Blockchain als systemisches Risiko

Von Ralf Keuper

Wenn es nach den Vorstellungen der Blockchain-Community geht, dann wird künftig kaum ein Lebensbereich von der Blockchain-Technologie ausgespart bleiben; schließlich handelt es sich hierbei um nichts weniger als das Neue Internet. Mehr noch: Durch seinen Charakter als engmaschige “Blockkette” werden die verschiedenen Bereiche gleichförmiger, normierter. Abweichungen sind kaum noch zulässig, da sie den reibungslosen Ablauf, die Arbeit der (unfehlbaren) Algorithmen – unnötig – stören. Es könnte wahr werden, was Max Weber mit Blick auf den hochrationalisierten Kapitalismus als “stahlhartes Gehäuse” bezeichnete.

Keine Frage: Sollte die Blockchain-Technologie den Praxis-Test bestehen, dann ließen sich damit im Idealfall enorme Rationalisierungseffekte erzielen. Ein einheitlicher EU-Binnenmarkt könnte dadurch realisiert bzw. unterstützt werden. Daraus folgt zwangsläufig, dass die Regierungen sich des Themas früher oder später annehmen werden, sofern sie ihre hoheitlichen Aufgaben erfüllen wollen. Die Blockchain als neues Herrschaftsinstrument, wie es sich kein Technokrat oder Bürokrat besser hätten ausdenken können.

Mit der Vereinheitlichung wächst jedoch die Gefahr, dass wir uns ein beachtliches systemisches Risiko aufhalsen, vor allem im hochsensiblen Finanzbereich.

Dass wir den Versprechungen der (Hoch-)Technologie gegenüber eine reservierte Haltung einnehmen sollten, war die Ansicht von Niklas Luhmann. Luhmann, alles andere als technikfeindlich, gab zu bedenken:

Der Versuch, sich gegen Risiken der Technik durch Technik zu schützen, stößt offenbar an Schranken. … (in: Soziologie des Risik…

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