Von Ralf Keuper

In letz­ter Zeit hat sich der Trend im E‑Commerce ver­stärkt, für die geziel­te Kun­den­an­spra­che auf Lösun­gen zurück­grei­fen, die sich unter dem Begriff Mobi­le Mar­ke­ting sub­su­mie­ren las­sen. Mitt­ler­wei­le exis­tie­ren auf dem Markt zahl­rei­che Appli­ka­tio­nen, die damit wer­ben, das Kun­den­ver­hal­ten detail­liert aus­wer­ten zu kön­nen, wie das ame­ri­ka­ni­sche Start­up Swr­ve. Nach Ansicht des Unter­neh­mens reicht es für Unter­neh­men nicht mehr aus, Kun­den über Apps anzu­spre­chen. Viel­mehr kom­me es für Mar­ken dar­auf an, lang­fris­ti­ge Bezie­hun­gen mit ihren Kun­den auf­zu­bau­en. Kurz­um: Sie zu enga­gier­ten Kun­den, zu Bot­schaf­tern der Mar­ke zu machen. Die Zukunft gehö­re daher nach Ansicht von CEO Chris­to­pher Dean Platt­for­men wie Swrve.

Mit­tels ana­ly­ti­scher Ver­fah­ren, Kam­pa­gnen und fort­lau­fen­der Erfolgs­mes­sung bekom­men die Unter­neh­men Mit­tel an die Hand, ihre Kun­den lang­fris­tig an sich zu binden.

Der Trend hat über das sog. Card-Lin­ked Mar­ke­ting auch die Ban­ken­bran­che erreicht, wie aus dem Bei­trag The Third-Par­ty Data Eco­no­my von Tho­mas H. Daven­port her­vor­geht. Dar­in schil­dert Daven­port die enge Zusam­men­ar­beit der Bank of Ame­ri­ca mit dem auf die Ana­ly­se von Online-Daten spe­zia­li­sier­ten Unter­neh­men Card­ly­tics. Das in Atlan­ta behei­ma­te­te Unter­neh­men wur­de von ehe­ma­li­gen Capi­tal One – Mit­ar­bei­tern gegrün­det. Card­ly­tics arbei­tet mit annä­hernd 400 Ban­ken zusam­men, deren Trans­ka­ti­ons­da­ten auf anony­mi­sier­ter Basis aus­ge­wer­tet wer­den. Die Infor­ma­tio­nen (pay­ment infor­ma­ti­on) ermög­li­chen einen tie­fen Ein­blick in das Kauf­ver­hal­ten der Kun­den. Der Vor­teil die­ser Koope­ra­ti­on liegt für Daven­port u.a. dar­in, dass Card­ly­tics über einen Daten­be­stand ver­fügt, der den einer nor­ma­len Bank, selbst den einer Groß­bank wie Bank of Ame­ri­ca, deut­lich über­trifft. Inso­fern wür­den bei­de Sei­ten von der geschäft­li­chen Ver­bin­dung pro­fi­tie­ren. Auf Nach­fra­ge ver­neint der Stra­te­gie­chef der Bank, Craig Snod­grass (“No, that’s not our busi­ness”), dass das Unter­neh­men die Daten an Invest­ment­ban­ken oder Hedge-Fonds wei­ter ver­kauft. Die Kun­den pro­fi­tie­ren von dem Ange­bot, indem ihnen auf Basis ihrer Kauf­his­to­rie per­so­na­li­sier­te Ange­bo­te und Ver­glei­che ange­zeigt wer­den. Cou­pons las­sen sich pro­blem­los einlösen.

Unter­neh­men zie­hen dar­aus den Vor­teil, Kun­den gezielt anspre­chen zu können.

Ange­sichts der Kon­kur­renz durch Inter­net­kon­zer­ne leuch­tet eine Koope­ra­ti­on, wie die zwi­schen Bank of Ame­ri­ca und Card­ly­tics, auf den ers­ten Blick ein.

Die Fra­ge ist aller­dings, ob sich das Mobi­le Mar­ke­ting so ohne wei­te­res in das Bank­ge­schäft, in die Orga­ni­sa­ti­on inte­grie­ren lässt. Ganz abge­se­hen vom Daten­schutz, der noch für eini­gen Sand im Getrie­be sor­gen könn­te, ist es wahr­schein­lich, dass nur weni­ge Platt­for­men den Anspruch, wie den von Swr­ve und Card­ly­tics, erfül­len kön­nen. Da sind die gro­ßen Inter­net- und E‑Commerce – Kon­zer­ne wie Ama­zon, face­book, Goog­le, Ali­baba etc. den New­co­mern in der Reich­wei­te vor­aus. Es ist abzu­war­ten, wie­vie­le unter­schied­li­che Platt­for­men, ob als pro­prie­tä­re Lösun­gen oder im White Labe­l­ing, der Markt auf­neh­men kann. Eben­so hal­te ich den Ver­such, Kun­den zu enga­gie­ren und für die Mar­ke ein­zu­span­nen, für über­am­bi­tio­niert (Vgl. dazu: Eini­ge Anmer­kun­gen zum Enga­ge­ment Ban­king).

Eines zeigt das The­ma Mobi­le Mar­ke­ting trotz­dem: Dass die Ban­ken näm­lich in Zukunft noch mehr als bis­her um die Gunst und die Auf­merk­sam­keit der Kun­den buh­len müs­sen. Die eigent­li­che Kon­kur­renz kommt nicht mehr aus den eige­nen Rei­hen, son­dern von Kon­zer­nen, die sehr erfah­ren im Umgang mit ana­ly­ti­schen Ver­fah­ren und neu­en Medi­en­for­ma­ten sind. Hin­zu kommt, dass im Bereich Mobi­le Pay­ments, wie mit Apple Pay, Lösun­gen bereit ste­hen, die einen direk­ten Kon­takt mit einer Bank nicht (mehr) erfor­der­lich machen.
Um mit der Ent­wick­lung Schritt hal­ten zu kön­nen, sind Koope­ra­tio­nen der Ban­ken mit spe­zia­li­sier­ten Anbie­tern wie Card­ly­tics nicht die schlech­tes­te Alter­na­ti­ve. Ob es reicht, muss die Zukunft zeigen.

Wei­te­re Informationen:

Mobi­le Pay­ments, E‑Commerce und Social Media bewe­gen sich auf­ein­an­der zu

For mobi­le mar­keter Mobi­le­ROI, Apple Pay is the miss­ing link

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