Von Ralf Keuper

Die Stra­te­gie­be­ra­tung war über einen lan­gen Zeit­raum die Königs­dis­zi­plin einer Bran­che, die in den Nach­kriegs­jahr­zehn­ten – vor allem in Deutsch­land  – einen Boom erleb­te. Die Nach­fra­ge nach Bera­tungs­leis­tun­gen ist unge­bro­chen. Sie betrifft jedoch im hohem Maß die IT-Bera­tung; die Stra­te­gie­be­ra­tun­gen haben es dage­gen zuneh­mend schwer, Gehör in den Vor­stands­eta­gen zu fin­den. Die Bereit­schaft, die alten Kol­le­gen mit Auf­trä­gen zu ver­sor­gen, ist im Top-Manage­ment längst nicht mehr so weit ver­brei­tet, wie in den 1980er und 1990er Jah­ren. Mit dazu bei­getra­gen hat sicher­lich auch die viel­zi­tier­te Digi­ta­li­sie­rung, die Ent­ste­hung neu­er Mil­li­ar­den­kon­zer­ne fast aus dem Nichts, die wie­der­um die alten Cham­pions in der Auto­mo­bil­in­dus­trie, in den Medi­en und im Ban­king alt aus­se­hen las­sen. Deren Grün­der kamen ohne den Rat von McK­in­sey & Co. aus. Hät­ten sie deren Stan­dard­vor­ge­hen über­nom­men, sie wären wohl nie an den Start gegan­gen. Mit der Kre­ierung neu­er sog. dis­rup­ti­ver Unter­neh­men wer­den McK­in­sey, Bos­ton Con­sul­ting, Bain oder Roland Ber­ger kaum in Ver­bin­dung gebracht. Ihre Stär­ke liegt in der Ana­ly­se, in der Opti­mie­rung des Bestehen­den. Skan­da­le wie um Enron oder den lang­jäh­ri­gen McK­in­sey Chef Gupta haben das Anse­hen der “Lords of Stra­te­gy” indes beschä­digt (Vgl. dazu: McK­in­sey auf Abwe­gen?). Die Erfolgs­bi­lanz ist häu­fig – mess­bar – mager. Trotz der durch­wach­se­nen Per­for­mance der Bera­tun­gen sind selbst Gewerk­schaf­ten und Minis­te­ri­en (Hartz-Reform, Bamf) nicht abge­neigt, auf deren Exper­ti­se zurückzugreifen.

Inso­fern hat Mar­tin Leicht mit sei­nem Buch bera­ten und ver­kauft. McK­in­sey & Co. – der gro­ße Bluff der Unter­neh­mens­be­ra­ter leich­tes Spiel. Für den Erfolg der gro­ßen Bera­tun­gen macht Leicht zwei Fak­to­ren aus: Kom­mo­di­fi­zie­rung und Kolonisierung.

Zur Kom­mo­di­fi­zie­rung:

“Kom­mo­di­fi­zie­rung” bedeu­tet die Kodi­fi­zie­rung indi­vi­du­el­len Wis­sens und die Abs­trak­ti­on der Roh­in­for­ma­ti­on. Es geht dar­um, Wis­sen in Pro­duk­te zu fas­sen. Damit wird inner­halb eines Unter­neh­mens eine Stan­dar­di­sie­rung der Pro­ble­me und Lösungs­an­sät­ze erreicht. Dies ermög­lich den Ein­satz jun­ger – und das heisst letzt­lich bil­li­ger – Mit­ar­bei­ter. Auch der Trans­fer des Wis­sens über natio­na­le Gren­zen gestal­tet sich durch Kom­mo­di­fi­zie­rung einfacher.

Also ein durch­aus wirt­schaft­li­ches Vor­ge­hen: Das Wis­sen stan­dar­di­sie­ren, in Pro­duk­te packen und jun­ge Mit­ar­bei­ter mit der Aus­füh­rung in der Pra­xis beauf­tra­gen. Wenn allerd…

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