Deutsche Bank versucht sich aus der Strategiefalle zu befreien

Von Ralf Keuper

Die Deutsche Bank versucht erneut mit einem mehr oder weniger radikalen Strategieschwenk den Befreiungsschlag. Wie nicht anders zu erwarten, gehen die Meinungen, was die Erfolgsaussichten betrifft, z.T. weit auseinander.

Friedrich & Welk sind der Ansicht, der Deutschen Bank bleibe nur noch die Alternative Pleite oder Verstaatlichung, der Ökonomie-Professor Alan Kay hält die Deutsche Bank für die wohl schlechteste weltweit. Der Journalist und Dokumentarfilmer Dirk Laabs (“Bad Bank”) ist seit längerem davon überzeugt, dass die Deutsche Bank sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien kann. In der Wirtschaftswoche plädiert Beat Balzli für die Zerschlagung der Deutschen Bank.

Derweil loben andere Kommentatoren den Mut Sewings oder stilisieren Sewing gar zu einem (tragischen) Helden.

Der aktuelle Strategieschwenk ist weniger der Eingebung des Vorstandsvorsitzenden und des AR-Vorsitzenden zu danken, als vielmehr der nackten Notwendigkeit. Welche Alternativen hätte die Bank sonst noch nach den gescheiterten Fusionsgesprächen mit der Commerzbank und ihrem ohnehin stark lädierten Ruf sowie einem Geschäftsmodell, das man auch beim besten Willen nicht als tragfähig bezeichnen kann?

Die Bank befindet sich seit längerem in einer Strategiefalle, in die sie die Fixierung auf das Investmentbanking und die bewusste Vernachlässigung des Heimatmarktes wie auch der Privatkunden geführt hat. Wäre die Zeiten noch so, wie in den 1970er, 1980er und 1990er Jahren, die Bank könnte sich auf ihre Wurzeln besinnen, unnötigen Ballast abwerfen, die Bilanzen über die Jahre bereinigen, und schon wäre die Welt wieder in Ordnung. Nur – so funktioniert das nicht mehr. Auf der einen Seite der Ruf der Bank, der irreparablen Schaden genommen hat, dann das Niedrigzinsumfeld, die diversen Prozesse, und natürlich die stark veränderte Wettbewerbssituation – Stichworte: BigTech und “Digitalisierung”. Die Universalbank alten Stils hat sich, wie auf diesem Blog in den letzten Jahren mehrfach betont wurde, überlebt. Damit werden Befreiungsschläge, die dem alten Muster folgen, ihre Wirkung verfehlen, zumal dann, wenn die betreffende Bank so abgewirtschaftet ist, dass eine erfolgreiche Rettungsaktion nur unter besonders günstigen Umständen Aussicht auf Erfolg hätte. Davon kann jedoch nicht die Rede sein.

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