Die neuen Herausforderer und die Banken: Ein Paradebeispiel für die Anwendung der “Indirekten Strategie” ?

Von Ralf Keuper

Das Vorgehen der neuen Herausforderer der Banken trägt immer deutlicher werdende Züge dessen, was in der Militärgeschichte als “Indirekte Strategie” bekannt ist.

Als einer der Urheber dieser Wortschöpfung gilt Basil Liddel Hart.  Die indirekte Strategie oder der indirekte Ansatz verfolgt das Ziel, den Gegner mit geschickten Manövern zu destabilisieren bevor der eigentliche, entscheidende Angriff erfolgt. Eine Schlüsselstellung haben dabei die mobilen Truppen. Beatrice Heuser widmet dem indirekten Ansatz der Strategie in ihrem Buch Den Krieg denken. Die Entwicklung der Strategie seit der Antike mehrere Seiten. Eine gute Einführung in das Thema liefert auch Hans H. Hinterhuber in seinem Buch Wettbewerbsstrategie. Wichtigstes Element des indirekten Ansatzes der Strategie ist der Überraschungseffekt.

Der Überraschungseffekt dürfte mittlerweile nicht mehr zum Tragen kommen, dafür ist die Bedrohung zu offensichtlich. Ansonsten sind die Parallelen nicht zu übersehen.

Nur wenige der Herausforderer, wie die meisten FinTech-Startups, geben offen zu, die Banken in wichtigen Funktionen ersetzen zu wollen. Demgegenüber vermeiden die großen Herausforderer, wie die Internetkonzerne, Kreditkarten- und Telekommunikationsunternehmen die direkte Konfrontation. Stattdessen betonen sie, keine Avancen zu haben, in den Kern des Bankgeschäfts vorzustoßen, zumal die Regulierung diesen Zug nicht sonderlich attraktiv macht. Einige, wie Francisco Gonzales von der BBVA, sind davon überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Herausforderer ihre Zurückhaltung ablegen und gezielt in das Kerngeschäft eindringen.

Die Rolle der mobilen Truppen, d.h. der Infanterie und Kavallerie, übernehmen – im übertragenen Sinn –  derzeit die technisch gut ausgerüsteten FinTech-Startups. Jedoch reicht ihre Stosskraft allein nicht aus, um die gegnerische Stellung einzunehmen. Hierfür bedarf es schwerer Artillerie – das wären dann die großen Player wie Amazon, Apple, Google, Alibaba, facebook & Co. Eine große Bedeutung haben auch Allianzen, wie sie derzeit an vielen Stellen im Banking, vorrangig im Bereich Mobile Payments, gebildet werden.

So weit hergeholt ist das Szenario nicht. Der Ansatz des Strategic Wargaming erfreut sich in den letzten Jahren in der Wirtschaft und in der Beratung wachsender Beliebtheit – wie das Center of Strategic Business Wargaming der Universität Karlsruhe, die FH Dortmund oder Roland Berger zeigen.

Um nicht missverstanden zu werden: Es geht hier ausdrücklich nicht darum, einem martialischen Denken im Banking das Wort zu reden – mitnichten. Auch nicht, den Herausforderern im Banking kriegerische Absichten oder eine koordinierte Vorgehensweise zu unterstellen. Wer die Geschichte der Strategie kennt, weiss aber, dass sie ihren Ursprung im Militärwesen hat. Ein Punkt auf den neben Beatrice Heuser und Hans H. Hinterhuber auch Walter Kiechel in seinem Buch The Lords of Strategy hinweist.

Es kann daher nicht schaden, sich mit dem Thema etwas näher zu beschäftigen, da es helfen kann, aktuelle Entwicklungen im Banking besser einzuschätzen und zu bewerten. Die neueren Entwicklungen wie die Sharing oder Collaboration Economy weisen darauf hin, dass die Kooperation, nicht Konfrontation in Zukunft der Schlüssel zum Erfolg ist. Aber auch hier kommt man nicht ganz ohne strategisches Denken aus.

Letztendlich geht es um das Erkennen der Weak Signals, der schwachen Signale, um die Strategischen Wendepunkte (Andy Grove) zu antizipieren.

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