Banking als Teil des Medienwandels #4

Von Ralf Keuper

Als größter Treiber der Veränderungen im Banking gilt allgemein die fortschreitende Digitalisierung. Überlagert wird dieser Prozess m.E. von dem Medienwandel bzw. von dem veränderten Mediennutzungsverhalten der Kunden, wobei man darüber streiten kann, ob eine Trennung zwischen der Digitalisierung und dem Medienwandel sinnvoll bzw. möglich ist.

Vor einigen Jahrzehnten sorgte der Medienphilosoph Marshall McLuhan mit der Aussage “Das Medium ist die Botschaft” für einen, im wahrsten Sinne des Wortes, Sinneswandel unter den Medienschaffenden und in der Wissenschaft. Auf eine prägnante Formel gebracht, bedeutet das:

Wir formen unsere Werkzeuge, und dann formen die Werkzeuge uns.

In seinem aktuellen Beitrag In the new age of ubiquitous connectivity the message is the medium schreibt Tom Goodwin:

The concept of a “media channel” is about to explode. For decades we’ve had tight vertical channels named after the specific device we consumed it on, but we’re about to see all media become digital and we need to turn our thinking 90 degrees. We now have layers of content, not devices.

Wir befänden uns, so Goodwin, unmittelbar vor dem Eintritt in das Post-digitale Zeitalter:

We’re currently in love with terms like “mobile” and “social”, which make little sense when all digital media is intrinsically shareable and social, and everything digital can be accessed from a mobile device.

Am (vorläufigen) Ende dieser Entwicklung stehen neue Medienunternehmen, die in gewisser Hinsicht als Aggregator, als Clearingstelle für die Informationsflüsse in der Gesellschaft fungieren:

The new players in the data landscape will be based around those that can aggregate content from different devices and build perfect consumer profiles to allow more relevant ads. They will be a thin horizontal player.

Das bedeute jedoch nicht, dass es nur eine oder nur wenige Plattformen geben wird:

In the new internet age, context is king and no single platform wears a crown

Diesem “Ideal” am nächsten kommen momentan Alibaba, Tencent (WeChat), Google, Amazon, Samsung und Apple. Auffällig daran ist, dass alle der Genannten dem Punkt Mobile Payments höchste Aufmerksamkeit schenken und deren Bedeutung als Medienkanal, als (ausbaufähigen) Content Layer erkannt haben. Damit verfügen sie in der Aufmerksamkeitsökonomie über einen entscheidenden Vorteil.

Die Banken wiederum versuchen mit der Ausweitung ihrer Social Media-Angebote, Apps und neuen Filialkonzepten auf diesen Wandel zu reagieren. Es scheint fraglich, ob diese Maßnahmen ausreichen werden und ob sich nicht doch die Unsichtbare Bank durchsetzen wird, wenngleich ich persönlich da noch Zweifel habe (der Kontext wird allerdings erfolgskritisch). Jedenfalls ändern sich die Regeln des Bankgeschäfts als Folge der Medialisierung fundamental. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte müssen die Banken um die Aufmerksamkeit der Kunden buhlen und dabei die Infrastruktur nutzen, die von ihren (potenziellen) Mitbewerbern kontrolliert wird. Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was noch kommen könnte, lieferte gestern Alipay, die globale “lifestyle super app”, mit der Ankündigung, dass die Kunden künftig ihre Identifikationsdokumente in Alipay speichern können.

In Why Zelle is more than just a Venmo clone antwortet Brendan Miller auf die Frage, worauf der Erfolg von Venmo, der P2P Payment App von PayPal, basiere und welche Gegenstrategien die Banken verfolgen sollten:

Banks definitely should be looking at what Venmo is doing as far as connecting the user base using APIs from Facebook connections and other social media aspects to more easily connect consumers to each other. That was the secret sauce for Venmo, and it’s something banks should try to replicate.

Das wiederum hat große Ähnlichkeit mit den Medien der Kooperation.

Weitere Informationen:

Is Venmo the Next Big Social Network?

Banking als Teil des Medienwandels #1

Banking als Teil des Medienwandels #2

Banking als Teil des Medienwandels #3

Semantic Banking gewinnt an Konturen #2

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