Im März 2019 erschien an die­ser Stel­le eine drei­tei­li­ge Serie, die sei­ner­zeit noch Pro­gno­se war. Sie­ben Jah­re spä­ter lie­fert ein Paper aus der Mate­ri­al­wis­sen­schaft ein Fall­bei­spiel, an dem sich die­se Pro­gno­se über­prü­fen lässt – und zwar in einer Domä­ne, in der Daten­men­ge und wirt­schaft­li­cher Nut­zen beson­ders weit auseinanderfallen.


Stu­fe null: die theo­re­ti­sche Grundlegung

Der ers­te Teil der Serie stell­te die öko­no­mi­sche Aus­gangs­la­ge dar: In Schwe­den und den USA mach­te die imma­te­ri­el­le Wert­schöp­fung bereits damals mehr als 50 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts aus. Der Kul­tur­wis­sen­schaft­ler Micha­el See­mann wur­de mit der Fol­ge­rung zitiert, mate­ri­el­le Wer­te spiel­ten für den neu­en Kapi­ta­lis­mus nur noch eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le – an die Stel­le von Maschi­nen und lang­le­bi­gen Inves­ti­ti­ons­gü­tern sei­en digi­ta­le Güter wie Lizen­zen, Mar­ken, Soft­ware, Paten­te und Daten­ban­ken getre­ten. Der Bei­trag unter­schied dabei prä­zi­se zwi­schen digi­ta­len Gütern (imma­te­ri­ell, aus digi­ta­len Daten bestehend) und Infor­ma­ti­ons­gü­tern (digi­ta­le Güter, die an ein Trä­ger­me­di­um gebun­den sind) und zog die his­to­ri­sche Linie nach: Eben­so wie Infor­ma­tio­nen über sehr lan­ge Zeit an Papier gebun­den waren und Geld in Form von Bank­no­ten, Wech­seln oder Schecks vom Käu­fer auf den Ver­käu­fer über­tra­gen wur­de, lösen sich bei­de zuneh­mend von ihrem mate­ri­el­len Trägermedium.

Stu­fe eins: der poli­ti­sche Rahmen

Der drit­te Teil der Serie zeig­te, dass die­se Ein­sicht nicht nur aka­de­misch blieb, son­dern in ein kon­kre­tes För­der­pro­gramm mün­de­te: Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Ener­gie schrieb das Pro­gramm “Smar­te Daten­wirt­schaft” aus, mit den Schwer­punk­ten Künst­li­che Intel­li­genz, Seman­tik und Sou­ve­rä­ni­tät. Ziel war es, Daten wirt­schaft­lich intel­li­gent zu nut­zen, sicher und rechts­kon­form zu ver­wer­ten und als eigen­stän­di­ges Wirt­schafts­gut zu behan­deln – mit der aus­drück­li­chen Per­spek­ti­ve, dass Unter­neh­mens­da­ten künf­tig sogar bilan­zier­bar sein könn­ten. Auto­ma­ti­sier­tes Han­deln mit Daten, gestützt auf maschi­nel­les Ler­nen und Ver­fah­ren zur siche­ren Nut­zung in ver­teil­ten Sys­te­men, galt als viel­ver­spre­chen­der Weg dorthin.

Bemer­kens­wert dar­an, aus heu­ti­ger Sicht: Der poli­ti­sche Wil­le, Daten bilan­zier­bar zu machen, war 2019 schon vor­han­den. Was fehl­te, war ein Instru­ment, das die­sen Anspruch ope­ra­tio­na­li­siert – ein Bewer­tungs­ras­ter, das ein ein­zel­nes Daten­gut tat­säch­lich auf sei­nen Wert hin prüft, statt nur die Rah­men­be­din­gun­gen für einen künf­ti­gen Daten­han­del zu schaffen.

Stu­fe zwei: der Datenkatalog

Der zwei­te Teil der Serie nann­te Goog­le als Unter­neh­men, das Daten schon damals sys­te­ma­tisch wie Ver­mö­gens­wer­te behan­del­te – über soge­nann­te Enter­pri­se Data Cata­logs. Deren Kern ist die zen­tra­le Inven­ta­ri­sie­rung und Kura­ti­on unter­neh­mens­wei­ter Daten­gü­ter als Aus­gangs­ba­sis für daten­ge­trie­be­ne Anwen­dun­gen. Ein Daten­ka­ta­log ver­wal­tet Meta­da­ten – Daten über Daten –, die ein ganz­heit­li­ches Daten­ma­nage­ment ermög­li­chen. Das ist bereits mehr als das blo­ße Sam­meln von Roh­da­ten, bleibt aber im Kern Buch­füh­rung: Die Inven­ta­ri­sie­rung sagt, was vor­han­den ist und wo es liegt, sie bewer­tet nicht, was davon etwas taugt.

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