Die Bank als Plattform #2

Von Ralf Keuper

Wie sehr die Idee, die Bank als Plattform zu betrachten, Gestalt annimmt, zeigt aktuell der Beitrag New Yodlee Platform Aims to Speed Up Innovation for banks. Darin berichtet Jonathan Camhi von Yodlees neuer Plattform, die es Banken erlaubt, Applikationen von Lösungsanbietern schnell und einfach in ihre Systemlandschaft zu integrieren.

Im Internet konnte ich dazu keine weiteren Informationen finden, auch nicht auf der Homepage von Yodlee. Insofern ist die Quellenlage hier (noch) unklar.

Plausibel ist die Meldung jedoch allemal, passt sie doch gut zu anderen Aussagen, die Yodlee seit einiger Zeit von sich gibt.

Die neue Plattform soll als App Store für Banken fungieren. Damit erhalten Banken einen direkten Zugriff auf die neuesten Entwicklungen, brauchen demnach selbst keine ausgedehnten Anstrengungen mehr in diese Richtung zu unternehmen. Outsourcing der Innovation quasi.

Die Banken können anscheinend damit leben, zumindest die BBVA, deren Executive Vice President, Jennifer Wilson dazu anmerkt:

By leveraging Yodlee’s platform and the ACE ecosystem, we can easily integrate new services into our digital experience in months, rather than years.

Die Argumentation hat was.

Eine ähnliche Philosophie wie Yodlee verfolgt im Back End Open Solutions, inzwischen Bestandteil von Fiserv, mit ihrer DNA Platform.

Die Zeit monolithischer Blöcke und geschlossener Systeme, sowohl was die Systemlandschaften als auch was die Unternehmensorganisation angeht, geht dem Ende entgegen. Die API-Revolution rollt heran. Schwieriger als die technische Seite ist m.E. die Frage der Organisation, d.h. welche Änderungen in den Organisationsstrukturen, im Organizational Design, der Banken und/oder der Plattformen sind nötig, um den Wandel erfolgreich zu meistern.

Derzeit ist noch wenig Literatur zu dem Thema vorhanden. Einen ersten Wurf liefert Dave Gray mit The Connected Company. Das Problem der meisten Unternehmen und Banken besteht nach Ansicht von Gray darin, dass sie noch immer uni-direktional arbeiten, d.h. die Aktionen gehen vom Unternehmen zum Kunden, direktes Feedback, unmittelbare Interaktion mit den Kunden ist nicht vorgesehen. Dazu sind die Prozesse auch nicht geeignet, da sie noch immer der Logik des Industriezeitalters im Sinne von Effizienz und Standardisierung verhaftet sind. Jegliche unvorhersehbare, spontane Reaktion von außen ist darin nicht vorgesehen, sie würde den geordneten Ablauf ohnehin nur gefährden. Service-orientierte Unternehmen, die in Zukunft das Bild dominieren werden, folgen einem grundlegend anderen Denken.

Nicht alle Unternehmensbereiche müssen in dieser Weise organisiert sein. Es bleiben auch weiterhin Zonen der Stabilität, Grave nennt sie Back Stage. Auf die Terminologie der Bank-IT übertragen: Back End. Im Front End dagegen sind dagegen Flexibilität und hohe Anpassungsfähigkeit erforderlich.

Damit zeichnet sich eine Entwicklung ab, die dazu führen kann, nicht unbedingt muss, dass die klassischen Banken ins Back End abgedrängt werden, während im Front End Plattformen wie von Yodlee die Regie übernehmen. Im Back End könnte sich der Plattform-Gedanke durch Lösungen wie von  Open Solutions – DNA und der Cloud-Technologie etablieren. Die Bank als App Store. Gar nicht so abwegig. Das würde die Bankenlandschaft deutlich verändern.

Die Bank als Plattform, als Ökosystem, hätte dann vor allem die Aufgabe, für Systeminnovation zu sorgen.

Weitere Informationen:

Die Bank als Plattform #1

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