Startups als soziologisches Feld – Bourdieu reloaded

Von Ralf Keuper

Dass es auch in Startups nicht wie auf einem Ponyhof zugeht und auch hier die Bäume nicht in den Himmel wachsen, ist an sich keine neue Erkenntnis. So sehr kann sich keine Gruppe aus dem Ganzen auskoppeln, als dass sie die Regeln ihres Handelns völlig frei bestimmen könnte. Das Rechts-, das Wirtschafts-, das Bildungs- und das Wissenschaftssystem eines Landes setzen diesen Bestrebungen Grenzen.

Innerhalb dieser Grenzen bzw. Rahmenbedingungen besteht durchaus die Möglichkeit, etwas Neues hervorzubringen, seien es technologische oder soziale Innovationen. Die Chancen der meisten Startups rühren daher, dass die großen Unternehmen und Organisationen zu träge geworden sind, um auf die Veränderungen in der Umwelt mit entsprechenden Services und Produkten zu antworten.

Was dagegen bisher, so jedenfalls mein Eindruck, noch nicht ausreichend beleuchtet wurde, ist die “Spezies” der Startups und ihrer Gründer wie auch Mitarbeiter als solcher. Haben wir es hier mit einer neuen Klasse zu tun, und wenn ja, wodurch zeichnet sie sich aus? Welcher Habitus ist vorherrschend?

Damit wären wir bei dem französischen Soziologen Pierre Bourdieu, der sich in seinen Forschungen intensiv mit Fragen des Habitus, des symbolischen Kapitals und des sozialen Feldes beschäftig hat. In Sozialer Sinn – Kritik der theoretischen Vernunft schreibt er:

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4 Antworten zu Startups als soziologisches Feld – Bourdieu reloaded

  1. Avatar Unknown sagt:

    Vielen Dank für den spannenden Beitrag!
    Was gilt Ihrer Meinung nach als symbolisches Kapital im Feld der Startup-Gründer?
    Ich glaube nämlich schon, dass man von einem Feld sprechen kann, schließlich variiert die Bedeutung von bestimmten Kapitalien (vor allem kulturellem Kapital) ja doch erheblich zwischen Startups und der sogenannten 'old economy' – meiner Meinung nach.

  2. Avatar Ralf Keuper sagt:

    Leider habe ich den Kommentar jetzt erst gelesen. Daher die reichlich verspätete Antwort. Als symbolisches Kapital würde ich im Zusammenhang mit Startups die Kontakte und Netzwerke zählen, welche die Gründer während des Studiums knüpfen. Das gilt in besondere Weise für die Unis, die als Startup-Schmieden bekannt sind, wie WHU, European Business School Oestrich-Winkel oder das KIT.

  3. Avatar Robert Dorschel sagt:

    Ich habe mich versucht, genau Ihrer Frage, in einer soziologischen Studienarbeit anzunehmen.
    https://hu-berlin.academia.edu/RobertDorschel

    Ich würde mich über ihre Eindrücke und Kritik freuen!

  4. Avatar rkeuper sagt:

    Hallo Herr Dorschel, besten Dank für Ihren Kommentar sowie für den Hinweis auf Ihre Arbeit. Schön, dass Sie auch Foucault als Bezugspunkt gewählt haben. In der Startup-Community ist die Erzeugung und Bewahrung von Illusionen bzw. spezieller Narrative von großer Bedeutung. So können die dem Feld inhärenten Widersprüche relativiert, manchmal auch neutralisiert werden. Oder wie Sie es ausgedrückt haben:

    “Symbolisches Kapital kann demnach durch die erfolgreiche Verwebung von Häresie und Orthodoxie akkumuliert werden. Der Gründerhabitus verfügt über symbolisches Kapital, wenn er beide Sinnmuster der Pole inkorporieren kann und zugleich im Stande ist, diesen Spagat verschleiern zu können. Startup-GründerInnen müssen, obwohl die rational-mittelständischen Muster wohl frequentierter verlangt werden, auch die häretischen Sinnmuster glaubhaft verkörpern, um als anerkannte Startup-GründerInnen im Feld auftreten zu können”.

    Das ist gut auf den Punkt gebracht.

    Die Ideen, den Begriff “Habitat” weiter zu entwickeln bzw. ihn neu zu deuten, halte ich für sehr vielversprechend. Der Raum, wie überhaupt das Materielle werden gerne in ihrer Bedeutung unterschätzt – vor allem aber auch die Rolle der sog. “Peripherie”.

    Viele Grüße

    Ralf Keuper

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