Die Geschichte der Fugger – Bankiers, Kaufleute und Unternehmer des Mittelalters

Von Ralf Keuper 
Die Fugger betreten mit Jakob Fugger die Bühne der (damaligen) Welt- und Finanzgeschichte. Zu seinen Lebzeiten war Fugger der mit Abstand bedeutendste Kaufmann, Unternehmer und Bankier. Wie seine Vorfahren, waren Jakob und sein älterer Bruder Ulrich zunächst im Textilhandel tätig. Seine kaufmännische Grundausbildung erhielt Jakob Fugger in Venedig, damals das Finanz- und Handelszentrum Europas. Er hätte kaum einen besseren Ort wählen können. Zurück in Augsburg, ging Jakob daran, seine in Venedig gesammelten Erfahrungen, vor allem die doppelte Buchführung, einzuführen. Die Grundlage seines und des Hauses Fugger Reichtums legte er, als er in den Abbau von Silber in Südtirol einstieg. 

Fugger war nicht nur in der Lage, das nötige Kapital aufzubringen, sondern verstand es auch, den Abbau durch den Einsatz neuester Verfahren wirtschaftlich zu gestalten. Mit den Überschüssen aus seinen diversen Minen gründete Fugger seine Bank. Hauptgeschäftsfeld war das Kreditgeschäft. Hauptabnehmer waren die Fürsten und Könige jener Zeit, vorrangig jedoch das Haus Habsburg, das für seine Kriegsführung permanent auf Kapital, auf Kredite angewiesen war. So entstand über die Jahre eine gegenseitige Abhängigkeit. Fugger wäre ohne die Habsburger nie so reich geworden, die Habsburger hätten ihre Macht ohne Fugger nicht erringen und erhalten können. Daneben eröffnete das Haus Fugger in ganz Europa Kontore und Handelsniederlassungen. Das Korrespondenznetzwerk war für die damalige Zeit äußerst effizient und effektiv. Eine wichtige Schlüsselstellung übernahm dabei der fast ebenso wie Jakob Fugger zur Legende gewordene Matthäus Schwarz. Erst vor wenigen Jahren wurde das Kaufmannsnotizbuch des Matthäus Schwarz aus Augsburg von 1548 publiziert. Es gilt als einzigartiges Dokument aus der Hand eines Kaufmanns aus dem Mittelalter, nur noch mit den Briefen des Hansekaufmanns Hildebrand Veckinchusen vergleichbar. 
Nach Jakobs Tod übernahm sein Neffe Anton Fugger die Geschäfte. Anton führte über die Jahre seinen eigenen Geschäftsstil ein, der sich z.T. deutlich von dem seines Onkels unterschied, ohne dabei weniger erfolgreich zu sein. Anders als sein Onkel investierte Anton große Teile des Vermögens in Immobilien und Ländereien. Noch heute profitieren die Nachkommen der Fugger von dieser wegweisenden und vorausschauenden Entscheidung. Nach dem Tod Anton Fuggers begann jedoch der schleichende Abstieg der Fugger aus der ersten Reihe der Kaufmannsgeschlechter. 
Die Filmdokumentation schlägt einen Bogen zur heutigen durch die Nachwirkungen der Finanzkrise geprägten Zeit. Anders als heute, war es damals noch möglich, sich einen Überblick der wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse zu verschaffen. Jakob Fugger war mit den maßgebenden Persönlichkeiten seiner Zeit, wie Kaiser Maximilian oder auch Luther bekannt. Im Fall Kaiser Maximilians war die Beziehung aus den genannten Gründen besonders eng. Die große Leistung, die herausragende Fähigkeit, das Genie Jakob Fuggers vor allem, bestand nach Aussage der Interviewpartner darin, Teile, Branchen, Technologien und Verfahren im Zusammenhang gebracht zu haben, wie sonst keiner. Für ihn wäre es undenkbar gewesen, Geld mit Geld zu verdienen und nicht mit Gütern. 
Wer sich darüber hinaus für die Geschichte der Fugger interessiert, sollte zu dem, mittlerweile, Standardwerk Kauf dir einen Kaiser. Die Geschichte der Fugger von Günter Ogger oder zu dem ebenfalls lesenswerten Buch Die Fugger von Götz von Pölnitz greifen. 

An die Tradition des Hauses knüpft in gewisser Weise die Fürst Fugger Bank in Augsburg an. 

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