Zum zwei­ten Mal inner­halb weni­ger Mona­te rügt die BaFin die Geld­wä­sche-Prä­ven­ti­on der Hela­ba – nach dem Buß­geld im Dezem­ber nun eine förm­li­che Anord­nung. Was zunächst wie ein tech­ni­sches Nach­bes­se­rungs­ver­fah­ren wirkt, wirft eine grund­sätz­li­che­re Fra­ge auf: Wie belast­bar ist die Com­pli­ance-Infra­struk­tur deut­scher Lan­des­ban­ken wirk­lich, wenn die­sel­ben Schwach­stel­len zwei Auf­sichts­maß­nah­men in Fol­ge überdauern?


Es gibt Bean­stan­dun­gen, die als Rou­ti­ne­vor­gang durch­ge­hen, und sol­che, die ein Mus­ter offen­le­gen. Die jüngs­te Anord­nung der BaFin gegen die Lan­des­bank Hes­sen-Thü­rin­gen gehört in die zwei­te Kate­go­rie. Erst im Dezem­ber hat­te die Auf­sicht ein Buß­geld von 20.000 Euro ver­hängt, weil die Daten­ver­ar­bei­tungs­sys­te­me der Hela­ba in der Geld­wä­sche­prä­ven­ti­on „nur ein­ge­schränkt ange­mes­sen” gewe­sen sei­en. Nun, mit Bescheid vom 13. Mai[1]Hela­ba: Bafin wirft Lan­des­bank Män­gel bei Geld­wä­sche-Kon­trol­len vor, folgt eine förm­li­che Anord­nung – dies­mal mit einem brei­te­ren Befund: Iden­ti­fi­zie­rung von Kun­den, Über­prü­fung und Aktua­li­sie­rung von Kun­den­da­ten, Risi­ko­ana­ly­se, Trans­ak­ti­ons­über­wa­chung. Das ist kein punk­tu­el­ler Nach­bes­se­rungs­be­darf, das ist die Kern­ar­chi­tek­tur des Geld­wä­sche-Com­pli­ance-Sys­tems einer sys­tem­re­le­van­ten Landesbank.

Die Dop­pe­lung inner­halb weni­ger Mona­te ver­dient mehr Auf­merk­sam­keit, als ihr in der bis­he­ri­gen Bericht­erstat­tung zuteil­wird. Ein Buß­geld im Dezem­ber, eine Anord­nung im Mai – dazwi­schen liegt offen­kun­dig kein aus­rei­chen­der Zeit­raum, in dem struk­tu­rel­le Defi­zi­te hät­ten beho­ben wer­den kön­nen, wenn man den behörd­li­chen Rhyth­mus als Indi­ka­tor nimmt. Ent­we­der waren die im Dezem­ber bean­stan­de­ten Sys­tem­män­gel tat­säch­lich tie­fer ver­wur­zelt, als das Buß­geld­ver­fah­ren allein signa­li­sier­te, oder die Nach­bes­se­rung der Bank griff zu lang­sam. Bei­de Les­ar­ten sind für eine Lan­des­bank mit öffent­lich-recht­li­chem Auf­trag und ent­spre­chen­der Repu­ta­ti­ons­ver­ant­wor­tung unbefriedigend.

Bemer­kens­wert ist auch die sprach­li­che Nüch­tern­heit, mit der die Hela­ba reagiert. Man sei sich der „hohen Bedeu­tung” der Prä­ven­ti­on bewusst, ste­he im „engen Aus­tausch” mit der Auf­sicht – For­mu­lie­run­gen, die das Stan­dard­vo­ka­bu­lar insti­tu­tio­nel­ler Scha­dens­be­gren­zung bedie­nen, ohne dass dar­aus ersicht­lich wür­de, was struk­tu­rell tat­säch­lich ver­än­dert wird. Die Zusi­che­rung, für die Kund­schaft ände­re sich „grund­le­gend nichts”, ist in die­sem Kon­text eher beru­hi­gen­de Rhe­to­rik als auf­schluss­rei­che Aus­sa­ge – schließ­lich betref­fen die Män­gel gera­de jene Pro­zes­se, die im Hin­ter­grund ablau­fen und für Kun­den ohne­hin nicht sicht­bar sind.

Inter­es­sant ist der Fall auch im Licht der lau­fen­den Beob­ach­tung der BaFin-Auf­sichts­pra­xis gegen­über deut­schen Kre­dit­in­sti­tu­ten. Die Behör­de geht zuneh­mend von Buß­gel­dern zu Anord­nun­gen über, die kon­kre­te Berichts­pflich­ten und Fris­ten ent­hal­ten – ein Instru­ment, das mehr Durch­griff erlaubt als eine ein­ma­li­ge Sank­ti­on, aber auch signa­li­siert, dass die rei­ne Geld­stra­fe offen­bar nicht die gewünsch­te Ver­hal­tens­än­de­rung bewirkt hat. Ob dies Aus­druck einer gene­rell stren­ge­ren Auf­sichts­li­nie ist oder ein Hela­ba-spe­zi­fi­sches Eska­la­ti­ons­mus­ter, lässt sich aus einem Ein­zel­fall nicht ablei­ten – auf­schluss­reich wäre ein Ver­gleich mit der Häu­fig­keit ähn­li­cher Anord­nun­gen bei ande­ren Lan­des­ban­ken im sel­ben Zeitraum.

Was bleibt, ist ein Befund, der über die Hela­ba hin­aus­weist: Geld­wä­sche-Com­pli­ance ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu einem der teu­ers­ten und per­so­nal­in­ten­sivs­ten Berei­che des Bank­be­triebs gewor­den, gera­de weil regu­la­to­ri­sche Anfor­de­run­gen und tech­ni­sche Sys­te­me oft nicht im glei­chen Tem­po mit­wach­sen wie die Kom­ple­xi­tät der zu über­wa­chen­den Trans­ak­tio­nen. Dass aus­ge­rech­net eine Lan­des­bank – deren Geschäfts­mo­dell tra­di­tio­nell als kon­ser­va­ti­ver und stär­ker öffent­lich kon­trol­liert gilt als das vie­ler Pri­vat­ban­ken – zwei­mal in Fol­ge an den­sel­ben Kon­troll­me­cha­nis­men schei­tert, soll­te nicht vor­schnell als Aus­nah­me­erschei­nung abge­tan werden.

Bereits zum Dezem­ber-Buß­geld hat­te sich an die­ser Stel­le die Fra­ge gestellt, wel­che prä­ven­ti­ve Wir­kung Sank­tio­nen in die­ser Grö­ßen­ord­nung bei Insti­tu­ten die­ser Dimen­si­on über­haupt ent­fal­ten kön­nen – eine Fra­ge, die sich mit der Mai-Anord­nung nun mit neu­er Dring­lich­keit stellt: BaFin setzt Buß­geld gegen Hela­ba fest

Ralf Keu­per