Von Ralf Keuper

Bei der Viel­zahl tech­no­lo­gi­scher Neue­run­gen im Ban­king kommt häu­fig die Schlüs­sel­stel­lung der “Sozia­len Inno­va­tio­nen” zu kurz.

Tech­no­lo­gi­sche Inno­va­tio­nen bedür­fen für ihre Akzep­tanz in der Gesell­schaft zwangs­läu­fig ent­spre­chen­der Sozia­ler Inno­va­tio­nen. Sie gehen Hand in Hand.

Eine brauch­ba­re Defi­ni­ti­on Sozia­ler Inno­va­tio­nen ist folgende:

A social inno­va­ti­on is new com­bi­na­ti­on and/​or new con­fi­gu­ra­ti­on of social prac­ti­ces in cer­tain are­as of action or social con­texts promp­ted by cer­tain actors or con­stel­la­ti­ons of actors in an inten­tio­nal tar­ge­ted man­ner with the goal of bet­ter satisfy­ing or ans­we­ring needs and pro­blems than is pos­si­ble on the basis of estab­lis­hed prac­ti­ces. Quel­le: Social Inno­va­ti­on: Con­cepts, Rese­arch Fiel­ds and Inter­na­tio­nal Trends)

Über­haupt stammt der Begriff der Inno­va­ti­on ursprüng­lich aus der Sozio­lo­gie, wie Peter F. Dru­cker hervorhebt:

Der Begriff Inno­va­ti­on stammt nicht aus dem Bereich der Tech­nik, son­dern aus der Sozio­lo­gie und den Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten. Inno­va­ti­on lässt sich ana­log zu J.B. Says Defi­ni­ti­on des >entre­pre­neur­Nach­fra­ge< aus­ge­hen will, defi­niert sich Inno­va­ti­on als Ver­än­de­rung von Wert und Befrie­di­gung, die der Ver­brau­cher aus Res­sour­cen erhält. (Quel­le: Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment für Wirt­schaft und Politik)

Im Ban­king haben Sozia­le Inno­va­tio­nen mitt­ler­wei­le über Crowd­sour­cing, Open Inno­va­ti­on und Col­la­bo­ra­ti­on Ein­zug gehal­ten. Bei­spie­le sind der CA Store der Credit Agri­co­le, die Initia­ti­ve der Hel­lo Bank wie auch die Crowd­sour­cing Initia­ti­ve der aus­tra­li­schen West­pac .

Eben­so gehö­ren hier­zu neue Geschäfts­mo­del­le wie Kre­dit­platt­for­men bzw. Crowdfunding/​Crowdinvesting/​Crowdlending.

Gemäß der ein­gangs erwähn­ten Defi­ni­ti­on han­delt es sich hier um neue Kom­bi­na­tio­nen sozia­ler Prak­ti­ken in bestimm­ten Berei­chen, um ein bestehen­des oder wahr­ge­nom­me­nes Defi­zit bei der Bedürf­nis­be­frie­di­gung zu decken.  Zu die­sem Zweck haben sich neue Kon­stel­la­tio­nen von Akteuren/​Gruppen gebil­det, die ein gemein­sa­mes Inter­es­se haben bzw. ein gemein­sa­mes Ziel ver­fol­gen. Das Inter­net, sprich Web 2.0., hat die tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen geschaf­fen, damit die­se neu­en For­men sozia­ler Prak­ti­ken sich eta­blie­ren konn­ten. Damit hat sich auch die Wert­schöp­fung aus den Unternehmen/​Banken hin zu den Inter­es­sen­grup­pen (Sta­ke­hol­dern) wie Kun­den und Lie­fe­ran­ten (wenn auch nicht voll­stän­dig) verlagert.

Die neu­en For­men sozia­ler Prak­ti­ken erfor­dern ent­spre­chen­de Ver­hal­tens- und Denk­mus­ter bei den Betei­lig­ten – eine Auf­ga­be der Bil­dung, aber nicht nur. Neue Ver­hal­tens- und Denk­mus­ter ent­wi­ckeln sich häu­fig im All­tag, auf spon­ta­ne Wei­se, vor allem bei der her­an­wach­sen­den Generation.

Um die­se Ver­än­de­run­gen auf­fan­gen zu kön­nen, benö­ti­gen Ban­ken bzw. Finanz­dienst­leis­ter ent­spre­chen­de orga­ni­sa­to­ri­sche Struk­tu­ren, wie z.B. Netz­werk­or­ga­ni­sa­tio­nen.

Wei­te­re Hand­lungs­al­ter­na­ti­ven sind Geschäfts­mo­del­lin­no­va­tio­nen bzw. Systeminnovationen.

Zumin­dest für die klas­si­schen Ban­ken ein wei­ter und stei­ni­ger Weg.

Benö­tigt wird ein Stil­wan­del im Banking.

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