New Banking: Svenska Handelsbanken

Von Ralf Keuper

Eine Bank, die in kein gängiges Schema passt, ist Svenska Handelsbanken. Das weniger aus technologischen, sondern vielmehr aus Gründen der Bankorganisation, die betont dezentral ausgelegt ist.

Das Beispiel Handelsbanken wird seit Ausbruch der Finanzkrise immer wieder lobend erwähnt , da es der Bank als einer der ganz wenigen gelungen ist, sie unbeschadet zu überstehen. Aktuell gilt Handelsbanken sogar als die sicherste Bank in der Europäischen Union.

Hierzulande einem größerem Kreis bekannt geworden ist Handelsbanken durch Niels Pfläging, der die Bank als Paradebeispiel für das Beyond Budgeting, heute Beta Codex, zitiert.

Im Jahr 2004 widmete brand eins dem schwedischen Geldinstitut unter der Überschrift No Budget einen längeren Beitrag. Der Abschied von der klassischen Budgetierung wurde dadurch begünstigt, dass die Bank im Jahr 1970 kurz vor dem Aus stand. Insofern war die Bereitschaft einen neuen, unkonventionellen Weg zu gehen, groß. Diesen Umstand nutzte der damalige Vorstandschef Jan Wallander, der die Organisation der Bank radikal umkrempelte, indem er die Budgetierung abschaffte und die Verantwortung dorthin verlagerte, wo sie seiner Ansicht nach hin gehörte: In die Filialen.

Trotz ihrer unbestreitbaren Erfolge und der Anerkennung, tun sich Kommentatoren schwer, das Beispiel als Blaupause für die Bankenbranche zu empfehlen, wie aktuell Claire Richardson in ihrem lesenswerten Beitrag Getting a Handel on sustainable growth in retail banking. Zu speziell, zu regional sei das Beispiel, um daraus allgemeine Lehren für den Rest der Branche ziehen zu können. Auch die Tatsache, dass Handelsbanken ihren Angestellten keine Bonusprogramme und Zielvereinbarungen bietet, löst ein wenig Irritation aus. Gleichwohl, so Richardson, könne man von dem Beispiel Handelsbanken einiges lernen.

Der Aussage, Handelsbanken sei letztlich nur ein Nischenmodell, widersprach postwendend auf twitter Niels Pfläging:

A half-flawed account of Handelsbanken case. E.g. assumes this can only work in niches. But SHB is largest bank in some countries.

Unterstützung findet diese Aussage dadurch, dass Handelsbanken ihr Geschäftsmodell derzeit mit Erfolg exportieren, z.B. nach Großbritannien.

Von Kritikern kommt häufig der Einwand, der Erfolg von Handelsbanken beruhe weniger auf ihrer unorthodoxen Unternehmensphilosophie, als vielmehr auf der (Risiko-) Strategie des Instituts, die von ihrem Ansatz her konservativ, d.h. risikoscheu sei. Angesichts der Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit hätte ruhig mehr Banken diesem Ansatz folgen dürfen. Zumindest ist es kein stichhaltiges Argument, einer Bank, deren Hauptzweck letztlich in der Risikotransformation besteht (Luhmann), gerade das vorzuwerfen. Das wiederum heisst nicht, dass nun alle Finanzinstitute das Beispiel Handelsbanken 1:1 kopieren sollen. Aber einige wesentliche Prinzipien, wie das der Dezentralisierung, keine Bonusprogramme und flexible Ziele sind mindestens eine Überlegung wert. Nicht zuletzt auch deshalb, da sie den Prinzipien der Collaborative Economy, die sich auch im Banking durchzusetzen beginnen, in vielen Punkten entsprechen, wie u.a. aktuell der Beitrag Banking In On The Future of Work: Four Tips You Can’t Afford To Ignore von Jacob Morgan zeigt.

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Ein Kommentar zu New Banking: Svenska Handelsbanken

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