systeme verstehen bzw. beurteilen zu können. Anders als häufig zu hören und zu lesen ist, ist man bei der BoA davon überzeugt, dass der Einsatz von KI unter dem Strich zu keinen massiven Arbeitsplatzverlusten führen wird und einen Beitrag zur gesellschaftlichen Wohlfahrt leistet.

Ein bißchen Paranoia kann dennoch nicht schaden.

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