Von Ralf Keuper

Der ideo­lo­gi­sche Über­bau der Kryp­to­wäh­run­gen ist auch ein Spiel­bild unse­rer von Gegen­sät­zen gepräg­ten Zeit[1]Ein Phä­no­men, das so neu nicht ist. So schrieb der Phi­lo­soph und Lite­ra­tur­no­bel­preis­trä­ger Rudolf Eucken um die Wen­de vom 19. auf das 20. Jahr­hun­dert: “Wer die geis­ti­ge Lage der Zeit über­blickt … Con­ti­nue rea­ding. Hier lau­fen unter­schied­li­che geis­ti­ge Strö­mun­gen zusam­men, die sich auf den ers­ten Blick dia­me­tral zuein­an­der ver­hal­ten – von links-mar­xis­tisch bis rechts-liber­tär-reak­tio­när[2]Inter­es­sant wäre zu klä­ren, inwie­weit hier die Hegel­sche Dia­lek­tik zum Tra­gen kommt. In bestimm­ten Fra­gen zie­hen sie jedoch an einem Strang. Den Staat gilt es eben­so abzu­schaf­fen wie die Ban­ken. Wirt­schaft und Gesell­schaft sol­len dezen­tral, ohne Macht­zen­tren orga­ni­siert wer­den. Die Kon­trol­le über die Wäh­rung soll dem Staat und den Zen­tral­ban­ken ent­ris­sen werden.

Wie lässt sich die­se Bewe­gung ein­ord­nen? Auf wel­chen Annah­men beruht die Ideo­lo­gie der Kryp­to­wäh­run­gen und wie ver­hal­ten sich die­se mit wis­sen­schafts­theo­re­ti­schen Prin­zi­pi­en, d.h. wie las­sen sich ihre Kern­aus­sa­gen über­prü­fen? Sind sie wider­spruchs­frei oder ver­su­chen sie sich gegen Kri­tik zu immu­ni­sie­ren? Han­delt es sich letzt­lich nur um eine (irra­tio­na­le) Welt­an­schau­ung, eine aktu­el­le Aus­prä­gung des­sen, was James Webb in Das Zeit­al­ter des Irra­tio­na­len. Poli­tik, Kul­tur und Okkul­tis­mus im 20. Jahr­hun­dert beschrie­ben hat? Webb ver­trat dar­in die Ansicht, “dass eine der größ­ten Schlach­ten, die im zwan­zigs­ten Jahr­hun­dert geschla­gen wur­den, die zwi­schen den Mäch­ten des Ratio­na­lis­mus und jenen der Ver­nunft­lo­sig­keit war.

In die­sen Tagen hat Char­lie Mun­ger sei­ne Ableh­nung Bit­coin gegen­über bekräf­tigt. Auf einer Ver­an­stal­tung des Aus­tra­li­an Finan­cial Review in Syn­dey sag­te Mun­ger, dass er sich wünsch­te, es gäbe kei­ne Kryp­to­wäh­run­gen. Bei der Gele­gen­heit lob­te er Chi­na dafür, dass es Maß­nah­men ergrif­fen hat, um ihre Ver­wen­dung zu ver­bie­ten. Er bedau­re zutiefst, dass die eng­lisch­spra­chi­ge Zivi­li­sa­ti­on die fal­sche Ent­schei­dung getrof­fen habe[3]Berkshire’s Mun­ger Says Now ‘Even Cra­zier’ Than Dot­com Bust.

In Die intel­lek­tu­el­le Inko­hä­renz von Kryp­to­wäh­run­gen ver­gleicht Ste­phen Diehl das Auf­kom­men der Kryp­to­wäh­run­gen mit der Kon­zept­kunst von Mar­cel Duchamp((Einen ähn­li­chen Ver­gleich zieht Tho­mas Straub­haar in 

Refe­ren­ces

Refe­ren­ces
1 Ein Phä­no­men, das so neu nicht ist. So schrieb der Phi­lo­soph und Lite­ra­tur­no­bel­preis­trä­ger Rudolf Eucken um die Wen­de vom 19. auf das 20. Jahr­hun­dert: “Wer die geis­ti­ge Lage der Zeit über­blickt und prüft, der fin­det vor allem eine star­ke Ver­wor­ren­heit und eine pein­li­che Unsi­cher­heit über das Haupt­ziel des Stre­bens; über­all ein Aus­ein­an­der­lau­fen der Mensch­heit in Par­tei­en, oft auch ein Gespal­ten­sein des Men­schen in der eige­nen See­le. Die­ser ver­wor­re­ne und unsi­che­re Stand mag zunächst als eine Fol­ge der geschicht­li­chen Über­lie­fe­rung erschei­nen. Denn von der Ver­gan­gen­heit her umfan­gen uns ver­schie­den­ar­ti­ge, ja ein­an­der feind­li­che Strö­mun­gen, ein Erbe und eine Last tau­send­jäh­ri­ger Arbeit; nichts unter­schei­det die moder­ne Kul­tur mehr von der ein­fa­che­ren des Alter­tums als sol­ches Durch­tränkt­sein von Gegen­sät­zen”. in: Geis­ti­ge Strö­mun­gen der Gegenwart 
2 Inter­es­sant wäre zu klä­ren, inwie­weit hier die Hegel­sche Dia­lek­tik zum Tra­gen kommt
3 Berkshire’s Mun­ger Says Now ‘Even Cra­zier’ Than Dot­com Bust
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