New Banking nach Art der Templer

Von Ralf Keuper

Das Schicksal der Templer fasziniert Historiker wie Filmautoren gleichermaßen. Ihrem rasanten Aufstieg folgte ein abruptes Ende. Ursache dafür war weniger Häresie, als vielmehr ihr wirtschaftlicher Erfolg, der bei den weltlichen Herrschern Begehrlichkeiten weckte.

Wenig bekannt ist, dass die Templer im 12. und 13. Jahrhundert den Grundstein für das Bankwesen gelegt haben, und dabei Prinzipien einführten, die nach wie vor gültig sind. Diese “goldenen Regeln” kann nach Ansicht von Catherine Palmieri auch das New Banking nicht ignorieren, wie sie in ihrem lesenswerten Beitrag To an Analog Banker in a Digital World schreibt.

Die Templer verfügten bereits über ein ausgedehntes Netz an Korrespondenzpartnern und Niederlassungen, das sich von England bis nach Jerusalem erstreckte. Zu ihren Kunden zählten zunächst die Pilger, die sich nach der Zeit der Kreuzzüge auf den Weg in das heilige Land begaben und dabei ihr Geld vor Räubern und Dieben sicher verwahrt sehen wollten. Um das Geld nicht bei sich tragen zu müssen, hinterlegten sie ihre Barschaft bei einer Niederlassung der Templer in ihrer Heimat, z.B. in London. Neben einer Quittung bekamen sie ein geheimes Passwort, mit dem sie bei jeder anderen Niederlassung der Templer, z.B. in Jerusalem, ihr Geld abheben konnten. Der außergewöhnliche “Service” der Templer sprach sich herum, was dazu führte, dass auch die Königs- und Fürstenhäuser Europas die Dienste des Ordens bei der Abwicklung ihrer Finanzgeschäfte in Anspruch nahmen.

Damit sprachen die Templer die drei wesentlichen Prinzipien des Bankgeschäfts an, an denen sich bis heute – allen technologischen Entwicklungen zum Trotz – nichts wesentlich geändert hat:

  • The security and safety of capital, and access to that capital when and where it is needed.
  • Leverage, or access to capital to fund growth (either personal or for an enterprise).
  • Deployment of excess capital in search of greater returns. Although this activity is highly important to the enterprise holding the capital, it is needed by only about 20 percent of banking customers.

Die genannten Prinzipien gilt es auch im digitalen Zeitalter zu beherzigen. Die Kunst besteht nun darin, die Konstanten des Geschäfts zu erkennen und auf die nötigen Veränderungen mittels Technologie zu reagieren.

Hierfür gibt Palmieri eine Reihe wertvoller Ratschläge.

Jedoch dürfte es für die Banken schwer werden, auf allen Gebieten gleichzeitig dem Ansturm der neuen Mitbewerber, seien es nun FinTech Startups oder Konzerne wie Google, Stand zu halten. Schaut man sich die Prinzipien, wie sie von den Templern wohl als erste in dieser Form angewendet wurden, näher an, bekommt das Thema Mobile Wallet weiteren Reiz. Die elektronische Geldbörse, die ich auf all meinen Wegen und Reisen bei mir führen kann, um damit Geld abheben oder Transaktionen durchführen zu können – und das so sicher wie möglich. Fügt man dann noch die digitalen Währungen hinzu, bekommt das Bild noch mehr Dynamik. Abzuwarten bleibt, wie sich Coin entwickeln wird.

Zwar ist es richtig, wie u.a. Maik Klotz in seinem aktuellen Beitrag schreibt, dass die Themen Mobile Payments und Mobile Wallet noch von viel Wunschdenken begleitet werden; an ihrem Potenzial, den Markt zu verändern und die Kundenbedürfnisse anzusprechen, ändert das jedoch m.E. wenig. Sicher steht die Gewohnheit der Akzeptanz Mobiler Geldbörsen häufig noch im Weg. Allerdings zeigt die Vergangenheit, dass sich die Bereitschaft der Kunden, neue Technologien im Alltag anzuwenden, schnell, ja geradezu sprunghaft wandeln kann.

Schaun mer mal ..

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1 Antwort zu New Banking nach Art der Templer

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