Banking ohne Banken wird immer realistischer

Von Ralf Keuper

In seiner Transformationsstory Bankless Banking 2030 aus dem Jahr 2010 brachte Heinrich Fendt die Möglichkeit ins Spiel, die Geschäftsbanken durch die Zentralbanken zu ersetzen.

Angefangen hatte alles im Jahr 2009 mit der Klage des Hannoveraner Versicherers Talanx AG gegen die Deutsche Bundesbank auf Einrichtung eines „insolvenzsicheren“ Geschäftskontos. Als Klagegrund gab Talanx an, dass die täglichen liquiden Mittel im Wert von mehreren hundert Millionen Euro nur bei der Bundesbank vor einem Bankenkonkurs sicher seien. In anderen EU-Staaten waren Geschäftskonten bei Zentralbanken zum damaligen Zeitpunkt durchaus möglich, nicht aber in Deutschland.

Erste Ansätze waren jedoch auch in Deutschland zu dem Zeitpunkt vorhanden:

Für Private und Institutionelle jedoch hatte die Finanzagentur GmbH der Bundesrepublik Deutschland bereits seit Langem sogenannte Schuldbuchkonten zur Verwahrung von Bundeswertpapieren im Angebot.

Den Gedanken weitergeführt hat einige Jahre später Christoph Jehle. Bankgeschäfte über die Finanzagentur abzuwickeln, so Jehle, komme die Kunden und die Volkswirtschaft auf Dauer günstiger als sie dem Privatsektor zu überlassen, der in fast schon regelmäßigen Abständen, vom Staat bzw. vom Steuerzahler gerettet werden muss[1]Bankless Banking mit der bundeseigenen Finanzagentur?. In der aktuellen Krise, die diesmal nicht von den Banken ausging, stellen sich einige Kommentatoren mit Blick auf die Vergabe von Sofortkrediten der KfW die Frage, ob man diese Aufgabe nicht gleich den staatlichen Banken ohne Zwischenschaltung der Geschäftsbanken übertragen sollte. Die Banken fordern eine Ausfallgarantie von 100 Prozent durch den Staat. Ihren “Service”  lassen sie sich  bezahlen. Hinzufügen muss man allerdings, dass die Sofortkredite der KfW nur ein Instrument sind – und nicht einmal das günstigste((

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