Personal Finance Management: Weniger, aber besser (Less but better)

Von Ralf Keuper

In dem Beitrag What Engagement Banking Needs Is Less Engagement tritt Jeanine Skowronski ein wenig auf die Euphoriebremse, was das Personal Finance Management angeht.
Skowronski schildert ihre Eindrücke, die sie auf der aktuellen Finnovate hat sammeln können. Statt die Tools für das Personal Finance Management mit immer neuen Funktionen/Services vollzustopfen, für die die Nutzer eigentlich keine Verwendung haben und eher Verwirrung stiften als Orientierung geben, sollten die Banken und Hersteller Tools anbieten, die das Leben der Kunden oder, nicht ganz so ambitioniert, das Handling vereinfachen. Kurzum: Funktionsorientiertes Design statt L’ art pour l’art.

Kaum ein Designer der vergangenen Jahrzehnte repräsentiert diese Haltung so sehr wie Dieter Rams, der legendäre Chefdesigner von Braun. Von ihm stammt auch der Wahlspruch: Weniger, aber besser.

Seine zehn Thesen zum Design sind auch für das Banking geeignet:
  1. Gutes Design ist innovativ 
  2. Gutes Design macht ein Produkt brauchbar 
  3. Gutes Design ist ästhetisch 
  4. Gutes Design macht ein Produkt verständlich, erhöht seine Selbsterklärungsfähigkeit 
  5. Gutes Design ist unaufdringlich 
  6. Gutes Design ist ehrlich 
  7. Gutes Design ist langlebig 
  8. Gutes Design ist konsequent bis ins letzte Detail 
  9. Gutes Design ist umweltfreundlich 
  10. Gutes Design ist so wenig Design wie möglich (Quelle: Wikipedia)
Während einer Podiumsdiskussion am Art Center College of Design in Pasadena, erläuterte Rams sein Credo des Design, wonach Produkte sich auf das Wesentliche konzentrieren und alles Überflüssige weglassen sollten. Produkte haben sich im Hintergrund zu halten und nur dann die Bühne zu betreten, wenn sie benötigt werden. Kein schlechter Rat für das PFM. 

Die von Rams formulierten Prinzipien würden im PFM bedeuten, dass Apps in ihrer Grundversion nur Basisfunktionalitäten anbieten sollten, die um weitere ergänzt werden können, sofern Bedarf besteht. In etwa das, was figo derzeit mit seinem Freemium-Modell und, so weit ich sehen kann, die Fidor Bank verfolgen. 
Bleibt allerdings die Frage, ob es nicht auch Funktionen gibt, die der Anwender erst dann als nützlich erkennt, wenn er sie ausprobiert. 

Richtig ist auf alle Fälle, dass PFM nicht zum Selbstzweck werden sollte. Denn nach wie vor gilt, dass die Zeit und auch die zu verwaltenden Finanzen begrenzt sind, d.h. das Kosten-Nutzenverhältnis muss, auf lange Sicht jedenfalls, ausgeglichen sein. 
Längst nicht jeder Anwender benötigt Funktionen, die vom Ansatz her fast schon dem Aufgabenspektrum eines Family Office oder einer professionellen Vermögensverwaltung entsprechen. Kritisch wird es ebenfalls, wenn facebook & Co. ins Banking einsteigen und die persönlichen Daten der Kunden vermarkten, die diese zuvor voller Engagement, wenn auch freiwillig, geliefert haben. 

Weitere Informationen:

New Banking: Das (unterschätzte) Potenzial des Personal Finance Management

Dieser Beitrag wurde unter Fintech veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.