Eine kleine Stilgeschichte des Banking #4 – Mode, Kunst und Design

Von Ralf Keuper

Der Stilwandel im Banking wird nicht allein von der Technologie oder der Regulatorik beeinflusst; er nimmt auch die Impulse anderer Vertreter des Zeitgeistes in sich auf; wie die Mode, die Kunst oder das Design.

Mode

Wie sehr die Mode unter dem Einfluss der Kunst und des viel zitierten Wertewandels steht, und ihrerseits wiederum auf diese und andere Bereiche einwirkt, hat wie kaum eine andere Ingrid Loschek erforscht, wie in Mode im 20. Jahrhundert. Eine Kulturgeschichte unserer Zeit. Im 20. Jahrhundert waren für die Mode u.a. Stilrichtungen wie der Existenzialismus, Punk, die Pop Art sowie die Pop Musik, und auf gesellschaftspolitischem Gebiet die Emanzipation der Frau, die 68er – Bewegung und die Postmoderne von großer Bedeutung. Parallel zur Aufgeschlossenheit für Neues verlaufen häufig Nostalgie-Wellen mit ihrem Hang zum Retro-Look.

Für die 1980er Jahre hält Loschek fest:

Die Herrenmode ist keineswegs demokratischer geworden, ihr Angebot ist nur vielfältiger und je nach Anlass differenzierter geworden. Dei sogenannten Business-Kleidung unterscheidet sich grundlegend von der variantenreicheren, betont modischen Freizeit- oder Leger – und diese wiederum von der abendlichen Gesellschaftskleidung.

Dieser Befund dürfte für die Bankbranche noch immer zutreffen. In der Startup-Szene dagegen wird ein betont sportlicher und legerer Look gepflegt. Sinnbildlich dafür sind die Turnschuhe.

Die Haute Couture ist, anders als noch in den 1920er und bis in die 1950er Jahre hinein, ein hartes Geschäft geworden. Es dominiert die Standardkonfektion als Antwort auf den Massenmarkt. Im Banking erleben wir, dass die Privatbanken mit ihrem Angebot für die gehobene Kundschaft, wie in der Schweiz, schwer zu kämpfen haben. Ganz allgemein bereitet das Private Banking derzeit nur wenig Freude.  Die Fintech-Startups treten mit dem Anspruch auf, das Banking zu demokratisieren, d.h. Bankdienstleistungen, die bislang nur betuchten Kunden zur Verfügung standen, den Massen zugänglich zu machen. Direktbanken haben unterdessen die Standardisierung auf neue Höhen getrieben.

Kunst / Design

Es ist schwer, eine bestimmte künstlerische Strömung als die dominierende festzustellen. Eine wichtige dürfte der Minimalismus sein, wie aus Minimalismus in der Kunst: Die Kraft der Reduktion hervorgeht. Exemplarisch für diese Stilrichtung ist der iPod von Apple. Dessen Designer Johnathan Iyve nannte als sein Vorbild Dieter Rams, der bei Braun ein Stück Design-Geschichte schrieb. Auf Rams geht u.a. der Satz “Less but better” zurück. Daneben formulierte Rams noch Zehn Thesen für gutes Design.

Im Banking hat das Design einen großen Stellenwert, insbesondere für die “User Experience” und die “Customer Journey”. Der Anwender möchte nicht mit einer Benutzeroberfläche konfrontiert werden, deren Aufbau und Anordnung der Komponenten ihn verwirrt und für ihn nicht intuitiv bzw. nicht selbsterklärend ist.

Nicht alle teilen die Ansicht, dass gutes Design ausreicht, um aus einem Gebrauchsgegenstand ein smartes Produkt zu machen, wie Matteo Kries bemerkt:

Design, ursprünglich einmal mit dem Slogan “less is more” angetreten, ist zu einer Triebfeder der Überflussproduktion geworden, während es zur Lösung der drängenden Probleme – von ökologischen Herausforderungen bis hin zu existenziellen Problemen in Entwicklungsländern – in den letzten zehn Jahren kaum etwas beigetragen hat. Noch nie waren wir von so viel überflüssigen Dingen umgeben wie heute. Und wenn Designer Dinge gestalten, die wir wirklich brauchen, dann sind sie oft so unpraktisch wie eine Zitronenpresse von Philippe Starck.

Es gibt einige Stimmen, die behaupten, dass wir im Fintech-Bereich einen Überfluss an hippen Apps haben, für die kein entsprechender Bedarf auf Kundenseite besteht. Also eher L’art pour l’art statt echte Innovation oder gar Disruption (Vgl. dazu: Fintech als Popkultur).

Erwähnenswert noch die acht Prinzipien der Natur von Frederic Vester, darunter Das Prinzip des biologischen Designs:

Auch diese Regel lässt sich auf Produkte, Verfahren und Organisationsformen gleichermaßen anwenden. Es bedeutet Feedbackplanung mit der Umwelt, Vereinbarkeit von Resonanz mit biologischen Strukturen, insbesondere auch derjenigen des Menschen.

Unter den Kunstrichtungen ist neben der Pop Art noch die Medienkunst (Vgl. dazu: Banking trifft Medienkunst) erwähnenswert, wie sie u.a. von der Volksbank Hamm vor einiger Zeit präsentiert wurde:

Dass die Blockchain auch aus ästhetischen Gesichtspunkten ein beachtenswertes Phänomen ist, versucht Rob Myers mit seiner Blockchain Aesthetics, und Cryptocurrency Art, die man der Konzeptkunst zurechnen kann (Vgl. dazu: (Conceptual) Art, Cryptocurrency and Beyond), zu verdeutlichen.

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