Von Ralf Keuper

Kaum ein Manage­ment-Buch der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te hat so viel Reso­nanz in Unter­neh­men, Uni­ver­si­tä­ten und der Bera­tungs­bran­che aus­ge­löst, wie The Innovator’s Dilem­ma von Clay­ton Chris­ten­sen. Dar­in kam Chris­ten­sen nach ein­ge­hen­den Unter­su­chun­gen des Inno­va­ti­ons­ver­hal­tens ver­schie­de­ner Bran­chen, ins­be­son­de­re jedoch der Com­pu­ter­in­dus­trie, zu dem Ergeb­nis, dass ehe­ma­li­ge Inno­va­to­ren einer Bran­che nur sehr sel­ten den nächs­ten tief­grei­fen­den Inno­va­ti­ons­schub über­le­ben. Ursäch­lich dafür ist, dass die Unter­neh­men, nach­dem sie ein­mal den Markt mit sog. dis­rup­ti­ven Inno­va­tio­nen umge­krem­pelt haben, dazu über­ge­hen, das Bestehen­de mit­tels inkre­men­tel­ler Inno­va­tio­nen zu bewah­ren. Das wie­der­um führt dazu, dass die gesam­te Orga­ni­sa­ti­on wie auch das umge­ben­de Netz­werk aus Lie­fe­ran­ten, Kun­den und Mit­be­wer­bern sich dem neu­en Modus anpas­sen. Neue Pro­duk­te ber­gen nicht nur die Gefahr, das bestehen­de Ange­bot zu kan­ni­ba­li­sie­ren, sie haben zudem den uner­freu­li­chen Neben­ef­fekt, in der Anfangs­pha­se mehr Geld zu kos­ten als sie ein­brin­gen. Con­trol­ler und Bera­ter sind häu­fig nur zu ger­ne bereit, vor wag­hal­si­gen Inves­ti­tio­nen zu war­nen und statt­des­sen die Ver­bes­se­rung des Bestehen­den mit­tels sog. sus­tai­ning Inno­va­tions zu empfehlen.

Vie­le Unter­neh­men sind seit­dem dem Innovator’s Dilem­ma in der einen oder ande­ren Wei­se zum Opfer gefal­len. Zuletzt Kodak.

Die Ban­ken­bran­che dage­gen ist bis­her kaum bis gar nicht mit dem Innovator’s Dilem­ma in Berüh­rung gekom­men. Wenn Ban­ken aus dem Markt aus­schei­den, wie Her­statt, SMH oder die Schmidt-Bank, dann wegen risi­ko­po­li­ti­scher Fehl­ent­schei­dun­gen und nicht, weil sie einen wich­ti­gen tech­no­lo­gi­schen Wan­del ver­schla­fen hät­ten. Auch die vie­len klei­nen Pri­vat­ban­ken, die in letz­ter Zeit in der Schweiz ihr Geschäft auf­ge­ge­ben oder sich von bestimm­ten Berei­chen getrennt haben, taten dies, weil der regu­la­to­ri­sche Auf­wand zu groß gewor­den ist. Bis­her jeden­falls haben die Ban­ken in ihrer über­wäl­ti­gen­den Mehr­heit noch immer recht­zei­tig auf die neu­en tech­no­lo­gi­schen Her­aus­for­de­run­gen reagiert. Sel­ten sind sie Ear­ly Adop­ter, eher schon Imo­va­to­ren und Anwen­der der Copy-Cat-Metho­de, was kei­nes­wegs abwer­tend gemeinst ist. So kon­ser­va­tiv wie ihre Kun­den in Geld­an­ge­le­gen­hei­ten, so sind auch die Ban­ken in ihrer Geschäftspolitik.…

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