Finanzkrisen und politische Radikalisierung: Wie scheiternde Banken Hitlers Weg zur Macht ebneten

Von Ralf Keuper

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde von verschiedenen Faktoren begünstigt. Einen ganz wesentlichen Anteil hatte die Bankenkrise von 1931, die von den Nazis propagandistisch für ihre Zwecke ausgeschlachtet wurde. Dabei konzentrierten sich die Angriffe auf die Darmstädter und Nationalbank (Danat) mit ihrem deutsch-jüdischen Vorstandsvorsitzenden Jakob Goldschmidt. In der aktuellen Studie Financial crises and political radicalization: How failing banks paved Hitler’s path to power zeigen die Autoren unter Verwendung neu erhobener Querschnittsdaten, dass ein finanzieller Schock zu einer allgemeinen Radikalisierung der Wählerschaft führte, die direkt zur Entstehung der Nazi-Partei beitrug. Besonders stark ausgprägt war dieser Zusammenhang in Städten, in denen die Danat eine herausragende Stellung für die Wirtschaft und die Kommunen innehatte.

Auslöser für den Niedergang der Danat wie auch für die Bankenkrise war der Zusammenbruch des zu dem Zeitpunkt größten europäischen Textilkonzerns Nordwolle.

Größter Gläubiger der Nordwolle war die Darmstädter und Nationalbank. Das Engagement der Bank belief sich auf die für die damalige Zeit riesige Summe von 48 Millionen Reichsmark. Ein Ausfall des Schuldners Nordwolle hätte gravierende Auswirkungen auf die Bank gehabt. Das war dem damaligen Chef der Bank, Jakob Goldschmidt, vollauf bewusst. Als sich die Lage auf den internationalen Kapitalmärkten verschlechterte und Goldschmidt sicher gehen wollte, dass sein größter Schuldner solvent war, beauftragte er einen seiner Mitarbeiter, Max Doerner, mit der Prüfung der Bücher und Bilanzen von Nordwolle. Was dieser dann zu Tage förderte, löste im Jahr 1931 die bis dahin größte Bankenkrise in Deutschland aus. Nordwolle arbeitete schon seit Jahren mit Verlust, die Unternehmensleitung hatte u.a. die Preisentwicklung für Wolle falsch eingeschätzt. Es war nicht m…

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