Inhouse Banking – Die Bank im eigenen Haus

Von Ralf Keuper

Beflügelt durch die Finanzkrise und die Fortschritte in der Informationstechnologie, sind in den letzten Jahren einige namhafte Unternehmen dazu übergegangen, eine eigene Bank für die Abwicklung des internen Zahlungsverkehrs und die Innenfinanzierung zu etablieren. Da es sich beim Inhouse Banking nur um Bankgeschäfte mit Mutterunternehmen oder Tochtergesellschaften handelt, sind diese Geschäfte gemäß KWG nicht aufsichtspflichtig, d.h. es ist keine Banklizenz nötig.

Nun ist die Errichtung einer Inhouse Bank natürlich nicht für jedes Unternehmen eine sinnvolle Alternative und auch nicht nötig. Damit sich eine Inhouse Bank lohnt, sollten die folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:

– Mehrere Schwester- und Tochtergesellschaften

– Diverse Geschäfte mit Fremdwährung

– Hohe Liquiditätsüberschüsse oder Finanzierungsbedarf

– hohes Intercompany Zahlungsverskehrsaufkommen (ebd.)

Daneben ist die Unternehmensgröße ein weiteres wichtiges Kriterium. In der Fachpresse wird in dem Zusammenhang ein Mindestumsatz von 500 Mio. € genannt.

Der bekannteste Vertreter des Inhouse-Gedankens hierzulande dürfte wohl Siemens sein. Nur verfügt Siemens inzwischen tatsächlich über eine eigene Bank mit entsprechender Lizenz.

Parallel dazu betreibt Siemens unter dem Dach von Siemens Financial Services jedoch auch eine Inhouse Bank.

Zu den typischen Aufgaben einer Inhouse Bank im Bereich Cash Management zählen

  • Netting (=Optimierung von Zahlungsverkehr durch Gegenverrechnung von konzerninternen Forderungen/Verbindlichkeiten)
  • Payment Factory (=Optimierung von Zahlungsverkehr durch Zentralisierung von Kreditorenzahlungen aller Konzernunternehmen)
  • Cash Pooling (= Zentralisierung von Konzernliquidität, Finanzierung und Veranlagung)

Nun sind diese Tätigkeitsfelder für die Finanzabteilungen großer Konzerne kein Neuland – sie gehören schon seit Jahrzehnten zum Tagesgeschäft. Als Pionier auf dem Gebiet darf  der legendäre Alfred P. Sloan gelten, der bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bei General Motors Verfahren zum Cash Management einführte, die nach wie vor gültig und State of the art sind.

Allerdings standen in der Vergangenheit führende Finanzchefs der Gründung einer eigenen Bank eher ablehnend gegenüber.

So kam der damalige Finanzvorstand des Hoechst-Konzerns, Hans Reintges, zu der Feststellung:

Prototyp der Konzernfinanzierungsgesellschaft ist die konzerneigene Bank. Solche Banken wurden in der Vergangenheit gegründet zur Durchführung von Bankgeschäften des Konzerns, zum Zwecke des konzerninternen Finanzausgleichs und der Bereitstellung insbesondere kurzfristiger Kredite an Tochtergesellschaften (konzerninterne Fremdfinanzierung). Ziel war die Senkung der Kosten von Zahlungsverkehr und Finanzierung. Konzernbanken in diesem Sinne spielen heute für die konzerninterne Finanzierung nur noch eine untergeordnete Rolle. (“Finanzierungsvorgänge und finanzwirtschaftliche Disposition im Konzern”, in: Finanzierungshandbuch, hrsg. von F. Wilhelm Christians)

So ändern sich die Zeiten  ..

Lediglich für den Bereich der Absatzfinanzierung sah Reintges ein lohnendes Betätigungsfeld für konzerneigene Finanzierungsgesellschaften.

Jetzt wäre es natürlich ungerecht, aus der heutigen Perspektive daraus eine Nachlässigkeit abzuleiten. Für die damalige Zeit war die Entscheidung gegen die Gründung einer eigenen Bank wirtschaftlich vernünftig, zumal die regulatorischen Bedingungen andere waren und der Bankmarkt anders organisiert war als heute.

Weiterhin gültig sind dagegen die generellen Aussagen von Reintges zu den Themen Berichtswesen, Cash-Management, Clearing und Bankpolitik. Damit eine Inhouse Bank etabliert werden und die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen kann, müssen die entsprechenden Verfahren und Prozesse vorhanden sein. Ohne eine funktionierende Liquiditätsplanung und ein entsprechendes Berichtswesen wie auch eine flankierende Bankpolitik ist das Vorhaben zum Scheitern verurteilt. Auch die beste IT-Lösung wird daran nichts ändern können. Zuvor sind daher die aufbau- und ablauforganisatorischen Voraussetzungen zu schaffen, sofern sie noch nicht existieren.

Ist dies geschehen oder bereits vorhanden, steht der Einrichtung einer Inhouse Bank, neben der Erfüllung der eingangs erwähnten Voraussetzungen, eigentlich nichts mehr im Wege. Letztendlich ist es eine Frage der Unternehmenspolitik. In der aktuellen Situation, in der Unternehmen bestrebt sind, ihre Abhängigkeit von den Banken zu reduzieren, spricht mehr dafür als dagegen. Gleichwohl darf der Aufwand nicht unterschätzt werden.

Auf jeden Fall sollte nicht gegen die goldene Regel für eine Inhouse Bank verstossen werden, die besagt, nicht von der zugedachten Service-Rolle abzuweichen und sich keinesfalls als Profit-Center zu verstehen.

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Ein Kommentar zu Inhouse Banking – Die Bank im eigenen Haus

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