Pfadabhängigkeiten im Banking – Wege aus der Sackgasse

Von Ralf Keuper

Das Thema Pfadabhängigkeit beschäftigt Volks- und Betriebswirte gleichermaßen. Letztendlich läuft es auf die Frage hinaus, inwieweit Investitionen in Maschinen, Gebäude, Infrastruktur, Technologien, Humankapital, Bildungssysteme ebenso wie Subventionen dazu beitragen, die Abhängigkeit eines Landes, der Unternehmen von bestimmten Branchen zu erhöhen. Je länger die Phase der, wie es auch heisst – transaktionsspezifischen Investitionen – anhält, um so schwieriger fällt dann der “Strukturwandel”, wie wir es hierzulande seit Jahrzehnten am Beispiel des Ruhrgebiets mit verfolgen können.

Bereits vor Jahren zog Ulrich Cartellieri, seinerzeit Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, den Vergleich zwischen der Stahlindustrie und der Bankenbranche.
An kaum einer anderen Stelle wird die Pfadabhängigkeit im Banking so deutlich wie in der IT-Landschaft – Stichwort: Altsysteme. Weitere Anhaltspunkte liefert die Geschäftsarchitektur.

Daneben sind es aber auch kulturelle Faktoren, die das Organisationsgedächtnis geprägt haben und dafür sorgen, dass der Wandel in den Einstellungen (Mind Sets) der Mitarbeiter wie auch der Verfahren und Regeln, ganz gleich ob formeller oder informeller Art, nur sehr langsam erfolgt. Eine wichtige Ursache für Pfadabhängigkeiten im Banking ist das Dauerthema Regulierung.

Für Pankaj Ghemawat sind die Pfadabhängigkeiten (Commitment) in der Strategieentwicklung der Hauptgrund für das Scheitern von Unternehmen.

Weitere interessante Gedanken zum Thema stammen von dem Harvard-Ökonomen Ricardo Hausmann, der die verschiedenen Stilarten in der internationalen wirtschaftlichen Entwicklung mit der Funktionsweise des Gehirns im Zusammenhang bringt. Basierend auf den Forschungen des IT-Unternehmers und Neurowissenschaftlers Jeff Hawkins glauben Hausmann mit seine Kollegen für eine bestimmte Stadt oder ein Land vorhersagen zu können, welche Industriezweige neu entstehen, und welche innerhalb der nächsten zehn Jahre verschwinden, wachsen oder schrumpfen werden. Nach seiner Ansicht bestimmt die (Wirtschafts-)Geschichte eines Ortes, einer Region die weitere Entwicklung. Ziel ist es, aus diesen Erfahrungen zu lernen und sich bewusst zu machen, welche Schritte nötig sind, um die gewünschte Wirtschaftsstruktur zu bekommen oder welche Gründe dafür sprechen, vom ursprünglichen Vorhaben Abstand zu nehmen.

Angesichts des “Neuro-Hypes” ist bei Aussagen, wie von Hausmann und Hawkins, eine gesunde Skepsis angebracht. Jedoch sind die Thesen zumindest plausibel. Die Wirtschaftsgeschichte liefert weitere Belege. Vollständig erklären oder gar vorhersagen lässt sich die wirtschaftliche Entwicklung damit m.E. aber nicht. Externe Ereignisse und Schocks, geopolitische Machtverschiebungen wie leider auch Kriege können die wirtschaftliche Entwicklung in eine unvorhergesehene Richtung lenken.

Für das Banking sei nur die Finanzkrise genannt. Alles in allem zeigt das Thema Pfadabhängigkeit, wo die Probleme für die Banken angesichts der neuen Herausforderungen liegen und warum der Wandel nicht einfach und für einige Banken über kurz oder lang das Aus bedeuten wird.

Für die Banken besteht der Reiz der verschiedenen Ansätze, insbesondere von Hausmann und Kollegen, darin, aus den Erfahrungen, Fehlern und Erfolgen der eigenen aber vor allem auch anderer Branchen zu lernen – nicht nur von der Stahlindustrie.

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