Wirecard: Langsam wird es kafkaesk

Von Ralf Keuper 

Wirecard sorgt weiter für “Überraschungen”. Nachdem 1,9 Mrd. Euro, die auf einem Treuhandkonto irgendwo in Asien hätten liegen sollen, nicht auffindbar sind, und die Frage im Raum steht, ob dieses Konto überhaupt je existiert hat, kommt nun ein weiteres “Detail” hinzu. In einer Ad hoc – Mitteilung von Wirecard heißt es:

Der Vorstand der Wirecard AG geht aufgrund weiterer Prüfungen derzeit davon aus, dass die bisher zugunsten von Wirecard ausgewiesenen Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von insg. 1,9 Mrd. Euro mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bestehen. Die Gesellschaft ging bisher davon aus, dass diese Treuhandkonten im Zusammenhang mit dem sog. Drittpartnergeschäft (Third Party Acquiring) zugunsten der Gesellschaft bestehen und hatte sie entsprechend in der Rechnungslegung als Aktivposten ausgewiesen. Vorstehendes führt auch dazu, dass die Gesellschaft die Annahmen über die Verlässlichkeit der Treuhandbeziehungen in Frage stellen muss.

Sie hatten also angenommen, dass das Geschäft besteht …

Die Vorgänge erinnern langsam an die Romane und Erzählungen von Franz Kafka[1]Management by Kafka. Sie wirken zunehmend kafkaesk. 

Wenn diejenigen, die das Zentrum der Macht besetzen, im Dunkeln bleiben, dann hat man das Gefühl, die Situation sei «kafkaesk» […]. In seinen Romanen ist ja der Gipfel der Pyramide unsichtbar, und in der heutigen Gesellschaft weiß man – trotz der scheinbaren Transparenz – auch nicht so genau, wie es in den obersten Instanzen zugeht. Wir wissen nicht, wo das Machtzentrum liegt, wir wissen nicht einmal, ob es ein solches Zentrum überhaupt gibt. […] Man wüsste gern, wie es dort oben zugeht, aber man lernt allenfalls die Zwischenhändler kennen. Das ist genau wie in Kafkas Process[2]Thomas David: Im Gespräch: Reiner Stach : War Kafkas Leben kafkaesk?, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 29. Juni 2008

References

References
1 Management by Kafka
2 Thomas David: Im Gespräch: Reiner Stach : War Kafkas Leben kafkaesk?, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 29. Juni 2008
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