Von Ralf Keuper

Das ist eine Fra­ge mit einem nicht unbe­trächt­li­chen Kon­flikt­po­ten­zi­al: Die Fra­ge, ob das gene­ri­sche Mas­ku­li­num noch zeit­ge­mäß ist.

Ein gene­ri­sches Mas­ku­li­num ist die Ver­wen­dung eines mas­ku­li­nen Sub­stan­tivs oder Pro­no­mens, wenn das Geschlecht der bezeich­ne­ten Per­so­nen unbe­kannt oder nicht rele­vant ist oder wenn männ­li­che wie weib­li­che Per­so­nen gemeint sind (Wiki­pe­dia).

Eine Kun­din der Spar­kas­se Saar­brü­cken woll­te die Anre­de als Spa­rer, Kun­de oder Ein­zah­ler nicht mehr län­ger akzep­tie­ren und zog daher bis zum Bun­des­ge­richts­hof, der ihr Anlie­gen jedoch zurück­wies (Vgl. dazu: Liebe/​r Kunde/*In, …). Der BGH gab als Begrün­dung an, dass der Kun­din durch die Ver­wen­dung des gene­ri­schen Mas­ku­li­nums kei­ne Nach­tei­le ent­ste­hen. Der Deut­sche Spar­kas­sen- und Giro­ver­band ist der Ansicht, dass die von der Kun­din gewünsch­te Umstel­lung die Kom­ple­xi­tät im For­mu­lar­we­sen unver­hält­nis­mä­ßig erhö­hen würde.

Für das For­mu­lar­we­sen ist bei den Spar­kas­sen tra­di­tio­nell der Deut­sche Spar­kas­sen­ver­lag zustän­dig. Auf des­sen For­mu­lar­por­tal kann man sich einen ers­ten Ein­druck verschaffen.

Das füh­ren­de IT-Sys­tem der Spar­kas­sen ist OSPlus.

Auf der Home­page der FI steht zum Leis­tungs­um­fang u.a.

OSPlus unter­stützt den akti­ven Ver­kauf von Spar­kas­sen- und Ver­bund­pro­duk­ten durch­gän­gig über alle Pha­sen des Ver­triebs­pro­zes­ses. Grund­la­ge hier­für ist die inte­grier­te Daten- und Infor­ma­ti­ons­ba­sis, die alle rele­van­ten Kun­den- und Ver­trags­in­for­ma­tio­nen enthält.

Müs­sen wir dar­aus jetzt fol­gern, dass die Inte­grier­te Daten- und Infor­ma­ti­ons­ba­sis zwar besteht, der Über­gang in das Doku­men­ten­ma­nage­ment­sys­tem, jeden­falls was den Aus­tausch des gene­ri­schen Mas­ku­li­nums betrifft, sich dage­gen etwas schwie­ri­ger gestal­tet – haben wir hier etwa einen Medi­en­bruch – fehlt es an Schnittstellen?

Für Franz Nest­ler zeigt der Vor­gang, wie schlecht es gene­rell um die IT-Sys­te­me deut­scher Ban­ken bestellt ist.

Oder ist das nur ein Pro­blem ein­zel­ner Spar­kas­sen? Bei der Spar­kas­se Han­no­ver jeden­falls wur­de das For­mu­lar­we­sen, wie zumin­dest aus dem Fall­bei­spiel Metho­disch und effi­zi­ent zu einem neu­en indi­vi­du­el­len Vor­la­gen­be­stand her­vor­geht, “refor­miert” bzw. “indi­vi­dua­li­siert”.

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