Von Ralf Keuper

In dem Bei­trag How to eat a banker’s lunch bespricht Iza­bel­la Kamins­ka vor­ab den dem­nächst erschei­nen­den Report von Bruce Packard über die Her­aus­for­de­run­gen der Ban­ken durch die Fin­Tech-Revo­lu­ti­on. In sei­nem Blog­bei­trag New ent­rants and cus­to­mer beha­vi­or gab Bruce Packard sel­ber einen ers­ten Vorgeschmack.

Packard stellt fest, dass die Ban­ken noch immer in den Struk­tu­ren, d.h. den Führungs‑, Preis- und Anreiz­sys­te­men der 1990er Jah­re ver­haf­tet sind, die sie dar­an hin­dern, den diver­sen Fin­Tech-Star­tups Paro­li zu bie­ten. Die eigent­li­che Bedro­hung rüh­re jedoch daher, dass durch die neu­en Spie­ler der gesam­te zur Ver­tei­lung ste­hen­de Kuchen ver­klei­nert wer­de, so wie es Sky­pe im Bereich der Tele­fo­nie getan hat. Zwar habe Sky­pe 30 Pro­zent Markt­an­teil in der inter­na­tio­na­len Tele­fo­nie errun­gen, ohne jedoch 30 Pro­zent der Ein­nah­men für sich ver­bu­chen zu kön­nen. Den­noch arbei­tet Sky­pe pro­fi­ta­bel. Die­ses Sze­na­rio dro­he nun auch den Banken.

Im Anschluss dar­an teilt Packard die neu­en Play­er in die Kate­go­rien (aus Ban­ken­sicht) High Risk, Medi­um Risk und Low Risk ein. Hin­zu kommt noch die Ein­ord­nung nach dem Bank­typ, d.h. in dis­rup­ti­ve (new ent­rant bank) oder eher ergän­zend (sub­sti­tu­te product)

Zur Kate­go­rie High Risk zäh­len u.a. Fidor, Len­ding Club, Trans­fer­Wi­se und Kre­di­tech. Unter Medi­um Risk fal­len u.a. Hol­vi, M‑Pesa, Nut­meg und die Atom Bank, wäh­rend Yod­lee, mBank und Socie­ty One als Low Risk ein­ge­schätzt werden.

Kamins­ka nimmt anschlie­ßend Packards Argu­men­te unter die Lupe und wider­legt eini­ge von ihnen.

Zunächst ist noch immer rela­tiv unklar, ob und wie­viel Geld die Dis­rupto­ren ver­die­nen. Jen­seits der Ankün­di­gun­gen und des Mar­ke­ting, sei die Infor­ma­ti­ons­la­ge recht über­schau­bar. Eine vali­de Bewer­tung erge­be nur vor einem 10jah­res-Sze­na­rio Sinn.

Abge­se­hen davon sei es kein Hexen­werk, die Ban­ken in bestimm­ten Berei­chen mit­tels inno­va­ti­ver tech­no­lo­gi­scher Lösun­gen zu über­trump­fen. Deut­lich schwie­ri­ger sei im Ver­gleich zur Kür dage­gen die Pflicht, d.h. die eigent­li­che Ver­ar­bei­tung, das Bil­ling, Sett­le­ment, Recon­ci­lia­ti­on etc. Hier haben die klas­si­schen Ban­ken noch immer einen Vor­sprung im Know How und in der Technik/​Infrastruktur.

Inso­fern sei bei Trans­fer­Wi­se Zurück­hal­tung gebo­ten. Letzt­end­lich bewegt sich das Ange­bot an der Ober­flä­che und müs­se sei­ne lang­fris­ti­ge Pro­fi­ta­bi­li­tät erst noch unter Beweis stellen.

Die eigent­li­che Kunst im Ban­king, so Kamins­ka, bestehe dar­in, die ver­schie­de­nen Zah­lungs­strö­me, Geschäfts­vor­fäl­le zu matchen, also mehr oder weni­ger das, was auch als Firs­ten- und Risi­ko­trans­for­ma­ti­on bekannt ist. Dazu gehört natür­lich auch die Fähig­keit, kurz­fris­ti­ge, tem­po­rä­re Risi­ken in die eige­nen Bücher neh­men zu kön­nen. Für den Fall, dass nicht alle Geschäf­te auf den eige­nen Platt­for­men unter­ge­bracht wer­den kön­nen, muss der Anbie­ter in der Lage sein, wei­te­re Absatz­ka­nä­le nut­zen zu kön­nen. Hier führt, der­zeit wenigs­tens, kein Weg an den Ban­ken vorbei.

Alles in allem eine der fun­dier­tes­ten Ein­schät­zun­gen zu dem The­men­kom­plex, die ich kenne.

Kamins­ka weist auf die Schwach­stel­len vie­ler Fin­Tech-Star­tups hin, die, je näher sie an das eigent­li­che Bank­ge­schäft kom­men, erken­nen müs­sen bzw. wer­den, dass die Kom­ple­xi­tät doch grö­ßer ist, als an der Benut­zer­ober­flä­che sicht­bar wird. Die­se Kos­ten las­sen sich auch durch die bes­te User Expe­ri­ence nicht aus der Welt schaf­fen. Sie sind real.

Auf der ande­ren Sei­te räumt aber auch Kamins­ka ein, dass die schie­re Zahl der Fin­Tech-Star­tups dafür spricht, dass das aktu­el­le Geschäfts­mo­dell der Ban­ken, die Wert­schöp­fungs­ket­te, jeden­falls nicht mehr durch­gän­gig, den Anfor­de­run­gen der Kun­den entspricht.

Das bestä­tigt mich in mei­ner Annah­me, dass die eigent­li­che Bedro­hung der Ban­ken nicht so sehr von den Fin­Tech-Star­tups aus­geht, son­dern von den gro­ßen Inter­net­kon­zer­nen wie Ama­zon, Apple, Pap­Pal, face­book, die bestrebt sind, die Infra­struk­tur der Ban­ken zu nut­zen, da ihnen bewusst ist, wie auf­wen­dig das Trans­ak­ti­ons­ban­king ist. Unge­ach­tet des­sen wer­den Apple & Co. ihre Bemü­hun­gen ver­stär­ken, am Front End so viel Geschäft wie mög­lich, u.a. durch Mobi­le Pay­ments, in ihre Kanä­le zu len­ken und mit Mehr­wert­diens­ten anzu­rei­chern. Den Rest bekom­men dann die ande­ren, im Midd­le Office und Back End ange­sie­del­ten Mit­spie­ler im Verwertungskreislauf.

Auf der Ver­an­stal­tung Kun­den­nut­zen im Fokus: Wer gestal­tet das Ban­king der Zukunft? ges­tern auf der CeBIT in Han­no­ver, kam von ver­schie­de­nen Sei­ten der Hin­weis, dass das Pay­ment-Geschäft jetzt, und künf­tig noch in ver­stärk­tem Maße, eigent­lich kei­nen Spass mehr berei­te und kaum bis gar nicht pro­fi­ta­bel sei. Die Ban­ken müss­ten daher Mehr­wert­diens­te anbieten.

Das ist ja genau das, was Apple mit Apple Pay sowie aktu­ell face­book beab­sich­ti­gen. Dass mit den Pay­ments kaum Geld zu ver­die­nen ist, dürf­te auch Apple und face­book nicht ent­gan­gen sein. Jedoch sind Pay­ments ein wich­ti­ger, inte­gra­ler Bestand­teil für den digi­ta­len All­tag der Men­schen, d.h. Ein­kau­fen, Finan­zie­ren, Infor­mie­ren und Unter­hal­tung. Das lässt sich dann, wie die Ban­ken heu­te noch im klas­si­schen Modell vor­ex­er­zie­ren, quer­fi­nan­zie­ren. Nur fehlt den Ban­ken der­zeit die dazu nöti­ge Infra­struk­tur und vor allem die Reich­wei­te. Und wenn dann noch die digi­ta­len Wäh­run­gen, sei es IBM­Coin oder ande­re, die Zah­lungs­ver­kehrs­in­fra­struk­tur von Grund auf ver­än­dern, kommt in dem Sze­na­rio eine wei­te­re Dimen­si­on hinzu.

Das ist das eigent­li­che Dilemma.

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