Der Niedergang der deutschen Großbanken wird meist als Strukturfrage des Bankensektors verhandelt: Drei-Säulen-Modell versus Konsolidierung, Sparkassen versus private Banken. Ein Blick auf acht Länder – USA, Großbritannien, Japan, Südkorea, Frankreich, Schweden, Italien und Spanien – zeigt, dass Bankenkonsolidierung und digitaler Plattform-Erfolg zwei getrennte Fragen sind, an denen Deutschland gleich doppelt scheitert. Weder Digitalisierung noch eine europäische Kapitalmarktunion werden das im Alleingang beheben.
Gerald Braunberger hat in der Frankfurter Allgemeine Zeitung kürzlich den Niedergang der deutschen Großbanken beschrieben. Die Diagnose ist richtig, aber sie bleibt an der Oberfläche, solange sie als Streit um die passende Bankenstruktur geführt wird. In Italien gelang eine Konsolidierung über die traditionellen Sektorgrenzen hinweg, in Deutschland hat sich der Sparkassensektor erfolgreich dagegen gewehrt.
Beide Perspektiven – Konsolidierung oder Bewahrung – haben ihre Berechtigung. Naheliegend wäre nun die Frage, welche Substanz die drei Säulen noch besitzen, um im Wettbewerb zu bestehen. Doch das ist nicht die entscheidende Frage: Filialnähe, ein breiter Kundenstamm und verlässliche Einlagen sind vorhanden – daran hat es nie gefehlt. Die eigentlich entscheidende Frage ist vielmehr, warum es nicht gelingt, aus dieser vorhandenen Substanz heraus zu konsolidieren oder zu skalieren. Paydirekt, Wero und Verimi scheiterten nicht an fehlenden Assets, sondern an der Unfähigkeit, sie gemeinsam in eine grenzüberschreitend tragfähige Plattform, eine international relevante Zahlungsinfrastruktur oder ein europaweit durchsetzungsfähiges digitales Produkt zu überführen.
Diese beiden Verben – konsolidieren und skalieren – bezeichnen dabei keine austauschbaren Wege zum selben Ziel, sondern zwei unabhängig voneinander zu beantwortende Fragen, die in der Debatte oft vermischt werden: Ist die Bankenkonsolidierung gelungen, und ist ein digitaler Plattform-Champion entstanden? Der Vergleich mit den USA, Großbritannien, Japan, Südkorea, Frankreich, Schweden, Italien und Spanien zeigt, dass beide Fragen unabhängig voneinander beantwortet werden – und dass Deutschland der seltene Fall ist, der auf beiden Achsen zugleich scheitert.
Die Monokultur Deutsche Bank
Von den einst prägenden deutschen Großbanken – Commerzbank, Dresdner Bank, Deutsche Bank, BfG, BHF-Bank, WestLB, DG Bank, Bayerische Hypothekenbank, Bayerische Vereinsbank – ist am Ende nur die Deutsche Bank als eigenständige globale Adresse übrig geblieben. Diese Institute entstanden im 19. und 20. Jahrhundert als Finanzierungsinstrumente der deutschen Industrialisierung; ihre Konsolidierung seit den 1990er-Jahren – HypoVereinsbank-Fusion, Übernahme durch UniCredit, Aufgehen der Dresdner Bank in der Commerzbank, Abwicklung der WestLB – war die erste Erosionswelle eines Prozesses, dessen zweite Welle sich heute in der Deutschen Bank selbst zeigt: mehrfache Champion-Ankündigungen seit der Ära Ackermann, von Fitschen/Jain über Cryan bis zu Sewings aktuellem Ziel einer europäischen Führungsrolle bis 2028 – und ebenso häufig wiederkehrende Belastungen aus Zinsmanipulation, Geldwäsche-Vorwürfen und Compliance-Mängeln. Was Niklas Luhmann das Gedächtnis der Organisation nennt, erweist sich dabei resistenter als jede strategische Neuausrichtung.
Eine Volkswirtschaft ohne eine international respektierte Großbank verliert nicht nur Prestige, sondern einen Hebel, um eigene Industrieinteressen bei globalen Finanzierungsfragen unabhängig zu vertreten. Der schleichende Bedeutungsverlust der Deutschen Bank lässt sich als Symptom eines Wirtschaftsstils lesen, der lange auf Exportindustrie und Hausbank-Beziehungen setzte, den Übergang zu kapitalmarkt- und plattformgetriebenen Finanzdienstleistungen aber verpasst hat.
Warum die Koordination scheitert
Dass Deutschland eigene Plattform-Antworten nicht selbst hervorgebracht hat, ist keine neue Beobachtung. Bereits vor über einem Jahrzehnt wurde hier die Frage aufgeworfen, ob die Institution Bank sich vollständig in eine offene, plattformbasierte Struktur auflösen lässt – und schon damals lauteten die zwei ungelösten Kernfragen: Wer trägt das Risiko, und wer koordiniert? Die Antwort auf die erste Frage war eindeutig: Nur eine lizenzierte Bank kann diese Rolle übernehmen. Die zweite Frage – Koordination – wurde als die eigentlich größte Herausforderung benannt.
Genau daran sind die deutschen Gemeinschaftsinitiativen der letzten Jahre gescheitert: Paydirekt, Wero, Verimi, Yes & Co. waren technisch machbar, scheiterten aber an der Koordination zwischen den Trägerinstituten – zu viele Vetospieler, zu viel Konsensbedarf, zu wenig unternehmerische Durchgriffsmacht bei einem einzelnen Akteur. N26 und Trade Republic haben dieses Problem nicht, weil sie Einzelinstitute ohne Koordinationsbedarf sind – tragen dafür aber selbst das Risiko- und Regulierungsproblem, das die Debatte seit jeher offenließ, wie N26s eigene aufsichtsrechtliche Geschichte zeigt.
Der internationale Vergleich
Warum existieren in den USA und Großbritannien Großbanken und große Fintechs nebeneinander, während in Deutschland beide Pfade schwächeln? Der gemeinsame Nenner ist Kapitalmarkttiefe: Sie erlaubt Großbanken die globale Refinanzierung über Kapitalmärkte und Fintechs das Wachstum über mehrere Venture-Capital-Runden bis zur echten Plattformgröße. Deutschland hat traditionell ein bankbasiertes, hausbank-zentriertes Finanzierungssystem mit schwacher Aktienkultur – ein struktureller Engpass für beide Pfade gleichzeitig. Hinzu kommt das Regionalprinzip der Sparkassen und Genossenschaftsbanken, das Konsolidierung verhindert, aber auch von vornherein keinen einzelnen, ambitionierten Plattformakteur aus diesem Sektor entstehen lässt.
Der Wirtschaftshistoriker Youssef Cassis hat in seiner Geschichte der internationalen Finanzzentren einen oft übersehenen Zusammenhang herausgearbeitet: Der Aufstieg eines Finanzplatzes folgt der Wirtschaftskraft seines Heimatlandes, nicht umgekehrt. London löste Amsterdam nicht durch überlegene Bankprodukte ab, sondern weil England zur führenden See- und Handelsmacht aufstieg. Übertragen auf die Gegenwart bedeutet das: Weder ein einzelnes Institut noch eine Institutstyp-Kategorie kann sich per eigener Anstrengung über die makroökonomische Basis erheben, auf der der gesamte Finanzplatz steht. Digitalisierung und künstliche Intelligenz können diese Basis nicht ersetzen – Investitionen in digitale Infrastruktur bleiben wirkungslos, solange die reale Wirtschaftsbasis vor Ort erodiert, wie sich an Deutschlands Regionalbanken zeigt, deren Existenz unmittelbar an der wirtschaftlichen Gesundheit ihrer lokalen Kunden hängt.
Japan und Südkorea als Kontrastfolie
Japan liefert die schärfste Bestätigung dieser These – und zugleich eine wichtige Komplikation. 1989⁄90 waren die meisten der zehn größten Banken der Welt nach Bilanzsumme japanisch, getragen von der Bubble Economy. Mit deren Platzen und den folgenden “verlorenen Jahrzehnten” verloren diese Institute systematisch an globaler Bedeutung – Bankenmacht folgte der Wirtschaftsmacht exakt wie von Cassis beschrieben. Doch Japan zeigt auch: Wirtschaftlicher Niedergang allein ist keine hinreichende Bedingung für plattformgetriebene Erneuerung. Bereits 2016 war hier festgehalten worden, dass Japan trotz Tokios Rang als eines der bedeutendsten internationalen Finanzzentren beim Thema Fintech abseitsstand – geprägt von ausgeprägter Risikoscheu, einer Vorliebe für Bargeld statt Kreditkarten und der Gewohnheit, Wertpapiere lieber im heimischen Safe zu verwahren als digital zu verwalten. Die japanische Finanzaufsicht kündigte damals eine Liberalisierung an, die Banken erlauben sollte, bis zu 100 Prozent an fintech-nahen Unternehmen außerhalb des Kerngeschäfts zu halten. Dass ein Jahrzehnt später immer noch kein japanisches Pendant zu PayPal oder Stripe entstanden ist, zeigt: Selbst eine regulatorische Öffnung überwindet den kulturell verankerten Reflex nicht von selbst. Keiretsu-Strukturen, Konsensorientierung und ein schwacher Wagniskapitalmarkt haben offenbar auch in der Schwächephase keinen Nährboden für disruptive Fintech-Champions geboten.
Südkorea komplettiert das Bild in die andere Richtung. Der koreanische Bankensektor war ähnlich oligopolistisch wie der deutsche, dominiert von wenigen Großbanken. Dennoch entstanden dort mit KakaoBank, Toss und Naver Pay erfolgreiche digitale Plattformen mit zusammen weit über 80 Millionen monatlich aktiven Nutzern – in einem Land mit gut 51 Millionen Einwohnern. Bereits 2014, gut drei Jahre vor dem Start von KakaoBank, war hier Koreas Sonderstellung unter den Ländern Asiens festgehalten worden: ein für die Verbreitung neuer Technologien außergewöhnlich günstiges Umfeld, getragen nicht nur von Konzernen wie Samsung und LG. Koreanische Banken reagierten damals bereits proaktiv und noch vor Apple Pay auf mobiles Bezahlen – Hana Bank, Industrial Bank of Korea und Shinhan Bank brachten eigene Mobile Wallets heraus und lagen weltweit vorn bei NFC-basierten Mobile-Payment-Lösungen, während die Filialzahl gleichzeitig deutlich zurückging. Drei Faktoren erklären den späteren Unterschied zu Deutschland: erstens anhaltende wirtschaftliche Dynamik statt Erosion oder Stagnation, getragen von global wettbewerbsfähigen Konzernen wie Samsung und Hyundai; zweitens Plattformen, die nicht aus den Banken selbst, sondern aus bereits dominanten Tech-Ökosystemen mit riesigen bestehenden Nutzerbasen kamen; drittens eine gezielte staatliche Regulierungsentscheidung, die ab 2015⁄2017 eigens Internetbank-Lizenzen schuf, um Wettbewerb in den oligopolistischen Sektor zu bringen. Korea gelang damit nicht nur der Plattformpfad über branchenfremde Tech-Konzerne, sondern zusätzlich die proaktive Selbstdigitalisierung der etablierten Banken – ein doppelter Weg, der sich von der deutschen Reaktionslogik grundlegend unterscheidet.
Frankreich, Schweden, Italien, Spanien: zwei getrennte Achsen
Vier weitere Vergleichsfälle zeigen, dass Bankenkonsolidierung und Plattform-Erfolg zwei getrennte Variablen sind, die nicht zwangsläufig zusammenfallen.
Frankreich hat den Zustand einer einzigen verbliebenen Großbank nie erreicht: BNP Paribas, Société Générale und Crédit Agricole bestehen nebeneinander als global respektable Adressen. Anders als in Deutschland waren dort säulenübergreifende Fusionen möglich – die französischen Caisses d’Épargne fusionierten 2009 mit der genossenschaftlichen Banque Populaire zur BPCE-Gruppe. Auf der Fintech-Seite bleibt das Bild dennoch gemischt, und das schon seit langem: Bereits 2014 fiel bei der Recherche nach französischen Fintech-Startups zunächst eine erstaunliche Dünnheit der Szene auf – ein Dutzend kleiner Akteure wie Fundshop, MoneyPush oder finexkap, kaum mehr, gerade erst um das erste Pariser FinTech Startup Meetup versammelt. Für die Größe und wirtschaftliche Bedeutung Frankreichs und des Finanzplatzes Paris war das damals eindeutig zu wenig. Das ist ein bemerkenswerter Gegenpol zu Italien: Paris besaß (anders als Mailand) durchaus den internationalen Finanzzentrum-Status, den die Cassis-These als Voraussetzung nennt – und trotzdem blieb die Fintech-Gründungsdynamik zurück. Ein internationales Finanzzentrum ist demnach hilfreich, aber ebenso wenig hinreichend wie eine gelöste Bankenkonsolidierung. Kein französisches Pendant zu Stripe oder Klarna ist bis heute entstanden; spätere Erfolge wie Qonto oder Younited blieben europäisch relevant, aber nicht global skaliert – die Kapitalmarkttiefe fehlt Frankreich ähnlich wie Deutschland.
Schweden liefert den methodisch interessantesten Gegenbeweis zur Koordinationsthese. 2012 setzten sechs bis sieben große schwedische Banken gemeinsam mit der Zentralbank und der Clearingstelle Bankgirot das mobile Zahlungssystem Swish um – exakt das Modell, an dem Paydirekt in Deutschland scheiterte. Swish erreicht heute über acht Millionen Nutzer bei rund zehn Millionen Einwohnern, also nahezu flächendeckende Akzeptanz. Der Unterschied zu Deutschland liegt in der überschaubaren Zahl der Akteure und in einer bereits vorhandenen, staatlich getragenen digitalen Identitätsinfrastruktur (Mobile BankID), auf der Swish aufbauen konnte. Mit Klarna und dem später von PayPal übernommenen iZettle brachte Schweden zusätzlich private Fintech-Champions hervor – neben Südkorea einer der wenigen Fälle, in denen sowohl der kooperative als auch der private Plattformpfad gelang.
Italien hat mit dem Amato-Carli-Gesetz von 1990 die eigene Sparkassenfrage gelöst, an der sich die deutsche Diskussion bis heute festbeißt: Die öffentlich-rechtlichen Sparkassen wurden in Aktiengesellschaften umgewandelt, ihre Anteile an Stiftungen übertragen und ab 1998 zum Verkauf gezwungen – die Grundlage für die heutigen Großgruppen UniCredit und Intesa Sanpaolo. Bemerkenswert ist aber: Trotz gelöster Konsolidierung ist aus Italien kein global relevanter Fintech-Champion hervorgegangen. Dabei war durchaus Dynamik vorhanden – bereits 2014 ließ sich eine überraschend lebendige italienische Fintech-Startup-Szene beobachten, mit Akteuren wie Moneyfarm und institutioneller Förderung durch Mediobancas Startup-Wettbewerb, UniCredits eigenen FinTech Accelerator und den Mailänder Inkubator PoliHub, durchaus auf Augenhöhe mit Frankreich und Spanien. Was jedoch fehlte, wie sich damals schon zeigte: ein Finanzzentrum von internationalem Rang. Anders als Skandinavien, das dieses Fehlen durch enge Geschäftsbeziehungen zu London und Berlin kompensierte, blieb die italienische Szene stärker auf den nationalen Rahmen beschränkt. Gelöste Bankenkonsolidierung ist demnach eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Plattform-Erfolg; weder ein eigenes internationales Finanzzentrum noch eine kompensierende Auslandsanbindung noch eine starke Venture-Capital-Kultur kamen hinzu – auch das verweist zurück auf die Cassis’sche Wirtschaftskraft-Komponente.
Spanien liefert eine weitere Variante desselben Musters, diesmal mit einer bemerkenswerten Eigenheit auf der Bankenseite. Bereits 2014 war festzuhalten, dass Santander und BBVA seit Jahren zu den größten und innovativsten Banken der Branche zählten, ergänzt um die genossenschaftliche Vielfalt der Mondragon-Bank – auf den ersten Blick gute Voraussetzungen für eine lebendige Fintech-Szene. Barcelona als katalanische Startup-Hochburg und wichtiges Finanzzentrum der iberischen Halbinsel schien dafür optimale Bedingungen zu bieten; als bekanntestes Beispiel diente damals Kantox aus Barcelona, ergänzt um Licuos aus Madrid. Der eigentliche Befund für den heutigen Vergleich: Santander gehört – anders als die deutschen Institute – bis heute zu den größten und international am breitesten aufgestellten Banken Europas, mit erheblicher Präsenz in Lateinamerika und Großbritannien; BBVA ist ähnlich global ausgerichtet. Spanien hat damit, wie Frankreich, die Monokultur-Falle vermieden und sogar zwei Institute mit echtem globalem Gewicht erhalten. Auf der Plattform-Seite blieb es dagegen bei Achtungserfolgen: Kantox wurde 2019 von der Commerzbank übernommen, statt zu einem eigenständigen globalen Champion zu skalieren; ein spanisches Pendant zu Klarna oder Stripe ist bis heute nicht entstanden.
Deutschland erweist sich damit als der seltene Fall, der auf beiden Achsen zugleich scheitert – ungelöste Konsolidierung und ausbleibender Plattform-Erfolg –, während Frankreich, Schweden, Italien und Spanien jeweils mindestens eine der beiden Herausforderungen gelöst haben.
Was das für die Kapitalmarktunion bedeutet
Die europäische Kapitalmarktunion würde genau die Kapitalmarkttiefe adressieren, die deutschen und europäischen Plattformen fehlt – die US-Venture-Capital-Investitionen lagen 2020 rund zwanzigmal höher als im Euroraum. Doch die Kapitalmarktunion ist selbst ein Koordinationsprojekt zwischen 27 Mitgliedstaaten mit unterschiedlichen Insolvenzrechten, Steuersystemen und Aufsichtstraditionen – strukturell dasselbe Problem, das die deutschen Zahlungsverkehrsinitiativen zum Scheitern brachte, nur eine Ebene höher skaliert. Der erste EU-Aktionsplan datiert von 2015; der Fortschritt seither ist begrenzt.
Zwei Lesarten sind damit möglich. Die optimistische: Eine vollendete Kapitalmarktunion würde erstmals die Kapitalmarkttiefe schaffen, die N26 oder Trade Republic für echtes europäisches Wachstum bräuchten. Die skeptische: Wenn nicht einmal die Koordination dreier deutscher Bankensäulen gelingt, ist wenig Grund zur Annahme, dass die Koordination von 27 EU-Mitgliedstaaten mit noch divergenteren Interessen gelingt.
Fazit
Der Vergleich mit den USA, Großbritannien, Japan, Südkorea, Frankreich, Schweden, Italien und Spanien lässt eine vorläufig korroborierte Synthese zu, die weiterer Beobachtung bedarf: Bankenkonsolidierung und Plattform-Erfolg sind zwei getrennte Achsen, die nicht zwangsläufig zusammenfallen, und Wirtschaftskraft ist auf beiden notwendig, aber nicht hinreichend. Es ist die Kombination aus schwindender Wirtschaftskraft und einem spezifischen institutionellen Reflex – Konsensorientierung, Bindungslogik, mangelnde Risikobereitschaft, fragmentierte Koordination –, die Plattformentstehung in Deutschland und Japan verhindert, während anhaltende Dynamik, vorhandene Plattform-Ökosysteme und gezielte Regulierung sie in Südkorea und Schweden ermöglicht haben. Frankreich, Italien und Spanien zeigen zudem, dass gelöste Bankenkonsolidierung allein noch keinen Plattform-Erfolg garantiert. Deutschland ist der seltene Fall, der auf beiden Achsen zugleich scheitert. Die strategische Aufgabe für Deutschland liegt damit nicht in der nachträglichen Verteidigung des Drei-Säulen-Modells, sondern in der Frage, ob und wie beide fehlenden Elemente – wirtschaftliche Erneuerung und ein aktiv gestaltender regulatorischer Standortansatz – gleichzeitig hergestellt werden können.
Ralf Keuper
Quellen:
- Ralf Keuper: Die Bank als Plattform #1 (2013)
- Ralf Keuper: Die Bank als digitale Plattform – Versuch einer Begriffsklärung (2013)
- Ralf Keuper: Die Bank als digitale Plattform – Versuch einer Begriffsklärung #2 (2016)
- Ralf Keuper: Fintech: Nachzügler Japan (2016)
- Ralf Keuper: Die koreanische (FinTech)-Startup und Banking-Szene (2014)
- Ralf Keuper: Die französischen FinTech Startups (2014)
- Ralf Keuper: Die spanischen FinTech-Startups (2014)
- Ralf Keuper: Die italienischen FinTech-Startups (2014)
- Ralf Keuper: Metropolen des Kapitals. Die Geschichte der internationalen Finanzzentren von Youssef Cassis
- Ralf Keuper: Warum deutsche Banken ohne Wirtschaftswunder nicht überleben (2025)
- Ralf Keuper: Der ewige Vorsatz der Deutschen Bank (2025)
- Gerald Braunberger: Der Niedergang der deutschen Großbanken, Frankfurter Allgemeine Zeitung

