POS: Als die Banken und Sparkassen noch Treiber der Entwicklung waren

Von Ralf Keuper
Es hat sie gegeben die Zeiten, als die Banken noch Treiber und nicht Getriebene des technologischen Fortschritts waren, wie gegen Mitte der 1980er Jahre, als die Point of Sale Terminals (POS) in Deutschland in den Startlöchern standen. Dabei sind einige Parallelen zu der aktuellen Entwicklung, genannt sei in dem Zusammenhang vor allem Paydirekt, kaum zu übersehen. 
Zu Beginn des Jahres 1986 wurde in den Banken das Pro und Contra der Point of Sale Terminals intensiv und kontrovers diskutiert. Während die privaten Banken, wie die Deutsche Bank, sich in Zurückhaltung übten, preschten die Sparkassen unter dem damaligen Geschäftsführer des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Wolfgang Starke, voran. Der Vorsprung der Sparkassen schien einigen kaum noch einzuholen. So schrieb das manager magazin in der Ausgabe 2/1986:

Sollten .. POS-Systeme in größerem Umfang eingeführt werden, hätten Private und Genossenschaftsbanken im Kampf um die Privatkundschaft das Nachsehen, denn die Sparkassen sind ihnen in der Vernetzung weit voraus. Schon heute stehen die insgesamt 591 Sparkassen in der Bundesrepublik mit 13 zentralen Verbandsrechnern im Dialog. Über die einzelnen Sparkassen sind zudem die insgesamt 17.600 Filialen an das Netz angeschlossen (in: Partner ohne Netz).

Die Skepsis der anderen Banken rührte daher, da zu dem Zeitpunkt für viele Marktbeobachter noch nicht klar war, ob die POS-Systeme sich wirklich im Handel durchsetzen würden. Das manager magazin brachte die Zweifel auf den Punkt:

Die Datenverbundsysteme werden erst dann wirklich wettbewerbsrelevant, wenn der Handel bei der Automation des Zahlungsverkehrs mitspielt und elektronische Ladenkassen installiert. Die sogenannten Point-of-Sale-Terminals (POS) sind jedoch bisher äußerst umstritten. Der Handel scheut die zusätzlichen Kosten und veranschlagt die Zeitersparnis gering.

Das erinnert nun wirklich sehr an die diversen Zwischenrufe zahlreicher Kommentatoren, als Apple mit Apple Pay tatsächlich daran ging, Mobiles Bezahlen in die Fläche zu bringen. Die Argumente sind ähnlich: Die Händler würden die Zusatzkosten scheuen, die Vorteile, wie Zeiterersparnis , hielten sich in Grenzen …
Bereits damals kam der Hinweis, die Banken könnten, sofern sie sich nicht einigen und das große Potenzial, das aus der Automatisierung des Zahlungsverkehrs resultierte, ignorieren würden, den Anschluss an die Marktentwicklung verlieren.
So hielten die Autoren Günter Heismann und Stefanie von Viereck des erwähnten Beitrags im mm zum Schluss fest:

Sollte die Automation so rasch vorangetrieben werden, dass das Know-how des Bankfachmannes zweitrangig wird, hätten Elekronikkonzerne und Softwarehäuser beträchtliche Chancen, dem Kreditgewerbe durchaus lukrative Segmente des Stammgeschäftes streitig zu machen.

Der Fall ist inzwischen eingetreten. 
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