Die offi­zi­el­le Erzäh­lung lau­tet: Die EZB hat die Beden­ken der Ban­ken adres­siert, der Wider­stand gegen den digi­ta­len Euro ist gewi­chen. Ein Blick auf die tat­säch­li­che Gemenge­la­ge – strit­ti­ge Kos­ten­schät­zun­gen, nach­träg­lich umge­deu­te­te Ver­bands­po­si­tio­nen und ein Par­al­lel­pro­jekt, das genau für den Fall vor­ge­hal­ten wird, dass die Noten­bank schei­tert – zeich­net ein weni­ger geord­ne­tes Bild.


Es ist eine beque­me Erzäh­lung: Die EZB und die euro­päi­schen Gesetz­ge­ber hät­ten die zen­tra­len Ein­wän­de der Kre­dit­wirt­schaft auf­ge­nom­men, das Pro­jekt ent­spre­chend nach­jus­tiert, und die Insti­tu­te betei­lig­ten sich nun aus eige­nem Inter­es­se. Kein Umge­stimmt­wer­den also, son­dern ein ratio­nal nach­voll­zieh­ba­rer Inter­es­sen­aus­gleich. Die­se Les­art hat einen Schön­heits­feh­ler: Sie setzt vor­aus, dass die drei zen­tra­len Streit­punk­te – Kos­ten, Dis­in­ter­me­dia­ti­ons­ri­si­ko, Ver­bands­po­si­ti­on – tat­säch­lich geklärt sind. Bei genaue­rem Hin­se­hen ist kei­ner von ihnen das.

Die Kos­ten­fra­ge ist nicht ent­schie­den, son­dern strittig

Dass die EZB-Schät­zung von rund 3 Pro­zent des jähr­li­chen IT-War­tungs­bud­gets – vor­ge­tra­gen von EZB-Direk­to­ri­ums­mit­glied Pie­ro Cipol­lo­ne vor einem ita­lie­ni­schen Par­la­ments­aus­schuss – nied­ri­ger aus­fällt als ursprüng­lich befürch­tet, ist rich­tig zitiert. Was in der glat­ten Erzäh­lung fehlt: Im Auf­trag der euro­päi­schen Ban­ken­ver­bän­de EBF, EACB und ESBG kam eine PwC-Stu­die im sel­ben Zeit­raum auf Gesamt­kos­ten von 18 bis 30 Mil­li­ar­den Euro – das Fünf- bis Sie­ben­fa­che der EZB-Zahl. Die EZB wie­der­um wies die PwC-Stu­die als metho­disch man­gel­haft zurück (begrenz­te Daten­ba­sis von 19 Insti­tu­ten, unbe­leg­te Zusatz­kos­ten von 12 Mil­li­ar­den Euro). Der Deut­sche Spar­kas­sen- und Giro­ver­band ließ über sei­nen geschäfts­füh­ren­den Vor­stand Joa­chim Schmalzl ver­lau­ten, die­se Kos­ten „in Zei­ten mul­ti­pler Her­aus­for­de­run­gen zu schul­tern, ohne dass dar­aus ein ech­ter Nut­zen ent­steht”, sei „nicht ver­mit­tel­bar”. Das ist kei­ne Posi­ti­on, die sich mit einer ent­kräf­te­ten Kos­ten­fra­ge ver­trägt – es ist ein offe­ner Ver­tei­lungs­streit zwi­schen Auf­sicht und Auf­sichts­ob­jek­ten dar­über, wes­sen Zah­len als Dis­kus­si­ons­grund­la­ge gel­ten. Die For­mu­lie­rung, die Kos­ten sei­en „deut­lich nied­ri­ger als befürch­tet”, über­nimmt damit unkom­men­tiert eine Sei­te die­ser Auseinandersetzung.

Der Ver­band gibt nicht nach, er schreibt sei­ne Geschich­te um

Auf­schluss­rei­cher ist ein ande­rer Befund. Als sich Anfang Juni 2026 die Hela­ba und der Pay­ment-Dienst­leis­ter Payo­ne – bei­de der Spar­kas­sen-Finanz­grup­pe zuzu­rech­nen – für die Pilot­pha­se des digi­ta­len Euro bewar­ben, wirk­te das im Bran­chen­dienst Pay­ment & Ban­king wider­sprüch­lich: Aus­ge­rech­net die Ver­bän­de, die den digi­ta­len Euro am lau­tes­ten bekämpft hat­ten, gaben nun ope­ra­tiv klein bei. Auf Anfra­ge bestritt der DSGV jeden Wider­spruch – die Bewer­bung sei in Abstim­mung mit der Spar­kas­sen-Finanz­grup­pe erfolgt, man sei ohne­hin „immer kon­struk­tiv kri­tisch” gegen­über dem Pro­jekt gewe­sen. Die­se For­mu­lie­rung ver­dient Auf­merk­sam­keit: Aus einer Posi­ti­on, die Jah­re öffent­lich­keits­wirk­sa­mer Ableh­nung ein­schloss, wird im Rück­blick eine durch­ge­hend kon­struk­ti­ve Beglei­tung. Das ist das­sel­be Mus­ter nach­träg­li­cher Umdeu­tung, das sich auch bei ande­ren Insti­tu­ten beob­ach­ten lässt, wenn eine frü­he­re Linie in der Pra­xis auf­ge­ge­ben, in der Außen­dar­stel­lung aber als Kon­ti­nui­tät prä­sen­tiert wird – nicht als Kurs­wech­sel, son­dern als kon­se­quen­te Fort­füh­rung einer angeb­lich immer schon dif­fe­ren­zier­ten Haltung.

Wero als Rück­ver­si­che­rung, nicht als über­hol­tes Konkurrenzprodukt

Auch die For­mu­lie­rung, ein offe­ner Stan­dard „hel­fe” pri­va­ten Lösun­gen, effi­zi­en­ter zu wer­den, blen­det aus, dass DSGV und BVR selbst maß­geb­lich an einer sol­chen pri­va­ten Lösung betei­ligt sind: Wero, betrie­ben von der Euro­pean Pay­ments Initia­ti­ve (EPI). Deren Che­fin Mar­ti­na Wei­mert ver­trat zuletzt öffent­lich eine Rol­len­tei­lung – der digi­ta­le Euro sol­le als digi­ta­les Bar­geld kom­men, sich aber auf bestehen­de Lösun­gen wie Wero stüt­zen, statt mit ihnen zu kon­kur­rie­ren. Wie in einer frü­he­ren Ana­ly­se die­ser Posi­ti­on bereits her­aus­ge­ar­bei­tet, han­delt es sich dabei um die Stel­lung­nah­me einer Wett­be­wer­be­rin im eige­nen regu­la­to­ri­schen Inter­es­se, nicht um einen neu­tra­len Befund – zumal EPI 2024 selbst einen Ver­lust von über 50 Mil­lio­nen Euro aus­wies und nach eige­ner Aus­sa­ge bis 2030 auf wei­te­res Kapi­tal ange­wie­sen ist, bevor Pro­fi­ta­bi­li­tät über­haupt rea­lis­tisch wird. Der DSGV posi­tio­niert auf sei­ner eige­nen Web­site wei­ter­hin die Sor­ge, ein digi­ta­ler Euro „ohne Anbin­dung an das eige­ne Bank- oder Spar­kas­sen­kon­to” kön­ne „weder nütz­lich noch all­tags­taug­lich” sein. Die­se For­mu­lie­run­gen stam­men nicht aus der Zeit vor der angeb­li­chen Kehrt­wen­de, son­dern lie­fen zeit­gleich mit der Pilot­be­wer­bung. Das lässt sich schwe­rer als abge­schlos­se­ne Aus­söh­nung lesen denn als Dop­pel­stra­te­gie: ope­ra­ti­ve Betei­li­gung am EZB-Pro­jekt, um Ein­fluss auf des­sen Aus­ge­stal­tung zu behal­ten, bei gleich­zei­ti­gem Aus­bau einer eige­nen Alter­na­ti­ve, die finan­zi­ell selbst noch auf unsi­che­rem Fun­da­ment steht.

Das aus­ge­spar­te Motiv: Zah­lungs­ver­kehrser­trä­ge und Einlagen

Was in der glat­ten Erzäh­lung eben­falls fehlt, ist eine nüch­ter­ne Benen­nung des­sen, wor­um es den Ban­ken eigent­lich geht. Jor­im Ger­rard von der Bür­ger­be­we­gung Finanz­wen­de, die den Lob­by­is­mus zum digi­ta­len Euro über Jah­re doku­men­tiert hat, bringt es im Gespräch mit netzpolitik.org auf den Punkt: Ban­ken fürch­ten um ihre Pro­fi­te – sowohl um die Erträ­ge aus dem Zah­lungs­ver­kehr als auch um mög­li­che Ein­la­ge­ab­flüs­se. In Deutsch­land stam­men rund elf Pro­zent der Ban­ke­ner­trä­ge aus dem Zah­lungs­ver­kehr. Ger­rard beschreibt zudem, wie Ban­ken in Posi­ti­ons­pa­pie­ren und Inter­views mit „aben­teu­er­li­chen Zah­len” zu den öko­no­mi­schen Effek­ten ope­riert und wie­der­keh­rend mit dem Nie­der­gang klei­ner Geld­häu­ser und Finanz­markt­cha­os argu­men­tiert hät­ten. Die­se Ein­ord­nung ver­trägt sich schlecht mit einer Erzäh­lung, in der die Insti­tu­te ledig­lich auf sach­lich berech­tig­te Ein­wän­de reagiert haben, die die EZB dann kon­struk­tiv auf­ge­nom­men habe. Sie legt eher nahe: Der zen­tra­le Streit­punkt war und ist ein Ver­tei­lungs­kon­flikt um Zah­lungs­ver­kehrser­trä­ge, kein pri­mär tech­ni­sches Umsetzungsproblem.

Immer­hin lässt sich ein rea­ler Punkt für die Ban­ken ver­bu­chen: Was zu Beginn der Debat­te als Opti­on offen­stand – dass Zah­lun­gen mit dem digi­ta­len Euro ganz an den Ban­ken vor­bei­lau­fen könn­ten –, ist inzwi­schen vom Tisch. Die Zah­lun­gen wer­den über die Insti­tu­te abge­wi­ckelt. Inso­fern trifft der Aus­gangs­text im Kern zu, dass die Ver­mitt­ler­rol­le der Ban­ken gesi­chert wur­de – nur eben nicht, weil die EZB dies aus eige­nem Antrieb „klar­ge­stellt” hät­te, son­dern weil es ein hart erkämpf­tes Ver­hand­lungs­er­geb­nis der Ban­ken­lob­by war.

Die Hal­teli­mits sind kein gelös­tes Detail, son­dern der nächs­te Streitpunkt

Auch die Dar­stel­lung, es gebe „Höchst­gren­zen für Gut­ha­ben, die ver­hin­dern sol­len, dass in gro­ßem Umfang Ein­la­gen abflie­ßen”, sug­ge­riert einen bereits abge­schlos­se­nen Schutz­me­cha­nis­mus. Tat­säch­lich ist die kon­kre­te Ober­gren­ze bis heu­te nicht fest­ge­legt. Das EU-Par­la­ment hat im Juni 2026 ledig­lich beschlos­sen, dass die EZB der Kom­mis­si­on einen tech­ni­schen Bericht mit einer emp­foh­le­nen Ober­gren­ze vor­le­gen soll, auf des­sen Grund­la­ge die Kom­mis­si­on dann per dele­gier­tem Rechts­akt eine Ober­gren­ze defi­niert – inner­halb derer die EZB das end­gül­ti­ge Hal­teli­mit fest­setzt. Selbst inner­halb der EVP-Frak­ti­on besteht hier­über kei­ne Einig­keit, wie aus der par­la­men­ta­ri­schen Bericht­erstat­tung her­vor­geht. Der Grund­kon­flikt ist struk­tu­rell: Ein zu hohes Limit gefähr­det aus Ban­ken­sicht die Ein­la­gen­ba­sis, ein zu nied­ri­ges Limit macht den digi­ta­len Euro aus Sicht der EZB und von Fach­leu­ten unat­trak­tiv. Die­se Abwä­gung ist ein poli­tisch noch zu ver­han­deln­der Ziel­kon­flikt, kei­ne bereits voll­zo­ge­ne Schutzmaßnahme.

Wie kon­kret die Ban­ken­sei­te dabei nach­zu­hel­fen ver­such­te, zei­gen inter­ne Doku­men­te, die die NGO Finanz­wen­de über eine Anfra­ge nach dem Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz erhal­ten hat: Die Deut­sche Bank for­der­te in einem 44-sei­ti­gen Papier an die deut­sche EU-Ver­tre­tung in Brüs­sel (August 2025) ein Gut­ha­ben­li­mit „im nied­ri­gen 3‑stelligen Bereich – ähn­lich einem typi­schen Bar­geld-Betrag im Porte­mon­naie eines Bür­gers”, und wand­te sich zudem gegen star­re Gebüh­ren­ober­gren­zen. Ähn­li­che Schrei­ben gin­gen von UniCre­dit, ING und der DZ Bank ein. Das Hal­teli­mit ist damit kein neu­tra­ler tech­ni­scher Para­me­ter, über den EZB und Kom­mis­si­on unab­hän­gig ent­schei­den, son­dern selbst Gegen­stand des­sel­ben Inter­es­sen­kon­flikts, den die Kos­ten­de­bat­te bereits offen­ge­legt hat.

Lob­by­is­mus mit Transparenzlücken

Bri­sant an die­sen Doku­men­ten ist nicht nur ihr Inhalt, son­dern ihre Her­kunft: Finanz­wen­de zufol­ge waren meh­re­re der über 380 Sei­ten an E‑Mails, Posi­ti­ons­pa­pie­ren und Ände­rungs­vor­schlä­gen nicht im Lob­by­re­gis­ter des Bun­des­tags erfasst – dar­un­ter Unter­la­gen der Deut­schen Bank sowie ein gemein­sa­mes Schrei­ben von BVR und DSGV an Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te. Finanz­wen­de hat des­halb Beschwer­de bei der zustän­di­gen Bun­des­tags­ver­wal­tung ein­ge­legt und ver­mu­tet einen Ver­stoß gegen das Lob­by­re­gis­ter­ge­setz; die betrof­fe­nen Insti­tu­te ver­wei­sen dar­auf, ihre grund­sätz­li­che Posi­ti­on sei ohne­hin im Regis­ter hin­ter­legt und zusätz­li­che Aus­ar­bei­tun­gen müss­ten nicht geson­dert ein­ge­reicht wer­den. Kevin Küh­nert, der bei Finanz­wen­de inzwi­schen den Bereich Lob­by­is­mus ver­ant­wor­tet, for­mu­liert den Kern der Kri­tik nicht als Angriff auf Lob­by­ar­beit an sich: „Wenn Ban­ken einen star­ken digi­ta­len Euro ver­hin­dern wol­len, um ihre eige­nen Gewin­ne zu schüt­zen, dann kön­nen sie das tun. Vor­aus­set­zung ist aber, dass sie es öffent­lich tun.” Ergän­zend dazu eine struk­tu­rel­le Beob­ach­tung von Finanz­wen­de: Von 68 Lob­by­tref­fen der EU-Kom­mis­si­on zum digi­ta­len Euro zwi­schen Janu­ar 2022 und Juni 2023 fan­den 58 mit der Finanz­lob­by statt, nur eines mit Zivil­ge­sell­schaft und zwei mit dem Ein­zel­han­del. Auch das rela­ti­viert die Vor­stel­lung eines aus­ge­wo­ge­nen Inter­es­sen­aus­gleichs, aus dem das heu­ti­ge Regel­werk her­vor­ge­gan­gen ist.

Was das für die Aus­gangs­the­se bedeutet

Kei­ner die­ser Befun­de wider­legt, dass sich die Betei­li­gung der Kre­dit­wirt­schaft am digi­ta­len Euro seit 2023 tat­säch­lich ver­än­dert hat – Bewer­bun­gen für die Pilot­pha­se sind ein beob­acht­ba­rer Fakt, kei­ne Behaup­tung. Was sich nicht hal­ten lässt, ist die glat­te­re Ver­si­on dahin­ter: dass die zugrun­de lie­gen­den Kon­flik­te gelöst wur­den und die Betei­li­gung Aus­druck eines abge­schlos­se­nen Inter­es­sen­aus­gleichs sei. Die Kos­ten­fra­ge bleibt zwi­schen EZB und Ban­ken­ver­bän­den strit­tig, nicht geklärt. Die Ver­bands­rhe­to­rik hat sich weni­ger inhalt­lich ver­scho­ben als retro­spek­tiv neu gerahmt. Und die par­al­le­le Bin­dung an Wero deu­tet eher auf stra­te­gi­sches Hedging als auf voll­zo­ge­ne Über­zeu­gungs­ar­beit hin. Hin­zu kommt: Zen­tra­le Streit­punk­te wie das Hal­teli­mit sind noch gar nicht ent­schie­den, und das nach außen kom­mu­ni­zier­te Haupt­mo­tiv – Schutz der Geschäfts­mo­del­le – lässt sich, folgt man der Ein­ord­nung von Finanz­wen­de, prä­zi­ser als Ver­tei­di­gung kon­kre­ter Zah­lungs­ver­kehrser­trä­ge beschrei­ben, ver­folgt teils über Kanä­le, deren Offen­le­gungs­pflicht selbst umstrit­ten ist. Vor­läu­fig lässt sich fest­hal­ten: Die Kre­dit­wirt­schaft betei­ligt sich am digi­ta­len Euro – aber aus einer Posi­ti­on der Absi­che­rung nach meh­re­ren Sei­ten, nicht aus einer, in der der frü­he­re Wider­stand tat­säch­lich sei­ne Grund­la­ge ver­lo­ren hätte.

Adden­dum: Wie sich der­sel­be Streit auf der prak­ti­schen Ebe­ne wiederholt

Dass die Kos­ten­fra­ge unge­klärt bleibt und Betei­li­gung nicht das­sel­be ist wie inhalt­li­che Über­zeu­gung, zeigt sich auch dort, wo die Debat­te nicht mehr zwi­schen Ver­bän­den und EZB, son­dern zwi­schen ein­zel­nen Prak­ti­kern geführt wird. Unter einem Lin­ke­dIn-Bei­trag zur Bewer­bung von DZ Bank, Hela­ba und Payo­ne für die Pilot­pha­se tra­fen zwei gegen­sätz­li­che Schluss­fol­ge­run­gen auf­ein­an­der, die exakt die­sel­be Zah­len­ba­sis – 18 bis 30 Mil­li­ar­den Euro laut Ban­ken­ver­bän­den gegen­über 4 bis 5,8 Mil­li­ar­den Euro laut EZB – zugrun­de leg­ten. Der Regio­nal­ban­ker Chris­toph Klein argu­men­tier­te für die Teil­nah­me, aller­dings weni­ger aus inhalt­li­cher Über­zeu­gung als aus einer stra­te­gi­schen Über­le­gung: Der Bezahl­mo­ment ist den Insti­tu­ten bereits an Apple und Pay­Pal ent­glit­ten, wer am Ver­hand­lungs­tisch zu Wal­let, Hal­teli­mits und Gebüh­ren­mo­dell nicht sitzt, bekommt nur das Ergeb­nis zuge­stellt. Bemer­kens­wert ist, dass er Teil­nah­me und inhalt­li­che Bewer­tung expli­zit trennt – die Bewer­bung sei rich­tig „ganz unab­hän­gig davon, wie man inhalt­lich zur Sache steht”. Chris­toph Becker, Pro­fes­sor für Finanz­ma­the­ma­tik und Sto­chas­tik an der Hoch­schu­le Darm­stadt, wider­sprach grund­sätz­lich: Pro­gram­mier­ba­res Zen­tral­bank­geld ber­ge poli­ti­sches Miss­brauchs­po­ten­zi­al, der tat­säch­li­che Gestal­tungs­ein­fluss ein­zel­ner Regio­nal­ban­ken dürf­te begrenzt blei­ben, und eine Teil­nah­me ent­wer­te die eige­ne Ver­hand­lungs­macht, die aus der Markt­re­le­vanz der Regio­nal­ban­ken resultiere.

Sein drit­ter Punkt – „ohne sie fällt der digi­ta­le Euro ins Was­ser” – lässt sich mit einem Ein­wand kon­fron­tie­ren, den Becker selbst nicht anspricht: Das Argu­ment setzt vor­aus, dass der digi­ta­le Euro wie ein pri­vat­wirt­schaft­li­ches Pro­dukt schei­tert, sobald nie­mand einen Grund zur Nut­zung hat – ein Mus­ter, das sich bei Pay­di­rekt zeig­te, das an feh­len­der frei­wil­li­ger Markt­durch­drin­gung schei­ter­te. Der digi­ta­le Euro ist jedoch, anders als Pay­di­rekt, nicht in ver­gleich­ba­rem Maß auf frei­wil­li­ge Markt­durch­drin­gung ange­wie­sen, weil eine gesetz­li­che Händ­ler­ak­zep­tanz­pflicht vor­ge­se­hen ist. Sei­ne ers­ten bei­den Ein­wän­de – Miss­brauchs­po­ten­zi­al und begrenz­ter Gestal­tungs­ein­fluss – tra­gen dage­gen wei­ter, ohne dass sich der Dis­put an den Zah­len selbst ent­zün­det: Bei­de Kom­men­ta­to­ren reagie­ren auf den­sel­ben unge­klär­ten Daten­stand, nur mit ent­ge­gen­ge­setz­ten Risi­ko­prä­fe­ren­zen. Das bestä­tigt im Klei­nen, was sich auf Ver­bands­ebe­ne im Gro­ßen zeigt: Der Streit um den digi­ta­len Euro ist längst kein Streit mehr über Fak­ten, son­dern einer über deren Konsequenzen.

Ralf Keu­per


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