Von Ralf Keuper

Schon jetzt kann nicht mehr igno­riert wer­den, dass die Men­ge an per­sön­li­chen Infor­ma­tio­nen, die im Meta­ver­sum über die Spie­ler gesam­melt wird, bei wei­tem das über­steigt, was in der Welt der Flach­bild­schir­me erfasst wird. In der AR/­VR-Ver­si­on des Meta­ver­sums wer­den viel mehr Ver­hal­tens­in­for­ma­tio­nen gesam­melt, als das heu­te mög­lich ist.

Im Meta­ver­se kön­nen die Men­schen meh­re­re Iden­ti­tä­ten besit­zen, die sie nicht mit dem rea­len Leben in Ver­bin­dung brin­gen möch­ten, sei es die tat­säch­li­che Iden­ti­tät im beruf­li­chen Kon­text, die Iden­ti­tät im Freun­des- und Fami­li­en­kreis oder die Fan­ta­sie­per­sön­lich­keit. Die ent­schei­den­de Fra­ge dabe ist, ob sich den­noch meh­re­re Iden­ti­tä­ten mit­ein­an­der ver­knüp­fen las­sen (Ver­ket­tung digi­ta­ler Identitäten).

Wel­che Leh­ren kön­nen die Ent­wick­ler des Meta­ver­sums aus der heu­ti­gen Online-Welt zie­hen, wenn sie ihre Iden­ti­täts- und Authen­ti­fi­zie­rungs­sys­te­me ent­wer­fen, und wor­in bestehen eini­ge der beson­de­ren Her­aus­for­de­run­gen? Mit dem Kon­zept der offe­nen Inter­ope­ra­bi­li­tät und zuneh­men­den Ver­brei­tung von NFTs tau­chen wei­te­re Fra­gen auf[1]Non Fun­gi­ble Tokens – schö­ne, neue Zukunft der digi­ta­len Iden­ti­tä­ten? #1. Offe­ne Inter­ope­ra­bi­li­tät bedeu­tet, dass Iden­ti­tä­ten über­trag­bar sind und sich in ver­schie­de­nen Öko­sys­te­men bewe­gen kön­nen. Dem müs­sen sich auuch die Veri­fi­zie­rungs­sys­te­me anpas­sen. Die Nut­ze­rin­nen und Nut­zer brau­chen dem­nach eine digi­ta­le Iden­ti­tät, die nicht an die Gren­zen eines bestimm­ten Unter­neh­mens oder Öko­sys­tems gebun­den ist. Im Web 3.0 soll es mög­lich sein, eine Iden­ti­täts-Wal­let über meh­re­re völ­lig unter­schied­li­che Dapps hin­weg zu ver­wen­den[2]How the meta­ver­se will impact gover­nan­ce, pri­va­cy, fraud, iden­ti­ty, and more.

Aller­dings ist das Inter­es­se des Ein­zel­nen an der Pri­vat­sphä­re mög­li­cher­wei­se nicht mit dem Inter­es­se des Meta­ver­sen-Anbie­ters ver­ein­bar.  Das Meta­ver­sum könn­te eine Gele­gen­heit für einen föde­ra­le­ren oder sogar einen Bring-your-own-iden­ti­ty- oder Self-sove­reign-Ansatz sein. Es ist jedoch frag­lich, ob das im Inter­es­se der eta­blier­ten Platt­for­men, wie Meta, ist[3]Iden­ti­ty and authen­ti­ca­ti­on in the meta­ver­se.

Ers­te Anzei­chen deu­ten dar­auf hin, dass das Meta­ver­sum unse­re rea­len und Online-Iden­ti­tä­ten näher zusam­men­brin­gen wird. Pho­to­Cro­mic bei­spiels­wei­se ist ein Rah­men­werk für die Erstel­lung und Ver­wal­tung von Iden­ti­tä­ten in Block­chain-Netz­wer­ken, Soft­ware­diens­ten und dezen­tra­len Apps. Laut eige­ner Aus­sa­ge dient es dazu, bio­me­tri­sche Lebens­nach­wei­se, staat­lich unter­stütz­te Iden­ti­täts­über­prü­fun­gen, Beschei­ni­gun­gen über sozia­le Medi­en und ein­zig­ar­ti­ge per­sön­li­che Attri­bu­te in einem ein­zi­gen Block­chain-Asset zusam­men­zu­fas­sen, das zur Iden­ti­täts­über­prü­fung ver­wen­det wer­den kann[4]Pho­to­Chro­mic: Bio­me­tri­cal­ly Mana­ged Self Sove­reign Iden­ti­ty on the Block­chain.

Pho­to­Cro­mic ist nur ein poten­zi­el­les gemein­sa­mes Pro­to­koll, um dies zu errei­chen, aber es zeigt auf, wie Benut­zer eine ein­zig­ar­ti­ge Iden­ti­tät für sich selbst über NFTs erstel­len könn­ten, wäh­rend sie gleich­zei­tig Drit­ten erlau­ben, die Iden­ti­tät zu “ent­schlüs­seln” und fest­zu­stel­len, dass jemand der­je­ni­ge ist, der er zu sein vorgibt.

Zuerst erschie­nen auf Iden­ti­ty Economy