Von Ralf Keuper

Wäh­rend hier­zu­lan­de paydi­rekt auf den natio­na­len Durch­bruch hofft und Alli­an­zen, wie die aktu­el­le mit Blue­code, ver­su­chen, einen euro­päi­schen Qua­si-Stan­dard für das mobi­le Bezah­len zu eta­blie­ren, geht Face­book gleich meh­re­re Schrit­te wei­ter. Wie in Genf wird Zen­trum für neue Face­book-Wäh­rung zu erfah­ren ist, soll die neue Face­book-Gesell­schaft Libra Net­works zum Nukle­us der neu­en (Welt-)Währung im Inter­net werden. 

Wei­te­re Bei­trä­ge der letz­ten Wochen zu dem Thema:

Ein Gen­fer ent­wi­ckelt den Facebook-Coin

Bezahl­sys­tem aus Genf soll die Finanz­welt aufmischen

Face­book-Bezahl­sys­tem schlägt mit Libra Net­works in Genf sei­ne Zel­te auf

Auf die­sem Blog wur­den die Akti­vi­tä­ten von Face­book in Face­Coin als Digi­tal Iden­ti­ty – “Cen­tral Bank of Face­book” vorgestellt. 

Face­book will mit der neu­en Wäh­rung ein neu­es Öko­sys­tem für Finanz­dienst­leis­tun­gen etablieren.

Das Bezahl­sys­tem soll auf einer per­mis­sio­ned Block­chain lau­fen. Zu Beginn kön­nen nur aus­ge­wähl­te Part­ner und Insti­tu­tio­nen teil­neh­men. Face­book wird nur einen von meh­re­ren Vali­da­tor Nol­des stel­len. Spä­ter soll die Block­chain dann per­mis­si­onless sein und damit – prin­zi­pi­ell – allen Inter­es­sen­ten offen stehen. 

Face­book selbst strebt kei­ne domi­nan­te Posi­ti­on an. Das Bezahl­sys­tem wird von der Libra Asso­cia­ti­on ver­wal­te­tet. Ände­run­gen am Bezahl­sys­tem sind nur mit Zwei-Drit­tel-Mehr­heit mög­lich. Die digi­ta­le Wäh­rung wird mit meh­ren ande­ren (Fiat-)Währungen und Assets unter­legt. Kern­ele­ment wer­den die digi­ta­len Iden­ti­tä­ten der Nut­zer sein. Die Libra Asso­cia­ti­on strebt einen offe­nen Iden­ti­täts­stan­dard an. Der Name der neu­en Wäh­rung steht noch nicht fest. 

Vor­läu­fi­ge Bewertung

Der Vor­stoss von Face­book in das Geschäft mit Finanz­dienst­leis­tun­gen kommt nicht uner­war­tet. Eher schon über­rascht, dass Face­book mit der Block­chain-Tech­no­lo­gie einen Ansatz wählt, der dem eige­nen Geschäfts­mo­dell, das auf Zen­tra­li­sie­rung beruht, wider­spricht. Dem­ge­gen­über könn­te man ein­wen­den, dass Face­book zunächst eine per­mis­sio­ned block­chain in Form einer Koope­ra­ti­on meh­re­rer Part­ner anstrebt, was ja auch wie­der­um eher zen­tra­lis­tisch ist. Ande­rer­seits setzt Libra auf einen offe­nen Iden­ti­täts­stan­dard und plant, die Block­chain für alle poten­zi­el­len Part­ner zu öff­nen. Face­book wür­de damit zunächst Macht und Ein­fluss abge­ben. Im Grun­de setzt Face­book die Pla­nun­gen ver­schie­de­ner Zen­tral­ban­ken in die Pra­xis um und wür­de damit eine neue inter­na­tio­na­le Zen­tral­bank mit poten­zi­ell 2,6 Mrd. Nut­zern schaf­fen. Die Ver­wen­dung veri­fi­zier­ter Iden­ti­tä­ten ermög­licht eine deut­lich ver­bes­ser­te Kun­den­an­spra­che. Die übli­chen Streu­ver­lus­te der Online-Wer­bung lie­ßen sich umge­hen, womit sich natür­lich das Geschäfts­mo­dell vie­ler Medi­en- und Wer­be­un­ter­neh­men in Rauch auf­lö­sen wür­de. Davon wäre – Stand heu­te – auch Face­book betrof­fen. Auf der ande­ren Sei­te ent­stün­den neue Geschäfts­mo­del­le (Iden­ti­ty based mar­ke­ting, Object Mar­ke­ting, Fraud Manage­ment, Riskma­nage­ment, Clea­ring). Ein bri­san­tes The­ma ist die Über­wa­chung der Nut­zer durch das neue Bezahlsystem. 

Wenn nicht alles täuscht, ist Face­book gera­de dabei, sich zu kan­ni­ba­li­sie­ren, zu “dis­rup­ten”. Damit das funk­tio­niert, muss man bei Face­book schon kla­re Vor­stel­lun­gen von den dar­auf­fol­gen­den Schrit­ten haben. Soll­te das Pro­jekt Erfolg haben, sehen die Ban­ken und Medi­en­un­ter­neh­men noch älter aus als ohne­hin schon. 

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