Wenn ein Unternehmen innerhalb von zwei Jahren seine Belegschaft halbiert, den CEO austauscht, einen BaFin-Sonderbeauftragten dulden muss und zum dritten Mal dreistellige Millionenbeträge von seinem Mehrheitsaktionär einsammelt, dann ist das keine Transformation. Es ist eine fortgesetzte Rettung.
Die Fakten hinter der Erzählung
Steffen Jentsch, seit Jahresbeginn 2026 neuer CEO der Solaris SE, streicht erneut rund 20 Prozent der Stellen – diesmal von einer bereits auf rund 400 Mitarbeiter geschrumpften Belegschaft. 2024 waren unter seinem Vorgänger Carsten Höltkemeyer bereits 270 von 700 Stellen abgebaut worden. Kumuliert hat Solaris damit mehr als die Hälfte seiner Belegschaft verloren. Parallel fließt vom japanischen Großaktionär SBI erneut eine dreistellige Millionensumme – nach der Series-G-Runde Anfang 2025 über 140 Millionen Euro und der Series-F-Runde im März 2024 über 96 Millionen Euro. Seit der Gründung 2015 sind weit über eine halbe Milliarde Euro in Solaris geflossen. Das Ergebnis: 178 Millionen Euro Verlust allein im Jahr 2023, eine gescheiterte Contis-Übernahme, eine BaFin-Strafe wegen verspäteter Geldwäscheverdachtsmeldungen und eine De-facto-Enteignung der Altinvestoren durch die Verwässerung ihrer Anteile.
Die PR-Schere in Reinform
Solaris liefert ein Lehrbuchbeispiel für das Auseinanderklaffen von Kommunikationsintensität und operativer Substanz. Jentsch spricht von „nachhaltigem Wachstum auf Basis regulatorischer Stärke und exzellenter kommerzieller Umsetzung”, von „KI-gestützten Bankmodulen” und einer „API-first-Architektur”, die den europäischen Embedded-Finance-Markt „beschleunigen” werde. Sein CRO Matthias Heinrich – wie Jentsch von flatexDEGIRO kommend – kündigt an, Solaris zum „sichersten und verlässlichsten Partner für Embedded Finance in Europa” zu machen.
Wer die Substanz hinter diesen Formulierungen sucht, stößt auf ein Unternehmen, das seinen Kundenstamm nicht freiwillig umschichtet, sondern verliert. Vivid hat Solaris verlassen, Grover ebenso. De…
