Genossenschaftsbanken gegen Landwirte? Großinvestoren entdecken die Agrarbranche

Von Ralf Keuper

Die Übernahme der Agrargenossenschaft Sanne-Kerkuhn durch die VR Plus Altmark Wendland sorgt unter den Landwirten in Sachsen-Anhalt für einigen Unmut (Vgl. dazu: Altmark-Wendland. VR-Bank kauft Agrargenossenschaft). Die Landwirte befürchten, dass die Betriebe mit ihren Flächen zum Zielobjekt von Finanzinvestoren werden. Aufsehen erregte die jüngste Studie der DZ-Bank, wonach die inhabergeführten Betriebe von industriellen Agrarbetrieben abgelöst werden (Vgl. dazu: DZ-Bank prognostiziert dramatisches Höfesterben bis 2040).

Die Investoren werden u.a. durch die Agrarsubventionen pro Hektar angelockt. Der Bauernbund Brandenburg fordert daher, dass die Subventionen daran gekoppelt werden, ob die Betriebe sich im Eigentum ortsansässiger Landwirte befinden. Damit plädieren die Landwirte für eine Art Regionalprinzip.

Die Diskussion um einen Ausverkauf der Landwirtschaft an außerlandwirtschaftliche Investoren bekam erst vor wenigen Monaten durch die Übernahme des Agrarbetriebs Kayna eG durch die ALDI-Stiftung Auftrieb (Vgl. dazu: ALDI-Stiftung steigt in Agrargenossenschaft ein). In Mecklenburg-Vorpommern ist die Entwicklung schon recht weit fortgeschritten. Hier ist es vor allem die Familie Rethmann (Rethmann-Konzern), die bereits mehrere tausend Hektar Agrarland erworben hat (Vgl. dazu: Die neuen Großgrundbesitzer).

Gefürchtet unter den Landwirten weltweit ist der US-amerikanische Agrarkonzen Cargill (Vgl. dazu: Kritischer Bericht über Agrarkonzern Cargill “Das schlimmste Unternehmen der Welt” & Europas Äcker im Ausverkauf & Cargill: Nachhaltigkeitsvorreiter oder schlimmstes Unternehmen der Welt?).

Gerade mit Blick auf das Thema Nachhaltigkeit befinden sich die Genossenschaftsbanken an sich in einer guten Ausgangsposition, beispielhaft dafür ist die GLS-Bank. Sofern aber der Eindruck entstehen sollte, dass die Genossenschaftsbanken als Treiber der Industrialisierung im Agrarsektor und als Finanzinvestoren agieren und damit die Existenz inhabergeführter Betriebe gefährden, wird das genossenschaftliche Prinzip in Frage gestellt. Selbst der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock drängt auf Nachhaltigkeit.

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