Fintech: Die Stimmung ist besser als die Lage

Von Ralf Keuper

Der seit einigen Jahren anhaltende Fintech – Medien-Hype ist bei der Normalbevölkerung noch nicht  angekommen, worüber in der Vergangenheit mehrfach berichtet wurde, wie in Fintech-Anbieter kämpfen mit geringer Bekanntheit und Fintech? Nie gehört.

Neuesten Umfragen zufolge können 78 Prozent der Bevölkerung mit dem Begriff Fintech nichts anfangen. Nicht viel anders ist die Resonanz in den Banken. Wie eine aktuelle Untersuchung von E&Y ergab, konzentrieren sich die Banken weiterhin auf das Bilanzmanagement und die Regulatorik. Kooperationen mit Fintechs haben dagegen nur eine untergeordnete Bedeutung. Darüber berichtet die Börsenzeitung in Die Stimmung ist besser als die Lage.

Das Gesamtbild überrascht schon ein wenig, zumal die Medien das Thema Fintech fast täglich aufgreifen. Sogar Deutschland Radio Kultur widmete Fintech einen ausführlichen, wohlwollenden Beitrag. Ganz zu schweigen von der Blogosphäre, wo sich eine Art selbstreferentielles System (Selbstreferentialität bezeichnet die Fähigkeit jedes lebendigen Systems, einen Bezug zu sich selbst in Abgrenzung zur Umwelt herzustellen – Niklas Luhmann), eine Echokammer gebildet hat. Scheinbar ist es bislang nicht gelungen, die Grenzen des eigenen “Milieus” zu überwinden. Das Narrativ “David gegen Goliath” oder das einer Demokratisierung des Finanzwesens verfangen (noch) nicht. Ebenso wenig förderlich ist m.E. die Vermengung mit gehypten Technologien, wie Blockchain oder Künstliche Intelligenz, die nicht nur für den Normalbürger schwer zu verstehen sind, insbesondere was ihre positiven Wirkungen für die Allgemeinheit betrifft. Die Kern der Botschaft besteht aus Technologie und ihren Verheißungen, was in der Vergangenheit zu wachsenden Widerständen in der Bevölkerung geführt hat. Diese einseitige Art der Darstellung, die sich auf die Chancen konzentriert bzw. fixiert, wirkt auf die Normalbürger alles andere als vertrauenserweckend, da sie wirklichkeitsfremd ist und der Lebenserfahrung der meisten Menschen widerspricht. In ihrer Skepsis bestätigt fühlen sich die Verbraucher, wenn die gehypten Stars auf einmal Verhaltensweisen und Geschäftspraktiken an den Tag legen, die denen der klassischen Banken sehr nahe kommen, sie sogar noch übertreffen.

Der geringe Bekanntheitsgrad von Fintech ist also nicht allein darauf zurückzuführen, dass man sich in Deutschland mit neuen Technologien schon immer etwas schwer getan hat; noch dazu wenn es dabei um eine konservative Branche, wie das Bankwesen, geht. Es ist für den Normalbürger (noch) nicht zu erkennen, warum die Fintechs die bessere Alternative zu den Banken sein sollen, zumal die meisten von ihnen ohnehin Kooperationen mit den Banken anstreben. Ohne die Vermittlung der Banken, so der Eindruck, können die Fintechs ihre Botschaft nicht an den Mann oder die Frau bringen.

Eine recht ernüchternde Erkenntnis …

 

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