Bankenbranche: Tiefgreifende Marktbereinigung ausgeschlossen?

Von Ralf Keuper

Die vor einigen Tagen vorgestellte Studie von Oliver Wyman, wonach bis zu 90 Prozent der Banken in Deutschland bis zum Jahr 2030 von der Bildfläche verschwinden könnten (Vgl. dazu: Abgesang auf die Banken), ruft Widerspruch hervor. So gibt Dr. Tim Oliver Brandi von Hogan-Lovells zu bedenken:

Voraussetzung für eine Marktbereinigung wäre aber ein einheitlicher Banken-Binnenmarkt. Den gibt es weder auf EU-Ebene, noch gibt es in Deutschland eine politische Mehrheit, das Drei-Säulen-Modell – Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken – abzuschaffen.

Ohne eine Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen ist eine tiefgreifende Marktbereinigung aber ausgeschlossen. Tatsächlich bleiben die rechtlichen Hürden für eine weitergehende Konsolidierung in Deutschland sehr hoch. (in: Hogan-Lovells zweifelt an Oliver-Wyman-Studie: Tiefgreifende Markt­be­reinigung sei ausgeschlossen).

Diese apodiktische Aussage ist jedoch nur unter der Bedingung gültig, dass es tatsächlich die genannten Faktoren sind, die einer tiefgreifenden Marktbereinigung im Wege stehen. Das ist jedoch aufgrund der bereits eingetretenen Veränderung der Branchenstruktur nicht der Fall. Genannt seien die großen digitalen Plattformen, die schon jetzt weite Teile des Banking erobert haben und deren Expansionsdrang noch längst nicht gestillt ist. Das Spielfeld erstreckt sich nicht nur auf die EU oder auf Deutschland – das Banking wurde in den letzten Jahren um eine Abstraktionsschicht ergänzt, die einen großen Einfluss auf die Marktstruktur hat ( Vgl. dazu: Die neue Abstraktions- und Informationsschicht im Banking – das Ende der Banken). Das ist der neue globale Binnenmarkt, auf den die nationale Politik nur begrenzten Einfluss hat. Hier sind Banken nur noch Nebendarsteller.

Kurzum: Das eigentliche Problem liegt auf einer anderen Betrachtungsebene.

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