Sie­ben Jah­re, zwei Ent­las­sungs­wel­len, 100.000 Kunden—und jetzt soll Pro­fi­ta­bi­li­tät das Ziel sein. Die Geschich­te von Tomor­row ist kei­ne Kon­so­li­die­rungs­ge­schich­te. Sie ist ein Lehr­stück über die struk­tu­rel­len Gren­zen von Nach­hal­tig­keits-Bran­ding als Geschäftsmodell.


„Alles, was wir tun, machen wir mit Hal­tung, Herz­blut und sta­te-of-the-art Tech­no­lo­gie. Bad Banks ver­pflich­ten sich allein dem Pro­fit. Wir ver­pflich­ten uns der Nach­hal­tig­keit und sozia­len Gerechtigkeit.”

So klang Tomor­row, als das Ham­bur­ger Fin­tech 2018 antrat, den Finanz­sek­tor umzu­krem­peln. Mehr als 120 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter, 110.000 Kun­din­nen und Kun­den, eine B‑Corp-Zertifizierung—und die erklär­te Visi­on, zur füh­ren­den digi­ta­len Nach­hal­tig­keits­bank Euro­pas zu wer­den. Und aus­drück­lich: „Schnel­les Wachs­tum ohne Kom­pro­mis­se für mög­lichst gro­ßen Profit—das wol­len wir auf gar kei­nen Fall.”

Die­ser Satz hat sich als pro­phe­tisch erwiesen—nur anders als beabsichtigt.

Das Ham­bur­ger Fin­tech Tomor­row hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zwei Ent­las­sungs­wel­len durch­lau­fen: Ende 2022 ein Vier­tel der damals rund 120 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter, im Juli 2025 noch­mals die Hälf­te der ver­blie­be­nen Beleg­schaft. Offi­zi­ell heißt es seit­her, man befin­de sich in einer „wirt­schaft­li­chen Kon­so­li­die­rungs­pha­se” und arbei­te nun kon­se­quent an der Pro­fi­ta­bi­li­tät. Die­se For­mu­lie­rung ver­dient eine genaue Betrachtung.

Pro­fi­ta­bi­li­tät als erklär­tes Ziel ist, nach sie­ben Jah­ren Betrieb und zwei Ent­las­sungs­run­den, kein stra­te­gi­scher Schwer­punkt. Es ist ein Eingeständnis—nur ohne es so zu nennen.

Der Jah­res­ab­schluss 2024, der im März 2026 im Unter­neh­mens­re­gis­ter ver­öf­fent­licht wur­de, gibt Auf­schluss über den tat­säch­li­chen Stand. Die Umsatz­er­lö­se stie­gen auf 17,2 Mil­lio­nen Euro (Vor­jahr: 11,8 Millionen)—getrieben nicht durch Kun­den­wachs­tum, son­dern durch eine ver­bes­ser­te Preis­struk­tur und höhe­re Ein­la­gen­zins­er­trä­ge. Die Auf­wen­dun­gen für Ban­king-Leis­tun­gen blie­ben mit 8,6 Mil­lio­nen Euro nahe­zu kon­stant, das Roh­ergeb­nis lag ent­spre­chend bei 9,0 Mil­lio­nen Euro (Vor­jahr: 3,8 Mil­lio­nen). Der Jah­res­fehl­be­trag sank von 9,0 auf 4,8 Mil­lio­nen Euro. Soweit die posi­ti­ve Les­art. Die ande­re: Tomor­row weist zum 31.12.2024 einen nicht durch Eigen­ka­pi­tal gedeck­ten Fehl­be­trag von 13,7 Mil­lio­nen Euro aus. Dass die­ser gegen­über dem Vor­jahr (45,5 Mil­lio­nen Euro) so dras­tisch gesun­ken ist, ver­dankt sich kei­ner ope­ra­ti­ven Trend­wen­de, son­dern einer mas­si­ven Kapi­tal­erhö­hung: Die Kapi­tal­rück­la­ge stieg von 9,0 auf 45,6 Mil­lio­nen Eur…