Die Universalbank alten Stils – ein Auslaufmodell #3

Von Ralf Keuper
Wie wir es auch drehen und wenden: Die Universalbank alten Stils, d.h. eine Bank, welche die ganze Palette des Privat- und Firmenkundengeschäfts in sich vereint und dazu noch über ein ausgedehntes Filialnetz verfügt, ist ein Auslaufmodell. Die Fixkosten ebenso wie die Sunk Costs sind inzwischen so hoch, die Branchenstruktur so im Wandel begriffen, dass es betriebswirtschaftlich keinen Sinn mehr ergibt, allen alles sein zu wollen. Ein Punkt, der auf diesem Blog bereits in mehreren Beiträgen behandelt wurde:
Auch die FAZ gelangt in Auslese der Banken zu einer ähnlichen Schlussfolgerung: 

Banken müssen sich von dem Anspruch verabschieden, alles für alle zu sein. Sie müssen ihre Stärken kennen und ausbauen. Nur dann werden sie den Ausleseprozess überstehen.

Nur: Woraus bestehen die Stärken der Banken eigentlich noch? 
Dennoch hält sich bei einigen der Glaube, die Universalbank ließe sich ohne allzu große Abstriche in die Digitalmoderne überführen, wie er u.a. in dem Beitrag FinTech, Filiale, Fortschritt. Fünf Thesen für die Bank der Zukunft durch die Zeilen spricht. 
Als Überlebensvorteil wird die Tatsache genannt, dass das Bankgeschäft für Google, Apple, Amazon, Alibaba & Co. zu unattraktiv, zu kostenintensiv sei. Diese Argumentation allein zeigt schon, wie ernst die Lage ist. Ganz abgesehen davon, dass Alibaba mit Ant Financials schon längst im Bankgeschäft tätig ist, ebenso wie Tencent übrigens, ist es für die Internetkonzerne gar nicht nötig, den Status einer Bank anzustreben – wozu auch? Der Begriff „Bank“, oder zumindest die Vorstellung, die viele damit noch assoziieren, ist in Auflösung begriffen. Auf den Smartphones, wie überhaupt auf den mobilen Endgeräten oder im digitalen Alltag, ist an der Benutzeroberfläche schlicht kein Platz mehr für einen monolithischen Block, wie einer Universalbank. 
Die Internetkonzerne werden zunächst an ihrer Indirekten Strategie festhalten, und darauf warten, dass ihnen die Früchte quasi wie von selbst zufallen. Bis dahin können sie die verlustreichen oder wenig ertragreichen Bankinggeschäfte quer finanzieren, wie Mobile Payments. Mobile Payments sind als Infrastruktur, als Medien- und Kommunikationskanal für die Innternetkonzerne erfolgskritisch, was Apple voll erkannt hat. Wer diesen Kanal beherrscht oder zumindest in weiten Teilen dominiert, wer also die Geld- und Informationsströme auf seine Plattform lenken kann, der zählt zu den Gewinnern. Und wer dann noch über die nötige Hardware und den Content verfügt, ist fast schon unschlagbar. 
Die Banken werden sich von der Vorstellung verabschieden müssen, in allen zentralen Bereichen des Bankgeschäfts eine wichtige Rolle spielen zu können. Dafür fehlen ihnen die technologischen und organisatorischen Voraussetzungen ebenso wie den meisten Fintech-Startups. 
Wenn die Banken noch eine Zukunft als relevante Akteure auf dem Finanzmarkt spielen wollen, dann kommen sie um die Beschäftigung mit dem Thema Digitale Identitäten nicht herum. Hier liegt der Schlüssel – aber nicht mehr lange. 
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