Die Bayerische Vereinsbank im Dritten Reich – Kein Widerstand, aber Resistenz

Von Ralf Keuper
Es ist allgemein bekannt, dass die deutsche Wirtschaftselite, wie die anderen führenden Gesellschaftsschichten auch, sich während der NS-Zeit nicht mit Ruhm bekleckert hat. Zu den wenigen Ausnahmen zählen Berthold Beitz und Ernst Leitz. Unter den Bankiers jener Zeit  ist vor allem Max Warburg zu nennen, der 75.0000 Juden vor den Nazis rettete. 
In den vergangenen Jahren hat die Zahl von Veröffentlichungen, die sich kritisch mit der Vergangenheit der deutschen Banken währen der NS-Zeit beschäftigen, deutlich zugenommen. Als Beispiele hierfür sind zu nennen Die Deutsche Bank und die „Arisierung“ von Harold James, der Gastvortrag Die Banken im Dritten Reich – was wir heute darüber wissen und wie sich der Umgang der Banken mit ihrer Geschichte verändert hat von Johannes Bähr aus dem Jahr 2011 sowie das Buch Bankiers unterm Hakenkreuz von Christopher Kopper, Sohn von Hilmar Kopper
Die Ergebnisse fielen ernüchternd aus. 
Da fällt die Geschichte der Bayerischen Vereinsbank in positiver Hinsicht aus dem Rahmen, wie Joachim Käppner und Andrea Rexer in der Süddeutschen Zeitung vom 14.01.15 in Erstaunlich resistent schreiben.
Darin nehmen die beiden Autoren Bezug auf die Forschungen des Münchener Historikers Horst Möller, der die Geschichte der Vereinsbank untersuchte, und dabei zu auch für ihn überraschenden Ergebnissen kam, wie auch die Abendzeitung in Vereinsbank: Kein Widerstand, aber Resistenz berichtet. Zwar sei die Vereinsbank kein Hort des Widerstands gewesen, jedoch habe sie die ihr zur Verfügung stehenden Mittel passiven Widerstands bis zur Grenze genutzt. 
Zentrale Figur war ausgerechnet der Anti-Demokrat und Nationalist Paul Reusch, damals als Chef der Gutehoffnungshütte und Kopf der Ruhrlade einer der einflussreichsten Industriellen Deutschlands. Reusch war bis zu seiner Abberufung durch die Nazis im Jahr 1938 lange Jahre Aufsichtsratsvorsitzender der Bank. In den 1930er Jahren hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass die Vereinsbank bei der „Arisierung“ jüdischen Vermögens ausgesprochen zurückhaltend agierte. Für eine Glorifizierung der Person von Paul Reusch besteht dennoch keinerlei Anlass, wenngleich seine Rolle im Fall der Vereinsbank ein vergleichsweise positives Licht auf seine Person wirft. Reusch hat über die Münchener Neuesten Nachrichten während der Zeit der Weimarer Republik die noch junge Demokratie bekämpft, wie u.a. aus Paul Reusch und die „Münchener Neuesten Nachrichten“ hervorgeht. 
In dem Buch Das Bankhaus M.M. Warburg & Co. 1798-1938 schildern E. Rosenbaum und A.J. Sherman eine Begebenheit, die zeigt, dass sich unter den Banken noch andere Beispiele (offenen) Widerstands gegen das NS-Regime finden lassen, wie sich den folgenden Zeilen entnehmen lässt:

Als man Max M. Warburg seinen Aufsichtsratssitz in dem von ihm mitgegründeten Hamburger Wirtschaftsdienst nahm, wurde ihm die Mitteilung durch einen ganz jungen Angestellten gemacht, der ihm nicht einmal bekannt war; in verschiedenen anderen Fällen war ein kurzgehaltener Brief die einzige Belohnung für viele Jahre fruchtbarer Zusammenarbeit. Nur in einem einzigen Fall, nämlich bei dem Kieler Institut für Seeverkehr und Weltwirtschaft, kam es zu einem Solidaritätsbekenntnis durch zwei andere Vorstandsmitglieder, die ihrer Empörung über die neuen Maßnahmen Ausdruck verliehen, indem sie gemeinsam mit Warburg zurücktraten. 

Angesichts der bisherigen Forschungsergebnisse zur Geschichte der Vereinsbank kann man sich, trotz den genannten Einwände, den Worten von Horst Möller nur anschließen: 

Ich war überrascht und auch beeindruckt. 

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