The Code of Banking: Als die Sparkassen Vorreiter bei der Digitalisierung waren

Von Ralf Keuper

Die Banken und Sparkassen waren über Jahrzehnte Pioniere bei der Computerisierung. Das betrifft nicht nur die Verwendung von Computern, sondern auch den breitflächigen Einsatz von Software. In The Code of Banking: Software as the Digitalization of German Savings Banks beschreibt Martin Schmitt wie die Softwareentwicklung in den westdeutschen und ostdeutschen Sparkassen seit Ende der 1950er Jahre an Bedeutung für den Geschäftsbetrieb gewonnen hat. Ohne anpassungsfähige Software wäre es den Banken und Sparkassen nicht möglich gewesen, die Computeranlagen einzusetzen.

If a savings bank wanted to digitalize its transactions, the bank not only had to write millions of lines of code or to buy a fancy product. It had to analyze its business processes up to the single steps of action and had to fit the computer into it – or adapt the processes to the machine. The bank had to reorganize its personnel and its organizational structure, it had to train the users, buy the peripherals and write new instructions, manuals and documentations. In a nutshell: the result of the computerization was software.

Die Sparkassen waren die Ersten in der Finanzbranche, die konsequent auf die Softwareentwicklung setzten.

… it becomes clear that banks and especially the savings banks were the processors of the Digital Age that influenced the course of the technological evolution – also in software. Products they demanded often found widespread adoption in the whole industry and afterwards spilled over to other industries as well. Examples are encryption or data procession of information retrieval that were adapted to their needs.

Mit den IT-Projekten SODIS bei der Sparkasse Saarbrücken und TELDAS bei der Girokasse Stuttgart setzten die Sparkassen seinerzeit den Maßstab für die Branche.

Bei SODIS (Sofort-Dispositions- und Informationssystem) handelte es sich um die erste europäische Online-Lösung (Vgl. dazu: 10 Jahre Online-Betrieb bei der Stadtsparkasse Saarbrücken).

Die Sparkasse der Stadt Saarbrücken verband als erstes deutsches Geldinstitut ihre Zweigstellen mit der Hauptstelle per Datenfernver- arbeitung in 1967: Die Zentrale war mit einem S/360-30 Platte-Band-System mit DOS und dem selbst entwickelten Sofortdispositions-und Infor- mationssystem (SODIS) der Sparkasse der Stadt Saarbrücken ausgerüstet (in: Die Entwicklung der Datenverarbeitung von Hollerith Lochkartenmaschinen zu IBM Enterprise-Servern).

Wenngleich SODIS sich nur auf bestimmte Bereiche beschränkte, war die Basis für weitere Integrationsschritte geschaffen.

Die Girokasse Stuttgart betrat mit TELDAS ebenfalls Neuland.

In the beginning, the system was used for the handling of savings transactions. The employees could now instantly book savings transactions “on-line” into the account of the customer through terminals connected with the mainframe. They also were now in the position to directly print on the savings book in same work process. Step after step the Savings Bank of Stuttgart integrated more and more divisions and branches into TELDAS. In 1971, giro traffic was integrated into the system by the DP division. In 1973, TELDAS also covered foreign currency, mortgages, securities and standing orders.

Später wurde das Kundeninformationssystem (KIS) hinzugefügt. Damit konnten sich die Mitarbeiter per Knopfdruck einen Überblick über die finanzielle Situation des jeweiligen Kunden verschaffen und ihm spezielle Produkte anbieten. Trat ein Bedarf auf, für den es noch kein Produkt gab, konnte dies aufgelegt werden.

Mit SODIS und TELDAS haben die Sparkassen schon damals die erste Stufe der Digitalen Transformation vollzogen.

Up and running, the software systems were productive for decades as they carried the code of banking. So software systems in Germany seldom changed and if they changed, then because banking itself was transformed in close intra-action to information technology.

Heute werden Bankgeschäfte fast nur noch online und im steigenden Umfang mobil abgewickelt. Die Filiale hat sich in das Internet bzw. als App auf das Smartphone verlagert. Die Bedeutung der Software für das Bankgeschäft ist gestiegen. Ohne Software läuft gar nichts mehr. Der Takt wird heute jedoch von den großen Technologiekonzernen (Google, Amazon, Alibaba, Apple) und einigen Fintech-Startups vorgegeben. Der mobile und online-Zahlungsverkehr drohen an die neuen Mitbewerber verloren zu gehen. Von vielen Seiten wird gefordert, dass die Banken und Sparkassen agiler werden und sich in Technologiekonzerne verwandeln müssen. Mit PSD2 haben die Kunden die Möglichkeit, ihre Daten von den Banken anzufordern und anderen (Finanz-)Dienstleistern zur Verfügung zu stellen. Wie es scheint, haben die Banken und Sparkassen Probleme damit, die nächste Stufe der Digitalisierung zu vollziehen. So viel Zeit wie in den 1960er bis 1990er Jahren bleibt nicht.

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