Die fundamentalen Defizite der Blockchain

Von Ralf Keuper 

Die Blockchain stösst in der Praxis an mehrere fundamentale Grenzen.

Blockchain als Energiefresser

Zum einen wäre da der enorme Energieverbrauch (Vgl. dazu: Bitcoin Energy Consumption Index und Energiefresser Blockchain). Sollten sich die Blockchain und digitale Währungen durchsetzen, hätte das gravierende Auswirkungen auf die CO2 – Emissionen. Auch bessere Rechenleistungen oder die Verwendung regenerativer Energien werden daran – genannt sei der Rebound – Effekt – wenig bis gar nichts ändern.

Die Macht der Mining-Pools und die Einflussmöglichkeiten der Regierungen

Eine weitere Begrenzung kommt dadurch, dass es mit den sog. Mining-Pools schon heute Konzentrationsformen in der Blockchain gibt, die der eigentlichen Philosophie widersprechen (Vgl. dazu: Bitcoin: Die stille Macht der Minengesellschaften). Bereits jetzt sollen chinesische Mining-Pools nahe an die 51 Prozent der Rechenleistung für die Bitcoin-Blockchain heran kommen. Einige gehen sogar davon aus, dass dies bereits der Fall ist. Sollte dem so sein, dann besteht hier ein weiteres Problem, da es durchaus vorstellbar ist, dass die chinesische Regierung die Miner unter ihre Fittiche nimmt und somit großen Einfluss auf die Blockchain und Bitcoin bekommt. Der Hinweis darauf, dass kein Akteur ein Interesse daran haben könnte, Bitcoin zu manipulieren, da damit die eigenen Investitionen, die mehrere Milliarden Euro betragen, vernichtet würden, ist nicht überzeugend, da ein großer Staat den Verlust einiger, auch zig Milliarden verschmerzen kann, wenn er damit seine übergeordneten geopolitischen Interessen stärken kann. Weltfremd wäre es, wenn wir davon ausgingen, dass in Zukunft die Länder oder auch Ländergruppen nicht mehr ihre eigenen Interessen verfolgen. Eine Technologie bzw. Währung, die diese Möglichkeit – anders als die Blockhain – tatsächlich ausschließen würde, hätte keine Überlebenschance. Wenig überzeugend ist der Einwand, dass in einem solchen Fall, eine andere Kryptowährung an die Stelle von Bitcoin tritt. Ist das Vertrauen in eine, noch dazu in die mit Abstand führende Währung erst einmal erschüttert, sind alle anderen Kryptowährungen, die ja nach denselben oder zumindest ähnlichen Prinzipien arbeiten, mit verbrannt; von der Panik in der Bevölkerung ganz zu schweigen. Dagegen ist jeder Börsencrash, jede Finanzkrise nur ein laues Lüftchen – es wäre eine Kernschmelze.

Blockchain als perfekte Überwachungstechnologie 

Ein weiterer Schwachpunkt ist die Tatsache, dass die Blockchain, dadurch, dass sie nicht anonym ist, große Überwachungsmöglichkeiten für staatliche und andere Stellen bietet, wie selbst einer der größten Bitcoin-Enthusiasten, Marc Andreessen, zu bedenken gibt.

Wenn jemand glaubt, dass Bitcoin Transaktionen einfacher macht, die nicht von der Regierung überwacht werden können, liegt er hundertprozentig daneben. Alle Transaktionen finden in der Öffentlichkeit statt. Jeder kann sich das gesamte Hauptbuch ansehen und verifizieren, wem das gehört. Wenn Sie also eine Polizeibehörde sind oder ein Nachrichtendienst, können Sie auf diesem Weg viel einfacher den Geldfluss nachvollziehen als beim Bargeld. Insofern erwarte ich, dass die Polizei und die Nachrichtendienste letztlich für Bitcoin sein werden und die Libertären letztlich gegen Bitcoin. (in: Wirtschaftswelt der Zukunft).

Angenommen die Blockchain wird in einem demokratischen Staat eingeführt; irgendwann übernimmt, aus was für Gründen auch immer, ein autokratisches Regime oder gar eine richtige Diktatur die Macht. Dann stünde ihr mit der Blockchain ein Werkzeug zur Verfügung, das sie wunderbar für ihre Zwecke einsetzen kann.

Das sollte man zumindest im Hinterkopf behalten.

Weitere Informationen:

Tele-Trust Positionspapier “Blockchain” 

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2 Antworten zu Die fundamentalen Defizite der Blockchain

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