Von Ralf Keuper

Wie immer man auch zu Apple Pay ste­hen mag, so lässt sich kaum leug­nen, dass, seit Apple-Chef Tim Cook die Lösung vor eini­gen Wochen offi­zi­ell vor­stell­te,  der Markt für Mobi­le Pay­ments neu­en Schwung bekom­men hat.

Schon ist ein Wett­ren­nen, ja fast schon ein Glau­bens­krieg ent­brannt. Gegen­über ste­hen sich mäch­ti­ge Grup­pen: Der welt­größ­te Ein­zel­händ­ler WalM­art mit MCX auf der einen und Apple mit sei­nem Netz­werk aus Ban­ken, Händ­lern und Kre­dit­kar­ten­un­ter­neh­men auf der ande­ren Seite.

Wie ver­här­tet die Fron­ten sind, zeigt die Ankün­di­gung von WalM­art und MCX (Mer­chant Cus­to­mer Exch­an­ge), kein kon­takt­lo­ses Bezah­len per NFC an ihren Kas­sen­ter­mi­nals zu unterstützen.

Unter den Bran­chen­be­ob­ach­tern lös­te die­se Kampf­an­sa­ge über­wie­gend Kopf­schüt­teln aus, wie bei Tech­Crunchpan­do­dai­ly und Ven­ture Beat.

So sehr die betriebs­wirt­schaft­li­che Per­spek­ti­ve das Vor­ge­hen von WalM­art und MCX mit ihrer (pro­prie­tä­ren) Lösung Cur­rentC stützt, indem es zu einer Kos­ten­re­duk­ti­on durch gerin­ge­re Trans­ak­ti­ons­kos­ten und zu einer höhe­ren Kun­den­bin­dung durch Loya­li­täts­pro­gram­me füh­ren kann, so liegt die eigent­li­che Gefahr doch dar­in, an den Bedürf­nis­sen und Gewohn­hei­ten der Kun­den vor­bei zu ope­rie­ren. Zu deut­lich schei­nen die Inter­es­sen der Händ­ler gegen­über denen der Kun­den zu über­wie­gen. Dahin­ter ver­birgt sich ein Den­ken und Han­deln, das sich an den Kate­go­rien geschlos­se­ner Sys­te­me ori­en­tiert. Die­se Alter­na­ti­ve bie­tet sich eigent­lich nur dann an, wenn man über eine Lösung mit einem hohen Bedien­kom­fort ver­fügt, wie Apple Pay. Die­se Anfor­de­run­gen erfüllt Cur­rentC nach Ansicht vie­ler Bran­chen­ken­ner nicht. Ohne die Unter­stüt­zung von Kre­dit­kar­ten­zah­lun­gen sei Cur­rentC auf Dau­er kaum konkurrenzfähig.

Nicht ganz zu Unrecht set­zen WalM­art und die ande­ren über MCX ange­schlos­se­nen Händ­ler auf ihre immense Zahl an Kun­den. Ob die­se sich jedoch dar­an gewöh­nen wer­den, meh­re­re Lösun­gen auf ihren Mobil­te­le­fo­nen mit sich zu tra­gen, oder gar unter­schied­li­che Gerä­te zu ver­wen­den, darf bezwei­felt wer­den. Dage­gen lässt sich ein­wen­den, dass die Mehr­zahl der Kun­den von WalM­art und ande­rer Dis­coun­ter ohne­hin nicht zu den typi­schen iPho­ne-Nut­zern zählt.

Schon wird von Kun­den berich­tet, die in dem Vor­ge­hen von WalM­art und MCX eine Bevor­mun­dung sehen, und des­halb nach ande­ren Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten Aus­schau hal­ten, die Zah­lun­gen mit­tels NFC unterstützen.

Trotz­dem schlie­ßen sich wei­te­re Händ­ler WalM­art und MCX an, wie die Phar­ma-Ket­ten CVS und Rite Aid, die noch bis zum ver­gan­ge­nen Wochen­en­de an ihren Kas­sen­ter­mi­nals Zah­lun­gen per NFC unter­stützt haben.

Inzwi­schen fehlt es nicht an Kom­pro­miss­vor­schlä­gen, wie von Ed Buby in When Apple Pay met MCX. Um auf Dau­er erfolg­reich zu sein, so Buby, kom­men die bei­den Kon­tra­hen­ten nicht um eine Koope­ra­ti­on herum.

Unter­des­sen bahnt sich für Apple Unter­stüt­zung von uner­war­te­ter Sei­te an. Kein gerin­ge­rer als Ali­baba-Grün­der und Ali­pay-Eigen­tü­mer Jack Ma lote­te mit Apple-Chef Tim Cook am Ran­de einer Ver­an­stal­tung die Mög­lich­kei­ten einer Zusam­men­ar­beit aus. Soll­te der Schul­ter­schluss gelin­gen, wür­de vor allem Apple davon pro­fi­tie­ren. Wie ges­tern bekannt wur­de, hat der chi­ne­si­sche Markt für Apple Pay der­zeit abso­lu­te Prio­ri­tät.

Da kann es kaum scha­den, wenn man den größ­ten Anbie­ter für Mobi­le Pay­ments in Chi­na an sei­ner Sei­te hat.

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