Von Ralf Keuper

Ges­tern hat­te ich Gele­gen­heit, auf dem Glo­ry Inno­va­ti­on Forum 2019 in Bonn zum The­ma Digi­ta­le Iden­ti­tä­ten und Pay­ments zu sprechen. 

Digitale-Idenitäten-und-Payments-komprimiert

Aus dem Publi­kum, kon­kret von Rudolf Lin­sen­barth, kam die Fra­ge, ob es nicht sinn­voll wäre, die ID des Kühl­schranks an die ID sei­nes Besit­zer zu kop­peln, qua­si als Deri­vat. Damit hät­te der Nut­zer die Kon­trol­le über die ihm zuge­ord­ne­ten Gerä­te. Mög­li­cher­wei­se könn­te das mit selbst­ver­wal­te­ten Iden­ti­tä­ten gehen. Bis­lang ist das gän­gi­ge Vor­ge­hen so, dass die Gerä­te von den Her­stel­lern mit einem Zer­ti­fi­kat ver­se­hen wer­den, das als siche­re digi­ta­le Iden­ti­tä­ten fungiert. 

Ein wei­te­rer Hin­weis aus dem Publi­kum betraf recht­li­che Fra­gen, vor allem mit Blick auf das viel zitier­te Sozi­al­kre­dit­sys­tem in Chi­na. Besteht nicht die Gefahr, dass wir mit Digi­ta­len Iden­ti­tä­ten zu viel Infor­ma­tio­nen offen­le­gen, die für die jewei­li­ge Trans­ak­ti­on über­haupt benö­tigt wird – es also qua­si zu einer Hyper-Iden­ti­fi­ka­ti­on kommt. Müs­sen wir uns über­haupt immer in irgend­ei­ner Form aus­wei­sen? Was heu­te mit Bar­geld noch mög­lich ist, soll­te künf­tig auch digi­tal mög­lich sein, näm­lich Trans­ak­tio­nen anonym abzu­wi­ckeln. Also qua­si die Geld­kar­te – nur noch digi­ta­ler. Der letz­te Gedan­ke stammt übri­gens eben­falls von Rudolf Linsenbarth. 

Fest steht für mich, dass Digi­ta­le Iden­ti­tä­ten im Bereich Pay­ments an Ein­fluss gewin­nen und das Bar­geld wei­ter zurück­drän­gen wer­den. Mit der Ver­brei­tung von IoT- und M2M-Pay­ments wird sich die­ser Trend noch deut­lich verstärken. 

Wich­tig ist jedoch, dass wir nicht ver­ges­sen, dass es kei­nen Tech­nik­de­ter­mi­nis­mus gibt. Nicht alles, was digi­ta­li­siert wer­den kann, muss auch digi­ta­li­siert wer­den. Jeden­falls solan­ge nicht, bis heu­te erreich­te Stan­dards, wie eben das Recht auf Pri­vat­heit, nicht unter­mi­niert wer­den. Dass die­ser Punkt in ande­ren Tei­len der Welt anders gehand­habt wird, heisst nicht, dass dem in jedem Fall Fol­ge zu leis­ten ist. In Euro­pa brau­chen wird drin­gend Stan­dards und Ver­fah­ren, wie Blue­code, die ein Gegen­ge­wicht zu den ande­ren Bezahl­ver­fah­ren bil­den kön­nen. Glei­ches gilt für den Bereich Digi­ta­le Iden­ti­tä­ten, sowohl für Per­so­nen wie auch für Maschi­nen und Unter­neh­men. Soll­te sich im B2B-Sek­tor wie­der­ho­len, was im B2C-Bereich ein­ge­tre­ten ist, dann haben die deut­sche und euro­päi­sche Wirt­schaft ein ech­tes Problem. 

Das Bar­geld wird nicht völ­lig ver­schwin­den; jeden­falls nicht so bald. 

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