Größte Risiken im Banking liegen derzeit in der Geopolitik

Von Ralf Keuper

Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine und den Spannungen zwischen China und den USA in Sachen Taiwan kann man der Aussage, die der ehemalige BaFin-Chef Felix Hufeld in einem Interview gemacht hat, [1]10 Jahre Finanzkrise – „Derzeit liegen die Risiken eher in der Geopolitik“ nur zustimmen. Die größten Risiken, so Hufeld seinerzeit, liegen in der Geopolitik, wie sie sich in der steigenden Verschuldung, dem schwer zu greifenden Schattenbankensektoren in einigen Teilen der Welt und in dem andauernden Niedrigzinsumfeld, das, je länger es andauern würde, steigende Zinsänderungsrisiken mit sich bringe, bemerkbar machten.

Zwar hat sich die Lage seitdem etwas geändert – so ist die Niedrigzinsphase vorbei – geblieben sind jedoch die hohe Verschuldung und das Schattenbanksystem. Als Risiken neu hinzugekommen sind unterbrochene Lieferketten, die fortschreitende Blockbildung in der Weltwirtschaft wie überhaupt die sich verschärfende Rivalität zwischen den USA und China – und nicht zuletzt der bereits erwähnte Krieg in der Ukraine und die Klimarisiken.

Welche Alternativen hat Europa?

Die Rolle des Euro und die europäische Finanzinfrastruktur, so der ESM-Chefökonom Rolf Strauch in einer Rede vom März 2019[2]Die Geopolitik der europäischen Finanzmärkte, sollten weiter ausgebaut werden. “Dies bringt eine Reihe von Vorteilen. Insgesamt stärkt es die wirtschaftliche Souveränität und Widerstandskraft des Euroraums, bietet die Chance, möglichen finanziellen oder handelspolitischen Maßnahmen anderer internationaler Länder entgegenzuwirken, und trägt zu einem stabilen internationalen Finanzsystem bei“. Strauch weiter:  “Im gegenwärtigen geopolitischen Umfeld können finanzstarke Schwellenländer wie China ihre Finanzkraft nutzen, um politische und strategische Ziele voranzutreiben. Und auch die USA können ihre Finanzk…

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