Von Ralf Keuper

Über die Fra­ge, ob die Ban­ken dem­nächst von der Bild­flä­che ver­schwin­den wer­den, wird seit gerau­mer Zeit dis­ku­tiert. Häu­fig wer­den Ver­glei­che zu ande­ren Bran­chen, wie der Medi­en­in­dus­trie gezo­gen, um zu ver­deut­li­chen, wie ernst die Lage bereits ist. Bis­her jedoch sind die Ban­ken dem Schick­sal der Dino­sau­ri­er ent­gan­gen, wohl auch des­halb, da vie­le von ihnen sys­tem­re­le­vant bzw. too big to fail sind, ande­rer­seits, weil es sich hier um einen ver­gleichs­wei­se stark regu­lier­ten Markt mit hohen Ein­tritts­bar­rie­ren han­delt. Ob die Fin­tech-Star­tups einen dau­er­haf­ten Stil­wan­del, einen Stil­bruch im Ban­king her­bei füh­ren kön­nen oder nur ein Über­gangs­phä­no­men sind, bleibt daher abzuwarten.

Die drei Tech­no­lo­gie­wel­len des Banking 

In der Ver­gan­gen­heit hat es an Ver­su­chen, die Ban­ken durch den Ein­satz neu­er Tech­no­lo­gien, zumin­dest in Tei­len, zu erset­zen, nicht gefehlt. Eini­ge, wie die For­scher vom MIT in ihrem Digi­tal Ban­king Mani­festo  defi­nie­ren drei Wel­len, die in den letz­ten Jahr­zehn­ten für einen Beschleu­ni­gungs­schub im Ban­king gesorgt haben. Mitt­ler­wei­le ist die Visi­on einer Digi­tal Bank dabei, Rea­li­tät zu werden.

Ers­te Wel­le: Inkre­men­tel­le Veränderungen 

Die ers­te Wel­le wird von der Ein­füh­rung der Geld­au­to­ma­ten und der Ver­brei­tung des Online-Ban­king reprä­sen­tiert. Feder­füh­rend waren damals die Citi­bank und die Che­mi­cal Bank. Fort­an waren die Kun­den für die Erle­di­gung ihrer Bank­ge­schäf­te nicht mehr an die Öff­nungs­zei­ten der Filia­len gebun­den. Das MIT spricht in dem Zusam­men­hang von inkre­men­tel­len Veränderungen.

Zwei­te Wel­le: Digi­ta­le Hybride 

Die zwei­te Wel­le wur­de von den ers­ten Inter­net-Ban­ken ange­führt. Pro­mi­nen­tes­ter Ver­tre­ter war die Net­Bank, die im Jahr 1996 gegrün­det wur­de. Die Autoren bezeich­nen die­se neu­en Ban­ken als digi­ta­le Hybri­de, da sie, wie die Bank Simp­le, auf die Back End ‑Sys­te­me und/​oder die Bank-Lizen­zen ande­rer Insti­tu­te (White Labe­ling) ange­wie­sen sind. Ein Befund, der für die Mehr­heit der Fin­tech-Star­tups gilt. Zur Kate­go­rie der zwei­ten Wel­le zäh­len die Autoren Fidor, Atom Bank, LHV Bank und die DBS Digibank.

Drit­te Wel­le: Digi­tal Bank of the Future

Die drit­te Wel­le sorgt für die Ver­brei­tung der Digi­tal Bank of the Future (DBF).  Die­se basiert auf einer neu­en Tech­no­lo­gie­platt­form, einem neu­en Technologie-Paradigma:

Taking a bre­akthrough approach to data secu­ri­ty, DBF will eschew a cen­tral data repo­si­to­ry, easi­ly atta­cked, in favor of a secu­re, encryp­ted, dis­tri­bu­t­ed data sys­tem. Per­so­nal data stores not only per­mit bet­ter digi­tal wal­le­ting, but also grea­ter secu­ri­ty around per­so­nal bio­metric data which is inte­gral to the digi­tal bank’s secu­ri­ty protocols.

Dar­an schließt sich die Fra­ge nach der Zukunft der Ban­ken, wie wir sie noch ken­nen, an:

The new tech­no­lo­gy para­digm begs the ques­ti­on: what role do banks tru­ly have in the new world? Have we reached the end of banks in the way we know them? Is it pos­si­ble that frac­tio­n­al ban­king is on its last legs and the intro­duc­tion of government issued digi­tal cash which can be stored in a digi­tal wal­let out­side the ban­king sys­tem will put the last nail in its coffin?

Anders, als mane es erwar­ten dürf­te, kommt die Block­chain-Tech­no­lo­gie nur am Ran­de vor. Die­se wur­de in einem ande­ren Paper des MIT geson­dert behan­delt. Den­noch: Es geht auch ohne 😉

Im wei­te­ren Ver­lauf wird die Digi­tal Bank of the Future aus Sicht der Inves­to­ren, Kun­den und der Bank sel­ber analysiert.

Digi­tal Bank of the Future – Grö­ße und Grenzen 

Ob eine rei­ne Digi­tal Bank die Alter­na­ti­ve zu den bestehen­den Ban­ken ist, ist frag­lich. Sobald die Voll­bank­li­zenz ange­strebt wird, ist der Her­aus­for­de­rer-Bonus, der Reiz des Neu­en, schnell dahin und der Kos­ten­ap­pa­rat eben­so wie die Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren glei­chen sich dem der klas­si­schen Ban­ken an, wie u.a. Lio­nel Lau­rent in Fintech’s Licen­se to fail bemerkt. Eine Digi­ta­le Bank muss, wenn sie eine Chan­ce haben will, zu einer Platt­form wer­den oder Teil einer sol­chen wer­den. Das aber bedeu­tet, dass das Ange­bot weit über das klas­si­sche Ban­king hin­aus geht.

Trotz­dem sind eini­ge Aus­sa­gen bzw. Bau­stei­ne des Digi­tal Ban­king Mani­festo, das nach mei­nem Ein­druck gro­ße Ähn­lich­keit mit dem Modell der Ever­y­day Bank hat, eine Über­le­gung wert. Digi­tal Wal­let, Per­so­nal Data Stores, Sicher­heit, Ver­schlüs­se­lung – das sind The­men, denen sich die Ban­ken in der Zukunft stel­len müs­sen, so sie nicht wirk­lich aus­ster­ben wol­len. Schon jetzt kön­nen wir die Aus­sa­ge tref­fen bzw. die Pro­gno­se wagen, dass wir in Zukunft unter ein Bank etwas ande­res ver­ste­hen wer­den, als es heu­te noch der Fall ist.

So gese­hen, kann man den Autoren in ihrer Dia­gno­se nur zustimmen:

While major indus­tries, inclu­ding retail, tra­vel, com­mu­ni­ca­ti­ons, and mass media have under­go­ne revo­lu­tio­na­ry chan­ges in their busi­ness models in the last thir­ty years or so, ban­king remai­ned sta­tic at its core, living on its past glo­ries and igno­ring the winds of changes.

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