Von Ralf Keuper

In sei­ner Theo­rie der unter­neh­me­ri­schen Stand­ort­wahl auf dem Jahr 1909 hielt Alfred Weber, jün­ge­rer Bru­der von Max Weber, und über­dies Dok­tor­va­ter von Franz Kaf­ka und Erich Fromm, fest, dass für die Stand­ort­wahl eines Unter­neh­mens die Trans­port­kos­ten, die bei den Roh­stoff­lie­fe­run­gen und/​oder für die Dis­tri­bu­ti­on zu den Kun­den anfal­len, das ent­schei­den­de Kri­te­ri­um waren. Die­ses Modell hat­te lan­ge Bestand. 

Im Zeit­al­ter der digi­ta­len Öko­no­mie sind vie­le der Annah­men aus Webers Modell kaum noch zu ver­wen­den. Jedoch sind eini­ge wich­ti­ge Par­al­le­len vor­han­den. Die >Infor­ma­ti­on Centric Indus­tries< wie Ban­ken, Ver­si­che­run­gen, IT- und Medi­en­un­ter­neh­men ver­ar­bei­ten ubi­qui­tä­re Roh­stof­fe – Daten und Infor­ma­tio­nen. Die­se Roh­stof­fe sind prin­zi­pi­ell an kei­nen Stand­ort gebun­den. Als Kos­ten­fak­tor ins Gewicht fal­len neben den Aus­ga­ben für das Per­so­nal und Mie­te ins­be­son­de­re auch die Ener­gie­kos­ten, die nicht unwe­sent­lich sind. Wei­ter­hin sind steu­er­li­che Fra­gen eben­so für die Stand­ort­wahl von Bedeu­tung wie der Zugang zu För­der­mit­teln und wich­ti­gen Kon­tak­ten (Inves­to­ren, Wis­sen­schaft­ler, Kom­mu­nal­po­li­ti­ker, Wirt­schafts­för­de­rer etc). Die unmit­tel­ba­re Nähe zu den Abneh­mern ist im Ver­gleich dazu anschei­nend von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung, was viel­leicht auch erklärt, dass Ber­lin, trotz sei­ner gerin­gen Zahl von Ban­ken und Indus­trie­un­ter­neh­men, eine hohe Anzie­hungs­kraft für Start

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