Von Ralf Keuper

Es ist schon erstaun­lich, wie bestimm­te The­men über die Jah­re in neu­em Gewand auf der Bild­flä­che erschei­nen. Das lässt sich im Ban­king m.E. beson­ders gut bei einem Blick zurück in die Jah­re 2000 und 2001 veranschaulichen.

Mit dem Inter­net wur­den vie­le der Markt­ein­tritts­bar­rie­ren qua­si über Nacht obso­let. Ange­bot und Nach­fra­ge konn­ten fort­an – zumin­dest im Prin­zip – auf direk­tem Weg zuein­an­der fin­den. Ein Mit­tels­mann, wie ein Finanz­in­ter­me­di­är, war in vie­len Fäl­len nicht mehr nötig. Neue Anbie­ter stan­den bereits in den Start­lö­chern, um das Geschäft von den eta­blier­ten Han­dels­kon­zer­nen und Ban­ken zu über­neh­men. In eini­gen Fäl­len, wie im Buch- und Musik­han­del, ist es tat­säch­lich so gekommen.

Im April 2001 setz­te sich Deut­sche Bank Rese­arch in der Aus­ga­be e‑Banking: Kon­kur­renz durch Non- und Near-Banks mit der neu­en Situa­ti­on am Markt aus­ein­an­der. Wenn man eini­ge der Begrif­fe, die inzwi­schen aus der Mode gekom­men sind, durch neue­re ersetzt, könn­te man den Bei­trag ohne all­zu gro­ße Abstri­che auch heu­te noch in die Dis­kus­si­on wer­fen, wie allein die Über­schrif­ten zeigen:

  • Ver­än­der­te Kun­den­wün­sche als Triebkraft
  • Ver­triebs-Pro­dukt-Netz­wer­ke: Vor­tei­le für Branchenfremde
  • Zahl­rei­che Geschäftsmodelle
  • Haupt­por­ta­le gehen Koope­ra­tio­nen ein.

Die Dia­gno­sen sind noch immer aktu­ell, wie folgende:

Grund­sätz­lich for­ciert das Inter­net, das Trans­ak­ti­ons­kos­ten und Markt­ein­tritts­bar­rie­ren senkt, die Trends der Dekon­struk­ti­on und Kon­ver­genz im Finanz­sek­tor. E‑Banking Stra­te­gien rei­chen von Spe­zia­li­sie­rung (E‑Brokerage) bis zu Por­ta­len, die eine brei­te Pro­dukt­pa­let­te im Bereich Bank­dienst­leis­tun­gen und Ver­si­che­run­gen auf einer Site anbie­ten. Im Extrem­fall wer­den neben Eigen­pro­duk­ten auch Kon­kur­renz­pro­duk­te ange­bo­ten (Kon­zept des Open Finance).

Man erset­ze Open Finan­ce durch die digi­ta­le Bank oder die Bank als digi­ta­le Platt­form und das Bild passt.

So weit der Blick zurück.

Was hat sich seit­dem geändert?

Die Dekon­struk­ti­on bzw. Dis­in­ter­me­dia­ti­on im Ban­king schrei­tet, beschleu­nigt durch die Fin­Tech-Star­tups, vor­an. Gro­ße Inter­net­kon­zer­ne wie Goog­le, Apple und Ama­zon nähern sich dem Kern­ge­schäft der Ban­ken, ohne jedoch die Deckung zu ver­las­sen. Han­dels­kon­zer­ne, Kre­dit­kar­ten- und Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­kon­zer­ne grei­fen eben­falls nach dem Stamm­ge­schäft der Banken.

Von Kon­ver­genz, man schaue sich nur die Ent­wick­lung im Bereich Pay­ments an, kann (mit eini­gen Aus­nah­men) den­noch kaum die Rede sein.

Auf der öko­no­mi­schen Ebe­ne haben das Plat­zen der New-Eco­no­my-Bla­se wie auch die Finanz­kri­se, neben Ernüch­te­rung, für wei­te­ren Ver­än­de­rungs­druck gesorgt. Die Digi­ta­li­sie­rung der Öko­no­mie bricht sich wei­ter Bahn.

Bis heu­te haben die Ban­ken eben­so wie die Non- und Near-Banks auf die fort­schrei­ten­de Digi­ta­li­sie­rung kei­ne wirk­lich befrie­di­gen­de Ant­wort, ein trag­fä­hi­ges (ska­lier­ba­res) Geschäfts­mo­dell, gefun­den. Kon­ver­genz und Diver­genz wech­seln ein­an­der ab. In gewis­ser Hin­sicht befin­det sich die Ban­ken­bran­che in einer fort­ge­setz­ten Inkubationsphase.

Wei­te­re Informationen:

Sind die Ban­ken die Ver­lie­rer des digi­ta­len Zeitalters?

New Ban­king – Ein Blick zurück in die Zeit um die Jahrtausendwende

Limi­ted-Pur­po­se Banks: Chan­cen und Risiken

Wir bau­en uns eine Bank 

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