Die Zukunft des Banking liegt im Aufbau und Management von Vertrauensnetzwerken

Von Ralf Keuper

Der Erfolg der großen Finanzinstitute und Bankiers beruht zu einem Großteil darauf, dass es ihnen über die Jahrhunderte gelungen ist, Vertrauensnetzwerke aufzubauen und weiter zu entwickeln. Legendär sind die Fugger und ihr Chefbuchhalter Matthäus Schwarz. Das Korrespondenznetz Hans Fuggers und Kaufmannsnotizbuch des Matthäus Schwarz belegen, wie groß das Beziehungsnetz war, das die Fugger zu anderen Kaufleuten und Herrscherhäusern Europas unterhielten. Ein anderes Beispiel ist die Hanse. Ebenso wie die Fugger standen die Hansekaufleute, wie Hildebrand Veckinchusen, in regem Informationsaustausch mit anderen Händlern. Der Briefwechsel des Hildebrand Veckinchusen gibt einen Einblick in die Korrespondenz eines Hansekaufmanns jener Zeit. Je größer und vielfältiger das Netzwerk war, um so genauer konnten Risiken abgeschätzt werden.

In der alten Deutschland AG war die Verbindung zwischen Industrieunternehmen und Banken durch die Vergabe von Aufsichtsratssitzen ebenfalls sehr eng. Neue Organisationsformen wie digitale Plattformen und Ökosysteme machen es für die Banken fast unmöglich, die für die Bewertung des Gesamtzustands der Wirtschaft nötigen Informationen zu beschaffen. Das Korrespondenzbankensystem, lange Zeit Ausdruck der Verflechtung der Informationsflüsse unter den Banken, erodiert (Vgl. dazu: Korrespondenzbanken – Netzwerke erodieren – neue bankenunabhängige Netzwerke übernehmen). Vertrauenswürdige Netzwerke sind jedoch auf werthaltige und umfassende Informationen angewiesen. Über den größten Informations- und Datenbestand verfügen heute Unternehmen wie Google, Apple, Facebook, Alibaba und Tencent. Mit ihren Netzwerkeffekten können sie Quasi-Standards setzen. Die Plattform ist der Standard (Vgl. dazu:

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