Bosch arbeitet an einem digitalen Bezahlsystem für die Maschinenökonomie

Von Ralf Keuper

Wenn in Zukunft Maschinen sich gegenseitig beauftragen und bezahlen können, dann sind entsprechende Infrastrukturen für die Zahlungsabwicklung unabdingbar. Da es sich in der Mehrzahl dabei um Klein- bzw. Kleinstbeträge handelt, wie die Bezahlung einer Parkgebühr, müssen die Kosten für die Transaktionsabwicklung gering sein.

Sebastian Gajek und Kerstin Eichmann schreiben dazu:

Zwar wären Lösungen wie PayPal oder vergleichbare Bezahlmethoden prinzipiell auch auf die Maschinenökonomie übertragbar, die hohen Transaktionsgebühren würden aber die Umsetzung eines gewinnbringenden Geschäftsmodells verhindern. In der der Regel ist die Zahlung kleiner als die mit der Transaktion verbundene Gebühr (in: Der Blockchain-Faktor. Wie die Blockchain unsere Gesellschaft verändern wird).

Bisher, so die Autoren, fehle ein rentables Verfahren.

Vielleicht leistet das digitale Bezahlsystem, für das Bosch das Patent Verfahren und Vorrichtung zum Betreiben eines digitalen Bezahlsystems eingereicht hat, Abhilfe (Vgl. dazu: Kommt das digitale Zahlungssystem mit Industriegigant BOSCH?). Wesentliches Element ist der IOTA Tangle.

Eine Ausführungsform der Erfindung fußt auf der verteilten Datenbank „Tangle“, die den Kern der neuen Kryptowährung IOTA bildet. Ähnlich wie bei einer Blockkette ist davon auszugehen, dass keines der IOTA-Tokens doppelt ausgegeben wird oder dass ein etwaiger Angreifer auf andere Weise Kontostände manipulieren kann. Im IOTA-Netzwerk ist es von Zeit zu Zeit notwendig, sogenannte Snapshots durchzuführen. Ein Zweck des Snapshots besteht darin, die Größe des Tangles zu reduzieren. Dadurch müssen die am Netzwerk teilnehmenden Knoten (nodes) weniger Daten speichern. Übrig bleiben nach dem Snapshot nur noch Adressen, die auch ein Guthaben besitzen. Außer den Kontoständen, die kein Guthaben besitzen, werden im Rahmen des Snapshots auch andere Informationen gelöscht, die bis zu diesem Zeitpunkt über das Netzwerk übertragen wurden und nicht mehr benötigt werden.

Der große Vorteil besteht in den geringen Kosten:

Ein Vorzug der auf dieser Währung basierenden Lösung liegt in der Schaffung eines einzigen Kryptowährungssystems, das vielfältige Funktionsmerkmale bietet, mit akzeptablen Einbußen zu warten ist und bei dem ein einzelner Softwarefehler oder Angriff nicht zur Gefährdung des gesamten Systems führen kann. Mit diesem Kryptowährungssystem könnte bei vertretbaren Überweisungskosten ein weltweiter Zahlungsverkehr abgewickelt werden.

Zuerst erschienen auf Identity Economy

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DKB erneut mit IT-Problemen

Von Ralf Keuper

Wie es aussieht, hat die DKB erneut mit IT-Problemen zu kämpfen (Vgl. dazu: DKB-Störung: Online-Banking bei vielen Kunden nicht erreichbar). Auf twitter machen Kunden ihrem Frust Luft. Dabei berichten sie über Probleme beim Einloggen.

Bereits vor zwei Wochen waren die IT-Systeme der DKB über mehrere Tage nur eingeschränkt erreichbar (Vgl. Erneute Probleme beim Online-Banking der DKB).

Anscheinend hat die DKB wieder Cloudflare im Einsatz. Vor einigen Tagen ging der Zugriff wohl wieder direkt über die FI-TS, einer Tochter der Finanz-Informatik.

Die erneuten Beschwerden lassen vermuten, dass die IT-Probleme der DKB gravierender sind, als bisher angenommen. Für eine Online-Bank, die vom Vertrauen in ihre IT-Systeme lebt, ein ziemliches Desaster. Bereits im Juli vergangenen Jahres waren mehrere Millionen Kunden der DKB vom online-Banking abgetrennt.

Die Kundenbewertungen der DKB auf Trustpilot sind mit insgesamt “Mangelhaft” auch kein Ruhmesblatt. Vor allem der Kundenservice wird kritisiert. In den letzten Stunden und Tagen hat sich dieser ohnehin schon unbefriedigende Zustand noch verschlechtert.

Von gleichen Problemen berichteten fast zeitgleich Kunden der Comdirect. Ebenso wie bei der DKB richtet sich die Kritik der Kunden auf Trustpilot vor allem gegen den Kundenservice.

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Cloud Banking mit Mambu #2

Von Ralf Keuper

Die letzte Beschäftigung mit dem Cloud-Banking – Anbieter Mambu auf diesem Blog liegt schon etwas länger zurück (Vgl. dazu: Cloud Banking mit Mambu).

Seitdem hat sich Mambu als Banking – Plattform für Fintech-Startups bzw. Challenger-Banken etabliert. Zu den Kunden gehören u.a. OakNorth, N26 und New10 (Vgl. dazu: Mambu – The SaaS FinTech Banking Platform). Das Unternehmen ist in 45 Ländern aktiv. Vor wenigen Tagen gab Mambu die Kooperation mit der Lending Platform Trade Ledger bekannt (Vgl. dazu: Lending platform Trade Ledger partners with Mambu as part of global expansion).

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Die Zukunft des Banking liegt im Aufbau und Management von Vertrauensnetzwerken

Von Ralf Keuper

Der Erfolg der großen Finanzinstitute und Bankiers beruht zu einem Großteil darauf, dass es ihnen über die Jahrhunderte gelungen ist, Vertrauensnetzwerke aufzubauen und weiter zu entwickeln. Legendär sind die Fugger und ihr Chefbuchhalter Matthäus Schwarz. Das Korrespondenznetz Hans Fuggers und Kaufmannsnotizbuch des Matthäus Schwarz belegen, wie groß das Beziehungsnetz war, das die Fugger zu anderen Kaufleuten und Herrscherhäusern Europas unterhielten. Ein anderes Beispiel ist die Hanse. Ebenso wie die Fugger standen die Hansekaufleute, wie Hildebrand Veckinchusen, in regem Informationsaustausch mit anderen Händlern. Der Briefwechsel des Hildebrand Veckinchusen gibt einen Einblick in die Korrespondenz eines Hansekaufmanns jener Zeit. Je größer und vielfältiger das Netzwerk war, um so genauer konnten Risiken abgeschätzt werden.

In der alten Deutschland AG war die Verbindung zwischen Industrieunternehmen und Banken durch die Vergabe von Aufsichtsratssitzen ebenfalls sehr eng. Neue Organisationsformen wie digitale Plattformen und Ökosysteme machen es für die Banken fast unmöglich, die für die Bewertung des Gesamtzustands der Wirtschaft nötigen Informationen zu beschaffen. Das Korrespondenzbankensystem, lange Zeit Ausdruck der Verflechtung der Informationsflüsse unter den Banken, erodiert (Vgl. dazu: Korrespondenzbanken – Netzwerke erodieren – neue bankenunabhängige Netzwerke übernehmen). Vertrauenswürdige Netzwerke sind jedoch auf werthaltige und umfassende Informationen angewiesen. Über den größten Informations- und Datenbestand verfügen heute Unternehmen wie Google, Apple, Facebook, Alibaba und Tencent. Mit ihren Netzwerkeffekten können sie Quasi-Standards setzen. Die Plattform ist der Standard (Vgl. dazu: Technologie- und Industriestandards beschleunigen die “Bankendämmerung” #2).

Vertrauensanker des Banking: Digitale Identitäten, zertifizierte Soft- und Hardware, auditierte Daten und Digitale Zwillinge

In Zukunft werden Maschinen einen erheblichen Teil des Informationsvolumens der Wirtschaft stellen. Die Maschinen geben über Sensoren Informationen über ihren Zustand weiter. Daneben werden die Maschinen sich gegenseitig beauftragen und bezahlen können. Micropayments werden sich damit schlagartig verbreiten. Jede Maschine, Komponente, Fabrik, Produktionsstraße etc. erhält ein digitales Abbild, einen Digitalen Zwilling zur Seite gestellt. Der Digitale Zwilling enthält die wesentlichen Eigenschaften der Maschine. Er kann selbständig mit anderen Digitalen Zwillingen kommunizieren. Geplante Veränderungen an der Maschine können am Digitalen Zwilling simuliert werden. Ähnlich verhält es sich mit dem Smart Home und dem Connected Car. Schon heute sammeln die Autos über Sensoren eine Unmenge an Daten, die wiederum große Begehrlichkeiten wecken. Nicht von ungefähr plant BlackRock sein Analysesystem Aladdin mit IoT-Daten zu füttern. Wenn die Informations- und Datenflüsse sich im Hintergrund, zwischen Maschinen und Geräten abspielen, dann muss sichergestellt werden, dass die Maschinen zu ihren Handlungen berechtigt sind, d.h. sie müssen sich ausweisen können. Hierfür werden sichere Digitale Identitäten benötigt. Gesichert sein muss auch, dass die Daten auf dem Weg von Maschine A zu Maschine B nicht manipuliert wurden. Die Hardware und Software der Maschinen und Geräte muss ebenfalls manipulationssicher sein.

Neue Rollenmodelle

Für all diese Aufgaben werden neue Dienstleister benötigt, wie Auditierer, Zertfizierer, Digitale Notare, Betreiber von Datenmarktplätzen, Clearingstellen für den Informations- und Datenfluss und sichere Digitale Identitäten. Digitale Zwillinge bzw. Avatare kommunizieren in Vertretung von Personen, Maschinen und Unternehmen. Der Digitale Zwilling wird zum zentralen Informationsobjekt.

Die neuen Vertrauensnetzwerke

Aus den genannten Elementen bilden sich mit der Zeit neue Vertrauensnetzwerke. Die Herausforderung liegt dabei weniger in der Technologie, als vielmehr in der Organisation, im Management komplexer Netzwerke. Momentan entsprechen die großen digitalen Plattformen und Ökosysteme wie Amazon diesem Bedarf am besten. Die Banken verfügen auf diesem Gebiet über einen Rückstand, der auf absehbare Zeit nicht aufzuholen ist. Die Blockchain-Technologie, evtl auch der Digitale Euro, könnten das Ungleichgewicht wenigstens teilweise ausgleichen. Damit der gewünschte Effekt eintreten kann, ist die branchen- und länderübergreifende Zusammenarbeit geboten. Hier stehen wir bestenfalls am Anfang. Die Initiative wird daher eher von der Industrie als den Banken ausgehen. Ob es Banken, wie wir sie heute noch kennen, braucht, ist fraglich. Die neuen Vertrauensnetzwerke kommen gut ohne sie aus. Ganz ohne vertrauenswürdige Akteure und Institutionen, die ein bankähnliches Vertrauen genießen, wird es jedoch nicht gehen.

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2019 Fintech Review Germany Talkshow by Startupradio

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Die ersten mittelalterlichen Bankiers

Die ersten mittelalterlichen Bankiers sind einmal die Abkömmlinge jener Wechsler (combiatores), die schon frühzeitig wegen der Verschiedenheit der Münzsorten wie Pilze aus dem Boden schossen und sich mangels genügender Kontrolle rasch bereichern konnten; in weit größerer Zahl aber sind es Großkaufleute, die ihre reichen Kapitalien zum Leihgeschäft verwenden. Halten wir daran fest, dass die Bank niemals vom Warengeschäft losgelöst sein kann. Sie ist vielmehr jenem aufgepfropft und diente lediglich der Verwertung von Kapitalreserven.

Quelle: Henri Pirenne. Stadt und Handel im Mittelalter

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Kambodscha: Ruin durch Mikrokredite | Weltspiegel

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Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband zur Zeit des Nationalsozialismus

Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen, war der 1924 gegründete Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) noch ein recht junger Verband. Während der Weimarer Zeit hatte er sich jedoch bereits als Interessenvertretung der traditionell dezentral ausgerichteten Sparkassenorganisation etabliert. Er bündelte die Einzelinteressen zu einheitlichen Verbandszielen und artikulierte diese gegenüber Regierung, Parlament, Verwaltung und Öffentlichkeit. Nach 1933 blieb der DSGV zwar im Kern erhalten, wurde jedoch durch personelle und organisatorische “Gleichschaltung” zu einem Glied der dem Reichswirtschaftsminister unterstehenden NS-Wirtschaftsordnung.

Janina Salden untersucht in dieser Studie die Handlungsspielräume des DSGV zwischen 1933 und 1945: War der Einfluss des Verbands auf rechtliche und geschäftspolitische Sachverhalte des Sparkassenwesens beschränkt? Oder erstreckte er sich auch auf grundsätzliche Fragen, wie den Grad der Integration der Sparkassenorganisation in das NS-System oder die Beteiligung des Verbandes, seiner Mitgliedsverbände und der Sparkassen an Kriegsfinanzierung und “Arisierung”? Welche Motive hatten die Führungspersönlichkeiten – und nutzten sie ihre Handlungsspielräume auch tatsächlich? (Quelle: Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband zur Zeit des Nationalsozialismus).

Rezension:

J. Salden: Sparkassen- und Giroverband im Nationalsozialismus

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Pay-Per-Use-Modelle in der Landwirtschaft

Von Ralf Keuper

Die Landwirtschaft ist den anderen Branchen in Sachen Digitalisierung weit voraus. Beispielhaft dafür ist das Pay-Per-Use-Modell des Landmaschinenherstellers Grimme. Der Landwirt kann über das myGRIMME Kundenportal definierte softwarebasierte Funktionen der Maschine befristet oder unbefristet buchen. Auf diese Weise kann er die Bezahlung an die Auslastung koppeln.

Weiteres Beispiel ist das Geschäftsmodell bzw. das Forschungsprojekt nPotato (Vgl. dazu: Service Engineering: Von Dienstleistungen zu digitalen Service-Systemen). Hier bietet Pay-Per-Use die Möglichkeit einer leistungsbezogenen Abrechnung der Maschinen-Leistungen für die Kartoffelernte.

Die bedeutet, dass die Hardwarekomponente für einen geringen Preis oder gar kostenlos vertrieben wird und die Umsatzströme durch eine stetige Nutzung des intelligenten Ernte-Service erfolgt. Dabei könnten die Abrechnung beispielsweise pro eingesetzte Zeiteinheit oder pro eingesetzte Fläche erfolgen.

Andere Erlösmodelle sind die Einmalige Abrechnung sowie die ergebnisbezogene Abrechnung.

Weitere Smart Service – Erlösmodelle finden sich in Wegweiser Smart Service Welt und in „Tractor-Sharing“ als neues Geschäftsmodell.

Zuerst erschienen auf Identity Economy

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Brett King at MEA FinTech Forum 2019

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