Ein Fonds, der seine Anleger mit 439 Prozent Nettorendite in einem halben Jahr verwöhnte, verkauft binnen 24 Stunden sein gesamtes öffentliches Aktienbuch an Ken Griffins Citadel. Der Fall Leopold Aschenbrenner zeigt: Die Frage, ob eine Investmentthese stimmt, und die Frage, ob man sie überlebt, sind zwei verschiedene Fragen.
Ende Juli 2026 musste der Hedgefonds Situational Awareness LP des ehemaligen OpenAI-Forschers Leopold Aschenbrenner sein gesamtes öffentliches Aktienportfolio in einer einzigen Blocktransaktion verkaufen. Käufer: Ken Griffins Citadel. Auslöser: Margin Calls mehrerer Prime Broker – Bank of America, Goldman Sachs, JPMorgan Chase –, nachdem sich die AI-Infrastruktur-Kernpositionen des Fonds im Juli um teils über 40 Prozent verbilligt hatten, während gleichzeitig Short-Wetten gegen Softwaretitel wie Adobe ins Minus liefen. Das Fondsvolumen, das Anfang Juli noch auf bis zu 45 Milliarden Dollar taxiert wurde, schrumpfte binnen weniger Wochen auf rund 10 Milliarden Dollar. Was blieb, ist im Kern eine private Beteiligung an Anthropic.
Der Fall verdient mehr als eine Randnotiz im Marktgeschehen, weil er ein Muster offenlegt, das sich in der Finanzgeschichte wiederholt und dabei jedes Mal als Einzelfall präsentiert wird.
Die These war nicht das Problem
Aschenbrenners Investmentthese – mehr Rechenleistung, mehr Speicher, mehr Rechenzentren, mehr Energiebedarf im Zuge der KI-Entwicklung – war 2024 und ist auch heute nicht unplausibel. Sie speiste sich aus seinem vielbeachteten Essay “Situational Awareness”, der eine rasante Entwicklung hin zu superintelligenten Systemen und einen geopolitischen Wettlauf um deren Kontrolle prognostizierte. Der Fonds, der aus dieser Überzeugung heraus entstand, wuchs von rund 225 Millionen Dollar Startkapital auf einen zwischenzeitlichen Spitzenwert von über 20, nach manchen Angaben sogar 45 Milliarden Dollar.
Bis Ende Juni 2026 schien die Wette aufzugehen: 439 Prozent Nettorendite im ersten Halbjahr, seit Gründung über 1.000 Prozent. Genau diese Zahlen machen den anschließenden Kollaps so lehrreich. Es war nicht die strukturelle Prämisse, die versagte – es war die Konstruktion, mit der diese Prämisse in Rendite übersetzt werden sollte.
Konzentration plus Hebel: die eigentliche Sollbruchstelle
Der Fonds hielt seine Kernwetten – Speicherchip- und Datenzentrum-Titel wie SK Hynix, SanDisk, Micron, Nebius und CoreWeave, dazu Strom- und Bitcoin-Miner-Positionen – in einer Konzentration, die einzelne Positionen auf über 20 Prozent des offengelegten Buchs brachte. Das bedeutet: Statt das Kapital auf viele Wetten zu verteilen, steckte ein Fünftel des sichtbaren Vermögens in jeweils einem einzigen Titel. Schon das ist riskant, weil ein schlechter Tag bei einer einzigen Aktie das gesamte Portfolio spürbar trifft.
Richtig gefährlich wurde es durch den Hebel: Der Fonds arbeitete mit einem Bruttohebel…
