Fintech-Patente: Technologiekonzerne, Kreditkartenorganisationen und Banken geben den Ton an – Startups kaum vertreten

Von Ralf Keuper

Wenn von Fintech die Rede ist, dann verbinden die meisten von uns wohl damit automatisch die Fintech-Startups. Da die Fintech-Startups allgemein als innovativ gelten, sollte man meinen, dass sich das auch bei den Patenten niederschlägt. Dem ist jedoch nicht so. Der im Jahr 2015 veröffentlichte Industry report – FinTech patents: where finance meets technology zeigte, dass die mit Abstand meisten Patente von Technologiekonzernen, Kreditkartenorganisationen und einigen Banken stammten.

Eine Matrix, welche die verschiedenen Fintech- und Technologiekategorien verknüpfte, gab seinerzeit einen guten Einblick in die Markt- und Technologieentwicklung:

Dagegen könnte man nun zu Recht einwenden, dass sich seitdem einiges verändert hat und die Zahl der von Fintech-Startups angemeldeten Patente zugenommen haben müsste. Das scheint jedoch nicht der Fall zu sein. Wie in What patents already exist in FinTech? zu erfahren ist, hat eine im August 2018 veröffentlichte Studie gezeigt, dass IBM, Google und Microsoft inzwischen 10mal mehr FinTech-Patente halten, als die weltweit größten Banken zusammen. Alleine IBM hält als Spitzenreiter 23.864 Fintech-bezogene Patente. Von Fintech-Startups ist darin überhaupt nicht die Rede. Bei der erwähnten Studie handelt es sich um IP Strategy Report – Technology disruption through a patent lens. July 2018.

Eine Studie vom April diesen Jahres liefert weitere Informationen (Vgl. dazu: “Patent filings for the FinTech industry have been dramatically changing. Filings decreased by 24% from 2007 to 2009, increased by 58% from 2009 to 2013 and decreased by 27% from 2013 to 2018.”). Während die Zahl der Patentanmeldungen US-amerikanischer Unternehmen zurück geht, legt sie bei den chinesischen, japanischen und koreanischen Unternehmen kräftig zu.

Die Top Ten in alphabetischer Reihenfolge:

Quelle: Industry-Focused Patenting Trends

Ein ähnliches Bild wie bei den Fintech-Patenten liefert die Blockchain. Dort sind Bank of America und IBM führend, dicht gefolgt von Intel, Microsoft, Visa, Mastercard und Paypal. Insbesondere Mastercard hat sich laut Studie zu einem “patenting powerhouse” entwickelt. Ebenfalls vorne dabei sind japanische Unternehmen, wie Fujitsu oder NEC.

Ein ingesamt überraschender Befund. Zu erwarten wäre gewesen, dass zumindest Unternehmen wie stripe, Wirecard oder Adyen in der Fintech-Liste auftauchen. Freilich, von der Zahl der Patente auf Innovationsfähigkeit zu schließen, wäre voreilig, zumal die “üblichen Verdächtigen”, wie Apple und Amazon, ebenfalls nicht auftauchen. Außerdem ist die Sichtweise stark US-lastig.

Dennoch: Fintech-Startups sind bei weitem nicht so innovativ, wie vielfach angenommen.

Dieser Beitrag wurde unter Banking, Fintech veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.